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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-29 · 13 (29.3.1934) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
13 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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w rn-ppn? 4. ©c30®g®* VGsLLWsLsLQ T7G^SSZZG§GSEE sssLZM VG2L ILm Mo^OJ? m JLföfaO^ Nehmt Platz! Wir wollen ansangen. Ich freue mich, daß ihr jüdischen Hausväter von Alfhausen alle meiner Einladung gefolgt seid. M habe euch gebeten, in'mein Haus zu kommen, denn mit dem (Sehen will's bei mir nicht mehr so recht. Wenn ihr mal 80 Jahre alt cid, heißt's bei euch wahrscheinlich auch: Immer langsam voran! Aber erzählen kann i jch noch, und ich habe euch heute abend viel?. m berichten. Wir sind zu einem frommen Werk zusam- ■* mcnqekvmmen. Wir wollen den Wohltätig-- \ fcitsoerein Zur heiligen Flamme wieder ins l Leben rufen. Wie er entstanden ist, das könnt 1 ihr nicht wissen, denn ihr wohnt ja alle erst! seit ein paar Jahren hier, seit Alfhausen ein \ Fabrikort wurde. Bor dem großen Brande :: waren hier 15 jüdische Familien. Ein e Fa-!■ milie bestand aus drei Personen, Vater, : Mtter und Tochter. Heim hießen die Leute, i Ter Mann sprach wenig, und wenn er unter i vielen Leuten zu reden begann, so lächelte er j verlegen. Aber »was er sagte, klang immer so t schon. Ich glaube, er war in seinem Herzen j ein Dichter. Um das Geschäft kümmerte sich 1 seine Frau mehr als er. Sie hatten ein \ Kolonial- und. Manufakturwarengeschäft. s Frau .Nike verstand sich aufs Verdienen. Wenn ein Kunde eine Ware für zu teuer hielt, 5 so rief sie aus: „Was ich zuviel nehme, das 1 soll mir auf dem Herzen brennen." Ihr Saj lomon hatte wohl das eine- oder anderemal! schüchtern zu ihr gesagt: „Wie kannst du nur ' so sein!" Aber dann hatte sie ihn angefahren:; ^.Tii bist kein Geschäftsmann. Kümmre dich ' nicht um Sachen, die du nicht verstehst!" , Laute, zänkische Worte waren ihm zuwider, und so schwieg er endlich. Gr führte die Bücher und schrieb die Geschäftsbriefe. Viel - gab's da freilich nicht zu tun. Er arbeitete gern im Garten und im Hause. Aber seine schönsten Stunden hatte er, wenn er in guten 1 Büchern las oder sich mit der Tochter befaßte. Tie Lene hatte das seine, stille Wesen des j Kters und sein Empfinden für das Schöne. I Tabei war sie willensstark und tatkräftig wie , die Mutter. Deren „Geschäftsgeist" hatte sie \ glücklicherweise nicht geerbt. Als sie noch ‘!!nn war, erzählte ihr der Vater im Winter Lärchen, im Sommer saß er oft in Mußei stunden mit Lene im Garten unter dem alten; Birnbaum und sprach zu dem Töchterchen von , dem Werden und Wachsen in Feld und Flur. - Tic Feier der Freitagabende und all der anderen festlichen Zeiten des jüdischen Hauses " ging nur für Vater und Tochter vor sich. Die r Mutter beobachtete die religiösen Vorschriften ■ wohl, aber wenn sie von ihnen nicht gesagt ' hätte: „Das uultz man," so hätte sie sicher kein Sabbatmahl bereitet. Wenn der Vater am Frettayabenb nach Tisch aus der Bibel oder aus Dlchterwerken vorlas, blickte sie gelangwerlt drem, stand auf, sah in der Küche nach, ob die alte Magd auch nichts für sich auf die Sette gebracht hatte, kam wieder herein, gähnte und schlief aus dem Stuhl eim Dann war es gemütlich. Als Lene 16 Jahre alt war, starb der