Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 13 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen llutflcbiini]. der Marttuauer Haggadah sind die Fäulen des Titelblattes iden lisch mit den Gäulen der Peterstirehe, 'Knlibt ist der mit Jndenhnt bekleitrete ferenda des Michelangelo aus der 2irtinischeu Uapelle. Den gleichen nichtjüdischen Cvtittliifj hak N. P i s ch n itzer für die bctnnnte Amüerdamer Knpferflichansgabe G'',95) natlMmncicit, die für die meisten in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert im (üebranch befindlichen Haggaden vorbildlich wurde. Die Bilder dieser Amsterdamer -Haggadah sind einer 1 r>*jr»/20 erschienenen Bilderbibel, den sog. ,,I<.-ones biblicao" des Matthäum Bi eri ,i n von Basel, entnommen, der icincvicit-i' uüedernm stark unter dem Einfluß von Holbein d. I. stand (vergl. die bekannte Darstellung von dem ersten Penaehmahl beim 'Auszüge an* Aegypten in der Amsterdamer Ausgabe mit der Darstellung bet bleichen Szene bei Holbein b'zw. Merlalk (Abbildung 8). Was die Amsterdamer Ausgabe für die deutschen Drucke, das ist die 1629 in Venedig erschienene für die italienischen Hagandahansgaben, mit der Einschränkung freilich, daß die italienischen Haggaden (meist in Livorno gedruckt) künstlerisch niemals so absinken wie die seit den letzten zwei Jahrhunderten bei den deutschen Inden gebräuchlichen Eremplare (meist in Offenbach, Sulzbach und Fürth gedruckt). Ter Kuriosität wegen, um zu zeigen, wie weit (.Geschmacklosigkeit gehen kann, sei ein Bild ans einer in New-Pork erschienenen gedruckten Haggadah wiedergegeben: „Die Familie beim Sedcrmahl" (Abbildung 9). Zmn Glück ist ein solches Erzeugnis für unsere Gegemvart nicht charatteristisch. Es machen sich viclinehr gerade ans dem Gebiete der Haggadah ante Ansätze einer Erneuerung bemerkbar, sowohl was den künstlerischen Schmuck wie die musikalische und religiöse Ausgestaltung betrisst. Joseph Budko schuf eine Haggadah mit Radierungen (1921), Jaloli Steinhardt eine mit .Kupferstichen und Linolschnitten (192:',), eine Haggadah für Binder wurde heransgegeben von 3. G rone - mann und O. (n e i s m a r (1928), eine andere, die „Haggadah des .UtubiTy", von A. Bl. Silber in a n lt (1933). 1 930 veröisentlichte N. Gut mann eine illustrierte Haggadah in Palästina (Del Awiw)^ Eine Haggadah in Noten gab 1881 Adolph S ch ö nfeld heraus (Posen, leider vergriffen), A. W. Binder veröffentlichte 19-25 (New-Pork) Ceder Btelodies. Um möglichst weiten jüdijcl)i'u Kreisen die unvergleichliche religiöse Kraft und Poesie, die dem Sederabend iunewohnt, wieder naheznbringen, gab 3. Bcayb a n in die Haggadah in erweiterter deutscher Uebertragnng und mit homiletischer Erläuterung versehen heraus (1893). Den hier eingefclstagenen Weg fetzte mit glücklicher Hand E. 3e ligman n fort, der unter Benutzung einer handschriftlichen Amsterdamer Haggadah von 1788 1913 in prächtiger Ausstattung eine (von Bö Heule) mit Noten versehene Haggadah schuf, die geeignet ist, durch die meisterhafte Uebertragnng des alten heiligen Erbes insbesondere der Psalmen, sonne durch die von religiösem Schwung erfüllten hebräisch-deutschen Decke das Herz jedes Inden höherschlagen zu machen (-1. Auslage 1925). In seinen Bahnen wandelt H. Fnlkenberg, der besonders für den des Hebräischen iveniger Kundigen eine geschickt zusammengeftelltc Haggadah heransgegeben hat. Dabei sei die besonders ansprechende Umdichtung des bekannten Liedes vom Lämmchen durch B. G ö tz erwähnt, das L. Körnitz er mit viel Einfühlungsvermögen in Btnsik gesetzt hat. (Diese Ausgabe