Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 15 (12.4.1934)
- Date
- 1934-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fdjmtebcif, zu hobeln. zu graSen, zu säen un'S zu ernten —, eine Philosophie, die kräftiger und gesünder ist als die in Borlesungssälen, dom Katheder herab gepredigte Lehre von dem... Sinn des Seins. * Vielleicht waren cS die ketzerischen Gedanken über die philosophische Fakultät, die nach so weit selbst erschreckten) 'das; sie' mich 'zu ' einem Büßgang in Spinozas Saus voran- Iahten. Der Tarichansseur. der mich hin- bringen sollte, erkundigte sich erst bei einem gebildeten Kutscher? der beim RTtchsmusenm stand, und fuhr loS. Er hielt bei einem Hause. . auf einem großen Platz, vor dein ein' Wagen: mit Eismaschinen stand, Zwei Rcänner trugen die Eismaschinen in den Laden, der zur Hälfte im -geller steckte, ein Warnt nahm sie unten in.Empfang, war sehr beschäftigt und geschäftig und wollte lange Zeit nicht Notiz Volt mir nehmeil, obwohl ich die ganze Fassade mit bm Angen nach einer Gedenktafel absuchte und nach dem Eingang forschte, der mich in daS Haus, zu Spinozas Wohnung, führen könnte. Endlich gelaipz es mir doch, meine Frage anzubringen. „Spinoza ist tot", sagte der Eismaschinenhändler unb rückte eine Kiste zur Seite. Ich versicherte ihm. das; ich an der Wahrhaftigkeit seiner Antwort nicht den mindesten Zweifel hegte, daß ich mich etlfiv seht nur mit einigen noch lebenden Dingen von Spinoza begnügen wolle, daß ich gerate zmn Beispiel den Stuhl gesehen halte, iun der tote Herr früher einmal gesessen habe, oder sein Bett oder den Schrank. Rein, auch diese Dinge wären tot. nur die Eismaschinen feiert lebendig, und Spirtoza hätte lüäjt ein-' mal eine besessen. Mit dem Mann rvar nichts anzufangen, er rückte wieder .Niste aus Kiste, schuf Platz für neue Eisntasehiiteit, und als ich wegging, rief er mir noch einmal nach, ich solle ihm doch um alles in der Welt glauben, daß ich einen toten, nicht wieder kommenden yjfann besuchen wollte. Ich rief'ihm nach, daß der Warnt nur für ihn tot sei, das heißt nie für ihn gelebt habe, und daß er statt eines Herzens und eines. Verstands wahrscheinlich eilte Eismaschine im Leibe herunttrage. .Aber der Alarm hörte mit' gar nicht mehr zu urtd rückte Kisten. Es gibt also lein-Spinoza-Haus in Amsterdam, mit Marrnortafel und heilig gehalterter Schlafkammer. Vielleicht stand es dort, wo jetzt der Eismaschinerunann Kisten rückte, vielleicht ein paar Häuser weiter, es war für jeden Fall ein ärmliches Harr?, das den nnermeßlichen Reichtum -eines Geistes beherbergte.. -Das'HauS, das in der Straße-um die Ecke steht, das Haus, das. denandern -großen Mann zn gleicher -Zeit anfnähm, das Rem-' brandthaus, ist ein'Museum geworden und enthält die wertvollste Kupferstichsammlung der Welt. Aber -eigentlich ist es verkehrt, von „Museum" und - -„Sammlung-" ztt sprechen. Wenn matt tu das Haus, hineinkommt, empfängt einen eine Stille, die. nicht-so kühl und unpersönlich.ist wie die geordnete, von Diertern bewachte Rtrhe eines Museums, und es widerstrebt einem, die Kupferstiche nach bett Katalognummern attztrsehen, trenn man in dem Raum steht, wo Saskias Bett an der Schmalseite stand, das Bett, in dem sie starb. Verreib, dass ich die Liebe, die Hu schenktest, mit jenes Morgens frühem Leuchten teilte, der wie ein helles Lied der Nacht enh stieg. Es war zu viel der Liebe und