Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 14 (5.4.1934)
- Date
- 1934-04-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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feiten ]n clor „C.-V, nun si^ ai Postamtoj 11 ^rnundq nUrupp^ t den , Tcge t 1335 •mrieg 17 'ül’üHHül! f!if.-ä!>riU ft vorrU' läi'L'.- Irk, Fries- S h-(. X II n W 15. rl ri;:sn "posSa :!ic. Fillitr- 3. Beiblatt <Jor C-V.-Zoitung. S- April 1934 rrr^ Sit freiem Pens, voa körnt- E1n* Dil Keiler, r, , ) Meter. j; ltet^e || Die Rolle der Frau im jüdischen, Familienleben roar von jeher. Förderin des seelischen und körperlichm Wohles der Kinder, gute Kanuradin des Mnnes zu sein,, mit einem Wort, Harmonie und Wohlbehagen um sich Zu verbreiten und so der Mittelpunkt des glücklichen jüdischen Familienlebens ' sein. Das ist auch heute noch unser Ziel, ober jo einfach haben wir, es heute nicht mehr, es ge. nügt nicht mehr, lieb und gut und tüchtig im. Haushalt zu sein, heute zwingt uns die Zeit aus der ' affinen Beschaulichkeit in eine tief verantwortungs- Me, bewußte Haltung. Tiese .Haltung aber soll nicht nur theoretisch-akademisch sein, sondern umgesetzt ins praktische tägliche Leben. Ter Nimm braucht in uns Frauen heute eine positive Stühe. Stand er früher fest und sicher aus dem Boden seines Berufes und seiner unerschütterlich scheinenden gesellschaftlichen Stellung, jo ist er heute herauSgerisien, und wenn er sich auch äußerlich hat halten können, so ist er doch seelisch aufs Tiefste erschüttert. Ihm sind alle Grundlagen seines positiven, sickeren, optimistischen Lebens genommen, und cs bedarf der Einsetzung oller Kräfte, sein Gleichgewicht wiederherzustellen. Vir wollen nicht zerbrechen, wir wollen aus den Trümmern neu aufbauen, nnd hier setzt die schnüre, aber große Aufgabe der jübifdjen Frau ein. liniere Wurzeln lagen immer mehr im Seelischen als im Materiellen. Air können also auch von dem materiellen Umbruch nicht so tief erschüttert werden wie der Mann, dem Prestige und Verantwortung für die Familie oft die ganze Welt bedeutete. Tie Frauen, die beruflich einspringen. können, haben Gelegenheit, sich am schnellsten zu ■ ^weisen. Aber die meisten Frauen haben nur die andere Möglichkeit und die ist nicht weniger schwer und nicht weniger erfolgversprechend: die Möglichkeit, die Pflicht, ihre inneren Kräfte zu entwickeln, und dadurch dem Manne zu helfen, ■ nicht nur über diese schwere Zeit hinwegzukommen, sondern sie zum.Ausgangspunkt einer inneren und äußeren Erneuerung zu machen. Wir müssen klar sehen und-uns und unserer??.it den Spiegel Vorhalten. Wir müssen zugeben. Aifc wir bequem geworden waren. Wir lebten mcift in ausreichender Behaglichkeit, und kümmerten uns wenig um unsere seelische, besonders um unsere iiidische Entwicklung. Wir glaubten, unsere Stellung in der deutschen Heimat fei für immer gesichert und vergaßen ob dieses sicheren äußeren Seelenheils unser Jude-fein. Tie Zionisten kümmerten sich mehr um die ..indische Frage". Sie ersehnten als höchstes Ziel, mch Palästina zu kommen. Unsere Gegenwart und unsere Zukunft ober heißt Deutschland. Und wir wissen, daß wir diese seelische Verbundenheit auch heute nicht aufge'ben können — ist uns doch, als Mrrisse unsere Seele, wenn wir daran denken, von hier fortgehen zu sollen. Wie deutsche Auswanderer in.