Vater. Ostern danach bekam die Gemeinde emen Lehrer. Früher hatte Salomon Heim die Krnder im Hebräischen unterrichtet und m der Synagoge vorgebetet. Der neue Lehrer war auch Vorbeter und Prediger. Wrr haben viel bei Lilienthal gelernt. Sein Gehalt war nicht groß. Er erhielt vierteljährlich 60 Taler, bekam das Geld aber niemals pünktlich, denn die meisten Gemeindemitgliedern zahlten die Steuern zu spät. Am meisten Last hatte der Vorsteher Kahn, der auch die Kasse verwaltete, mit Frau Heim. Als sie zum erstenmal einen Steuerzettel erhielt, geriet sie in Wut. Sie lief zu Kahn und schrie: „Was, ich soll Steuern zahlen? Ich bin 'ne arme Witwe." „Nun mal ruhig Frau Heim," sagte der geduldige Vorsteher, „Sie versündigen sich, wenn Sie sagen. Sie wären arm. Sie haben ein Haus —" „Davon kann ich nicht essen." „Sie haben ein Geschäft.^ Sie verdienen doch?" „Gar nichts verdiene ich, und für daS bißchen muß ich mich genug plagen." „Ja, aber das hilft nun alles nichts. Wir müssen alle zahlen, und ich kann mit Ihnen keine Ausnahme machen. Herr Lilienthal muß doch auch sein Gehalt haben." „Wenn der Lehrer so teuer ist, warum habt ihr ihn denn genommen?" Damit stürmte sie aus dem Hause, schlug die Tür hinter sich zu, raste heim und tobte in ihren eigenen Räumen weiter. Der arme Lilienthal mußte ihre häuslichen Gefühlsäußerungen mit anhören, denn er war gerade ins Haus gekommen, um Lene Stunde zu geben. Ja, Lene hatte bei ihm Unterricht. Daß der Lehrer dabei nicht viel verdiente, könnt ihr euch wohl denken.., Aber was verschlug ihm das! Die Stunden, die er Lene gab, gehörten zum Schönsten von allem, was er hrer erlebte. Und Lene? Der Zauber jener schönen Stunden, die sie mit dem Vater verbracht, lebte wieder auf. Aber ein neuer Zauber kam hinzu: die beiden wurden ein Liebespaar. Frau Heim wußte lange Zeit nichts davon, daß Lene und der Lehrer sich gern hatten. Aber man munkelte im Städtchen darüber, und so erfuhr die Mutter es endlich auch. Sie teilte Lene zur Rede — in ihrer sanften Weise, o daß man manches aus der Straße hören ksnnkö. . „So.!«’. Hungerleiders —^ Für.deck Hab' ich mich nicht geplagt. — Die Stunden hören auf." Lilienthal durfte Heims Haus , nicht mehr betreten. Die Frau hatte wieder einmal ihrett Millen durchgesetzt. Mer Freude brachte ihr der „Sieg" nicht. Sie verdiente weiter und sagte ' noch manchmal: „Was ich zuviel nehme, daS soll mir aus dem Herzen brennen." Sie legte, ' was sie im Laden eingenommen, in den schweren, eisenbeschlagensn Kasten und brachte, wenn sie 20 Taler in Haushalt und Geschäft entbehren konnte, das Geld in die Kreissparkasse. Oft kam das nicht vor, denn wie wenig konnte man in jenen Zeiten tzurücklegen! Sie glaubte, niemand wisse von ihren Ersparnissen. Aber man hatte sie beobachtet, ein Sparkassenbeamter hatte geschwatzt, und so war es bekannt geworden. Wie froh war sie immer von ihrem Gang zur Sparkasse — zwei Stunden hin, zwei zurück — nach Hause gekommen. Jetzt war's anders. Es war so still in ihrem Hause. Lene ging traurig einher, und das Mädchen war, wenn die Mutter es ■ auch oft schalt, doch ihr Stolz und ihre Freude. Einige Monate gingen hin — und dann war der große Brand. Es war im September, zwei Wochen vor den Herbstseiertagen. Gegen sechs Uhr nachmittags saß mein Vater mit unserem Nachbar Heineke auf der Bank vor unserem Hause. Ich