mein Har* War ein-zu kleiner Kelch für diese Fülle die machtvoll alle Grenze überschäumle! Ich bot den Kelch der Sonne, und sie. gab ihn .der Gottheit weiter; und die Gottheit führte ihn an die Lippen, wie in Träumen lächelnd. Du musst verzeih’n. Hildo Marx. In dem großen Ar'beitsranm. dessen Fenster immer in der unteren Halste geschlossen waren, wenn Rembrandt malte, muß es wohl damals schon wie in einem Museum nn--gesehen haben, nur nicht so geordnet unb hinter Glas lagen die Kostbarleiten, die Rembrandt zusammenkaufte, in Auktionen und bei den alten Inden, in deren Viertel er so grne gesehen war, so gerne hermnging und sicß so gut auskannte, dessen Farbenfrendigleit sein Aä'ige in das differenzierte Helldunkel mitsetzte, lind hier saß ihm auch der berühmte Rabbi ou mitef Menasseh -ben Israel Modell, — die Originalstiche hängen überall eingerahml an der Wand, — der so gescheit, gelehrt und humorvoll war, daß zn feilten Predigten viele Christen, die der Zwistigkeiten in ihrer eigetii'it Geistlichkeit überdrüssig lvaren, in die Synagoge kanten. In einer Glasvilrine liegt ein kleines hebräisches Psalntenbüchlein, d>lvon Rembrandt illustriert wurde und das einzige noch erhaltene Eremplar vorstellt, Es wurde in der Druckerei, schräg gegenüber dem Rembrandthanse, gedrtlckt. In dieser Trub kerei ivurden nicht nur hebräisdie Bücher gedruckt. In dem zensursreiml Land konnten französische, deutsche, englische, spanische, poctngiesische. sogar arabiitche, persische, und acntenische Tene hergestellt werden, sie gingen von da aus in die weite Welt und brachten viel Geld ein. Rembrandt belvtutderte die dicken, iit Schweinsleder gebnndeitelt Foliaii. teit^ die in Sprachen -gedruckt waren, die cr tiicljt lesen konnte, die aber Zeichnungen entllielten, die nur er lesen-sonnte-. Hier Infi er und. forschte nach der'Seele alles Geschaffene», nach der unsterblichen Seele von Tischen, Stühlen, Katzen, Hunden, .Häusern,. Schisse», Bülchern, Scherert, Blumen, Wolken. Daß es sich nur um diese Seele bei aller Kunst handle, sei die Entdeckung, die alle lvahtchast gescheiten Leute schon von Altsang an machten, behaupt tote Rembrandt. „Soll das heißen, daß ans der Welt nur der Geist der Tinge rechnet?" sragte-ihn Doktor van Leon, „und wieviel Menschen ans der Welt können. bic[c Worte begreifen?" „Ahnt, vielleicht unter hundert drei oder vier. Und die übrigen werden nie. begreifen, wovon wir reden, sich aber an lins rächen-."-. „Wie denn?" „Sie werden -uns verhungern lassen — ii. M. ÄriS Gegenwarf, die auf dem Denkmal des Unbekannten Soldaten keine Kränze nieder, legen mußte. Die Wohnungen sind, hier noch immer unerschwinglich teuer und — bewohnt, und das scheint, der beste Gegenbeweis des Gerüchtes jm. sein, daß hier an'den breiten Grachten Natten die edle Reserviertheit der täuserparade anknabberten. Das nordische onedig hat mit dem südlichen eigentlich nur die Wasserstraßen gemein. Tie ruhmvolle Vergangenheit träumt hier nicht wie am Ganale Grande von verliebten MaSlensesten hinter den Rosetten fenstern, ist nicht das graziöse und zu Stein gewordene Märchen „Es war einmal", die ruhmvolle Vergangenheit wächst in Amsterdam der lebendigen Zukunft entgegen. In diese ruhmvolle Vergangenheit aber ist die Einwanderung der spanischen und portugiesischen Juden eingewoben. Jüdische Patrizier wurden von holländischen Patriziern ausgenommen. Das war vor ungefähr 400 Jahren. In dem Lande, dessen Bürger, die großen Kanflente mit dem weiten Weitblick, ReligioitSsroiheit eingeführt hatten, bekannten sich die Warranen feierlich lvieder zu ihrem Judentum. 