^Amerika gute Amerikaner werden und gleich, zettlg gute Deutsche bleiben, so manifestiert sich im Weshudentum diese Wechselwirkung zu stärkstem Erleben. In der heutigen Entwicklung ist dieser Weg der schwerste, dornenvollste. Da er aber nicht botn Verstand oder vom Wollen abhäügt, sondern durch eine tiefe seelische Verbundenheit bedingt ist, so muß er gegangen werden. , Unsere Kinder, lehren uns echt und eindeutig zu sein und wir können ihnen nur weiter' Führcrin und Beraterin sein, wenn wir die?!otwendigkoiten unserer Zeit verstanden haben.' Um nicht, hinter unseren Kindern ' zurückzubleiben, um ihnen , zu Helsen, wenn sie uns brauchen, müssen wir unsere verstaubten Kenntnisse vom Judentum erneuern. Wir müssen das, Ewige, Schöne anders sehen lernen. Wir müssen mit neuer Betrachtungsweise. dic^ aufschlußreiche jüdische Geschichte und jüdisches Sein und Werden sehen, um sie als Grundlage' für die neue Zeit besser erkennen zu können, vor allem auch die deutsch.jüdisck)o Geschichte So ist es notwendig, daß wir an unseren s Kindern, die durch die Bünde in diesem Sinne ' gefördert werden, und die dadurch einen tüchtigen Vorsprung bekommen, lernen, für sic und mit. ifjneit lernen. So ist das Gebot der Stunde, auch für uns Frauen, nicht abseits, sondern zusammen-, guftcfjcn und uns gegenseitig zu helfen. Dann', werden wir, auch für uns Juden, eine auS Schmerz , und Leid geborene neue Zeit entstehen sehen, an j der jeder auf seine Art und an seiner Stelle mitge- ’ Holsen hat, dem einzelnen zum Nutzen und der Gesamtheit zum Segen. ' IJnnsl Kauf. JÜDISCHE Frauen-Gestalten , Miriam spricht: Immer mußte ich die '„Große Schwester"' spielen, seit ich denken kann --- noch ehe der'^ jüngere Bruder auf der Welt war, der nachmals ein berühmter Mann wurde. So mag's kommen, daß ich ein wenig altklug wurde.: Ob's wahr ist, daß ich als Erste dem Bruder ins Auge sah urrd den: Vater Amram verkündete: „Dieser wird uns aus der Knechtschaft zur Freiheit führen!" — ich weiß es nimmer, aber kluge Männer haben mir's später erzählt. Das aber weiß ich noch gut, wie schwer die Tage damals waren: Vater und ' Mutter mußten Frondienste leisten, von srüh am Morgen bis zum späten Wend — ' und jeden Tag wurden neue, grausame Befehle' vom König bekanntgemacht, bis dann deri grausamste von allen lautete: Jeder neugeborene Sohn unter den Juden soll getötet' werden. ... Oft und oft gingen Mutter und ich damals hinaus aufs Feld: da sahen wir unter den hohen Aehren manches Kindlein liegen, das die verzweifelnde Mutter ausgesetzt und allen Winden überlassen hatte. Die Muter nahncks dann in die Arme und pflegte sein; -upd ich' holte Milch und gab ihm zu trinken. Als aber dann bei uns daheim ein Knäblein geboren wurde ... wie wandelte die Mutter sich da! Einmal des Nachts fuhr ich auf.von meiner Matte; mir schien, ich hörte einen Laut. Da stand die Mutter mitten in der Hütte, hatte ein großes Tuch umgeschlagen, und unter dem Tuche ... fast traute Karoline von Humboldt Gemälde von Gottlieb Sckick. In Schloss Tegel Zu dem untenstehenden Aufsais sich den Augen nicht mehr ... barg sie das -Binsenkörbchen, in dem sie erst abends den kleinen Bruder sorglich und liebevoll zur Ruhe gebettet hatte. Schon war sie draußen; leise, leise schlich ich ihr nach. Zum Flusse eilt sie mit großen Schritten; kaum konnte ich ihr folgen. Mir sank das Herz. Will sie das Brüderchen ertränken? Das Kleine, das sie noch eben ans Herz gedrückt hatte?