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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-29 · 13 (29.3.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
13 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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& Z fei ■(fint .15® N54 i □ Voll fl - f i anU’d, 29. Marz 1934 2. Bciiago cor G-V.-ZoHung I I MM- VonOabdLner Dr. ytsüenrr - Hamburg ^ödttärtnr .ädbtküuns^L In der HaggadaK, die wir Juden an den ersten beiden Sederabenden frommem Brauche Mäß zu lesen pflegen, danken wir Gott mit erhobenem Becher „für aü die Wunder, die er an unseren Vätern und uns getan i,uf. Die Haggadah ist das Buch des Wunders, und wir Juden sind das BolkdesWunders. Davon erzählen die seltsamen Speisen und Symbole, die den Ledertisch bedecken, davon künden jahrhundertealte Pokale, davon raunt vor allem Ms Blatt des kleinen Büchleins: Der Jude - immer wieder bedrängt und immer wieder errettet, der Jude — immer wieder erniedrigt und immer wieder erhoben. — Darum ist die Haggadah wie kaum ein anderes Buch zum Volksbuch des Juden geworden Außer der Bibel ist keines so oft gedruckt. keines in so viel verschiedenen Ausgaben (mehr als 1090) erschienen. Daher auch die mannigfachen Kommentare und Erllärungen. die sich um die Haggadah ranken. Win anschaulichsten jedoch wird uns die Beliebtheit des kleinen Buches durch die Betrachtung der mannigfachen Illustrationen, die viele Druck ausgaben, insbesondere aber die haggadah Handschriften schmücken. Es «V r - Ir;; f ja? *S33Sa j | j ■iwcrrosp j ^pro^rsyjT^*' AA> J Xi fü-{) *.} 4«A ,°Msv .. r\Iw *; vV izT' ’i’-fe- ■ - __! , j,? Vß- Abbildung 8 . ist das Verdienst der sogenannten S o f r i m, einer im Mittelalter angesehenen Zunft, der «Schreiber", die Handschriften nicht nur geschrieben, sondern oft auch künstlerisch ausgestaltet zu haben. Entsprechend der Entwicklung des Ritus unterscheidet man zwischenspanischen und deutschen Handschriften. Spanien, wo die Juden schon früh in enger 'kultureller Verbindung mit der maurischen'und christlichen Umgebung standen, ist dre Heimat der illustrierten Haggadah. Die ältesten spanischen. Handschriften, d.ie uns erhalten sind, stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Sie befinden sich fast alle in England, und zwar meist im British Museum wie z. B. Add. 27 210, Add. 14 761, Or. 2737 und Or. 1404. Die letztgenannte ist eine Nachbildung von der sog. Orawkorä-Handschrift und in der äobn Umlands Library in Manchester befindlich, vielleicht die älteste aller bekannten Haggadahhandschriften; sie stammt aus dem Ende des 13. Jahrhunderts. Die aus dem gleichen aragonisch-kastilischen Kunstkreis erwachsene, früher als die älteste angesehene sog. Haggadah von Sarajevo (Abbildüng 3) (herausgegeben von Müller und v. Schlosser 1808) dürfte erst dem vorgeschrittenen 14. Jahrhundert angehören. Charakteri-' stisch für die ältesten spanischen Handschriften rst die zusammenhängende, dem Text der Haggadah vorangehende oder folgende Bilderreihe, die meist dem 1. und 2. Buch Mose entnommen ist. Daran schließen sich gleichsam als Anhang einige wenige Bilder, die im Zusammenhang mit dem Gang des Sederrituals stehen. Die älteste Handschrift des deutschen Ritus und, was künstlerische Ausstattung und Erhaltung betrifft, eine der vornehmsten aller bekannten Haggaden, ist die Handschrift der Darmstädter Landesbibliothek (Ood. or. 