von Falkenberg kostet übrigens tvenig melir als eine halbe Mark.) Abbildung 9 Zum Schluß fei rühmend die sog. Osfenbacher Haggadah genannt, die 1927 von D r. G u g g e n h eiin, Offcnbadj a. Bl. (im Selbstverlag) herausgegeben, lebendige Neligiosttät und altes Frönnnigleitsgul in seltener Harmonie vereint. Diese Haggadah dürste von F.J '»7, Tunrem \ rrrvasran 1. iwfe i einer späteren Zeit als ein charakteristisches Zeugnis der in unseren Tagen sich anbahnen? den jüdisch-religiösen Benaissance gewertet werden. Tenn diese Ausgabe nnrd dem sestlichen Eharakter des Abends durch die gemütvolle Formulierung der Anweisungen an den Sedergcbenden, die Gestaltung des Dertes, die vielsack) — weit mehr als eine bloße Uebertragnng — eine ans jüdischem Geist und jüdischem Herzen strömende Weiterentwicklung der Haggadah bedeutet, sowie endlich durch die künstlerische Ausgestaltung des Ganzen in vorbildlicher Wichse gerecht. Um die Illustrierung und Beschristnng dieser Haggadah haben sich Ofsenbacher jüdische und christliche Künstler verdient gemacht. Wir geben als Bildprobe das Blatt mit fünf Plagen (Abbildung .10) und „die Weisen mit ihren Schülern in B'ne B'rat" (Abbildung 11) wieder. Auffallend ist die völlig gleiche Gestaltung des Antlitzes der Lehrer bziv. der Schüler. Alles Individuelle scheint zu fehlen. Freilich nur für den oberflächlichen Betrachter. Ter tiefer Abbildung 8 ^macnuc cmpiuiocr, gier >vn oer ctiie e?nveranschaulicht werden, der alle beberÄö zcrr Genieliischaft bindet, der den heiliae,,?'- ttmi.1!>cr Tcclcn schass, hu?inijlt chhh"" st vst p.-.rt 'Wenn doch etwas von diesem Geiste in unser deutsches Jiidentinn strömen unHitc, wenn doch ans der durch die Not der Gegen'. wart uns ansgezwungenen äußeren Bin. dnng die innere Bilidung ivürde. jener Einklang der Seelen, der uns der Bät'er wert macht, uns wert Niacht auch in dieser heit. r\ cm bi' in dieser Zeit, das Buch des Wnw ders zu lesen, ziim Bolle des Wunders nus zu zählen. Mü--rlirrr!trmrl vor P*0 plirni In meiner Heimat, einer kleinen Stadt Cfb Preußens, war ein jüdischer Bäcker. gede chnnilie hatte einige Btvnale verlier auf neuen Scnnm Weizen muhten lassen, die der Müller unnG.stzn mußte. Hintereinander kamen die Familien cni: ihrem in neuem Hack ausgehobenen Weizen in die Blühte, der in ilirer Gegemvart ans den 3*eiu ansgeschüttet und mich Bemrbeitnng als Btehl aus. gesaiigen wurde. Der gefüllte Hack mccß sehr sorz. sättig geschlossen und anfbeivalirt werden. gnr richtigen Zeit hatte der Bäcker seine Bäume stn'äi streichen und sauber machen lassen, neue Bretnr anfgesteltt. die Tage für die Aechenfohze dcr Familien festgesetzt, für jede Familie etnen'ljelbiT. Dag. Arlieiierinuen wurden engagiert, die mit sauberen Nleidcrn sich verpflichten mußten, keinerlo dhvmez bei sich zu haben. Der Bäcker hatte in neuen Gesäßen Wasser amgeschasst. Mehl inc Wasser Ivnrden geinischt. zu einem Teig geknetet, der .mit neuen Bauhölzern zu runden, dünnen Hcheiben verarbeitet wurde. Uns .mindern, die schulfrei hatten, ivar die Arbeit zugeieill. diese Hcheibeii mit einem kleinen ABd zu rudern and dann mit NoUhölzern an den Ofen zu bringen, vor welchem lange Breiter ausgestellt waren. Die aus dem Ofen heransloncmendiui Btazzes wurden dann abgekiihlt und sorgfältig verwett. HchineckgroGn gab es nicht! Die Herstellung der Mazzes war natürlich teurer wie jetzt, verkauft wurde aber nichts! Bedürftige erhiellecr Biazzes ccmsonn! Ulbert 8i!l>ernnuu!. inen'' Gnk Gcsci' imw MIü' ana> M"!! divü al-> mä tca B'v äer >U! me ei U! 