-Da legt sie's im Binsenkörbchen ins Schilf — leise schwankt der Korb im Wellenbette — beugt sich noch einmal nieder zu ihm — und fort ist sie, das Haupt verhüllt wie eine Trauernde., — Nicht mochte ich ihr folgen:i ich blieb in der Nähe und ließ das Kind nicht aus den Augen, das schlafende. Langsam graute der Morgen; ein Föhnwind wehte, schwül, Kühlung zog vom Flusse herüber, lockte zum Bade. Vioch kauerte ich im Schilf , und wartete. . Da kam ein Trupp schöner Jungfrauen, mit wehenden Schleiern und' weißen Gewändern. Die Schönste von ihnen entdeckt das Kind, das leise wimmert. „Wes ist das Kind? Ich will es retten!" -- „Den Juden gehört's, laß es ertrinken!" wehrt ihr die Magd.' Doch sie beharrt: , .Ich. will 'es retten: wüßte ich nur eine Amme!" — Und schon, spring' ich vor: „Oh. Königstochter Bitja, ich weiß eine Amme — sie wird es hegen, wie chr eigen Blut!" Und ich holte die Mutter. Der Bruder hat's mir niemals vergessen, daß ich chm dazumal fast das Leben rettete. Mit mir beriet er sich, als sie chm ans Leben wollten und er fliehen mußte; mir vertraute! er nach der Rückkehr das große Geheimnis vom brennenden Dornbusch. Und als der ge^ wattige Tag kam. der furchtbare Tag, da unser Volk das Meer durchschritt, und die Wogen standen wie eine Mauer zur Rechten und zur Linken ... auch damals starrd ich an seiner Seite. Als sein Lied anfhörte, da sing das meine an., Frauen des Volks scharte ick) um mich, junge und alte, und begann vor ihnen das Siegeslied der Frauen: Singen will ich dem Herrn, denn hoch ist er und erhaben: Roß und Reiter stürzt er ins Meer. ... Aber schon bei diesem Worte stockte mir dir Lippe: Mensch starb nnd Tier im Abgrund des Meeres ... wie, kann eine Frau da jubeln?! — Und Gott der Herr verstand mich. Vorn Himmel ertönte die Stimme und sprach zu mir. als der Atem mir stockte: Meine Kinder versinken im Meer ... und ihr wollt jubeln und Lieder singen?! Da wußte ich, daß Gott mir recht gab. daß ich schwieg. Und allsogleich begann in der Wüste ein Brunnen zu rieseln unter meinem Fuß. „Miriams Brunnen" hieß ihn das Volk — und freute sich der Labung. — Oioch heute rinnt der Brunnen im fernen Lande; und» wer daraus trinkt, darf den Garten Eden schauen. Das ist mein — Miriams — Vermächtnis. _ Iparon. Tonangebsnd! Tonangebeird, das war einWal, vor kurzer Zeit noch, der Inbegriff der Eleganz und des Schicks. Ties und das. diese und jene waren tonangebend. Man lies sich gegenseitig den Rang ab. um ja nur recht tonangebend zu sein, und einer suchte den anderen daoei zu übertrunrpsen. Ob es sich nun um eine große moderne Wohnung oder um ein neues Kleid, um ein Auto oder um eine Einladung handelte, das wichtigste war es immer, recht tonangebend zu sein. ■ Karoline von HramlboMt Von Dr. Hugo Lachmariski Die Kulturgeschichte des letzten Viertels des achtzehnten und des ersten Viertels.des, neunzehnten Jahrhunderts kennt kaum eine Mite Frau, die, ohne im eigentlichen Sinne, selbstschöpferisch zu sein, mit' den geistig-künstlerischen Interessen ihrer Zeit so eng verknüpft iß. wie Karoline von Humboldt, die Gattin des Staatsmannes und Gelehrten, des Diplomaten und Sprachforschers, des scharfsimrigen Ästhetikers und edelsten Repräsentanten der. Humanitätsidee, Wilhelm von Humboldt. Die Besonderheit ihrer gesellschaftlichen Stellung, die der anmutigen Tochter des Erfurter' Kammerpräsidenten von Dacheroden einen erhöhten Platz im Leben zugewiesen hatte: eine seltene Rezeptionsfähigkeit, die auf vielfachen weisen an der Fülle äußerer Eindrücke