stand bei ihnen und hörte ihrem Gespräch zu. Mit einem Male unterbrach sich mein Vater und sagte: „Wat es dat sör Qualm?" „Jo," sagte Heineke, „ek weit auk nit." Da kamen auch schon ein paar Jungen aus der Kirchgasse gelaufen und riesen: „Füer, Füer! Et brennt!" „Wo denn?" „Bi kleine Schmitts an de Waterporte." Alles lief aus die Straße. Man schrie durcheinander. Wilms Mutter hatte den hölzernen Kochlöffel in der Hand und eilte mit ihm in der Menschenmenge nach dem Wassertor. Da stand die Hütte des kleinen Schmitt in Flammen. Seine beiden Jungen hatten in dem leeren Stall gespielt, sich ein Feuerchen gcmackst, und so war der Brand entstanden. Schmitt und Frau retteten ihre Habseligkeiten, und die Nachbarn halfen Ihnen. , Unterdes tanzte der blöde Hiunerk herum und sang: „Wenn dat nit gutt sör de Wanzen is, denn weit ek nit, wat better es." Die Feuerspritze . kam heran, gezogen und geschoben von sechs kräftigen Leuten. Sie wurde ausgestellt und mit Wasser gefüllt. Ich half auch. Wasser holen. Wohl zischte der Strahl in die Flammen, aber das Feuer war schon zu weit vorgeschritten. „Et es nix te malen. Lot't brennen!" So gab man Schmitts kleines Besitztum Preis.' Mer, aber, es tat sich ein Wind ‘ 'auf und trieb die Flammen nach Dierks Scheune. Die fing Feuer, und es sprang von einem Gebäude aus das andere über. Schauerlich ertönte in Zwischenräumen die Feuerglocke. Aus Nachbarorten kamen Leute mit den Feuerspritzen herbei. Sie halsen nach Kräften, aber — Fachwerkhäuser. . . in jedem Hause Heu, Stroh und Korn . . . seit Wochen herrschte Trockenheit: alle Häuser westlich von Alsenbach und auch ein paar auf der Ostseite brannten nieder. Mein Elternhaus — es ist das Haus, in dem mir jetzt sind — blieb verschont, und wir nahmen drei obdachlose Fami- Von Arthur Si!b©r$!e2t Zwischen Herzen und Harfen in Welt und Wald Schläft Er. ‘ Aber träfet Ihr Ihn au! der Grossstadt Asphalt, Ihr wüsstet nicht: Wer? . Nur am kargen Felshang die hirtenbeliütcten Ziegen, Die Bilschelrupler, ahnen Ihn Und die Winde, in denen emporgeworfen wie Kinderdrachen die seidenen Mäntel chinesischer Gaukler fliegen Zum Wolkenhermelin, Und die goldenen Gondeln, die sich nach Seinem Atem wiegen Und zu den blauen Buchten, der Engel ziehn. Und die Schlangen, Vögel und Falter und die Jahresringe Der Bäume danken Ihm Mehr Mythen und Märchen als aus seraphischer Schwinge Rauschen Seine Cherubim, Und die Dichter, die kühn ihre Hymnen warfen Zu Seiner Sonnen Saum Und Ihn suchen zwischen Herzen und Harfen Im Traum .... IIIIIIIIIIIII!l!IIIIIIIIIHII!IIIIII!!!!i!!!IIIIII!|[||||||||||||||i!UI!ll|||||||||!l|||J lien bei uns auf, Drees, Lütkes und Rosenthals. Frau Seim-- zuerst wurde sie in der Bxandnacht nicht von der allgemeinen Aufregung ergriffen. Als aber gegen zwölf Uhr sich das Feuer dem Markte näherte, wurde sie kopflos und gab ihrer alten Jette Befehle, von denen einer dem anderen widersprach. Lene war nicht daheim. Sie war seit vierzehn Tagen bei ihrer Tante in Elberfeld zu Besuch. „Trag' die Betten zu Rosenthals! — Sicht, bleib' hier! Ich geh' selbst." Mit zwei Obcrbetten bepackt, ging sie auf den schauerlich er-- leuchteten Markt. Nach ein Paar Schritten kehrte sie um, ging wieder ins Haus, legte die Betten auf den Ladentisch und sagte zu Jette: „Du bleibst mir hier, gehst mir nicht aus dem Haus! Ich