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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-15 · 11 (15.3.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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soll -leise gebetet werden/ damit der im'Gebet Bekennende nicht vor der Welt bloßgestellt werde.- So wird auch die Verleumdung den Todsünden von Götzendienst, Blutvergießen und Unzucht gleichgestellt, — alles, um das berechn tigte Selbstgefühl zu schonen. Die mosaisch-prophetischen So-. zialbestimmungen haben in späterer Zeit eine mächtig ausladende Erweiterung gefunden. Unserem Gefühl steht vielleicht die altbiblische Ordnung näher als die des spät-antiken und. mittelalterlichen Judentums. Denn die alte Lehre ging mehr darauf aus, eine grundsätzliche Wirtschafts-, und Gesellschafts-, Verfassung aufzubauen, in der Armut und Verelendung ausgeschaltet blieben. Wenigstens war das das Ideal des deuteronomischen (Gesetzgebers, wenn er die Zuversicht ausspricht, daß bei Wahrung seiner Vorschriften es keinen Dürftigen im Lande geben würde, wiewohl er bei allem Vertrauen Ausnahmen von dieser Regel zugestcht. In der nachbiblischen Zeit und in ihrer rabbinischen Fortsetzung war man — durch das weltgeschichtliche Schicksal freilich der Möglichkeit einer umfassenden Einwirkung auf die Sozialordnung der eigenen Gemeinschaft in weitem Maße beraubt — eher geneigt, in Hilflosigkeit und Armut etwas wie eine Zurüstung des göttlichen Weltplanes zu sehen, damit die Hilfsleistung, die Zcdaka, diese Gott so wohlgefällige Cache, Möglichkeit der Betätigung finde. Das Helsen war so wichtig, ein so bedeutungsvoller Ausdruck der Frömmigkeit geworden, daß man die Kehrseite dieser Mizwa, die Armut der Armen, dafür in Kauf nahm. Daher denn auch der unterstützte Arme selber verpflichtet war, von,,dem ihm gereichten Scherslein ein Quentchen abzngeben, um selber dem Gebot der Zedaka zu genügen; und man vervrdnete, daß dem Bittsteller in federn Falle eine — und sei es noch so geringe — Gabe gereicht werden solle; alles aber mit freudiger Miene und mit Willigkeit des Herzens. Freilich findet sich ebenso der HinweiS, daß mehr gottgefällig als jede Spende die Mühe um die Beschaffung geregelten Broterwerbs sei. Hierher gehört auch die gerade in einer Zeit des Massenelends seltsam klingende Mahnung, daß man den von seiner gesellschaftlichen Stufe durch Verarmung Herabgesunkcnen durch Gewährung ausreichender Mittel instandsetze, das Leben des bisherigen Standard sortzusctzen. Ob es nun wirllich in der' Praxis-börgekömmen! ist,-daß man dem armgewordenen Reichen das einst gewohnte Maß zur Verfügung stellte, bleibe unausgemacht, — klar ist die Tendenz, die sich noch in der Uebertreibung nachher einen wie nach der anderen Seite hin - zeigt, die unbedingte Wahrrmg des Selbstgefühls als Gebot wahrhaft brüderlicher Liebe. Solche verstehende Einfühlung in die einzelne, in jede Seele blieb der'Kern' jener Religiosität, die sich ineine Zeit hinübergerettet, da der Zusammenbruch der alten strengen Traditionsfrömmigkeit die äußere Gestalt des Judentums so mächtig veränderte. Einem recht großen Kreise der Unsrigen ist es schwer, klarzumachen, daß Wohltun und herzliche Opferbereitschaft zwar , ein < unausschcidbareS Bestandstück . gottgläubiger Haltung > ist, nicht aber das. Ganze der Religion. Sie lebten und leben, noch in der Gedanken- und Gefühlswelt eines Subjektivismus, die nur die einzelnen Menschen sieht und kennt, die aber blind ist gegenüber echtem Gemcinschastsempsinden, wie es nirgends tiefer gegründet ward als