Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 16 (19.4.1934)
- Date
- 1934-04-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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j Nummer 16 2. Beiblatt dor G-V.-Zoftung 19. April 1934' 1 | \ } I I \ j! i i t f j [ Die Frau von Rabbi Pinchas kaufte einmal einen vergoldeten Kidduschbeä^r. Als der Rabbi Freitag abends den Becher erblickte, ries er seiner Frau erregt zu: „Seit Mnn sind in meinem Hause yoldene Geräte?" „Lieh", rechtfertigte sie sich, „es ist kein echter, sondern ein vergoldeter Messingbecher." „Dann", sprach er, „hast du nicht bloß Hochmut, sondern auch Lüge und Falschheit ins Haus gebracht!"; er wollte den Becher zu der heiligen Handlung nicht benützen. In dieser Geschichte liegt sehr viel Weisbcit. Ente und eine ganze Lebensphilosophie. Niemals war es notwendiger als heute, sich ihren Sinn fest einzuprägen und ihre Lehre zu befolgen. Tenn heute hat sich manches ttbcnstt'iveau in ein vergoldetes verwandelt, das noch gestern sechzehnkarätig war, heute hängen die vergoldeten Bleigewichte der Vorurteile. Gewohnheiten und des falschen Ehrgeizes an unseren Füßen, die noch gestern gerade g"t genug waren, unseren Lebensiutllen zn beflügeln. Es stehen noch viele vergoldete Kidduschbecher in den Vitrinen der Speisezimmer, es wellen noch viele nicht glauben, daß ein ehrliches Messingdasein leichter und beglückender ist, als ein dünn vergoldetes. Man könnte mutig genug sein, zu behaupten. daß dieses beglückende Messingdasein seinen Anfang nähme, wenn zuerst einmal das erdrückende, vornehme Wort Speisezimmer aus unserem Vokabularium verschwände. Mit ihm die Vorstellung, daß das Lcbm erst dann erträglich sei, wenn sich zu dem vierundzwanzigteiligen Eßservice Fischbestecke und Eislössol, Sektschläger und Kelchgläser gesellen, und die Krone der Schöpfung tot und grün und gelb und schwer geschliffene SlöBigr feien, aus denen man aus Ehrfurcht m der leicht Zerbrechlichen Pracht je doch nieim!3 trinkt. Das wäre das erste, und bernahe fm man behaupten, das schwerste Bleigewicht, das über Bord geworfen werden muß. Was dann kommt, ist einfach. Man hat kein Speisezimmer mehr, man speist nicht mehr, Kelchgläser, in denen kein Sekt mehr perlen könnte, stehen nirgends erinnerungsschwer herum, kurz, man ißt sehr vergnügt Md mit dem glänzendsten Appetit an dem Mdsn Tisch, in dem Hellen Wohnzimmer. Der runde Tisch sicht nicht mehr mit dreihundert Kilogramm Lebendgewicht unverrückbar bis ans Ende der vierten Generation in der Mitte des Gemaches, über ihm schwebt nicht mehr die weit ausladende, leuchtende 5rone, die Dimensionen des Büfetts sind nicht mehr die einer SchneNzugslokomotive, seine Formen nicht mehr einem antiken Tempel und emer Barockkirche angepaßt. Es fehlen auch die schmiedeeisernen Gitter an den Glasvitrinen, die niemals Versatzstück in einem Heldens:lm gewesen sind. Und die Wand mit der hellen, sonnigen Tapete sollte sich was schämen! Wo hängt das Stilleben Nr. 1 mit Zwiebel, Ananas und zartem Spargel aus getriebener Silberschüssel, das Stilleben Nr. 2 mit dem Glas Milch, der goldgelben Butter, dem rosigen Schinken und dem Feldblumenstrauß, das Stilleben Nr. 3, dessen Hauptmotiv, ein trauriges Perlhuhn, feinen Kops blutend über die Tischkante hängen läßt? Wozu ist die Wand überhaupt da, und warum ist sie eigentlich nicht dunkelviolett? Die Wand ist da, um nicht da zu sein, d. h. um sich möglichst wenig bemerkbar zu, machen, um möglichst wenig