zu einer berüefien Kenntnis von Menschen und Dingencmporwuchs; die fortdauernde Anregung, die chr aufgeschlossener Sinn aus der universellen Tätigkeit des Gatten empfing —. diese Faktoren bestimmten den Lebenskreis Karolinens, der „idealischen Erscheinung voll Adel und Einheit", wie der ihr persönlich nahestehende Schiller sie einmal genannt hat, und rückten . be in das Zentrum einer Eeiftesepoche. in der, bch ihr die Tore von Leben und Kunst, von Gesellschaft und Dichtung weit auftaten. # ■ Eine Fülle aufschlußreicher Briefe. — allein die Korrespondenz zwischen Karoline und Wil- Helm von Humboldt liegt in sieben starken Bauden gedruckt vor —, aber auch von Mitkllungen der Zeitgenossen) von Memoiren und ^agebuchblättern hat uns mit der'anzichön- Jcn Persönlichkeit Karolinens eingehend verstaut gemacht. In der lebendigen Spiegelung solcher dokumentarischen Zeugnisse breitet-zctzt Hermann Hettl erchr Lebensbild erneut vor une aus. indem er in einem'reizvoll anSgestatteten Buch (Verlag von Koehler L.Amelang, Leipzig) Karoline im 'wesentlichen für sich selbst sprechen läßt, ihre brieflichen autobiographischen Bekenntnisse mit einem sachlich verbindenden Text begleitet und auf diese Weise 'nicht, bloß die einzelnen Stationen ihres eigenen vielgestaltigen Lebens von außen und innen erhellt, sondern auch bedeutsame Reflexe aus. ihre Beziehungen' zu einem ausgedehnten Freundeskreise fallen läßt., , . ■ In diesem Kreise hat das spezifisch jüdische Element von jeher eine nicht unbedeutende Stellung eingenommen Gerade in der Zeit, in der Wilhelm, von HunrboUck in das noch an die Grenzen ihrer thüringischen Heimat gebundene Leben Karolinens eintrat, hätte sich tu Berlin die Geburt«- und Geistesaristokratie mit dem gebildeten Judentum in einem höchst anregenden, geselligen Verkehr zusammengefunden, bei dem die jüdische Frau eine dominierende Rolle spielte —. allen voran die schöne, umschwärmte Henriette Herz, die „tragische Muse" von Berlin, deren zartes FreundschaftöverhältniS mit dem kleinen, verwachsenen Theologen Friedrich Schlciermacher njcht nur die Mißbilligung seiner Vorgesetzten Be- Hörde, sondern auch den Spott der Bevölkerung . hervorries, und die dem puerilen., in einen Zustand der Liebesraserei verfallenen Ludwig Börne fast das Leben.gekostet hätte. Im koketten Glanz ihrer marmornen Schönheit sonnte sich auch der jugendliche Wilhelm von Humboldt,-der es in ihrem Hause viel interessanter fand, als . auf dem „Schloß Langeweile" in dem nahen Landsitz Tegel, sich von der sprachenkundigen Gattin des Moses-Mendelssohn-Freundeü Markus Herz im Hebräischen unterweisen zulassen, und als eifrigstes Mitglied dem von ihr gegründeten „Tugendbund" angehörte - einer sentunentalen Vereinigung männlicher und werblicher schöner in' der man andächtigschwärmte, äs-helisch - flirtete, Aug' - in Auge oder.in verstwgenen schriftlichen GefühlSergMen'siQi dre tiMen HLrzensgeheimnrsse offenbarte, alles mit - dom. ausgesprochenen ^Zweck einer. gegenseitigen „Beglückung durch Liebe". Der Tugendbund konnte diesen Zweck zum erstenmal praktisch bewähren, als Wilhelm von Humboldt und Karoline in seinem Zeichen rrnd unter dem Schutz seiner liebenswürdigeir Stifterin eine dauernde Lebensgemeinschaft miteinander eingingen. Seitdem verbanden kaum je verblaßte Jrigenderimrerrmgen, die beiden Frauen, die sich im Leben wiederholt — in Berlin, in-Wien, in Rom — begegneten, und wie ein milder