'rSi ilU Ich vr bo he nr ,n G ach-Legenden ssiachcr-öhlt von riabbinrr iBr. Manfred Smarsenchv Kolüfs Sarg Als die Stunde der Erlösung ails Aegypten nahte, war Israel um seine Habe bemüht. Mose girig jchon drei Tage und drei Nächte umher, einen Schatz zu suchen, ohne den er die Wanderiing nicht antreten mochte und der Israel als Heiligtiini iiis verheißene Laiid begleiten sollle: Jvscss Sarg! Ihren toten Wohltäter hattcii die Aegypter einst sorgfältig in einen Sarg aus Erz und Stein gelegt uiid in deii Nil verseiikt, auf daß er uiid mit ihm der Segen nicht aus dem Laiide schwinde. Und seit Jahrhunderten wälzte der gewaltige Strorn seine segeuspeudeuden Fluten über den Leib des toten Josef, d'ckemand ans dem jungen Geschlecht kannte die Stätte, wo er ruhte. Josef aber hatte, da er aus dem Sterbebette tag. seine Brüder schwören lassen: Gott wird euch dereinst bedenken und euch herausbringen mit starker Hand und ansgestrceltem Arm in das Land, das er euren Vätern gelobt hat. Tann nehmt auch meine Gebeine mit und grabt mir ein Grab im Land meiner Väter! Ta Mose müde und traurig eiuherkam, wankte an ihrem Stabe Scrach, die Uralte. daher, die einzige, die aus der Väter Zeit noch lebte, und sie fragte ihn: „Atose, du Blutiger, warum so verzagt?" Er sprach: „Drei Tage und drei Nächte wandere ich umher, um Jvsess Grabstätte zu suchen, und finde sie nimmer!" Da führte sie ihn an den Fluß: ..Hier, siehe, haben sie ihn nächtlich in die Diese gesenkt. Tenn so hatten die Weisen zu Pharao gesprochen: ..Willst du. daß Israel dir ewig als Sklave frvne. so sorge, daß sie nimmer' Josefs Gebeine finden: denn ohne sie vermögen sie niemals fortzuziehen!" Und Mose trat ans User des Flnsse? und ries: „Josef, Joses, gedenke dessen, was du einst deinen Brüdern verheißen hast. Nun ist die Stunde gekommen, da Gott seine jlindcr erlösen will, nun harrt ganz Israel auf dich, daß die Erlösung nicht zögere. So flehe du aus der Seligkeit des Paradieses zum Schöpfer, daß der Sarg aus der Diese emporsteige!" Da stieg ein Wallen aus vom Grunde, das Wasser regte sich, und herauf stieg der Sarg und erhob sich mic ein Nohr aus der Tiefe. Und Alvse lud ihn freudig ans seine Schulter und zog ihnen so voran, als sie das Land der Knechtschaft verließen. Tie slinder Israel hatten sich um ihr irdisches Hab und Gut gesorgt, das sie Mitnahmen. Bluse aber trug nichts mit; nur in der Lade Josefs Gebeine führte er mit hinauf in die ersehnte Heimat, das gelobte Land! Gott aber sprach zu Blose: „Kein Geringes hast du vollbracht! Dieser Josef, den du ins Land der Väter trägst, er hat vordem seinen Vater Jalob dahingetragen, um ihn im Grab seiner Väter beizusetzen. Aber er tat mir, was eines Sohnes Pflicht ist. 'Dein Liebeswork an Josef ist größer. Tn hast dein Toten die Liebe und Treue bewahrt bis übers Grab hinaus. So tvill ich auch dir Liebe binvahren in deiner Todesstunde, da alle von dir gehen, will ich bei dir sein, und ich will dich ins Grab legen!" Darum stehet geschrieben: „Ta begrub der Ewige den Mose im Tal!" Lilas Wanderung Ter Meister Josua bar Levai war ein Gerechter ohne Fehl: er betete viele Tage zu seinem Schöpfer, daß er ihn den Propheten Elia sehen lasse, den Vorboten und 5tünder der messianischen Zeit, dem tvir am Sedertisch einen besonderen Platz bereiten, auf daß Israels Erlösung einst ausklinge in die Erlösung der ans irdischen Banden befreiten Blenschheit. Da endlich trat Elia dem Meister entgegen und sprach: „Was ist dein Begehr? Bielleieht kann ich es dir erfüllen;" Josua erwiderte: „Blöge es dir gefallen, daß ich dick) ans deiner Wanderung