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Central-Verein-Zeitung · 1934-04-12 · 15 (12.4.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
15 (12.4.1934)
Date
1934-04-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beiden wurde ein langjähriger Aufenthalt in Paris zum Erlebnis, und beide haben dann in Berlin ihre neue . Heimat gefunden. Und doch find diese Künstler so verschieden w möglich. Der Mersabstand von zehn fahren bedeutet hier einen Generations- Unterschied, fast könnte nran sagen eine Zeitenwende. Eugen Spiro gehört noch zur Epoche des Naturalismus. Freilich nicht mehr so, wie etwa ein JsraZls oder Lieb ermann dazu gehören. Der künstlerische Wille, der diese Künstler beherrschte, war ganz auf die Wahrheit gerichtet, auf die Erfassung des Lebens in seiner schlichtesten Form. In Spiro wie in den gleichgerichteten Künstlern seines Alters meldet sich bereits ein mehr ästhetisches Verlangen, das der Linie besonderen Reiz, der Farbe besondere Schönheit verleiht. In München, wohin sich Spiro nach seinen Breslauer Studienjahren gewandt hat, fand er, als Schüler von Franz Stuck, dann als Mitarbeiter der „Jugend" den geeigneten Boden für diese mehr stilisierende Malerei, die die Jahrhundertwende beherrschte. Man erinnert sich aus dieser Zeit mancher Titelblätter der „Jugend" und hat den Eindruck, daß sie gerade hierfür besonders geeignet sind: sie haben etwas Dekoratives, Gesällig- Neizvolles. Es bedurfte gewiß einer besonderen Energie des Künstlers, sich dieser Münchener Atmosphäre wieder zu entziehen und in ernstem Studium neue Wege zu suchen. In Paris war es die Kunst von Manet, aber auch die von Eezanne und van Gogh, die ihm weiterhals: zu einer Verbindung der dekorativen Elemente mit tieferer Naturbeseelung. Als er bei Kriegsausbruch Paris verlassen wußte, ging er nach Berlin, und hier, in der herben Luft dieser Stadt, gelang es, seine Kunst vor jeder verflachenden Schöngestal- % feSdhor; jung ju schützen. Zu Hilfe kam ihm eine besondere Fähigkeit zum Porträt; in dieser Gattung wußte er ein charakteristisches ^nschenblld zu. ersaßen, ^as in einzelnen ferner Werke — etwa itn Gerhart Haupt- .oder Bassermann — zu kraftvoller Lebendrgkeit emporwuchs. - . liebenswürdige Seite seiner Kunst!ra‘:-?an^e1n im Frauenbildnis und endlich un Krnderbild auch weiterhin in Erscheinung, und erne kultivierte Art des Komponierens lreß rhn auch das Gruppenbildnis beherrschen. . t Neben diesem hauptsächlichsten Thema ferner Kunst sind dann immer .wieder die Landschaft und das Stadtbild hervorgetroten, beide gern aus südlicher Gegend gewählt und schon darum von einem romantischen Hauche durchweht. Endlich ist Spiro als Graphiker tätig gewesen, einmal mit einer Radrermappe, die seine Eindrücke von einer spanischen Reise sesthielt, dann aber vor allem in dem Lithographien-Zykluö „Im Konzert", der eine Anzahl bekannter Musiker bei ihrer Tätigkeit sesthielt. Und diese Gabe, musikalisches Geschehen wiederzugeben, zeigt vielleicht die rnnerste Wesensart einer Kunst, die auch bei anderer Themenwahl etwas Musikalisches hat und uns mit den Klängen etwa eines schön gespielten Adagios umspielt. Nicht zu vergessen endlich die organisatorischen Fähigkeiten des Künstlers, dre sich mit einem liebenswürdigen, kollegialen Wesen vereinigen. Sie haben ihn dazu befähigt, jahrelang die Berliner Sezession und die Bereinigten Berliner Künstlerverbände zu führen, und so zu führen, daß sein Gerechtigkeitssinn Leine Feindschaft erfuhr. Auch Ludwig.Meidner hat noch mit , naturalistischen Landschaften und Porträts begonnen. Aber diese Werke, in den Jahren 1905 bis 1910 entstanden, zeigen noch nicht Eugen Spiro: „Landschaft" Eugen Spiro: „Sohn des Künstlers", 1931 den eigentlichen Durchbruch seines wirklichen Wesens. Der erfolgte erst um 1912, als er mit einigen Kameraden den Bund der „Pathetiker" gründete; schon der Name sagt, daß jetzt ein heftigeres Wollen begann. Hatte die Kunst eines Spiro selbst in ihrer Wendüng zu einer selbständigeren Linienführung und Farbengebung immer noch den Anschluß an die Natur gewahrt, o brach mit Ludwig Meidner und seinen Zeitgenossen eine Leidenschaft hervor, die der Natur nicht mehr duschend, sondern ihr gebietend, sie beherrschend, sie vergehaltstehend aogenübertrat. Ein ekstatisches Element läßt' die wohlabgewogene Ruhe der vorherigen Kunst weit hinter i*id), um aus den Trümmern des Alten neuen Ausbau zu wagen. Ludwig . Meidner stand in diesen Jahren, vor allem in denen vor Kriegsbeginn, an ‘ führender Stelle in Deutschland. Seine Bildnisse ■ Satti? 