auszufallen. Je' Heller sie ist, und je mehr Fläche sie den Fenstern einränmt, desto charaktervoller ist die Manch desto mehr verbindet sie das Drinnen mit dem Draußen, wo der blaue Himmel glänzt und die Bäume wachsen. Der runde Tisch steht in der Ecke, er ist für vier Personen und kann mit Leichtigkeit im Augenblick für acht vergrößert werden. Wenn Gäste kommen, sitzen sie mit Vorliebe aus der Couch, essen Aepfel aus der Hand und benehmen sich überhaupt so, daß man ihnen am liebsten das Feld räumen möchte, weil sie sich hier mehr als bei sich zuhause fühlen. Am Fenster wächst viel Grün, es ist wie der Urwald selbst, vor dem Urwald liegt ein gelblicher Strohläufer, darauf stehen die niedrigen Hocker, und wenn die Sonne hineinscheint, gibt es nichts Vergnügteres und Unseriöseres als Zimmer, Gäste und Gastgeber. Niemand hat bedauerlicherweise Sehnsucht nach der Vornehmheit einer Speisezimmerpracht, nach den vergoldeten Kidduschbechern. Wie einfach ist es eigentlich, die Menschen die Freude an dem ehrlichen Messingniveau zu lehren, ohne daß der Unterricht beschwerlich wäre oder viel Aufhebens von sich machte. Alles, was selbstverständlich und natürlich ist, leuchtet dem Menschen ein, alles, was ehrlich ist. Es ist nur nicht immer einfach, die Ehrlichkeit zu finden, die Verlogenheit zu entdecken und zu verbannen. Es hat geraume Zeit gedauert, bis man fand, daß es unmoralisch sei, Holz wie Marmor anzustreichen und mit einer künstlichen Palme Wintergarten- Vornehmheit von Fürftenhösen vorzutäuschen. Es wird wieder eine Zeitlang dauern, bis man einsehen wird, daß die Nepräsentaticmeiner Vierzehn-Zimmer-Wohnung nur vergoldet, also unecht und beschwerlich, in der Drei-Zimmer-Wohnung sortzusetzen ist. Es ist wohl das Schwerste, aber gleichzeitig das Vortrefflichste, den richtigen Maßstab zu findet:, die Harmonie zwischen Lebensführung und LeLensbedingungen. Es hieße, sich zum sentimentalen Narren stempeln, wenn man in drei Zimmern vergeblich Platz für das große und das kleine und das mittlere Kaffee- und Teeservice schaffen wollte, ohne daß man einfach nicht existieren könne. Und man wäre mit wenig Talent zum Freuen ausgeftattet, wenn man nicht bemerken wollte, wie viele neue Köstlichkeiten in drei Zimmern zu finden sind. Die eingebauten Schränke sind praktisch und bringen alles zum Verschwinden, was früher nie Platz fand, vor der hellen Wand steht eine weiße, hohe Vase, und zarte Birkenzweige werfen ihre graziösen Schatten als schönstes, lebendigstes Ornament auf die helle Fläche in der dunkelblauen Keramikschale Fransen - Gestalten Lea spricht: Nicht immer mußte ich beiseite stehen im Leben, spricht Lea. Zwei Schwestern waren wir einst, und beide von gleicher Schönheit der Gestalt: vielleicht hatte die kleine Nahel schönere Locken — wie braune Schlangen ringelten sie sich auf ihren weißen Schultern; aber dafür hatte ich die schöneren Augen — „tief wie der Kinereth-See ün Lande Kanaan", so sagten die Hirten, wenn sie in Vater Labans Haus kamen. — Und wir hatten einander lieb wie nur zwei Schwestern es können: was die Eine wollte, das wollte die Andre auch. Da sandte uns der Himmel einen Traum; jede von uns träumte einen andern Traum in der gleichen Nacht. Wovon träumen die Mädchen? Von dem Manne, der sie in Zukunft einmal heimsühren wird . . . Und da geschah es. daß die kleine Rahel vor sich einen schönen Jüngling erblickte, der Jakob hieß und vieler Herden Hüter war, ihn liebte Gott und die Menschen waren ihm freundlich gesinnt. Mir