bleibe auch hier und passe aus. Es können Spitzbuben kommen, die was retten wollen. — Lauf' mal zum Pastor und sag'... . Ach, du lieber Gott, die Kiste!" Damit stürmte sie die Treppe hinauf, holte aus einem Verschlage hinter ihrem Schlafzimmer die schwere Geldkiste und trug sie mühsam nach unten. Im Flur setzte sie sie nieder. Jette wollte helfen. sie sortzuschaffen, aber Frau Heim ließ es nicht zu. „Ich komme gleich wieder." Sie hob die Kiste auf und trug sie in ihren Armen hinaus. Nur langsam konnte sie sich mit ihrer Last sortüewegeu. Jette sah ihr vom Hauseingang nach, bis sie nach etwa 20 Schritten um die Ecke bog. Eine Viertelstunde verging, noch eine und noch eine, Frau Heim kehrte nicht zurück. Das Feuer kam immernäher. AsM iM TrÄsLZ A Mkirbund Das erste Märzlonzett gehört zu den schönsten Aviidei,. die uns der Kulturbund bisher brachte, cs wurde von jener eindrucksvollen Stimmung getragen, die haften bleibt, auch nachdem der letzte Akkord verklungen ist. Tie Vervollkommnung der j einzelnen Spieter (Bläser!), die Sensibilität echten : Enstinblegeistes lasten'heute Ausführungen gelingen, t tte bar drei Monaten noch scheitern mußten; so! kann nun nach und nach der Raum der großen i sinfonischen Musil erschlossen worden, nach und nach; ' tt„n keineswegs möchten wir die besondere Pflege; *oii Werken junger jüdischer Komponisten missen. Tie Moderne war diesmal mit der „Kleinen Musik?!"r -.reicher" von Warner Seelig-Baß vertreten, j Stück wurde schon vor kurzem aufgesührt und } h’cr besprochen. Diesmal wirkte es in einer ausj gefeilteren Wiedergabe — mit größerem Orchester ,, unter unserem ersten Dirigenten — bester, ohne daß .!>ch der erste Eindruck grundlegend änderte. Tie; Ausil ist eher opernhaft, weniger sinfonisch; selbst i d'e sonst llar durchgesührte Linie einer Fughetta toirb ,zu einer .gelte von Stimmungsbildern. ES , folgte Beethovens Violinkonzert. Joseph Nosenf n o ck gab schon durch die sehr gehaltenen Zeitmaße f Work den Zug lyrischer Versonnenheit uird; J^rme; so läßt er dem Solisten, dein vielfach be-; Ehrten Konzertmeister Willy Frey, genügend ^lnelraum, seine ganze Kunstsettigkeit zu entfalten; s'ud sein künstlerisckM Empfinden ausströmen zu Mstn; in beidem, im Virtuosen und im Geistigen, stand Freys Leistung sehr hock). Wer alle technischen; Voraussetzungen so sicher erfüllt und zu einer so; oermnerlichten Darstellung vordringt, darf sich mit. i ^cht an die größten Aufgaben der Literatur svagen. (£in glanzvolles Musizieren auch des Orchesters, ein Zeugnis seiner Ausdruckskraft, seiner ^faitten Nachgiebigkeit beim Begleiten. Das : ^gms, flm Schluß des Konzerts eme Atendels- : i°ün.Siiifouie au spislen, nachdem gerade vorher rr Geist Beethovens beschworen wurde, gelang. --iondelSlvhi; hat eineu selbständigen, nur ihm ' S" Musilstil geschaffen und so die Forderung stullt, btc wir als letzten und hdchjien ®n den Produktiven Künstler im Reiche der Musik Megen haben. Im Gegens tz zn.r Beethoven- ^"rrpretation zog Nosenstock hier die Tempr stark und betonte den Auslug von Dämorue, und namentlich im ersten Satz die naturnahe Drama»» til der Sinfonie. Das ziveite März-Sinsoniekomert unter Michael Taube brachte als Neuheit Israel Brandmanns „Variationen über einen palästinensischen Volkstauz" für Streichorchester, ein Stück von einem gnvissen