17*Ji weihten sie ihren großen Tempel eilt. Roch heute Halten die Rabbiner den Gottesdienst hier in spanischer Tracht ab, int Dreispitz und iit Escarpins. In einer weißen Waruwrtafel siitd die Namen der Stifter der Synagoge eiugegrabcn. Abraham Ieseruut ESpiuoza, ein Verwandter dessen, der hier später versludit nmrde, gehört zu ihnen. Der Architekt hieß Elias Boumau. Er war eilt vortrefflicher Meister. Hohe Säulen slützeit die Decke aus Zedern holz, das vom Libanon stammt, 72 Thora rollen stehen in ben Schreinen ans Palisanderholz: schlveres, massives Palisanderholz rundet sich zn den Säntenschästen vor den Schränken, die Masermig ist lebendig und bewegt, an einer Stelle erinnert sie sich des Urwaldes, in der sie gewachsen ist, und formt sich zu einem Löwen. An Festtagen werden noch heute die Wände mit demselben Goldleder behängt wie mit Eröffnungstage, dieselben schweren silbernen Leuchter tragen noch heute das wächserne Licht. Keine elektrische Lampe muß erst beweisen. daß auch hier die Vergangenheit kraftvolle Wurzel der wachsenden Gegenwart ist, der Synagogenramn hat dieselbe, in den vielen Jahren nicht müde getvordene Würde der edlen Häuser an den Grachten. * Nicht müde und auch gar nicht leise sind das Drängen und Stoßen, die Händler und Käufer, der ganze kunterbunte Betrieb-Sonn-: tags 'am Iudenmarkt geworden. Rechts und. links sind die Stände, dazwischen bewegt sich ein endloser, dichter-Strom der Interessenten. Unglaublich ist es für den Neuling, toas für Ware hier angebotcu wird, noch überraschender, daß es für solche Ware Abnehmer gibt. Ware ist eigentlich eine euphemistische Bezeichnung für einen, der an geordnete, etikettierte Stapel in Kaufläden denkt. 'Tie Brettertische sehen.so aus, als hätten böse Buben den Inhalt ihrer Hosentaschen ans ihnen ansgeleert. Alte,' verrostete Schrauben, verbogenes Eisenblech, durchlöcherte Antomvbilreisen. zerbrochene Basen . und Nippcsfigurcn, einzelne Schuhe. Fragmente von Fahrradgestellen und wieder Schrauben, dazwischen eilt Stand mit Fischen, Dir FMHüs im MW H'WNSMYW Paris, im April. Tas ethnograplsische Museum am Trocadäro in Paris hat kürzlich zum ersten Riale eine Ausstellung vor afrikanischen Naturvölker, von prähistorischen Feiten bis ans unsere Tage, in der auch ein iuteressantes und reiches Material über die Falafcha- Juden in Abessinien gezeigt wird. - Tie Falascha (b. h. Vertriebene, im Exil besiudliche), die sich selbst Bieta Israel (Haus Israels) neunen, wohnen in den Provinzen nördlich und westlich, vom Tanasee und werden auf etwa 250 000 Seelen geschätzt. Wann die Falaschas in Abessinien eingeivandert sind, ist historisch einwandfrei nicht sei!stellbar. Nach der einen Sage sind sie zur Zeit König Salomos eingewandert, nach der anderen zur-Zeit der Zerstörung des ersten Tempels. Eine Zeitlaug rvar Abessinien ein unabhängiger Indenßaat, der unter seinen Herrschern ans der Sagne- Tynasiic etwa :'.00 Jahre geblüht haben soll. Nach zahlreichen blutigen Kämpfen mir den Mohamedanern und Ehristen verloren sie ihre Selbständigleit völlig und mnßlen im Lause der Jahrhunderte schwerste Verfolgungen über sich ergehen lassen. Sie leben noch heule, wie vor Hunderten von Jahren, nach ihren alten Traditionen und lveji'tuMr die zum Teil mil den biblischen Geboten übereinstimmen und zum Teil sicherlich den Kulthandlungen ihrer Umgebungen entnommen sind. Sv halten sie zum Beispiel den Sabbath besonders heilig, das' biblische Verbot des FeneranzündenS am SabbatH wird streng beachtet, sie fasten an jedem »Ronlag und Tonnerstag und am Ren» mvndssest. Tas Pe-'sachseit, das Erntefest, das Nenjahrssest .und das Versöhnringsfest, bei dem auch gedeichte', ww.