aber, der Jungfrau Lea. zeigt sich — vor Schreck erstarrte ich fast — ein wilder Mann mit blutigem Gewand und rissigen Händen: E s a u wars, der die Tiere des Waldes tötete und den Wanderern auflauerte an, Wege . . . Noch wollt ich's nicht glauben; ich ging aufs Feld und fragte die Leute: was wißt Ihr von Esau? — Aber da war Keiner, der nur Gutes erzählte; alle fluchten ihm und verwünschten seinen Namen. Und das Herz ward mir schwer. Nach Hause schlich ich ■ und barg mich in meiner liegen blutrote Jaffaorangen, und aus der? Flucht der Zimmer ist man in eine Wohnung geflüchtet, die zum Wohnen da ist. Wir erwachen am Morgen .nicht meh? graziös und leicht beschwingt — ganz Dubarry in unserm verschnörkelten Rokoko-Schlafzimmer, fühlen mittags nicht mehr tizian-rötlich die Wiedergeburt römischer und griechischer Kunst im Angesicht der Renaissance- Hermen, verfallen des Abends nicht in diemystische Religiosität der Gotik, die uns das. Maßwerk der Bibliothek einflößt, und müssen nicht nach diesem mühevollen Tag wieder am Abend lieblich in das Schnörkelbett. flattern. Das alles bleibt uns in der Drei- Zimmer-Wohnung erspart. Und wenn wir> uns ein llein wenig Mühe nehmen, finden wir bald alle vergoldeten Kidduschbccher heraus, die wir bisher für echt gehalten, hatten. Erst, wenn sie alle weggeräumt sind, beginnt auch das einfachste Kiefernholzmöbel in echtem Goldglanz zu schimmern. 0. 8. Kammer; und die Tränen flössen mir unaufhörlich ... so lange, bis die schönen Augen, die einst die Hirten gepriesen, glanzlos wurden und trüb wie die rotgeweinten Augen der alten Deborah, unserer Amme. Und als dann wirklich der glückliche Tag aufleuchtete, da Jakob erschien, schlank und braun, und mein Schwesterlein Rahel am Brunnen traf... sie erkannte ihn gleich, hatte ihr doch der Traum schon sein Bild gezeigt. . . da war's kein Wunder, daß sein Blick an ihrer Oie deutsche Jüdin gehört in den C.-V. und, wo solche vorhanden, in die Frauengruppen des C.-V. Jugend haften blieb und meiner nicht achtete. Doppelt-bitter flössen mir da die Tränen! Aber Zweie hatten Mitleid mit meinem Schmerz mib wollten nicht, daß ich in Schaut mich härmte. Schwester Nahe! kam leise zn mir und vertraute mir das geheime Wort, das sie mit ihrem Liebsten verabredet hatte, damit er sie jederzeit erkenne . . . Und so umfing der schöne Jüngling, den wir beide liebten, in der Brautnacht die verachtete Schwester und hielt sie für Rahel... eine lange, selige Nacht hindurch . . .. Aber als er am nächsten Morgen seinen Irrtum sah und Schmach und Schande mir drohte, da erbarmte sich ein Anderer der verlassenen Frau. Eine Stimme hörte ich vom Himmel, die sprach zu-mir: Weine nicht, meine Tochter Lea, und gräme dich nicht. Weil du dich weigertest, des Frevlers Weib zu werden und lieber deine Schönheit hingabst als ihn zu freien, so will auch ich dein gedenken I Besstch fest Gc-stlii© Von IFksdolf KraoSS Berlin des Jahres 1887 ist das Herz Deutschlands. Etsenbahnzüge aller Herren Länder kreuzen diesen wichtigen Punkt, die Decknik beginnt ihren Siegeszug. In der weitläufigen Wohnung einer vor-; nehm, stillen Straße spricht ein Wissenfchaft-!!cr mit einer Greisin. Der jüdische Knltup- I Historiker, Professor Ludwig Geiger, ein! hervorragender Goethe-Kenner, bittet die Mtwe des Berliner Verlegers Dr. Moritz Johanna Veit, geborene El kan, über ihren Besuch bei Goethe zu berichten. Im pahre 1832 starb der größte deutsche Dichter^ s m Weimar. Schon zu seinen Lebzeiten betrat j shail die