8), die wohl um die Mitte des 14. Jahrhunderts von Israel den Mllr aus Heidelberg geschrieben und von drei verschiedenen Händen im zweiten oder dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts ausgemalt sein dürfte. Die präch- ’ Ligen Vollbilder, das zarte gotische Rankenwerk auf dunklem Grund in Gold oder Farbe ausgeführt, haben in zahlreichen Miniaturen nichtjüdischer Handschriften vom Ausgang des 14. Jahrhunderts ihre Parallele. Im einzelnen ist, was Kolorit, Figur- und Gewandbehandlung betrifft, der Einfluß des mittelrheinischen Kimstkreises unverkennbar. Wie stark nichtjüdisches Kulturgut auch sonst die Gestaltung der Haggadah beeinflußt hat, zeigt z. B. das letzte Bild, das das mittelalterliche Jungbrunnenmotiv behandelt, und wohl die älteste uns erhaltene Miniaturdarstellung dieses Themas ist. Der kostbare Codex, der teilweise in monumentaler Quadratschrist geschrieben und mit einem Kommentar in Raschischrift versehen ist, hat kürzlich durch eine FakstmileausgaLe im Vorlage von K. W. Hiersemann „Die Darmstädter Pessachhaggadah" (1927) eine Veröffentlichung erfahren. Eine gewisse Verwandtschaft mit der Darmstädter Handschrift zeigt, was künstlerische Ausstattung. Sorgfalt der Darstellung und gute Erhaltung betrifft, die um 1470 in der.Regensburger Gegend entstandene Haggadahhandschrift der Münchener Staatsvibliothek (Cod. 200), die entsprechend der Verheißung des Propheten Secharja Kap. 9, Vers.9 „Siehe Dein König kommt. . . reitend auf einem Esel . . die Ankunft des Messias sehr anschaulich schildert. Bemerkenswert ist auch die Wiedergabe der vier Gestalten. Viele Handschriften insbesondere des deutschen Ritus aus dem 15. und 16. Jahrhundert machen sich jedoch von der strengen Sorgfalt der bisher genannten Handschriften frei'und geben in leicht-hingeworsenen, oft Humorvollen, dem Leben abgelauschten Bildern, die den Text der Haggadah meist begleiten, anschauliche Einblicke in Freud und Leid, Alltag und Feiertag des Juden. Dementsprechend sehen wir den Inden im Frieden seines Hauses feiern (Abbiwung 2), wir sehen ihn mit seiner Familie wandern. Wir sehen unsere Väter, wie sie backten und kochten, wie die Menschen sich kleideten, wie sie bauten, wie sie jagten (Abbildung 1), und endlich, wie sie lachten^ trotz allem Druck voll innerer Freudigkeit. Für die letzte Bemerkung zwei Beigenannten Vlockbücher, die dem Eharakteq der Haggadah als Volksbuch entsprechend — meist nur aus einer Bilder« folge bestanden (vergl. Ernst Weil, Venezianische Haggadahholzschnitte aus' dem 15. Jahrhundert in Soncinoblätter I/11, 1925), die Jagdszene (infolge des aus den Gang des *$ „*»■*■•■**, ■■■ ■W’j-vSjnv * ■.-Vi ■y?'n*?y;'v***t* , r/.. , * vr<? ';; V h thJ wxh -TA '-Ax, JfS*. J 'V ' (C/ ^-7 “ \ i'-. , < > * •c_) / . X 7 ll' ■ t > '•. k-.'? / . " yx:*y - ' '• . : \i .t j j vV'; c;4-” : Dieser Monat sei euch das Haupt der Monate: der erste sei er euch unter den Monaten des Jahres.. . , j ' ■ Redet zu der ganzen Gemeinde Jisrael's also: .Am zehnten dieses Monats nehme sich ein Jeglicher von ihnen ein Lamm für ein Ltammhaus, ein Lamm für ein Haus. — Und sollen das Fleisch essen Ln dieser Nacht, gebraten am Feuer mit ungesäuertem Urode; und bittere Aräutex sollen sie dazu essen.- Und also sollt ihr es essen: Sure Lenden. gegürtet, eure Schuhe an euern Füßen, «nd euern Stab in eurer Hand, daß ihr es esset in Lilfertigkett; peffach ist es . dem Ewigen... M.