-d, wird, durch das Tarbringen von Opfern besonders' feierlich begangen. Als Opfer bringe!! sie Lämmer, Ziegen, starren und Getreideopfer am Erntefest dar. Tie Gotteshäuser sind sämtlich dem Tempel in Jerusalem nachgebildete Ten. Treust in den Gotteshäusern berschen die' Priester- und neben ihnen die Gelehrten iTebtern). die hauptsächlich die Knaben in den Lehren der V'bel und der Gebete unterrichten. Tie stalaichas glauben an einen Messias. dev sie nach Jerusalem führt und alle Völler zürn Judentum belehren wird. ' - - - 'an einem andern schält ein'Mahn'gekoW Nee und steckt sie den Passanten in den Mund. Ich glaube nicht, daß in. Amsterdam eine Müllabfuhr notwendig ist, jeder alte Kram, sollte er für seinen ehemaligen Zweck auch noch so nnkenntlich und unbrauchbar' geworden sein, feiert.hier seine Auferstehung als Ware. Und. weil die Händler alle so vergnügte und eifrige. Gesichter machen, scheint es sich sogar, um eine absatzkrüstige Ware zu handeln. Oder ist die Ware vielleicht nur deshalb absatzkrastig, weil sie mit so viel Eifer, mit so viel gutem Glauben nrtd mit so viel Optimismus angeboten wird-? Ja, die alten, verrosteten Schrauben liegen eingebettet in unendlich viel Lebensmut, ihre Emballage ist etwas viel Feineres als zartes Seidenpapier und prächtige Pappkartons. Sie ist zusammengepreßt ans dem festen Willen, das Leben zu meistern, das Leben zu leben, unter allen Umständen den Kampf um die Sonne ansznfechten, die in die engen und winkligen Ghettostraßen fällt, und die auch aus dem stumpsesten Stück Eisen noch einen Funken Energie anslenchten läßt. Und dieser Funke Energie, diese unheimliche jüdische Kraft, sich immer wieder zmn Leben.zn bekennen, zn ihm ewig ein begeistertes Ja zn sagen, entzündet auch dort Feuer, wo die Schwere der Frage, wie der jüdischen Jugend ans Tentschland zn Helsen sei, Flammen beinahe erstickt. Mit welcher Schlagsertigleit tverden diese Fragen beantwortet, wie tatkräftig hat sich in Holland die liebevolle Besorgnis für die Sechzehn- bis Fünsundzwanzigjährigen in handgreifliche, nüchterne und sachliche Hilfe umgesetzt! Tas jüdische Werkdorf Rieuwesluis, das 300 jüdischen jungen Menschen eine qualifizierte landwirtschaftliche, gärtnerische oder handwerkliche Ausbildung geben soll, ist Anfang März in Angriff genommen worden. Tas jüdische Werkdorf Rieuwesluis! Seht ihr nicht vor euren Augen die mutige, klare Flamme an der düstersten Herdstelle, die entfacht und genährt wird mit der frischen Lust des festen Glaubens an die Zukunft? Jetzt stehen in dem Werkdvrf zwei Reihen Baracken. Die holländische Regierung hat ihm sünfulidsechzjg Hektar Boden aus dem dem Wem abgewonnencn Land zur Verfügung gestellt. Jüdische Jugend soll das Dorf ausbauen. Eine Autarkie aus füusundscchzig Hektar. 