Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 13 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit denkerisch'er Klarheit und betäubender sprachlicher Umnittekbärteit ist alles bewältigt und der Roman wurde ein innerlich befreiendes Werl, ux>il der ■'oclb sich durch alle siährlichteilen nach oben dilrchringt. Wir lvaren derartiges on fünfttcrischer Leistung bisher nur von Josef" Conrad und vielleicht von Johannes V. Pensen gewohnt. Biele werden es immer wieder lesen. Jacob Picard. Wtartin Talomonski: „Zwei im andern Vanv". Benjamin Harz-Verlag, Berlin- Wien. Wer Lm't hat, einen Blick hinter den grauen Vorhang der Gegenwart, mitten hinein in die bunte Zukunft des Jahres 1953 zu hm, der folge dein Verfasser auf seinem kühnen, phantastischen stiug ins „andre Land". Cr führt durch Erdteile und Hiimnelsranm, durch Entsührungsgeschichten, Liebesabenteuer, weltmnwälzende Erfindungen und ernsthaste Crörternngei, der nie veraltenden Judensorgen, er führt von tonfilmreifer Reportage über 'vritzige Aphorismen znr' hymnisch verklärten Idee von der Rettung der Jndcnheit auf dein Mond, die aus der Inbrunst einer tapferen fungen Frau geboren wird.;\m U'nteit klm! reis solcher Themen und Ansdrucksniügkichkeiten rollt sich die märchenhafte Begebenheit von Mieaela und Viktor vor uns ab. Wie diese beiden Riemchen über die Liebe zueinander die Liebe zum Judentum finden, und wie rhre Entzweiung diele Liebe zur schöpferischen Tat werden lägt, das iü bei allein Crnst des Grundiilvtivi's mit soviel Witz, Tempo und feiner Bcobachtung gestaltet, daß man leine Freude daran!,at. Aber vor allein: es iü so ein tröstliches lsesühl. im Jahre 1953 bei 3techtsawva.lt EohnS in der Rtenkestraße zu Gast zu sein, in der Wald'chente im Zoo brunnentrinkende Gehalten an sich vorüber- Pehen zu sehen und in der Synagoge „Sankt Fcoanen" dem Tenor des Königs der .sta,stören zu lauschen. Cs ist so tröstlich wie das Vermächtnis 'Viktors, in dein er die Rückkehr der von chm aus den Mord geführten und dort zu Glück und Frieden gelangten Jndenhclt ankündigt: „Tie Zeit wird nahen, in der wir uns wieder vereinigen nnd in hiebe nnd Harmonie am Wähle der Menschheil friedlich arbeiten werden". E. R.—J. DeskMSlrr GM!i»aS Girre Einführung in die Archäologie decc Heilige,». Landes von Professor (5arl Wahingcr. Verlag I. G. Hinrichs, Leipzig. 1. Teil. Ter Verfasser hak sich das Ziel gesetzt, die Denkmäler des Heiligen Landes, wie sie die Ausgrabungen und Forschungen der Neuzeit iu unser Blickfeld gestellt haben, allen Freunden Palästinas näher zu bringen. Mit kundiger -Hand werden hier die Grgebnisse jener Arbeiten, unter besonderer Berücksichtigung des seit dem Ausbruch des Welt- Irieges Geleisteten, zusammengesaßt. So entsteht, aus zeitlich und räumlich weit auseinandcrliegenden Funden, ein Gesamtbild, . das, über bah rem Archäologische hinausgehend, uns die Erkenntnis von der bedeutenden stistturmission Palästinas vermittclt. Rings von mächtigen Staaten und Stämmen alter Kultur umgeben, als Grenzland wie als Tnrchgangsstation der Gewalt fremder -Herrscher nnd dein Eindringen fremder Sitten oft wehrlos preisgegeben, zeigt der Bvden des Heiligen Landes heute noch die Spuren sencs Einflusses. Aber neben ihm treffen wir. mehr als man von vornherein aunehmeu sollte, aus eine b v d e n * n ä ndige Tätigleit der Eingesessenen. Jene Sonderart 'Palästinas äußert sich nicht so sehr iu soWändigm. schöpferischen Leistungen, als in dem Verarbeiten