Stadt an der Ilm gleich einem j bciligtume. Nun, da mehr als ein halbes! -Jahrhundert seit dem Tode des Olympiers; I Glossen, ward Goethe für die geistige Welt j pl einem wahrhaft überirdischen Wesen, und j Me Menschen, welche ihn noch von Angesicht . I »u, Angesicht gesehen, wurden bestaunt, be-! neidet um solch' kostbare Erinnerungen. ■ \ Der junge Goethe studierte in seiner Ge- . i burtsstadt Frankfurt a. M. das Judenviertel; angehend und betrieb hebräische Studien. Als i jj int Jahre 1775 auf Einladung des jungen j moßherzogs Karl August Weimar betrat, bej itand hier keine jüdische Gemeinde. Der ein- ■;1 -Me Jude, der von der Herzogin Anna j '"Naim das Privileg erhielt, sich in Weimar ^azusiedeln, war der Hof-, und Schutzjude j salob Elkan, ein Tuchhändler. Segen Ende i Sv.,18- Jahrhunderts kamen einige weitere iudtsche Familien nach Weimar. Der Groß-. N^og räumte ihnen bedeutend größere Rechte i!n öi?..ön den anderen Fürsten!)ösen, die eino ge Bürde war eine hohe Besteuerung, cv Goethe stand mit einer größeren Zahl von F!.den in Verbindung. Jrt den böhmischen ' tarnte er viele kennen, auch erhielt er!!? den späten Jahren den Besuch Berliner H FPU. wie Rahel Varnhagen. der ersten «mijcnbcu Berliner Goethe-Enthusiastin. In Weimar selbst war es nur die Familie Elkan, mit welcher Goethe in einer Art von Verbindung stand. Der strebsame Tuchhändler, der Goethe und Schiller mit Stoffen belieferte — wir wissen, daß Frau von Stein einmal von Elkan Stoffproben erhielt, und Schiller fünf Ellen einer Tuchsorte bestellte —, brachte es zum Hofsaktor und betrieb ein eigenes Bankhaus gleichen Namens. Goethe gedenkt seiner in dem Gedichte „Auf Miedings Tod" (1732). Dort sprach er von dem strebsamen Mann, der mit seinen Stoffen die Weimarer Schauspieler versorgt, wie er aus der Bühne des kleinen Theaters vor jeder Festlichkeit erscheint, als „tätiger Jude, der mit manchem Rest läuft". Da sprach nun Ludwig Geiger mit einer der Nachkommen deS alten HoffaktorS, be° - trachtete sinnend die „so würdige Greisin" und versuchte sich in jene Zeit zurückzuversetzen, wo die kleine, anmutige Johanna, Goethe ihre Atlfwartung machte. Im Jahre 1827 lebte in Berlin ein blutjunges Mädchen von zierlicher Gestalt. Goethe war ihr nicht fremb; oft schritt er gravitätisch durch dis Weimarer Straßen, und überdies stand ja Seine Exzellenz, der Herr Geheime' Rat, mit Papa in steter geschäftlicher Verbindung. War Geld für eine Reise nötig, so sandte der Bankier Elkan blanke Taler (m Goethas Tagebuch 1823 lesen wir: 800 Taler von Elkan für Viarienbader Reise), hatte Göschen eine Schuld zu begleichen, so war eS Elkan der sie ein trieb, suchte Goethes Sohn A«gust im fernen Mailand eine Verbindung, Elkan sorgte dafür. Die kleine Johanna hätte gar zu gerne einmal selbst dem Herrn Geheimen Rat und StaatSminifter, ihre Aufwartung , gemacht, wenn man nun nach langer Zeit wreder kurz nach Weimar kommt, um. dann in Verlm stolz davon zu berichten . ..... Auch die junge Vildhauerin Angelika FacmS aus Weimar lebte in diesen Tagen m Verlm. um bet Meister Rauch zn studieren. Als sie mm den Herzenswunsch des jungen Mädchens erfuhr, versprach sie zu helfen. Ein paar Tage später gingen die beiden jungen Damen zu Herrn Professor Zelter. Musikdirektor, intimer Freund'Goethes. Zelter sollte bald den 70. Geburtstag feiern. Begas hatte ihn in diesen Tagen gemalt, mit seiner weißen, zurückgekämlnten Mähne, ein herrlicher Viedermeterkopf. Meister Zelter war ein sehr freundlicher, alter