'Unter Leitung von erfahrenen: Fachleuten tverden hier Getreide und Hackfrüchte gesät und geerntet werden, Gemüse und Blumen gezüchtet, Häuser gebaut unb Tachstühle gezimmert, Möbel getischlert und Schlösser geschmiedet werden. O, es gibt Vieh zn schassen und'noch mehr zu-lernen,'ehe ein' Torf fertig wird. Rohrlege, und Klempner-- arbeiten,-- -Vautischlerei - unb Bailschlosserei,, „das ist ein weites Feld", und ein lveites Feld ist noch zu bestellen.- Jeder Kursus dauert Zwei Jahre. Die Ausbildungszeit ist zu kurz sür einen spezialisierten Feinmechaniker, aber bte Zeit ist lang genug, ungeübte Häitde in geschickte, harte, kräftige Arbeitsfäuste zu verwandeln, die zupacken können, am Feld, an der Hobelbank, in der Sclnniede, die Zeit ist lang genug, die schmerzliche Sehnsucht nach juristischen Lehrbüchern vergessen zn lassen und eine Lebensphilosophie zurechtztchämmern, — zu sägen, zn pflügen, zn hacken, zu Tie kanonischen Bücher der FalaschaS find, ähnlich denen der abepüch'chen Ghristen, in der Gee.z- Sprache geschrieben und aus Pergament erhalten. Tie Falaschas behaupten zwar, auch im Besitz von hebräisch geschriebenen Perganienturkunden zn sein, die sie ans Furcht vor Verfolgungen von seiten der Ghristen versteckt halten: sie scheinen aber das Hebräische bis .zn ihrem Zlisaminentreffen »nt europäischen Inden nicht gelaunt zu haben. Tie Ausstellnng gibt nun ein treffliches Bild von dem Zusammenleben der Falaschas m kleinen Törsern von höchstens 50 st-amillen, man sieht die Synagoge, die ans dem höchsten Platz des Torfes sieht, ihre Hütten in runder Form mit Strohdach, ohne Fenster, das- Haus für Unreine (Mergen-Vit). in dem diese die Zeit bis zu ihrer Reinigung verbringen müssen und mau kann zahlreiche Beispiele ihrer Haudwerlssähigleit und ihres Gewerbefleiße-s bewundern. Tie Falaschas gehören zn den fleißigsten, nüchternsten und betriebsamsten Stämmen Abessiniens, und ihre Handwerkskunst steht darum auch ans einer sehr großen Höhe. Holzgeschnittene Wagen sind ausgestellt, die von einem großen Pliantasiereiehtum in Farbe und Schnitzerei zeugen, eine Oellampe. ans einer Synagoge stammend, die mit zn dem schönsten gehörte.^ nms man an primitiver Kunst ans diesen: Gebiete sehen kann, eine überaus reich ziselierte und dekorierte Glocke, -Opfermesser, deren Griffe mit besonderer Liebe und künstlerischem Verständnis geschnitzt sind, zahlreiche Korb- und Tvngefäße beweisen ein stark enhviekeltes Gefühl für Formensehönheik und Farbenharmvnie und die Webereien, die ein besonders starles Kontingent der Ausstellung stellen, baden mit Recht in der ganzen afrikanischen Welt Berühmtheit erlangt wegen der Haltbarkeit des Stoffes und der leuchtenden Farben, in denen sie ausgeführt sind. Alle Gegenstände des täglichen Bedarfs sind mit besonderer Liebe für handtverkliche Gestaltung ansgeführt. Auch Pergamentsehristeu, Amulette und magische Bücher sind in einer besonderen Vitrine ansgestellt, und auch sie beweisen die hohe Kunstfertigkeit auf dem Gebiete der-Pergamentbeschristung, über die die Künstler ber. Falaschas verfügen. Zahlreiche Bilder vom Leben und Treiben in den Torfgemeinlchaften, von Kulthandlungen und Festen, von Volksbelustigungen und Opfern, illustrieren das.Gesehene und Targebotcne besonderseinprägsam. F. Gtz.; Bon Alfred AuerdaS Man darf als Künstler wohl auch einmal die Kritik mukehren.. Die alten Schemata sind, dahin, neue Formen wachsen über das in der Gewohnheit Verdorrte hinaus, also! . Kritik am Publikum!!! Oessentliche Kritik'.? Tie