der aus der Fremde hereingedrungenen Motive. In der Einleitung sagt der Verfasser fjicrütwv: „Beschränkt sich auch die bildnerische Tätigkeit fast ausschließlich mif die unmittelbaren Bedürfnisse menschlichen Daseins, auf Architektur lind .gunsigeiverbo, und tritt die Bilducrei in Rundplastik und Relief. iu der seine beiden Nachbarn. Aeghpteu und Assyrien, Werke von bleibender Vedeutnng geschaffen haben, dagegen ganz zurück, so muß doch auch in den Denkmälern eine Spar der besonderen Veranlagung zu finden sein, die bei den Israeliten in der gestaltenden Phantasie religiöser Dichtung sich auslebt und das Judentum Palästinas trotz Fremdherrschaft und Unterdrückung zn der geistigen Einheit geführt hat, auf deren Boden sich fas Christentum entfalten konnte." Die hier aufgestellte These des Verfassers wird durch eine Fülle von Tatsachen, man darf ruhig sagen, zur Gewißheit erhoben. Das dem Buche beigegebene reiche Bildmaterial — 98 Mbildnngen, davon 88 ans -10 Tafeln — erlaubt auch dem Laien, sich ein Urteil hierüber zu bilden. Für die Leser dieser Zeitschrift darf noch aus einen besonderen Umstand hingewiesin werden. Die moderne Bibellritik betrachtet bekanntlich die Authentizität biblischer Berichte vielfach - mit großer Skepsis. Ta ist es gewiß nicht ohne Interesse, wenn in einem streng wissenschistlichen. ganz anderen Zwecken gewidmeten Werke nachgewieseu wird. daß stellen, die zn den meist ongezweiselten gehören, wie z. B. der Fall Jerichos, durch die Ansgrabungcn ihre volle Bestätigung erhall, v. Watz'mger sagt hierüber: „Die furchtbare Zerstörnirg, von der die verbrannten Ziegel on manchen Stellen zeugen, wird nach den neueren Untersuchungen mit einer Eroberung Jerichos in der Zeit um 1400 in Verbindung zu bringen sein." lS. 50J Nach der biblischen Zeitrechnung geschah die Einnahme Jerichos 1455. Ein weiteres Beispiel b'ielel (S. 83., der Fund von „teil dscheme“, wo Hebe riefte von Eisenschmelzöfen gefunden wurden. Hier logen die Stammsitze der P h i l i st e r . von denen uns — 1. Scan. 13, 20 — berichtet wird: „Und ganz Israel ging hinab zn den Philistern, ein jeglicher seine Pflugschar und seine Sichel, feine Axt und leinen Spaten schmieden zn lassen." Alles in altern dürfen wir dem zweiten Teil, der bis zum Ausgang der Antike führen soll, mit großem Interesse entgegensetzen. Villa Loeb. Stet neue HZHMsche Lehrbücher EmilBernhard Cohn läßt seinem „Neuhebräisch schnell gelernt". Verlag S. Scholcm, Berlm. einen zweiten Teil folgen, in dem er zum Lesen unpunltierter Texte anleiten will und den Lernenden in die Sprächweise des Alltags (Zertmigsleklürel. sowie in die Art der hebräischen Sprache einzuführen sucht. Für denjenigen, der sich möglichst schnell hebräisch verständigen muß, ist das kleine Luch sicher lvertvoll, da es Wortgruppen, Zusammenstellungen aus dem täglichen Leben, viel gebrauchte Redensarten, Bviefformelir und ähnliches übersichtlich bietet. Ob inan aber durch die Beispiele der Wortbildung in ein tieferes Verständnis der hebräischen Sprache eingeführt wird, ob man nach diesem „schnell gelernt" wirklich Hebräisch kann, bleibt da!,ingestellt. — Eine nutzlose unb pädagogisch unsruchtbare Spielerei ist der Anhang mit den Uebersetznngen von sechs Heineschen Gedichten. Der hierfür verwendete Raum, der bei dem geringen Umfang des Buches über ein Fünftel des eigentlichen Textes ousntacht. hätte anderweitig wertvoller verwendet werden können. Ein hebräisch-deutsches Wörterverzeichnis