gerade in der biblischen und rabbinischen Idee von der Religion als dem Besitz eines Volkes. Als die Juden im Zeitalter des liberalen Individualismus sich mit offener Seele ihrer Umwelt erschlossen, da schien den meisten ihre Religion geradezu auf eine Gesinnung abgestimmt, die in der Förderung, zugegeben sogar der selbstlosen, hingehenden Erhöhung des Einzelnen den eigentlichen Sinn des Lebens erschaute. Man soll auch da nicht an materialistisches Utilitätsstreben denken; cs .war und ist vielmehr die gutgläubige Haltung von Leben und Lebenlassen. Aber es bedeutet ein atmnisiertetz Dasein, eine Existenz ohne die Tiefe und den Zusanunenhang seelischer Wirklichkeit. Wenn mir diesen Mangel erkennen und zu überwinden streben, dann werden wir wieder jenen festen Grund unter die Füße bekommen, der unfern Vorvätern das religiöse. Leben zu einer ausgesprochenen Gemeinschast des Lebens überhaupt gemacht hat. .Hier ist der Punkt, wo wir über ein Jahrhundert hinweg am Dasein der Früheren wieder anznknüpfen haben. Wir wissen heute wieder, was einige Generationen in Vergessenheit geraten war, daß es für uns ein jüdisches Schicksal gibt, und daß dieses, dem wir nnauSrodbar einge- _ ___... . .. .. :U pfl<mzt'"die wichtigste Realität für unsere Existenz überhaW Ä ist. Dieser Tatsache gerecht zu werden, dc^s erfordert mehr als? jene Wohltätigkcitsreligiosität, als die allgemein menschlickg K Herzlichkeit, - wiesie das in der-jüngsten Vergangenheit bw % ineisten einleuchtende Ideal gewesen; es verlangt die jahung der jüdischen DaseinSeinheit für Gegenwart und Zu, * kunft. Wir denken hier besonders an die religiöse Gestaltung V die in ihrem eigentlichen Sinn unserem Geschlecht so stark ver- ' blaßt ist. Jetzt leben wohl in mancher Stadt viele Tausende von Juden zusammen, die an und durch ctnrmbcr — möchte man sagen — eutjudet sind und es ohne die Erfahrung dieses - Jahres immer mehr würden. Was ließ die knappe Zahl von .Familien, die nur mit Bereitstellung aller erwachsenen Männer in einer Kleinstgemeiude ein Minjan bilden konnten, eine wirkliche Gemeinde, eine Kehilla, sein? — Das Bewußtsein, =. das triebhaft gefühlte, daß das Ganze mehr ist als die Snnune - seiner Teile. Es ist nicht Eigensinn für rituelle Form, sondern ' . Instinkt für die Wirklichkeit, wenn das Judentum auf dein 4 Gottesdienst der Gemeinde bestand, so wenig die Anliegen der ■ Persönlichkeit vernachlässigt wurden. , Das müssen auch wir wieder lernen. Wir, die wir einst f stärker als irgend ein anderes Volk die Einheit der Idee nnd ihrer Forderung in der Fülle der einzelnen Menschen verspürt haben, die wir dann, diesem unserem Wesen mehr untreu 4 . werdend als andere, die Anssplitternng in Zusammenhang--. ■ lose Einzelne erleiden mußten, wir nehmen in der Sammlung, welche die Selbsterhaltnng. uns gebietet, rinsere alte religiöse Tradition wieder auf. Jeder Sabbat, jedes Fest, das wir . feieru, jeder Brauch, den wir üben, jede Glaubeusidee. die um als die unsrige kennen lernen und uns wieder ins Herz wachsen laffcit als unseren Glauben, alle Erfahrung vom Leben, in.ni;; Taten und von Leidem unserer Vorfahren, als eigene Er- J schichte erfühlt — all das richtet mit der Gemeinschast der jüdischen Menschen zugleich diejenige mit ■nuferem Gott wieder; auf. Wie. unser Geschick fein, wohin cs uns verschlagen mag. -nichts werden wir sein ohne die Verwirklichung dieser zwie. suchen Gemeinschaft,. aber volle, durch eine einzigartige Ersah, rnng gereifte Persönlichkeiten, wenn wir in Einklang von Heiz und Geist uns zum Ganzen des jüdischen Lebens