Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 12 (22.3.1934)
- Date
- 1934-03-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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'Der organische' Neubau der deutschen Wirtschaft ist in der letzten Woche durch eme arosrangelegte Rede des Reichswirtschasts- Ministers Tr Schmitt im Plenarsaal oeS ijicichswirtschaftsrats verkündet und durch ein Gesetz zur Vorbereitung des organischen. Huslmus der deutschen Wirtschaft" verankert morden. Das besetz, das dem Wirtschafts- Minister lnnfassende Vollmachten gibt, dient dein Zweck, die bisherige weitgehende Ueberorganisation im verbandsmäßigen Aufbau dcr deutschen Wirtschaft und den dadurch bedingten Leerlauf der Wirtschaft sowie deren r'el'ostnng und Beunruhigung infolge der Rivalität der einzelnen Verbände zu beseitigen und eine umfassende, straffe und einheitliche trganisicrung der Wirtschastsverbände durchziisiihrcii. Das besetz, da? nur fünf Paragraphen enthält, zeichnet zunächst die Vollmachten ab, die dem Reichswirtschastsminister zur Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft erteilt werden. Er wird ermächtigt: 1. Wirtschastsverbände als alleinige Vertretnng ihres Wirtschaftszweiges anzuerkennen. 2. Wirtschastsverbände zu errichten, auf- Mscn. oder miteinander zu vereinigen. 3. Satzungen und Gesellschaftsverträge von Wirlschastsverbänden zu ändern und zu crgtinzcn, insbesondere den Führergrundsatz cin-ilführen. 4. Tie Führer von Wirtschaftsverbänden zu bestellen und abzuberufen. 5. Unternehmer und Unternehmungen an Wirtschastsverbände anzuschließen. Wichtig ist, daß gleichzeitig eine Definition dc? Legrisfs „Wirtschastsverbände" gegeben wirb. Tanach sind Wirtschaftsverbände solche . Lcrbände und Vereinigungen von Verbände, denen die Wahrnehmung wirtschaftlidin Gelange von Unternehmern und Unternehmungen obliegt. Während im folgenden Paragraphen der Inkfa von Rechtsverordnungen und Verü'ülUingsvorschriften zur Durchführung des Weite* geregelt wird, enthält der 8 3 wichtige Ärasbcstimmungen. Wer vorsätzlich oder kchrlässig einer Anordnung zuwiderhandelt, die der Ncichswirtschastsminister auf Grund des Gesetzes oder seiner Durchführungsvorschristen getroffen hat, wird mit Geldstrafe vbn ^Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Tie Strafverfolgung tritt nur auf Antrag des Acichswirtschasttzministers ein. Der Antrag l>mn.zurückgenommen werden. Jur Weiteren wird bestimmt, daß wegen eines Schadens, der durch eine Maßnahme auf Grund des' Gejches entsteht, eine Entschädigung nicht stattsmdet.' Der Z5 schließlich regelt das Verhältnis Zu, den Verbänden von Angehörigen des RerchSnührstgndes und der RmchZkulturkamm?2\ -c ^en nicht unter das Gesetz,.sofern mcht für Verbände von Angehörigen des Reichsnährstandes die Ausnahmen gemäß der dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes vom 16. Februar 1934 maßgebend sind. Soweit es sich um Verbände von Angehörigen des Reichsnährstandes gemäß diesen Ausnahmebestimmungen der dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes 1 Ziffer 1 bis 10 unter b.) und um Verbände des Verkehrs bandelt, übt der Reichswirtschaftsminister die Befugnisse der §§ 1 bis 3 tm Einvernehmen mit dem zuständigen. Fachminister aus; er kann die Befugnisse an den zuständigen Fachminister übertragen. , Im Verfolg der ihm durch das Gesetz erteilten Vollmachten hat der