ist für den Ansäuger von Wert. Ganz abzulehnen ist daS nun schon in zweiter Auflage in Wien erschienene Bncl, „Hebräisch — leicht gemacht" (von M. Patron und H. K a u fmann), das nach der Methode von Jthamav ben Awi Texte nnd Wcwtznsamnu'ustellungen nur in Trvnslriptiou gibt, um znm Schluß noch einige kleine Stücke in hebräischen Lettern anzus,'ihren. Eine derartige Methode — abgesehen von ihrer äußeren Unzulänglichkeit — kann nie zur .Beherrschung einer Sprache führen, nnd Verstandnis für das Hebräische wird niemand so gewinnen. Schließlich sind die Buchstaben auch für einen Anfänger nicht das schwerste, und er wird sich — wie die Erfahrung immer wieder zeigt — schnell an sie gewöhnen. Einem, der wahrhaft Hebräisch lernen will, ist von der Benutzung dieses Buches ernsthaft abznraten. F. Ar. Wie Dr. B. W e i u r h b und M. T e i t e l - bau in iu dem Vorwort zu ihrem „Praktischen Schnell lursns für Neuhebräisch." Ausgabe A: Für Denlschsprechende. I. Heft. 23 Seiten. 0.90 RM. Verlag Jakob B. Brandeis. Breslau, sagen, versuchen sie. die methodischen Errungenschaiten des neuzeitlichen, ans pädagvgisch'pshchvlogischeu Erkenntnissen beruhenden fremdsprachlichen Unterrichts sür das Reuhebräische zn verwerten. Das ganze ans fünf Hefte berechnete Lehrbuch soll dem Lernende» die Sprache soweit vermitteln, daß er sich schriftlich nnd mündlich vcrsländigen und Zeitungen lesen kann. Dies soll aber nicht durch Auswendiglernen von Vokabeln. Sätzen und grammatischen Regeln geschelien. Vielmehr wird gleich mit leichtverständlichen Derlen begonnen, durch deren langsames Lesen inan in die Sprache eingeführt wird. Ten Texten ist außer einer sinngemäßen Uebersetzung noch, wo es nötig erscheint, in .klammern mit kleineren Typen eine wörtliche beigegeben, uw bei die Zahlen mit denen des Textes korrespondieren. Als Terte sind zumeist jnkbr praktischer Art und Auszüge ans Zeitungen gewählt, die die Umgangssprac!)e in Palästina vermitteln sonnen nnd auch inhalilicll an das iüdische Leben iu 'Imvläslina uiikiuipsen. So finden wir bereits in diesem ersten Hefte Inserate betreffend die Anglo-Pakästiua- Bank, die Zeitschrift ..Dawar", das Hotel „Hadar Halarmel", die Einladung Tel Avivs an Amerika zur Teilnahme an seiner diesjährigen Dstermesie, daneben einfach gehaltene Schilderungen des Lebens in der Hachtehara. der Versorgung mit den nötigen Reiseansweisen, des Dienstes im Arbeitsamt zn Jerusalem. Geboten werden ferner: eine kurze Einführung in die Lau!lehre, eine Auweiiimg für die empfohlene Arbeitsmethode, einige Uebimgen _ in Schreibschrift und ein deutsch-hebräisches Verzeichnis der im Heft vorkommenden Wörter. Ich halte dieses „Probeheft" wohl sür geeignet, das Interesse der Lernbegierigen zu erregen und wachzuhalten. Die Gestaltung der einzelnen Aktionen läßt erkennen, daß die Verfasser sich bemüht haben, schrittweise vorzugehen unb anfznbauen, dennoch glaube ich, daß sic gar zu ängstlich der grammatischen Belehrung aus dem Wege gegangen sind ' und dadurch dem Lernenden, zumal beim Selbstunterricht, der doch auch ins Auge gefaßt ist, die Arbeit bedeutend erschweren. Grammatische Regeln sollen ja gar nicht, wie die Bersasser ihnen nachsagen, auswendig gelernt werden, sondern sie sollen durch vielfache und mannigfaltige Anschauung und Verwendung Erkenntnis und Besitz werden. Knappe und klare Fassung derselben in Worte schadet nicht, sondern fördert. Ganz ungewöhnlich. jedenfalls mit dem Hebräisch der Bibel nicht