'auch er ist feftt autzgsZsWMer sPörträtist — geben dem Menschen nicht'von außen gesehen, sondern von innen erlebt: Chaotisch-Geheimnisvolles sprengt dir leiblichr Form. Dazu eine Farbe, die in erregtem Rot, in geheimnisvollem-Blau, .irr hartem .Grün, den GefühlsauLdruck' steigert.,. Ebenso stark wie seine Bilder waren damals seine Zeichnungen, die alle Zartheit und Lockerheit des impressionistischen Striches aus. gaben und dem Kontur eine Vehemenz verliehen,^ die das Auge in rasche Bewegung, die Seele in starke Schwingungen versetzten. In späteren Jahren ist dann Meidners Verhältnis zur Farbe schwächer geworden, und alle Energie hat sich im Schwarz-Weiß der Zeichnung gesammelt. Mit breiter Feder, mit chinesischer Tusche, mit Lithokreide, hier und da auch mit der Radiernadel, sind Porträts, religiöse Gestalten, Landschaften, Kompositionen entstanden, die Meidner zu den besten Zeichnern unserer Periode zählen lassen. Dabei hat die Zerrissenheit der Formensprache > in der letzten Zeit eine stärkere Beruhigung erfahren, die sich inhaltlich in einem erneuten Zustrom natnralistischer Elemente äußert. Ludwig Meidner: „Die Malerin Ehe Meidner** Aber bk dynamische Kraft ist dabei niemals ganz verloren gegangen, und jedes von Merdners Blättern hat etwas seltsam Erregendes. '. Diese Erregtheit wird von einem Innenleben genährt, dessen eigentliche Sphäre religiöse Inbrunst ist. In seinen Jugendjahren Atheist, hat sich Meidner später mit um so stärkerer Umkehr religiösen Problemen zugewandt und hat. nach einer kurzen Versenkung in christliche Jdeenkreise, das Judentum in seiner ganzen Stärke kennen und lieben gelernt. Ihm steht er in seinen mystischen Aeußerungen, wie sie der Chassidismus vertritt, nahe, aber nicht weniger pflegt er die Liebe zum jüdischen Ritus und hält ihm mit besonderer Strenge die Treue. In seinem Atelier sieht man Zeichnungen betender Juden, in denen die feste Glaubenswelt in der Festigkeit einer stark und sicher geführten Linie einen wirklich bezwingend adäquaten Ausdruck gefunden hat. Die reiche Natur dieses Künstlers hat sich auch auf literarischem Gebiete geäußert, und von der gleichen Intensität wie seine Bilder sind seine hinreißend geschriebenen Bücher „Im Nacken das Sternemneer" und „Septemberschrei". Zu der Stärke seiner Eindruckssähigkeit, zu der tiefen Aussprache seiner religiösen Erlebnisse tritt in seinen literarischen Arbeiten zuweilen noch ein kleinbürgerlich-humoristischer Zug. der das Leben des alltäglichen Menschen in diabolisch-skurriler Weise glossiert. Franz Landsberger , Zu Ehren der beiden Künstler Professor Engen Spiro und Ludwig Meidner veronstaltet die Künstlerhilse der Jüdischen Gemeinde mn 21. April, 20*4 Uhr, einen Teeabcnd im Jüdischen Museum, X 24, Oranienburger Str. 31, Ludwig Meidner fyJZetBstporträt“, 1932 Aus demBesita des Berliner Jüdischen Museums Den einleitenden Vortrag hält Dr. Lutz Weltmann. Rose Lichte n st e i n rezitiert aus Dichtungen Ludwig Meidners. Arbeiten beider Maler sind ausgestellt. Alle Hülster in der ganzen Welt haben von Anbeginn das Talent, sehr gerade zu stehen, und den Ehrgeiz, es lange zu tun; aber die Amsterdamer Häuser halten sich besonders gouvernantenhaft gerade, es scheint, als ob sie ihre Giebelköpfe sogar noch etwas zurückneigten. sicherlich aus Stolz und bestimmt nicht aus Furcht, in die Grachten hineiuzupurzeln. Denn ängstlich sehen diese schlanken Häuseraristokraten wahrlich nicht aus. Die langen, vornehmen Fenster reichen vom Fußboden beinahe bis zur Decke, sie sind ihre bis -4 Meter hoch und verkünden die Unerschrockenheit der hohen Kansherren, die hier, am Fenster stehend, keine Brüstung und kein Schutzgitter brauchen. Sie sind schwindelfreie, tapfere Männer, sie erbauten sich würdige und gerade Häuser, die wehende Flaggen zu tragen wissen. Denn nicht zu jeder Häuserseele paßt eine Flagge. Und in den Grachten spiegeln sich die orangenen und blauen Bandstreisen der Fahnen, Wappenzeichen und Giebel, in.dew- < Grachten spiegeln sich Erinnerung und Tradition Reichtum, Vergangenheit und —Gegenwart. Denn es gibt hier noch eine Gegenwart, die noch nicht erdrückt wurde von der Bor- nehmheit der schlanken Fenster, die nicht zwischen den getäfelten Wänden ihrer Speisesäle mit den echten Van Meers während vier Jahre Kohlrüben und wieder Kohlrüben aß. Ludwig Meidner: „Betende Juden“ Die Dildcr wurden der „Ct-V.-Zeitung“ von den Künstlern liebenswürdiger• . , ' wehe zur 'Verfügung gestallt

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