geheime war immer da, aber die offenkundige ist wohl noch ungewohnt. Und doch ist das Publikum das Instrument, ans dem der Künstler spielt, es ist von der Temperatur der Tagesstimmuug veeinslußt. Rieht immer kann sich der Schassende der Rebenschtvingungen erwehren, die in dem Rcenschenkreis schwirren, der da vor ihm sitzt. Heute schon gar nicht, eS braucht schon einer gewissen Zeit, bis die Hörer den Tag vergessen und mitgehen. Die Wirren der Zeit zerren an den Nerven. Ein Ruck, an Wucht keinem der Stöße vergleichbar, die seelischen Bau erschütterten, hat dies Publikum gepackt. Welches Kunstwerk sollte zn diesen inncrllch atifgewühlten Menschen sprechen? Mußten diese Hörer nicht nnbetoegt bleiben von dent, was versunkene Epochen vermeldeten? Blieben die Gequälten nicht stumm und mtberührt- Vvn. gewesenen Problemen? Schob sich ihr ^.etd nicht wie eine dnntle. Niesenwand vor all diese Vergange.nheitSsorgen?. . Man kann Kunstwerke großer Art ja immer „aktuell" nennen,, man kann immer darauf Hinweisen, daß sie uns noch' anqehen.. gut aber das ganz aufrichtige Gefühl läßt sich vom Verstand'.nicht beschwatzen . und'in der Kunst hat die „gescheite Erwägung" nicht vorlaut zu sein. Mer aber wollte als Schassender die lodentde-GegKiwart erfassen. u>td - aus-dem- Zettlerd Konjunkturgetue ntachen'^-- Es. ist nicht geschehen — glücklicherweise. .! Ww hat sich das jüdische Publik um 'in der. Lage verhalten, dip.' elementar - entbrach?i ' «raume swt®( Man hat einen Abschnitt erlebt, der Rückschlüsse zu bilden erlaubt, man hat das indische Publikum an großen und kleinen Orten im Westen und Süden -beobachtet, einfache und komplizierte Leute vor sich gehabt, überkritische Inden und die Pilblikiimsart, die inan gern mit dem häßlichen Ausdruck „verwöhnt" zn bezeichnen sucht. Man hat Menschen gesehen, die gern „zerdenken" und „tisteln". Atau hat Debatten über die Wahl der Kunstwerke erlebt, die sich als „kunstverständig" gaben und im Grunde mehr altmodische überlebte geistige Eitelkeit verrieten, als gilt war. Alan hat aber auch im theortesernen Schassen die Freude gehabt, daß die lieben zahl des Publikums Kunst nicht mehr als Angelegenheit der Vor- oder R-achdebatte ausnimmt, sondern als seelische, unmittelbare Gabe. Ter Sommer bringt eine Panse — es gilt, sie zn nutzen. Das jüdische Publikum muß in der nächsten Schaffenszeit noch innerlicher, Ftoch ichferner, noch des seelischen Ans' bans froher herankomnten, es muß noch mehr erkennen, daß Kunst keine Spielerei ist, die von betriebsamen Lieferanten beschafft N'ird. Es gilt in der jetzigen Spanne zivischchl Winter und Winter die Wandlung des Publikums zuin reinen Instrument für Im' Schassenden weiter,zuführen. Das 'Publikum mußsich seiner. Wirkung ans den -Künitler immer bewußter werden ,— es muß immer mehr lernen, daß auf die Dauer der Künstler nur schassen kann, wenn cnrch das, Pnbllknnl mitthm geht. — --' - Der Iüvislhc F-raucnbunÄ c. B., LcrliiZGeruntenbura, Kains!ratze 15S, gibt feil . neun einen Kalender Yeran-Z. - Zn jedem Zntzr m:rb ei" bfJtimmlcS Thema belmnbeli; indiesem hcilu da-- jüdische, V u ch. Ter KrüHrder wird entweder ew Umlege- oder als Adreitzlalender ('.eüeierl. Ant. Mai werden Sudstriptionc-vreise, dcreclmc!. Auna. dem liindipt der Züdiielie F-ranendnnd in diesem ntM. . rmch . einen . Ki ir v e r f ä 1 c n h e V. für jeeW Kvol-stährigo -Znnaml- . und Mädchen all.