übereinstimmend, ist die wiederholt und anscheinend bewusst gebrauchte Anweiiduug der Negation beim Partizipium. M. Abraham. Völker, ans? Hu vcr gleichnamigen Schrift t»on Dr. Friedrich Burgvörser, tzerausgegebcn van -er Deutschcrr 'Afademie Miinchen l?m. * Diese Schrift des Direktors uud Bevöllerungz, referenlen im Statistischen Reictisamt verdient im Zusammenhang mit den bevölkerungspolitisch^ Maßnahmen der Behörden, so neuestens der liner Berv'altmig. besondere Beachtung. Ter Aer. fasser des 19V in zweiter Auflage erschienenen Werkes „Voll ohne Jugend", das vor einigen Jnhcen der Rassenbiologie und vor alle!» der deutschen ite völkermigslunde neue Wege wies, zeigt in dicycr Abhandlung die biologische Sclbsigesäbrdimg der weißen 'Völker insbesondere im abendländischen .llultnrkreis und ihre kulturpolitische Bedeutung Bnrgdörter weist zahlenmäßig nach, daß in den ein', zelnen Weltteilen, ganz besonders aber in Ateitfrl, Nord- und Westeuropa die natürliche Forlpslnnpnig der tueißen Völler uichk mehr aiisreicht. um jch-ei, Bestand für die Zukunft zu sichern, und daß per Aevölkerungsstock einem Zustand fortschreitender liebem alteruug, zunehmender Vergreisung entgegengeb!. weil die weißen Böller den Mut zum Lel'en. znm Wachstum, ihre alte ursprüngliche Vitalität W koren haben, während die farlngen und Milämbllcr ständig waelsien. Vor allem interessieren uns Amg. dörsers llntersiichungen über das Zentrum des demn graphischen Tiefdruckgebietes. Deutschland. sturzartige Abgleiten der Geburtenziffer Tenllmlands im zwanzigsten .Jahrhundert, das Sinke,, des „Geburtenüberschusses" auf ein Trittel des Standes von t900. Eines Gebicrtenüberscliusies. der sich,m>l, der von Vurgdörfer in seiner Schrift ..Ter Gebnclcr. rückgaua und seine Bekämpfnua. Tie Lebensfrage des deutschen Volkes". Berlin 1929, eiiigesillirtc» neuen Vtethode der Bevillkeriuigsstatillil — Vem, nigung der Geburtenzahlen durch Rorrmmg des p, folge der gegenwärtigen Ileberakteruug abnncincii Altcrsanfbanes — bereits als Sterbcüberschuß ausweist. >Wir haben an dieser Stelle schon wiederholt ausgcsührt. daß die Berhällnihe l>ei den deutsüieü Juden noch krasser liegen als bei der ül'rigen de»! fdlL'ii Bevölkernng>. Biirgdörsiw setzt seine Hotsmnigeic in den skamps der Regierung gegen den Voll-9 tod. Er isl in der Lage, aussclilniweiche Anaabci, über die ersten Erfolge zu machen: Im zweiten Vierteljahr 1933 tvurden nicht nur mehr sbe schließuugen ausgetviesen als im gleichen Abichni!! dos Vorjahres, sondern auch mehr als 1913'. lind seit August 1933 wurden sogar in Großstädten wte der steigende Geburtenziffern festgestellt. Bedonerlich ist. daß Burgdörfer z'.oar die voi, den Geopolitikern nachgewiesene lleberbcsiedluvg Teutjch lands berichtet, aber in diesem Zusammenhang hierzu nicht Stellung nimmt. Pag. Verzeichnis der dentfckken n«rd denksihsprcäjcndcrl Literzte, Zahnärzte, Tierärzte nn? Llpokheter im Lrnoland und m &ru al'gctrennten (Hctneten. .Heracrsgegel'cu na» W. Franke, Leipzig 1939,. Verlug ('c ,e Thicmc. Brosch, b,— NM. Am N " > druckten Seiten werden Hunderte von Adressen aus gezählt, nnd zwar recht genau. Für alle ansgi' wanderten Aerzte uiw. ist das Buclitc-in fi9'-' willkommen, noch mehr aber sür Auswandermigs lustige, die Beziehungen onkuüpfen wollen. Te- Büchlein zeigt, daß in der aa,iz>w. Well, Tn»1' ir China, Riederlänbisch-Jiidien usn'. iüditcbr Aerzl:' sind, die deutsch sprechen. 