bekennen. ' Lebensbilder schaffender Künstler >!. Martin VloK / Don Franz Landsberger Martin Bloch, der vor kurzem 50 Jahre alt wurde, ist in-Noiße geboren. Er studierte zunächst Philosophie und Kunstgeschichte bei Lipps'in München. bei Wölsslin in Berlin, und diese wissenschaftliche Seite seines Wesens ist später in einem besonderen Lehrtalent zum Ausdruck gekommen. Jir Berlin begann er als Schüler von Eorinth zu malen, aber er fühlte sogleich, das; sein Weg - nicht den Allsgang von der Natur nahm, svildern, wie es seiner Generation elitsprach. von inneren Vorstellungen, die sich der natürlichen Objekte be-" mächtigem Auch, daß nicht die Linie, sondern die Farbe' das'eigentliche Element seines Schafseils sei. Als er 1912/13 in Paris war uild dort die Bilder voll Marcisse und den anderen modernen Franzosen sah, gewann dieses Gefühl an Stärke, und a,lf einer Spanienreise, die er mit Pasein antrat, brach, angesichts der südlichen Fardciiglut, sein eigentliches künstlerisches Schassen spontan hervor. Im Sommer 1014 zog es ihn von neuem nach dem Lande, das ihm die Offenbarling seines Weseils geschenkt hatte, aber hier in Spanien überraschte ihn der Krieg und hielt ihn bis zum Kriegsende fest. Vergeblich versllchte er ziirückzukehren, um seinem Baterlnnde zu dienen. So blieb ihm nichts übrig, als diese Jahre in stiller Bersenkullg 31t arbeiten. Als er 1010 nach Berlin zurückkehrte, war er ein fertiger Maler, lui-b Paul Eassirer, der unvergeßliche Kunsthändler und Kunstliebhaber, entdeckte sofort die starken Werte seiner Gemälde uild bereitete ihnen eine große Alisstellun-g, die dann über viele Städte Dentschlands ging. Bon da an blieb sein Wohnsitz Berlin, wo er Zlir Ausübung seines Lehrtalentes zusammen mit ■ Kerschbauiiicr, dem früh Verstorbenen, eine blüheilde Malschnle gründete. - Seine Bilder stehen, ganz auf der Farbe, und man. möchte ihn einen Dichter der Farbe.nennen. Wie ein Dichter das Wort durch das Nnchluirwort- " und durch den. Nhythmus der Strophe 311111 Klingen bringt, so läßt er die Farbe durch die Nachbar-' färb*?, und durch das Gleichgewicht der Komposition in immer neuer Leuchtkraft erscheinen. Seine. Blautöne ruhen in glasfensterhafter Tiefes sein ' Orange quillt warm hervor, sein Gelb hat etwas / Schweflig-Gefährliches. Zu diesen Farben klängen sucht er gewisse Inhalte.: Stilleben, Straßenbilder, Plätze, eiserne Brücken, hier und da auch einen weiblichen Akt, der auf einem Divan ruht, von bunten Tüchern umgeben. Wenn er Landschaften gibt, so nehmen sie gern tropische Formen an. Aber auch das Berliner Stadtbild, erst seit deri letzten Jahren bevorzugt, gewinnt bei ihm Farbenpracht und Fülle. Der Weg, den er geht, führt zu einer immer größeren Fvrmensprnche, zu einer immer prägnanteren Nanmgestaltimg, zu einer immer festeren Biildnilg des kompvsitionellen Gefüges. So steigt er langsam zu immer schönerer Reife empor, und selbst die heutigen Zeiten, die den jüdischen Menschen vor so schlverwiegende Probleme stellen, vermögen das organische Wachstum seiner Kilnst nicht zu hemmen. ♦ ♦♦ Es muß jedem Menschen unbenommen fein, hvffnnugsfroh, skeptisch oder Pessimistisch der Zukunft entgegenzublicken. Solche Bet rachtungtzweise kommender Dinge ist zumeist durch.' die . Verschiedenheit unserer Temperamente und' Lebenserfahrungen bedingt. Aber, eins muß heute jedem vor Augen stehen: Es liegt auf uns eine große Verantwortung, der wir uns stets bewußt sein sollen. Wer zur jüdischen Welt spricht (und nur von innerjüdischer Auseinandersetzung soll die Rede sein), muß wissen, daß heute mehr denn - je die Augen der Oeffentlichkeit auf ihn gerichtet sind. Das deutsche Judentum erlebt einen tiefgreifenden Umwandlnngsprozcß. Es sind überall Kräfte bemüht, ihm eine.neue Lebensform zu geben. In einer so schweren £ Situation kann nur eine Arbeit Bestand [*, haben, der man sich mit reinem Idealismus ’ hingibt, um so mehr, als sie oft die größten Anforderungen au die Nerven stellt. Ter -- pessimistische Betrachter der deutsch-jüdischen tz Zlikliuftsaussichteu soll seine Skepsis möglichst ) für sich bewahren und daran denken, daß er durch entmutigende Redensarten nur 2)e* uuruhigung in unseren Menschen hervorrüfl. Wie kann man heute vor der breiten Oeffcntlichkeit vom drohenden Zerfall und vom be« vorstehenden Ende ■ der deutschen Juden k sprechen, wo unsere Menschen vor allem der i seelischen Aufrichtung bedürfen, um den 20ez 1. zu.einer neuen Lebensform zu finden! Über in dieser Zeit Pessimismus erzeugt und fördert beweist, das;.er lein Verantwortungsbewußt^ fein gegenüber seiner Gemeinschaft besitzt. Das Recht auf freie Meinungsbildung und t Betätigung im Judentum bleibt jedem über' j lassen. Wir sind über den Weg nicht einer \ Meinung, der zum.Neuban des deutschen. Judentums führen wird. Einig aber sollten wir darin sein, daß über unserer Arbeit das Wort Verantwortung steht. Es gilt, den jüdischen Lebenswillen zu erhaltcu und, wo er im Erloschen ist, wieder zu stärken. Tenn es « geht nicht nur um uuS, es geht um unsere Zukunft. ... . Rabbiner Dr. Fritz Plotke. r; eimgc-Diolinstncke, die Stefan F r e n k e l. ein Geiger von. eiiiinentem Können, und virtuosem Elan, hören ließ; leider erprobte sich Frenkel, von Weinbanni sorgsam'begleitet, diesmal nur an wertlosen Effekt, ftüclchcn, die man höchstens als Zugabe hiimimmt. L. A. Die Winterhilfe der Jüdifchen Gemeinde veranstaltcte ihren letzten Abend, der loiedcrum gut besucht war. Das Programm ließ manches zu wünschen übrig: eine bessere Auswahl der Darbietimgen lväre wünscheuswert geivesen. Joseph Plauts Rezitativiieu geivaimeu besonders die Herzen der Zuhörer. Jeden Bvrtrag gestaltete er zu einem KabinettstückctM mid wußte durch geichickte Pvintierung selbst einem Märchen von Andersen Aktualität cibzngewinnei,. Ter Roslinsche Ehvr lind der Eellii't Gottfried Zeel an der, an der Orgel vorzüglich von Manfred Langer begleitet, gaben dem Abend eine würdige Stiinimmg. Zeelander bewies sein großes Könneii u. a. in der Wiedergabe des Bonrree von Bach. Der fein abgestililllite bhor nnter Leitung von I. 3. R 0 sk i n brachte verschiedene jüdifche Gesänge zu Gehör; darunter besonders wirkungsvoll das Adauu Aillom; die Svlo-Einlage fang Oberkantor Friedmann. Akustisch waren einige 3el)ivierig. leiten zu überwinden, die aber durch gute Klangschattierung geschickt von den Külistleru gemeistert lourdcn. ' E. W. . Draunsbcrgi. Oslvr. Zu einer synagogalen Feierstunde hatte vor kurzem der Gellieiudeoorstand Ntikglieder und Gäste aus den Gememdeu Elbing. Niehlsack. Woriuditt und Mühlhausen i. Ostpr. emgeladen. Kate Kallmann (Königsberg i.Pr.), sang Händel, Hummel und Lchumann mit tiefer Empfindung. Ihre schöne Lopraiistimnie entfaltet besonders in der Höhe vollen Glanz. Ein aus Robert L e v y, Walter Klein, Hans Kadi s ch , Magnus C 0 h u und Fritz L e v y bestehendes Streichquintctt brachte Werte von Pergolcse und Mendelssohn zum Bortrag, die eine iverkgetreue, technisch und klanglich hervorragende Wiedergabe fanden. Tr. Walter Klein war der Längcrin ein feinfühliger Begleiter und zeigte sich in Lchumaims Phantasie C-Dur, 3. Latz, als ein Pianist von großer