- Und dieser Tag sei euch zum Andenken, und ihr sollt ihn feiern als Fest dem Ewigen; bei euern Geschlechtern sollt ihr als ewige Satzung ihn feiern. sieben Tage sollt ihr ungesäuert Vrod essen; doch am ersten Tage ^dE-ihr 2auer- ^ig wegschaffen aus euern Häusern; denn wer Gesäuertes ißt, dtesslbigs Seele soll auzgerottet werden aus Jisrael, vom ersten Tage bis zum siebenten Tage. Und am ersten Tage ist Vorufung in's heiligthum, und am siebenten Tage soll auch Berufung in's heiligthum seyn; keinerlei Werk soll an demselben verrichtet werden, nur was gegessen wird von Jemand, das allein darf von euch zugerichtst Werden. Beobachtet die ungesäuerten Vrodte; Denn an eben demselben Tage Hab ich heraus- ^führet euere Lchaaren aus dem Lands MizraZim, und ihr sollt beobachten diesen Tag bei euern Geschlechtern als ewige Satzung. . , . „ ~ . Um ersten, am vierzehnten Tags des Monates, am Tlbend sollt ihr ungesäuert Brod essen; dis zum ein und zwanzigsten Tags des Monats am Albend. . . essen. •' Und rNoscheh ticf alle A-ltest-n Jisrasl's und sprach ZU >hn«n; Thudt such um «Nd euch Schafe für euere Familien «nd schlachist das spiele, aus einer Handschrift des Barons Ed» monb von Rothschild (15. Jahrhundert), Bei der Stelle des Psalms „.Aus der Enge rufe ich zu Gott" zeigt der Künstler den König David, eingeklemmt in die Enge zweier Felsen (Abbildung 4). Die Textstelle „Moraur seh". „dies ist das BitLerkrauL"^ illustriert der Künstler launig dadurch, daß er den Mann auf seine Frau oeuten^ läßt (Abbildung 5). Ein Beweis für, die' Heimatverbundenheit des Juden ist ein Passus in der sogenannten ersten Haggadahyandschrist' des Germamischen Museums in Nürnberg, in der der Schreiber an.der'bekannten Stelle schono habooh biruscholojim" „im-nächsten Jahre in Jerusalem" den bezeichneten Zusa^ macht „oder zu B r ü n n". Dieser Zusatz ist nur so zu erklären, daß der Schreiber seiner Sehnsucht nach der verlorenen Heimat Brünn, aps der die Juden 1454 vertrieben waren, beredten Ausdruck verleiht. ' Mit dem Aufkommen des V u ch b rucke 3 übernehmen die jüdischen Holzschneider und , Kupferstecher nahttgemäß die von den Sofrim gegebenen Anregungen. Da. her findet'man besonders in den ersten Frühdrucken bte - meisten der in den Handschriften behandelten Motive wieder, so zum Beispiel das. Passahmahl in den aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammenden venezianischen HLggadahholZschnULen der jo- Abbildung 5 Sederrituals bezüglichen Merkworts (Jak'nhas I Jajin — Wein, K Kiddusch Heiligung, N Ner — Licht, H Habdala — Unterscheioung. S Sman Zeit, I a k" n h a 8, von den deutschen Juden gelesen „Jag den Has" — Hasenjagd) (Abbildung 1). Die vier Gestalten sind besonders schön veranschaulicht: in der ersten uns vollständig überlieferten! Holzschnittausgabe, die 1526 rn Prag gedruckt, vor wenigen Jahren von Heinrich L ö w e in schöner und verhältnismäßig preiswerter Reproduktion neu herausgegebenj wurde (Josef Altmann, Berlin). Nicht minder schön sind die „Vier Gestalten" in der sogenannten Mantuaner Haggadah (1560) .wiedergegeben (beispielsweise der Bösewicht, Abbildung 6), ebenso das Erlösungsmotiv, der Messias aus, einem Esel reitend, der Prophet Elia das Schofar blasend (Abbildung 7). Wie die Handschriften, so offenbaren .auch die Druckaüsgaben deutlich den Einfluß der nicht- 'Vt^vTs Abbildung ß t , ,v:|i

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