'Or.l>- «r-5 °rrrrr\ ri i. - R Ui iM ■Ci* einom P>rif>f M<>-<•■> Mfmtels- ^nteis uii ßniu, Fronjet Gugenlu-im vom 27. April Was das Gartenhäusehe betrifft? Ver- .ae.ssen Sie es auf ewig. Ich kaun Ihnen nicht beschreiben, wie unruhig damahls mein Herz gewesen. Die Küsse selbst, die i'-.h von Ihren Lippen gestohlen, waren mit einiger Bitterkeit vermischt, denn die nahe 'rreimung machte mich schweriuütbig, und unfähig, ein reines Vergnügen zu gemessen. Ich ärgerte mich überdem über meine Dummheit, dass ich Sie ganze vier Wochen habe lieben können, ohne mich mit Ihnen tele ä tüte zu unterhalten. Was für .angenehme Stunden habe ich nicht verscherzt! ganz ungebraucht verschwinden lassen. Jetzt, dachte ich, da alle Augenblick der Postillon dich abrufen soll, ergreifst du die erste Gelegenheit, deiner Geliebten dich zu erkennen zu geben. Das schien mir überaus thörigt. Kurz, unter diesen unangenehmen Reflexionen ist endlich auch die letzte Stunde verschwunden, die ich in Hamburg zugebracht, und — ich sähe mich auf dem Postwagen neben Herrn Itzig Eisenstadt. Das Gartcnhäuschen,' die ' gestohlenen Vüiic, der Postwagen mit dem blasenden Postillon und der schüchterne Verliebte, den es reut, die Zeit des Zusammensein? mit der Geliebten nicht recht ausgenutzt zu haben — du? sind die üblichen Reauisiten eines jener Poeme, die ihre Zeit selbst petits ober f-ugitives nannte. Alls ihnen hätte ein Gleim. Gcllert oder Hagedorn ein tändelndes Nokolvgebicht mit der Ueberschrift „An Phyllis" gemacht. "Aber die Setbstironie am Schluß hätten sie nicht bringen können. Sie als Pointe gehört dem Inden. Moses Mendelssohn. Und wir sind kühn genug, zu sagen, daß mit ihr und ihrem Herrn Itzig Gisenstadt die Epistel bei einem anderen Juden, bei Heinrich Heine znm Gedicht hätte werden können. Gewiß, Heine hätte das im Effekt schärfer und bissiger gemacht. Seine Feder ist spitzer, und der Stich, den der Lhriker sich gibt, wenn in seinem Gedicht der Bindestrich gesetzt ist, hinter dem das happy end kommen sollte, geht tiefer und tut weher. Aber die Haltung ist doch ähnlich, und Motiv und Sinn der Selbstironie die gleichen. Hier Hilst sich kein Schlemihl über den Mißerfolg mit Selbstverspottung weg: und wenn man bei Heine erklärt hat. der Romantiker verwende kühl nnd berechnend das Kunstmittel der „romantischen Ironie", und die Pointe sei unecht, auf artistische Wirkung hin erdacht, so ist das, wenn nicht falsch, doch oberflächlich. Wäre das Wort nicht so abgenutzt und ab» geschliffen, dann ivürden wir sagen: die jüdische Selbstironie, die loir als Anlage besitzen und in einer häßlichen Vergröberung auch als uuangeuehmcu und gefährlichen Witz kennen, fei in ihrer edlen Form metaphhfischen Hr« sprimgs. Sie entsteht ans der Augst und als Sicherung vor dem großen Gefühl. Nicht so, ivie es uns vorgeworsen wird, daß der Jude keines reinen Gefühls fähig sei. Aber er kennt nnd fühlt die Verantwortung, die man mit einem Gefühl auf sich nimmt oder einem anderen anflädt. Er weiß mn die Macht der Gefühle und also auch um die Gefahr, in die knan sich nnd andere mit ihnen bringt. Er kennt die Gefahr des Schwelgen? im Gefühl. Er hat erfahren, daß Gefühle allein regieren wollen und es nicht können. Er sieht die Lllirklichkeiten. an denen die Gefühle sich stoßen und an.denen sie zerbrechen werden. Nietzsche hat die Juden für gescheit erklärt nnd hat Mich eine Begründung dafür ge- . geben: .Gescheitheit hänge mit dem Gedächtnis zusammen, mit der Menge der gesammelten inkd bewahrten