Gestaltungskraft: und straffer Themensührling. Im Niittelpunkt stand der Bortrag des Lehrers Wasser (Braunsberg) über „Das Lchicksal des jüdischen Buches". Diese Veranstaltung wirrde.für die vielen, die gekoimneii waren, zu ciuein Erlebnis. '. ' , Königsberg i.Br. Tie dritte Konzertveransialtimg konnte, besonders - in der Prograiningestaltung, nicht restlos befriedigen. Für die Bivlinstücke mit ihrer überspitzkn Birtuositat kann so mancher nicht mehr den Geschmack ans. bringen. Hier lvirkte die Eanzonetta von d'Ambrvsio, ohne Rücksicht aus ihren künstlerischm Wert, wie eine Erholung. Besser stand cs um diis Gesangsprogrmum.. Aber auch hier wird der Begabung der Künstlerin nicht alles im gleichen Nlaße gelegen hoben. Lnsanne Stein überraschte durch den durch. dachten und überlegen gestalteten Bortrag und ihre mustergültige AuSspract/e. Diese Vorzüge, vereint mit einem besonders im Piano bezanbernden Alezzo- Alt, verheißen der Künstleriu eine Zukunft. In dramatischen, besonders lautstarken Partien kam ihre Ltinune, zumal in dem vielleicht hierfür nicht it-ealen Rauinc, nicht voll zur Geltung. Stefan Frenkel l^ivics mit dem Bortrage der Sonate 0-inall von Tartini und dem Violinkonzert O-ctur von Paganini höck)ste virtuose Fertigkeit. Beide Künstler fanden ein sehr dankbares Publikinn. Ernst (v 01) 11 bewältigte den zuweilen recht sclMierigen Klavierpart technisch vollkommen. Dr. M. A. Magdeburg Erst ziemlich spät begann der Ausschuß der Ehnagogeugemeinde für' Kunstpfloge mit künstlerischen Tarbietungen. In den ersten Wintcrmonaten waren nur Aorträge aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte von Rabbiner Dr. Wilde gehalten. die ans eigenes Quellenstudilun anregend lvirkten. Im Dezember sang in einem Synagogenkonzert Kammersänger Hermann Schch (Berlin). Eine dicht gedrängte Hörerschaft lauschte ergriffen dem wundervollen Bvrtrag des Sängers. Klangfarbe und Unlfaug der Stimme erfüllten höchste Erwartungen. Besonders blieb der Eindruck des Arioso von Händel und des 22. Psalms - in der Liertonung von Ernest Bloch hasten. Die Begleitung lag bei Kapellmeister I. M a n d e l b r 0 d (Hannover) in guten Händen. Im Januar wurde mit einem heiteren Plaut-Abend ein voller Saal erzielt. P l a u t brachte besonders feine Proben von Fontane. Andersen und Kyber; von seincn^ eigenen Schöpfungen erfreut immer . noch das ..Oratorium". Der Kanuuermusikabend im Februar fand leider nicht die gleiche Anteilnahme der Gemeinde. trotz des künstlerisch wertvollen Programms nnd der zeitgemäßen Eintrittspreise. Das Fehlen ■ intenliv'er persönlicher Werbung - rächte sich. Das G 0 l d m n n n - Wittenber g . B l u m he l d - Trio bot mit Brahms' Trio 1 II-äur einen großen Genuß; bei Atozarts Trio ti-dur Nr. V hatte man noch nicht den Eindruck, daß die Instrumente zu einem.. eiiiheitlichen Klangkörper verschmolzen waren.. Allerdings ließ die Akustik des Saales zu wünschen übrig. Fräulein Trudl Fuchs (München) Sopran. Das Spiel der Pianistin Liselott Weiß (Ntünchen) wirkte technisch wie vortragsmäßig' ansgezeichnet. Tie Waldstein-Sonate kam'meisterlich znm Bvrtrag. Ter berechtigte stürmische Beifall nötigte zu einer Zugabe. Neben diesem großen Könnenhatte die Sopranistin Trndl F 11 ch s (München) einen schiveren Stand; ein technisch lveniger ansprnchsvolles Programm als Atvzart, Brahms, Wolf hätte ihre Aufgabe erleichtert. Dr. Ka.