Stimmungsreiz; ein bedeutendes Werk sind diese Variationen nicht, koirntcn cs gar nicht werden, weil das Thema nicht gehaltvoll und charakteristisch genug ist, um eine größere Reihe bon Vcräuderungen zu tragen. Für die Schönheiten des übermäßigen Sokundschrittes siird wir nicht mehr empsänglich, weil uns dieses Intervall allzuoft in den Werken jüdischer .Komponisten begegnet. Das Opus fällt in zivei Teile auseinander, der Stilbruch ließt' bei der Variation für Soloinstrumente; der erste Teil ist Borodms „Steppenskizze aus Mittelasien" nachenrpfunden. Solistin dos Konzerts war die Pianistin Heida H e r m a n n s. Die Künstlerin hat das Fingerspitzengefühl und die leichte Hand, um die Anmrrt und Virtuosität von Mozarts A-dnr- Konzert mit perlender Geläufigkeit zu interpretieren. Dabei hält sie sich vom Nur-Akkuraten ebenso fern wie von falschem Ronrantisieren; beides hört man oft. Atan spürt die echte Freude am Atusizieren, die hier am Werke ist. und so darf sich auch der Hörer an der herrlick)en Komposttion und ihrer sehr gelungenen Wiedergabe freuen. Dem Abschluß bildete Brahms dritte Sinfonie. Taube hat mit dem Orchester tüchtige Arbeit geleistet, die ihre Früchte tragen wird, wenn sich auch die Wiedergabe dicsnral mehr auf eine al kreseo-Darstellung beschränkte. Ein anderes Koipzert galt als Ehrenabend für Viktor Ernst Wolfs, dm vorzüglichen Musiker, Cembalisten, Pianisten und Begleiter. Wie der Künstler eigene historische Studien und Kenntniste seinem musikantischen ^pwl rmtzbar macht, das zeigte, er durch eine prcichhke Wiedergabe der L-ckur-Lmte und der Grobschmud- Variationen für Cembalo von Händel diesen silbrigen rauschenden Klang des alten Instruments wirkungsvoll ausleben ließ. Die Geigerin Jadwlga.. E l 6 n e r - F r o m m e r wirkte dwsnml als Lvlrsttn wmtmrL freier als neulich beim Kammermusiksplel. Sie brachte zrvei Sonaten von Bach und BrahmS mit Stilgefühl, Atusikalität und, von einigen Unrci'ck-tten abgesehen, weichem, getragenen Ton. namentlich bei Bach. Ein Bokalteil wurde von dem Koloratursopran von Romana Hambrigk bestritten. Die seine Stimme wollte m AtozarLZ Halleluja, dem Schlußteil einer Rtotette (um einen Ton höher transponiert) den großen Raum nicht reckst füllen. Dafür sang die Sopranistin mit leichtem Ansatz mühelos ausgedehnte Koloraturen, wobei sie auch den virtuosen Kadenzen eine gewisse Beseelung zu geben verstand. Im Kulturbund sprach Dr. Oskar G n t t - m a n n über Meyerbeer. Er schilderte die kulturgeschichtlichen und musikhistorischen Vorgänge in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, zeigte in lebendiger Fornr die Welt, in der Meyerbeer lebte und wirkte und aus der heraus er gesehen und verstanden werden will. So kennzeichnste Guttmann die Veräußerlichungen und Sensationslust Meyerbeers nickst als ein jüdisches Charakteristikum, sorrdern als Ausdruck eines Zeiistils, dem damals viele huldigten und den Meyerbeer nur mit besonderer Virtuosität handhabte. Der Vortrag war trotz seiner wissenschaftlichen Haltung auch einem Laienpublikum durchweg interessant und anschaulich: amüsant waren die zahlreich eingestreuten Anekdoten und Zitate von Zeitgenassen. Auf Schallplatten hörten wir die bekanntesten Melodien Ateyerbeers; für einige völlig unbekannte Lieder setzte Paula Guttmann ihre große Musikalität ein. Imäwig