Abglanz dieser Erinnerungen liegt es über den Worten, die Karoline von Humboldt viele Jahre später, im Februar 1813 in einem Briefe aus Wien, wo sie nach längerer Zeit Henriette Herz wiedersieht, an Barnhagen von Ense richtet: „Ihr Gesicht war mir unbeschreiblich rührend, als ich sie hier wiedertras. Auch noch im Verblühen so schön — und dann schien's mir durchzublicken wie durch einen Schleier auf die seligen Jugendgesilde ihres und meines Lebens." Durch den-Tugendbund hatte Karoline von Humboldt auch einige andere Berliner Jüdinnen kennengelernt, deren Lebensweg sie dann mehrfach kreuzte: die kluge, im Bereiche des Intellekts.wie des Gefühls gleichermaßen heimische Dorothea Veit, Moses Mendelssohns älteste Tochter, dieihre großen Geistesgaben später in einer sorgenvollen Ehe mit Friedrich Schlegel opferwillig verzettelte, und die beiden Schwestern Marianne und Sara Meyer, die in hohe aristokratische Kreise hineinheirateten nnd von denen die jüngere und reizvollere, Marianne, das leicht entzündbare Herz ' Goethes entflammte, lvährcnd Sara bei Les° sing in Wolfsenbüttel mehrfach Gastfreundschaft genoß. Eine besondere Anhänglichkeit, die weder durch die völlige Verschiedenheit der äußeren Lobensumstände noch durch die Divergenz ihrer Geistesrichtuilg getrübt wurde, bewies Karoline von Humboldt im Verkehr mit der früh alternden Dorothea, die während eines gemeinsamen Wiener Aufenthalts, wie Karoline bekennt, ihren „allerliebsten,, ihren allcrinnigsten und vertraulichsten Umgang" bildete. Und als dann Dorothea im Jahre 1818 ihren Sohn, den Maler Philipp Veit, für längere Zeit in Rom besucht, trifft sie wiederum mit Karoline, der alten Jugendbekannten, zusammen, empscürgt voirder freigebigen Mäzenatin umnches wertvoll« Kunstgeschenk und darf beglückt ihrem Mann!) melden, daß Frau von Hmnboldt, wie immer, „überaus freundlich und liebreich" gegen! sie sei. Abseits jedoch von allen bündlerischen Be^ strebungen gedieh Karolinens freundschaftlicher Verkehr mit Rahel Levin. der vielgepriesenen Beherrscherin der Berliner Salons, der — nach Heinrich Heine — geistreichsten Frau des Universums. Beide Frauen waren sich zuerst in Berlin im Jahve. 170.* persönlich nähergetreten, nachdem der jung« Kammergerichtsreserendar Wilhelm von. Humboldt in Rahels empfangsbereiter Mansarde in der Jägerstraße etwa fünf Jahrs vorher seine Selbstbildung eifrig gefördert: tmb ihr jüdischer Jugendfreund, David Veit, Dorotheens Neffe, während seiner Studienzeit in Jena eine ständige Verbindmrg zwischen dem Hanse Humboldt, in dem er eini gern gesehener East war, und Rahels geistigem Tuskulum in Berlin hergestellt hatte. Seit ihrer Berliner Begegnung standen Karoline und Rahel in innigen, trotz mannigfachen Unterbrechungen viele Jahre' hindurch andauernden Beziehungen — zwei gleichgestimmte und doch wieder unähnliche Naturen.-die immer wieder zueinander hinstreüten: Karoline, anlehnungsbedürftig in ihren erst spät zur Selbstbeherrschung gedämpften, dunklen Leidenschaftlichkeit, ein Wesen von tiefen Ceelenanlagen. die sich im Strom eines LebenS. das von den Göttern mit allen Freuden den unendlichen, allen Schmerzen den unendlichen gesegnet war. zu einem ruhigen und harmonischen Ebenmaß heranbildeten: Rahel mit dem schrankenlosen Trieb zu individuellster und originellster?lusprägung ihrer ganz auf sich selbst gestellten Persönlichkeit, der sich die Freundinin. allen Herzensnöten blindlings ^2