Reichswirtschasts» minister die Organisation der gewerblichen Wirtschaft, die unter einem von ihm zu ernennenden Führer und Stellvertreter des Führers steht, in ihrer obersten Gliederung in zwölf Hauptgruppen zusammengefaßt. Zum Führer der Gesamtorganisation der gewerblichen Wirtschaft hat der Reichswirtschastsminister den Führer des Ncichöverbandes der Elektroindustrie, Philipp Keßler, und zu seinem Stellvertretör Grasen von der Goltz (Stettin) ernannt. Dis Rede dss RsichsVir^chafksministers In seiner großen Rede betonte der Neichswirtschastsminister unter anderem, daß es sich bei den bevorstehenden Maßnahmen nicht um die Frage des ständischen Ausbaues handele. Man wolle das tausendfältige Eigenleben der Wirtschaft nicht zerstören. Auch in Zukunft solle wirtschaftlich weiter gekämpft werden. Ohne ehrlichen Konkurrenzkampf gehe es nicht. Dieses freie Spiel der Kräfte müsse aber ein gesundes und geordnetes sein, durch eine starke Führung, die wie von einem Magneten aus ein Ziel gerichtet sei, aus das Wohl des Ganzen, auf den Dienst an Volk und Vaterland. Hieraus ergebe sich die Forderung, daß alle Unternehmungen in Zukunft notwendigerweise ihren Fachgruppen angehören müßten, um sich den Interessen des Ganzen allerdings nur den im Interesse des Ganzen erforderlichen Maßnahmen unterzuordnen, Und sich daneben den auszustellenden 'Grundsähen loyaler und anständiger Konkurrenz zu unterwerfen. Hierüber würden Ehrengerichte zu entscheiden haben. Der Aufbau solle organisch aus dem Gewordenen herauswachsen. Erst wenn dann aus der Praxis heraus da§ Werk als ein geschlossenes Ganzes dastehen werde, solle es tu einer gesetzlichen Form verankert werden. Der Minister richtete deshalb die dringende Bitte an die ganze Wirtschaft, nun auch die Ruhe zu bewahren, vor allen Dingen aber auch, um zu verhüten, daß das lausende Getriebe unserer Wirtschaft die geringste Störung erleide. Am Ende der Umstellungsperiode hätten wir keine Jnteressentenver^ bände mehr, sondern lediglich Fachgruppen. M SAN Wexlitt, 20. März. Die Oberste Leitung der PO, Abteilung Propaganda, teilt mit: „In der ausländischen Presse versucht man mit allen Mitteln, den Sinn unserer großen Frühjahrsaktion „Die Tat der Gemeinschaft dient dem Aufbau" zu verfälschen. Wir stellen noch einmal eindeutig^ fest: Die Aktion hat einzig und allein den Sinn, Handel und Handwerk zu bester Leistung und vorbildlicher Bedienung anznspornen und andererseits das Unverständnis 311 beseitigen, das bisher von Seiten der Kaustrschaft wie auch aus den Kreisen des Handels und Handwerks kommend, den Ladentisch zum Kampfplatz engstirniger Interessen gestempelt hatte. Alle Versuche, unserer großen von der nationalsozialistischen Weltanschauung getragenen Erziehungsarbeit einen anderen Sinn zu unterlegen, kennzeichnen sich selbst." Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt hierzu:' Diese Mitteilung ist offenbar dazu bestimmt, in " Uebereinstimmung mit der ersten Ankündigung nochmals hervorzuheben, daß es bei der Aktion lediglich auf Förderung des LeistungSgcdankens ankommen solle, also nicht ans Rnsseprinzipien, >vje sie bei der örtlichen Auslegung der Aktion, z. B. in Aschnfsenbnrg, ursprünglich in Erscheinung getreten sind (vgl. C.-V.