Alfmann. SAMMüe Ein Hauskvnzert btt Weil galt dem Schaffen Friedrich Gernsheims (1839 bis 1916), dem hochverdienten Pädagogm, Komponisten. Dirigenten, der in seiner Kit sehr anerkannt war und dann unverdient schnell vergessen wurde. Einige einführende Worte gab Dr. Hans Nathan. GernShttm selber sprach durch eine Reihe Kammermusikwerke zu uns, durch Lieder (von Olga Eigner interpretiert) und zwtt Werke für Cello und Klavier. Gernsheim war Jude, aber er ging so stark im deutschen Kulturkreis auf, daß er nur von der Entwicklung der deutschen Musik her ersaßt werd^r kann. Bei allen Stücken erkannte man die vortreffliche, gründliche Schulung. Meisterschaft im Satztechnischen und Formalen. Man spürt, daß hinter dem Werke eme reife Persönlichkeit steht, die seelisches Erleben in einer inspirierten Viusik Klang werden läßt.- Gernsheim gehört zu jenem konservativm Kreiö. der noch einmal romantische Gefühlsseligkeit in klassisch Zuchtvoller Form faßt. Seine Stellung'in der Musikgeschichte schon heute .. seslzulegen, wird kaum inöglich sein, Wayrschom-. lich wird er einmal zu den Besten der Brahms- Schule gerechnet n>erden. da Brahms' Borbild fast überall herausklingt. Neben Olga Eisner hatten der Pianist Bruno Eisner und der Cellist Hermann Weil ihr großes Klstmen und ihr schwungvolles Musizieren in den Dienst der durchweg klangvollen und eingänglick)en A!»sik gestellt. Die drei Ansführenden boten im zuzeiten Teil prachtvolle ältere Musik von Gabrielli und Bocchermi. B.A. Die Stimme Frida Weber-Fleßburgs. die von früheren Rundfunkabeuddn her noch gut in Erinnerung ist, hat rn der Zwischenzeit nichts verloren, wie sich in einem Hauskonzert bei Tr. Meyer seststellen ließ. Dr. Werner Liebenthal zeigte sich, besonders bei Schubert-Liedern, als feinfühliger Begleiter; zusamnwn mit Hans Kraus spielte er ein Jugendwerk von Nichrrd Strauß, die reichhaltige Cellosonate in F-dur, durch geschickte Agogik die Atouotvnie des Rhythq ' mus belebend. Der Cellist holt ans seinem Instrument einen vollen, weichen Ton. die Linke ist auch bei schweren Griffen stets sicher. Vorbildlich für die Programmgestaltung 'der Hausmusik war ein Nachmittagskonzert' im .Hause Spittel, das ohne virtuose Anleihen oder hervorragende Leistungen ehrlich schöner, schlichter Kunst dienen wollte. Da Ludwig Alt manu hier am Klavier den Sohn des Hauses in eimr der beiden liebenswürdigen Klarinettensonaten ' vor« Brahms und in einem einfach-melodischen Biolinsatz führte, wurden auch die technischen Schwierigkeiten gemeistert; und da die Altistin Ingo A Iburg mit einem diskret-feinen Begleiter, ohne über überraschende Stimmittel zu verfügen, Vach, Händel und Brahms kultiviert und anmutig vortrug, so wurde mit kleinsten Mitteln Großes erreicht. Das . . verdient Anerkennung und — Nachahmung. Kai,' Cmt Nachmittag im Minna-Schwarz-Heim, der zu Ehren von Minna Schwarz künstlerisch umrahmt war. stellte in den Mittelpunkt die Kunst der Cängersn Elli B a n n a 8 pnd ihres Partners -Kurt Herweg am Flügel. Elli Vannos ent- . Zückte die Hörer durch die heitere und tem- . peramentvolle Art ihres Vortrags. Kurt Herweg als Conferencier bot hochwertige Kunst. Professor Josef Schwarz und Boris Schwarz konzertierten am 5. März nicht in Eroß-Strelitz, . sondern in Hindenburg (O.-S.), In

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