Erfahrungen, und das Jndenvolk, tiefster Vergangenheit verbunden in ununterbrochener Atcttc der Generationen, bewahre in seinem Gedächtnis die Geschehnisse von Anbeginn. Mit diesem historischen Gedächtnis seines Stammes weiß der Jude, daß Gefühle oft blind sind, und daß Gefühle altern, er weiß, wie ungerechtfertigt der egoistische Optimismus solcher Gefühle iss. Seiike Geschichte hat es ihm anerzogen, daß Gefühl ohne Weisheit nicht besteht, und daß die Weisheit sich mir durch die Kraft des Gefühls verwirklichen kann, aber sie hat es ihm cnich eingeschärft. daß das Gefühl allein gefährlich, die Llleisheit allein nur schwach ist. Deshalb scheut sich der Jude vor der Nngehcmmtheit des Gefühls und rettet sich in die Ironie, wenn er in Gefahr ist, il)r zu verfallen. Ebusnud l<4l Im Variete bewundern wir bei einigen Künstlern die besondere Eraltheit der Leistung, deren einzelne Phasen wir genau verfolgen können, bei anderen die besondere Exaktheit, mst der sie uns die einzelnen Phasen der Leitung entziehen, ja, einen Vorgang Vortäuschen, der so unglaublich und unmöglich ist. wie das Zersägen eines jungen Mädchen-r in zwei Stücke. baten, dessen stnnst uns Zug für Zug lla Augen steht, ist uidjt zu zweifeln, lhit zweitelch an der Redlichteit des Illusior besten Geschick, R'aschheit und Glaubwüri großer scheint als die Beobachtung unserer, Augen'S Das eine so gut wn andere ist keine Hexerei, und wenn mail 7 unk einem Variete dergleichen r fa wnnte man die Einteilung in Leistum Jllustonfaeibchalten. Worin beruht unsere Empfänglichkei die .Kunststückes Lsiir identifizieren uns m'ä den Artiflen: beim Akrobateiistück und Jonglierrekord mit dem die Materie übcrwälugendch Akrobaten oder Jongleur, heim ZauberlnV' stück aber mit dein passiven Teil, mit der Vzersägenden Dame. Im Le'nen darf es niclil anders sein: wir wissen, welch eine vtunst öch' Leben ist, und je klarer vor aller Augen, je präziser, erakter. rechtschaitener Zug um ZW. desto besser ist das Lebeuslunststuck vvR bracht . . . Lllir leben nicht vom belegten Vr>ü aßen', das wir im Foper des Lebeusvariekös einnehmen, und wir brauchen um so mehr (bleiben wir einmal bei dem LLortl JllnsiomR. wenn das Brot hart und trocken ist und teh nur noch Stehplätze Haben. Bsimn mau daran glaubt, sind es Wahrheiten, und nuum m>w Zweifelt. Tricks, lim die Schwere einer auszuhalten, braucht man die großen Wahrheiten. Religion, Geschichte. Geist, und um ^hgroßen Wahrheiten zu ertragen, schmmckt man sie mit kleinen Illusionen. Nickst daß man m't schönen Illusionen der Wirklichkeit ausweichen sollte-, man soll sie ausgleichen. Ein Mann kommt aus der Stadt nah fatfa AFwu. ich habe iu der Stadt einen jungen Mann getroffen, jung. fein, schön, gut, srommeinen wunderbaren jungen N>ann — er nun unser Schwiegersohn, er kommt morgen uin lvird bei uns leben." ,,Dn bist verrückt", ketzk die Frau, „wozu einen Schiviegeriohn! -M haben ja keine Tochter!" „Was mach! fafa. fasst der Mann. ..so werdeir wir ivenigstzn'- einen Schwiegersohn haben." cumicia'i, ,st und dcn 'iJüteluteeni zu .Ulf Okunb snbireüiii'r Anfcogcn Hnttecrln Cl'v (Stn-,dbr,uc dieses Rviiioiis, ornuifj d> „ Z'U'Weruiw. onsneßhli'sien ist, dat lg! Zer Vurtivereinicpma ihn eck» --«ltelied-Peitrag beträgt Pro Quartal ö mmmf eine einmalige Cinschraihegebühr t -arur werden jährlich vier Warte g Meldungen an die Jüdische Buchvereilü, 0> Io, Pariser Straße 7, zu richten. N e de (b (; i) ric A Ir csi .1' cl H te P B I» rl < i L CO X