Herr, und als er hörte, was dem Mädchen am Herzerr liegt, da wollte er gerne etwas tun. Am 13. Juli des Jahres 1827 schrieb Zelter an seinen berühmten Freund: „Ueber die Münzen, welche Du durch La Roche erhälst, erfährst Du das Nähere aus einem Briese, welchen Dir die kleine anmutige Elkan übergeben will." Und im August kam er nochmals darauf zurück: „Die kleine, artige Elkan aus Weimar,- welche mir die Farins zugesührt hat, will gerne etwas für Dich mitnehmen, somit sende Dir anbey kommende Münzen, welche Herr La Roche überbringen wollte." Der Brief wurde versiegelt, dem Mädchen in die Hand gedrückt, und bald ging es in oer wackeligen Postkutsche, Richtung Südwest, zum Herrn Geheimen Rat Johann Wolfgang von Goethe. „Da8 Weimar der Biedermeierzeit ist ein Mittelding zwischen Dorf und Stadt", schreibt Hebbel. Das Leben ist eintönig; ein ausländischer Schriftsteller, der in diesen Tagen Weimar betritt, sagt: „Man müsse tvahrlich ein Goethe sein, um e8 hier auszuhalten." Das fast einzige SonntagSvergnügen der biederen Bürger bilden 50Husaren auf weißen Nossen, welche bei der wöchentlichen Parade einmal blaue, dann rote Röcke tragen. Der Ade! ist altfränkisch, in Empire gekleidet. Die vornehmen Damen lassen sich in gelben Portechaisen von Trägern mit langen Rücken und Zylindern durch die stillen Straßen tragen. In den Vormittagsstunden — Eile war damals ein unbekanntes Wort — schreiten die Räte der Ministerien langsam, und. würdevoll in der Arntstracht, dunkelgrüner Frack mit Goldknöpsen. Zylinder imb feinem Rohrstöckchen mit Elfeubeinknauf ins Schloß, während die benötigten Aktett von einem Diener ans — Schttbkarren nachgefahren werden. Der Weg unserer kleinen Johanna führt zum Frauenplan. Auf diesem großen verträumten Platze, dessen feierliche Ruhe nur das Plätschern des Brunnens unterbricht, steht das einfache Halts, tvelches Goethe bewohnt. Etwas ängstlich zieht das Mädchen die Glocke. Ueber breite, allntühlich sich hebende Treppen kommt der Gast zum Vorsaal, wo ein einladendes „Salve" die Eintretende empfängt. In ein anderes Zimmer geleitet, grüßt Zelters Bild von der Wand, füllt der gewaltige Juno-Kops ins Auge. In einer Ecke steht der Streichersche Flügel, auf dem der kleitte Felix Mendelssohn spielte. Da öffnete sich die Türe, und der Patriarch tritt ein. Freundlich begrüßt Goethe die schüchterne Kleine, zaghaft übergibt sic Zelters Brief. Kann denn ein Mensch im Angesichte dieser göttlichen Augen, welche in feurigem. Glanze erstrahlten, unbefangen bleiben? Goethe zählt 78 Jahre. Er wird uit§ in diesen Tagen als imposaitte, wenn auch nicht übergroße Erscheinung geschildert, den. herrlichen Kops stolz emporgerichtet, die Hände meist aus dem Rücken gekreuzt. Er trügt einen langen Hausrock, das tveiße Halstuch lose nun den Nacken geschlungen, von einer einsachctt. goldener: Radel gehalten. Die kleine Johanna kommt aus Berlin, der Stadt der Paraden. Festlichkeiten, literarischen Salons, ' in das kleine, verträumte Städtchen. Nicht genug kann sie Goethe von der Stadt an der Svree berichten. .. Zuerst ängstlich und eingeschüchtert durch die Nähe des Titanen, gibt sie nur zaghafte Antworten. Doch als Goethe immer von neuem Fragen stellt, das Mädchen auffordert, nur frei und unbefangen zu erzählen, da beginnt die Kleine ganz zutraulich zu plaudern. Sechs Dezennien sind seit diesem Besuche vergangen, da fragt Geiger die alte Dame —■* welche ihm von vergangenen Zeiten erzählt interessiert rtach Goethes.Bemerkungen.