-Zeitung vom 16. Mürz). Dis LMsMsrgse DsÄs Dorr M»Msr Effsr In einer Sitzung der maßgebenden Führer der mittelfränkischen Wirtschaft in der Industrie- und Handelskammer Nürnberg entwickelte der bayerische Staatsminister Esser laut Bericht des Deutschen Nachrichten-Büros folgende wirtschastspolitischen Gedanken: Die Politische Revolution sei aus der ganzen Front siegreich durchgeführt worden. Das Werk sei erst dann vollendet, wenn es gelingt, dem 'Holk Brot und Arbeit zu geben. Die Wirtschaft dürfe niemals so organisiert werden, daß jeder Stand nur mehr an sich und eine Interessen denke. An Stelle des poliischen Partikularismus darf nicht der Partikularismus der Stünde kommen. Das deutsche Wirtschaftsleben laste sich nicht durch revolü< ■> tionäre Maßnahmen neu gestalten. Die der bayerischen Staatsregierung unterstellten Behörden und Organisationen müßten nach den ' Richtlinien der Reichsregierung arbeiten. Sie seien gegeben durch das übersichtliche Programm des Neichswirtschastsmmisterö. „Wer - gegen Männer, die das Vertrauen des Füh-> rers besitzen, revolutioniert oder ihre Arbeit stört, ist ein Verräter der nationalsozialisti- - schen Entwicklung." In wirtschaftlichen Fragen stehe Deutschland in einem Existenzkampf der ganzen Welt gegenüber. Das Gesetz des Handelns sei uns hier in gewisser Hinsicht vorgezeichnet. Staatsminister Esser stellte mit besonderer Betonung fest, daß er rücksichtslos gegen jeden . 'vorgehe, der glaube, die wirtschaftliche Entwicklung zu stören oder irgendwelche Kon- •' jnnkturentwicklungen Hervorrufen zu müssen. Schutzhastmaßnahmen gegen Arbeitgeber, die . eilt unsoziales Verhalten zeigen, würden in Zukunft in Bayern nur im Einvernehmen mit ihm durchgesührt. Die Organisationen der Bewegung, die Deutsche Arbeitsfront, die:• Organisationen des Mittelstandes unterstützten den Staat in seinem schweren Amt der Ueberwachung des Wirtschaftslebens, lieberwachen heiße aber noch nicht selbständig eingreifen. Die Willkür sei der Anfang vom Ende. Alle Maßnahmen, die notwendig seien, mn Wirtschaftsschädlinge anszuschalten, müßten sich ans das deutsche Recht beziehen können. Es müsse ein Gefühl der Sicherheit ' herrschen, denn sonst schwinde alle Liebe zur Arbeit. Wenn aber der Staat den Sckmtz gegen Willkür gewährleiste, so müsse von der Wirtschaft ein sichtbarer Wille zur Mitarbeit gefordert werden. Zur Frage der Rückführung des jüdischen , Kapitals in die deutsche Wirtschaft äußerte Staatswinister Esser nach dem Bericht des DNB, daß es seststehe, daß der Jude aus dem politischen Leben in Deutschland ausgeschaltet sei, daß er keine öffentlich-rechtlichen Funktionen mehr ausübe, daß aber der Jude, der bei uns kaufen wolle, im Interesse der deutschen Wirtschaft daran nicht gehindert werden solle. . Zum Schluß ermahnte der Minister zur Einigkeit auch in der Vertretung wirtschaftlicher Interessen und lehnte mit scharfen Worten jede Kirchturmpolitik ab. Bayern sei kein abgestorbenes Glied des Reiches, als Wirtschaftsfaktor werde Bayern immer etwas zu bedeuten haben. Deutsche und Wische uns dem Mruberger vielimarkt Auf der Jahreshauptversammlung. die die ZmangSiummg für das Mctzgergewerbe in Wirrt* > berg dieser Tage abhielt, erklärte, einem Bericht der aber kein Mitleid. Denn in ihr steckt die alte Eva noch am Todestage, und sie slirbt bloss an der Eva. Anlaß und Gegenstand dieses Briefes "Mn weit von uns, und nur die Literaturimsscnschaft hätte das Recht, aber kaum die Möglichkeit, sie uns nahezubringen. Von ^erthvld Auerbachs einst berühmtem Roman ..Auf der Höhe", den der Philosoph