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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-08 · 10 (8.3.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
10 (8.3.1934)
Date
1934-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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HenZ udjten jleficn llüüliil b Um. rsiunm« tibu'rg). tfamm. nulnb«* «bürg). rfainm. chbar« $ Uhr. Petrin, 'fh. >£bci> iO Pfg. rtband tu;,u je 74, lner, Prenz. Iper- ,»4ZZ7 Hwicn /"ZS. »mlori wuu uuv ' Von Paul:BoraßSem- ■;■ Am 12. Mrz jährt sich zum 40..Mär;ber Todestag von Ludwig August Frankl, dem Freunde 5ebbels. Wir glauben, mit nachstehendem.Aus. fotz über Hebbel und sein Verhältnis zu den.Juden auch das Andenken Ludwig August. Frankls-zu würdigen. . Hebbels Stellung zum Judentum endgültig seitmlegen, ist nicht leicht; das einschlägige Dterial erscheint dem ersten Blick widere svruchövoll. Da muß man die Zeugnisse, postive wie negative, nach ihrem inneren Schweraewicht gegeneinander abwägen, um zu einem' schien Ergebnis zu gelangen. - Mr „Börsenzuden", die „christlichen - und kbräischen Börsianer" hatte Hebbel nichts übrig und auf die ihn ästhetisch verstimmende vermaledeite Judenwirtschaft in Krakau chmpft er tüchtig. Menschlich zweifelhaften und wertlosen Individuen gegenüber kann das UM „Jude" auch in seinem Munde zum Schimpfwort - werden: 'so- - nennt er dem ' an« rüchrgen Hamburger Literaten E. M. Oettinger einen „elenden Juden" und den Schauspieler Dawrson im Hinblick auf dessen Duellafsäre mrt emem Hamburger Kritiker „Döppelpolen rm Herausfordern, .Doppeljupen im Einstecken". „Raupach", heißt. - es/ - ist sicherlich ein Jude, denn er.- handelt mit Kunst und grbt nicht zu- . viel fürs Geld." (Raupach war kem Jude. Die Schrlftleitung.)- Dem Gutzkow - Trabanten Ludwig Wiht erklärte er auf Grund der von diesem verfaßten „Geschichte der deutschen Nationalliteratur". (1840), eines allerdings völlig belanglosen Geschmiers von achtzig Druckseiten, daß,, ,mrenn ein Jude, eine von Christen geschaffene Literatur beurteile, der Stoff notwendig spröde und widerspenstig fein müsse". Hebbel spricht 1837 angesichts des ihm ' überwiegend materiell erscheinenden Charakters der Zeit von ihrem „Jüdeln". In zwei Tagebuchnotizen nimmt er Stellung zu MW * vd&ie Wildente" im Berliner Kulturbund! Frau SSrby, (Gerda Klein-Weltmann )t der täte Warle (Hermann Heuaer) . * ' \ FoL ChdteaU'Anae Ssymanakl r< VX jOie Wildente" im Berliner Kulturbund - . Spielleitung* PrH% Jammert Bühnenbild t - Weiter Auerbach, Hjalmar Ekdal (Fritz Wirten) f Hedwig (Mira Rototßsky); Molvih (Fred Alexander); Gregera Werte (Martin Brandt); Gins (Lilly Kann) i Relling (Fritz Lion) , FoL ChdleaU'Aiue Stymantki den Emanzipationsbestrebungen der deutschen Juden. Wesentlich -skeptisch. 1843 meint er, daß eine Emanzipation der Juden nach ihren eigenen Wünschen schließlich eine der Christen nötig machen würde,-und als 1847 die Dinge der Erfüllung, entgegenreiften, forderte er einen Aufschub um wenigstens eine Generation. Ende 1843 in Paris, nach der Bekanntschaft mit Felix- Bamberg, dem nachmaligen ersten Herausgeber der hebbelschen Tagebücher und Briefe, bemerkt Hebbel, es sei gut für die Juden. daß er ihn kennengelernt habe; denn seine ursprünglich liberalen Ansichten über die Juden hätten sich im allgemeinen geändert und der Unterstützung durch respektable jüdische Persönlichkeiten gar sehr bedurft. Das klingt nicht eben erfreulich; aber wir müssen uns. nervöser Ueberempfindlichkeit uns entwöhnend, doch sagen, daß es sich um nicht mehr und nichts anderes handelt, als was wir im Munde und in den Gesinnungen der meisten Zeitgenossen und ähnlich nicht nur dieser vorauszusetzen haben. Alle diese Aeuße» rungen liegen überdies vergleichsweise früh. Bor allem aber entstammen sie ausnahmslos Tagebüchern und Briefen und entsprechen dem Wesen ihrer Quellen. Es handelt sich nicht um geistige Dokumente festgewurzelter, weltanschaulich