über die Erde begleite; denn mich verlangt danach, zu schauen, was du in Gottes Auftrag aus Erden wirkst." Darauf Elia: „Laß ab von deinem Verlangen, du wirst nicht fassen noch ertragen können, was ich oftmals auf Erden fügen muß. Vielmehr wirst du mich bedrängen, dir anfzndecken, was mich dazu führt." Josua^ aber erwiderte: „Nein, ich null dich um nichts fragen, auch dich nicht um Antkvort drängen, allein Gottes Gerechtigkeit hier auf Erden schauen und sonst nichts mehr!" Und er bat solange,' bis Elia ihm seinen Wunsch gewährte. Aber er sprach: „Hüte dich, mich zu fragen, denn dann ist deine Wanderung mit mir zu Ende. " Also wauderten sie miteinander über die Erde und kamen abends zu einem armen Bcann; der besaß nichts als eine Kuh und hatte nicht einmal einen Stall für sie. Wie er die Wanderer sah. stand er mit seinem Ltzeib von dem Platz vor der Hütte ans, ging ihnen entgegen und bot ihnen den Friedensgruß, Cie freuten sich so sehr ihrer Ankunft, daß sie ihnen die schönste Stelle als Herberge anwiesen. Dann trugen sie ans, was au Speise und Trank im Hanse vorhanden war. Elia und Josua aßen und tranken und blieben über Nacht. Da sie sich zum Schlafe niederlegen wollten, bereitete der Mann ihnen das Lager aus seinen eigenen Decken; er selbst aber und sein Weib betteten sich ans dem harten Boden. Als es Morgen tvurde und die beiden ausbrechen wollten, betete Elia leise: „-Herr, laß doch die Kuh dieses Mannes sterben!" Da sah Josua erschrocken auf Elia; er wurde so bestürzt, daß ihm fast die Sinne vergingen. und er dachte bei sich: Das also soll der Lohn dieses armen Manne? sein für die Ehre, die er uns erwiesen hat, daß ihm sein einziges Besitztum genommen wird. Aber eingedenk seines Versprechens schwieg er: demi Elia blickte streng an ihm vorbei, daß er nicht zu fragen wagte. Sie zogen lveiter über die Erde und kamen, als es uneder Abend uwrde, an ein großes und schönes Haus. Ter reiche Besitzer achtete seiner Gäste wenig und bot ilinen nichts, um sie lvürdtg zu empfangen, so daß sie ohne Speise und Trank da saßen und ohne wärmendes Nachtlager blieben. Da zürnte Josnachn seinem Herzen und dachte: Böen» doch Elia diesen Hartherzigen reckit beßranni lvvllte um der göttlicchen Gerechtigleit ivillen! Nun hatte das Hans dieses reichen Bcannes eine baufällige Mauer, und der Baumeister hatte atles Gernst vorbereitet, um am nächsten Tage mit dem Niederreißen zu beginnen. Als der Tag anbrach, betete Elia, ehe er hinwegzog: „Herr, gib, das; die Blauer gleich anfgebant sei!" Und Josua sali mit Trauer und Bestürzung, wie nach Elias A'-ort geschah. Obtvohl es ihn heftig trieb, nach der Ursache zu fragen, beznmng er sieh noch einmal und schwieg. Also wunderten sie weiter zusanunen. Am Abend kamen sie m ein reich ansgestaltetes Bethaus, darin ein jeder in Feierselßsiuck ans seinem Platze saß. Als sie die beideii Wanderer eintrcten sahen, sagte der. der obenan saß: „Wer will diese zwei Bettler speisen?" Sein Nachbar darauf: „Es genügt f'T sic das Brot und Wasser, das hierbei gebracht wird." Elia und Josua warteten den ganzen Abend, aber niemand aeljletcihrer. So blieben sie bis zmn Blorgen uit Bethans sitzen und übernachteten daselbst mo erquickt und mit staubigen Füßen. Al^ der Morgen dämmerte, brachen ist auf, und Elia sprach zu den Männern, Zie wieder zum Gebet gecominen waren: „'-rer Herr lasse euch alle zu Stadtältesten werden!" Dann zog er mit seinem Gefährten weiter. Ter aber war aufs äußerste betrüb über das Unbegreifliche; doch bezwang er Iw) noch immer und schlvicg. ne Fa EI lcl W h. sc d si d