Steinthal ui einem sympathisch offenen Brief an den ^nasser bespricht, trennen uns mehr als die uwpp siebzig Jahre, die seit seinem Erscheinen . Ergangen sind. Wieder haben wir, wie oft, ' $a‘3 Gefühl, daß der gleichmäßige Ablauf der nicht der Maßstab für Dauer und zeitliche Entfernung ist, und werden inne, daß uns die gleiche astronomische Zeitspanne 'zu nwncher Zeit weiter trägt als zu anderer. Aber einen Satz gibt es in diesem Brief, on hasten bleibt. Er ist gewiß ohne viel . ’ — - - - ' " ~ mit . , . ,.ich _ihr, aber kein Mitlerd". *“flc Kühnheit der stilistischen Antithese bei. jUicr Geläufigkeit hat uns im Lesen inne- 'Ichten lassen. Und wirklich empfinden wir vie Gegenüberstellung im gleichen Augenblick IN schon wieder als vertraut und selbstverständlich. Tie Gewichtigkeit der Unterscheidung braucht dem Nachdenklichen deswegen nicht ou entgehen. Es ist klar, was Stemthal ^entt: die Heldin des Romans leidet und geht Zugrunde aus eigener Schuld, und sie bleibt n dieser Schuld bis zum Ende. Man kann si nicht verzeihen und kann ihr auch nicht ^gesühl znwenden, das die aus sich die Verschwörung blinden Schicksals <;cr oie bittere Konsequenz tragischer Veru lin0 Kun Untergang bestimmt har. Ihnen ich mein Mitleid Nachmonus ist das bp?. ' öa§ für jeden Unglücklichen habe,, ihm1' ^ciß, ob er es verdient, und das ich liib uicht verweigere, auch wenn ich J J' Oaß er es nicht verdient. Nachmonus lminer da.gegeben, wo die Kreatur überhaupt leidet. Man kann von jemanden sagen: er verdient kein Mitleid, aber man sagt nicht: er verdient kein Nachmonus. Von Aristoteles über Lessing bis in die Neuzeit gehen die Bemühungen, die verschiedenen Stufen und Arten des Mitfühlend voneinander zu^ unterscheiden und gegeneinander abzugrenzen. Man möchte säst glauben, die Diskussionen wären leichter )u führen gewesen, wenix man das jüdische Wort Nachmonns gekannt hätte als die bequeme Zusammcnfassüng und Übersetzung eines komplizierten Verhaltens, das man so umständlich beschreiben und umschreiben mußte. Und dennoch bleibt nach all dem die Frage, ob nicht doch in dem Begriff Nachmonus Akzente und Nuancen der jüdischen Gesühlsskala stecken, die unübertragbar sind. . . Ebusuua KE öZs RW . MlWM Ä WA ga fgfecsa LS. MM cm A. VN IM Auf dem sehr verzweigten Gebiete der' Zauberkunst, der Illusionen. Tricks und Berblüssungen hat der am 24. März 1874 in Budapest als Sohn eines Rabbiners neborene Erich Weiß, der später unter dem Künstlernamcn Harrt, Houdini austrat, hervorragende Leismngen geboten.. Seiner Mitwelt und erst recht seiner Nachwelt hat er durch seine nahezu ans Phantastische menz-nd-n EntseslelunnS. und Desr-iungorunsistücke Rätscl au gegeben. Gerade m den letzten Jahxe» baben sich wieder einige umfangreiche und gründlich forschende Publikationen mit der Lösung dieser rätselhaften Erschemnung be- ^^Houdini hatte'sich als fein LebenSzsül geledt durch praktische Demonstrationen nnd öffentliche Borträge den Beweis zu erbringen^ daß so manche in der Welt der Erscheinungen unerklärbar anmutenden Vorgänge doch mit einer gewissen körperlichen Geschicklichkeit, verbunden mit scharfsinnigen Ueberlegungen, ohne weiteres ausführbar smd; und er hat auch durch unzählige Vorführungen in Universttätsinstituten, vor psychologischen Dereimgunben und anderen interessierten Kreisen sowie ntcht zuletzt durch zwölf wertvolle von thm selbst verfaßte Bücher (u. a. über die