- Leipzig Znm erstenmal trat das jüdische Orchester unter der Leitung von Alfred Simon an die Oeffentlichkeit. (Säbrachte sechs ländlorische Tänze von Beethoven nnd das Trio für Streichorchester von Händel zu Gehör. Wenn das Orchester auch noch nicht letzte Ansprüche befriedigt, so zeigt es doch beste Ansätze; das ivar in dem guten Zilsainmen- ’ spiel und der technisch einwandfreien Wiedergabe festziistellen. Ter unter Leitung von Barnet Licht stehende gemischte Chor wartete mit Werken von Ntendelssvhil'Bartholdh, Schumann und von Händel ans.. Neben dem Dirigenten verdient die Stinunführerin F-rülllein Perser Anerkennnng, doch ist ihr ein wenig mehr Zurückhaltung zn empsehlen. Fritz L e ch n c r vom Berliner Kulturbund sang ii. a. mit schöner, reiner und gepflegter Baritvnstiinme lyrische Lieder von Schubert, und ganz besonders ergreifend die Kantate zu „Israel in Aegypten" von Händel. Sein stärkstes Können zeigte er in der Wiedergabe von Werken von Gonnod und Verdi. Alfred' Simon erwies sich als anschniiegender Begleiter. Das Publiliim' dankte mit herzlichem Beifall. II. 8. MEkiU Das ^vierte Konzert znm Besten notleidender- Künstler in der Neuen Synagoge ließ von vornherein durch die Mitwirkung von Joseph Schwarz (Klovier) und Boris Schwarz (Violine) eine hohe Onalitlit der Darbietungen erwarten. Was die beiden Schwarz in der heiteren La Follin von Cvrelli und in der Beethovenschen Krentzersonate boten', war von so außerordentlichem künstlerischem Neichtmu,. dcitz man nur beglückt lauschen fomitcs .Bachs. Brondenburgische's Konzert Nr. 5 D-dur fpidtni die . beiden . Künstler gemeinsam mit Gerbacd Iablonski (Flöte) nnd dem von Werner Sander gcleiteien Jüdischen Kamincrorchesitt. Iablonski, ein junger Breslauer, erwies sich als Kll'nistler ersten Nanges; er verfügt über einen zarten, warmen Ton. 'Das Orclchster ist in den iveiügen 5Nonaten. die cs öffentlich konzertiert, zu einem achtunggebietenden Klangkörper ge-ivorden. Das zeigte sich vor allem in der Anfführnng von Mendellfohn-Bartholdys 42. Psalm, der sich wenig von einein Lratoriinn unterscheidet. Hier boten unter Sanders Leitung das K a m m e r 0 r ch e st e r und der seien über 100 Mitglieder zählende Jüdische Kammer' chvr eine ausgezeichnete Leistung, die um so Wer, zn beivcrt'en ist, wenn man berücksichtigt, unter ivelchen Schwierigkeiten Werner Sandcw die^besden Vereiiiigiingenheranbildeii konnte. -Als Solistin Uurkte Lotte 'L a u s e r (Sopran), früher an der Breslauer Oper, mit klarer beseelter Stimme niit. Organist Erich Sc^ii ff er, der, das Konzert mst Bachs Toccata. Adagio nnd Fuge in. C-dur würdig cinleitcte zeigte sich als Nteistcr seiner Orgel. Schweidnitz Im zweitcni. gut besuchten Gcmeiilbeubend gelt es, etitc: Wanderung zu den Stätten alter jüdischer Kultur zu unternehmen. Als Führer hatte sich in liebenswürdiger Weise Professor Tr.-I»g- Grotte (Breslau) zur Verfügung gestellt^ Er erzählte in sachkundiger Art von der Geschichte der Prager jüdischen Gemeinde. Lichtbilder zeigten. Prag in seiner Schönheit nnd als Stätte jüdilcher Kultur. Als Veranstaltung des Jüdischen Fraucil eins Beuthen (O.-S.) gaben der Pianist 4 fessor Joseph Schwarz (Berlin) und sein so der Geiger Boris Schwarz einen gut besuch und begeistert-ausgenommenen Konzertabend. Vorzüge dieser beiden ernsten und zu idealem. sammcnspiel geradezu miteinander verschinolzei Künstler ' sind zu bekannt, als daß das dieser Veranstaltung besonderen Nühmens dürfte. Außer einer vollendeten Wiedergave^ Krentzersonate sei die verblüffend orgelnuistige w stellung jenes Orgelkonzertes von Bivald'ÄM) V-moll in einer eigenen Klavierübertraguug Schwarz (Vater) Hervorgeboben, welche die stmo i \ ll -i v

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