Geschichte der Zauberkunst) und seine einzig, artige Betätigung als Entlarvcr von Btedien (es gelang ihm in kurzer Zeit, mehr als hundert Betrugsmedien der Polizei zu übergeben) . der Wissenschaft unschätzbare Dienste geleistet. Bor allem hat die Kriminalpsychologie Houdini viel zu verdanken. Denn diese lernte von ihm die Erklärungen für die Schliche nnd Tricks der Unterwelt, die Houdini lediglich auf Grund seiner geistigen Üeberlegenheit zuerklären vermochte, und sie bekam zugleich von Houdini Mittel und Wege zur erfolgreichen Bekämpfung der Verbrecherwelt gewiesen. Was Houdinis öffentliche Vorführungen anlangt, so wird es interessieren, über einige seiner aufsehenerregendsten Produktionen felöft zu hören. In Ptttsburg fertigten , die Arbeite« der dortigen größten Glasfabrik, „Plate Glaß Co.", einen Käfig vollständig aus Glas, in den Houdini hineingebracht wurde., Allgemein war nun die Ansicht, daß es ihm nicht gelingen würde, sich aus dlesem eigenartigen Gefängnis zu befreien; aber nur wenige Minuten genügten: Houdini war frei, und der Glaskasten war völlig unversehrt. In Berlin war Houdini von den Packern des Kaufhauses des Westens ausgefordcrt worden, sich aus einer von ihnen gelieferten, präparierten Holzkiste zu befreien. Zur Vedin-. gung wurde gemacht, daß die Kiste vor den . Augen des Publikums von den Packern vernagelt, verschnürt und versiegelt werde. Houdini ging auf die Herausforderung ein, und so wurde eine Holzkiste des KdW, kaum so groß, um einen mittelgroßen Mann in sitzender;'Stellung auszunehmen, in, die Manege gebracht und von den Herren aus dem Publikum untersucht. Mit einem fröhlichen „Good by" verschwand Houdini in dem Hohlraum der - Kiste, dann fiel der Deckel, und vier Packer zeigten mit Nägeln, Stricken nnd Siegellack, wie man ein Kollo kunstgerecht „versandbereit" macht. Nach kaum zehn Minuten hatte , sich Houdini befreit; alles war an der Kiste unversehrt und nirgendwo ein Schlupfloch zu entdecken, aus dem jemand hätte entkommen, können... 1915 wurde er in Detroit mit Stricken und Ketten zu einem hilflosen Paket zusammengewickelt und so an einer langen Stange aus dem zehnten Stockwerke des Grand Hotel hinausgeschoben. Er dehnte und streckte sich, nun und hing nach ganz kurzer Zeit zum größten Erstaunen der viele tausend Köpfe zählenden Straßenpassanten gerade und be- ' freit an der Stange, seine Fesseln in der Hand haltend. Houdinis sensationellste Leistung war das Entfesseln unter Wasser in den mannigfaltigsten Ausführungen. In vielen Städten ließ er sich nur mit einer Badehoft bekleidet in eine Originalzwangsjacke stecken, sowie mit Fesseln umkctten und sodann in den Fluß, Kanal oder dergleichen werfen — um nach meist drei Minuten schon wieder aufzutauchen, ledig aller Bande, die Zwangsjacke lustig im Arme schwingend. Während seiner letzten Lebensjahre stellte Houdini in seinem Haupttätigkeitslande Amerika eine fast jedermann bekannte Persönlichkeit dar, so daß auch für „Entfesseln" ein von seinem Namen abgeleitetes Wort „Hvndinize"' in den amerikanischen Wortschatz überging und 1929 zum ersten Male in Funk und Wagnals grundlegendes „New Standard Dictionary of the English Language" ausgenommen wurde. Von den Unsummen an Geldern, die Houdini während seiner Artistenlaüsbahn an Gagen einnahm, spendete er, der seine Herkunft niemals verleugnete und sich bei allen möglichen Gelegenheiten mit Eifer für dall