verdichteter Ueberzeugung, sondern Zumeist um folgenlose Improvisationen rein gelegentlichen Charakters. Es entsteht, mitten in solche gedanklichen Plänkeleien hinein, September 1838 das Gedicht „Der Jude an den Christen". Der Jude klagt und klagt an, daß man chm sogar die Wunden,' die ein furchtbares .Schicksal ihm geschlagen, als Sünden angerechnet habe. Ein Jahrzehnt später (September 1847.) sagt Hebbel über das Gedicht, nachdem die Zensur es ihm gestrichen hatte, er habe damit „ohne alles Spitzen- und Stachel«, wesen den einfachen Humanität8* gedanken des Jahrhunderts auSfprechen wollen". 1840 entsteht, gewiß «ul Zeugnis höchsten Ranges für das Heldentum und die weltgeschichtliche Bedeutung des ersten monotheistischen Volkes, das Drama „Judith". Das Jahr 1841 bringt die erschütternde Figur des gehetzten, mißhandelten und — fluchenden Juden in „Genoveva", ein Symbol des derüschen Mittelalters, wie es nur menschlichstes Erbarmen, tiefes Verständnis für die Ahasverus-Tragik im Leben des jüdischen Volkes schaffen konnte. Schöpferische Gestaltungen von so elementarer Wucht schnellen abfällige Eingebungen des Augenblicks in die Höhe und erweisen sie als durchaus sekundär. Indessen besitzen wir von Hebbel auch grundsätzliche Charakteristiken jüdischen Wesens, tiefgreifende und reise von der Höhe seines Lebens, Urteile eines ausgebrausten und geklärten Kopfes. Kritiklos auch sie nicht, wie denn Hebbel überhaupt einen sicheren Blick für die Schwächen des Jirden besaß, aber gerecht und wohlwollend. Emil Kuh, der ge--, treueste der Jünger Hebbels, sein späterer, meisterlicher Biograph, stand wegen seiner Beziehungen zu der Sängerin Adele Ferrari, die dann seine Frau wurde, in starkem Zwist mit seiner Familie und war schlecht auf die Juden zu sprechen. Hebbel, seine lieblosen Ausfälle ablehnend, schreibt ihm Ende 1856: .Sie verlangen wohl nicht von mir, daß ich Ihre Ansichten über die Juden unterschreibe . , da Ihnen früher mein Wort: der Jude.ist gerade so schlecht wie der Mensch! recht wohl gefiel. Der Jude ist freilich w i e jeder Aristokrat. (Bon Hebbel unterstrichen. Die Schriftleitung) zu Anmaßung und Undankbarkeit geneigt, und da seine Ansprüche ltung 161331 Iflhe von ben und 'Sprache Wlö»'. fett»- Mit seiner neuesten-Schauspiel- Premiere, Ibsens „Wildente",. hat sich der Berliner Kulturbund wieder ganz auf einen künstlerisch jeutraten Boden begeben, von dem keinerlei Mbindungsfäden zu einem speziftsch jüdischen ^bensgeftthl hinführen. Trotzdem wrrd man Wahl dieses vom Spielplan der Berliner Wuhnen. seit langer Zeit verschwundenen Zuckes, in dem das Ensemble der-Kulturbundvuhne seine Kräfte zum ersten Male an.einer kmsten modernen Aufgabe erproben durfte, '^cht zu bedauern haben: nicht nur, weil diese Ausgabe schauspielerisch fast durchweg mit - uoerraschendern Gelingen gelöst wurde, sondern weil die im Strom der Zeiten , unversiegbar gevuebene Lebenskraft eines Werkes unter Degestellt wurde, das jetzt, gerade fünfzig ^uhre alt ist und dessen an keine zeitlichen Be- Mgungen gebundene ■ Problematik auch den ■' ffi°n ganz anderen Fragenkomplexen erfüllten ^Mwartsmenschen-noch zu beschäftigen-ver- Dein Problem der Lebenslüge war der, Mische Wahrheitsapostel schon in seiner Men romantischen Zeit nahegerückt. Er im kann, unter einem sozialen Aspekt,. "Volksfeind", dem kämpferischsten -seiner-?^En, in dem er der „kompakten Majori-; at dre Maske der Lüge vom Gesichtz riß, aus § leidenschaftlichen Gefühl Persönlicher Eruernng heraus gestaltet, und er nahm es in kJ ^grenzteren ftotm des Eheproblems, die ■ Mnerung an .Mora" wieder' auffrischende -er dem „Volksfeind" unmittelbar -folgenden " lldente" noch einmal aus. Freilich:' diesd1 weder als Ankläger noch als Richter. gestaltender Wille ist in der, „Wildente" ^,./,^.als sein entscheidendes moralisches Vebfe * t stellt die Frage: soll eine' Ehe, - ÖUI einer viele Jahre hindurch genährten Lüge, gegründet-ist, weiterbestehen, oder ist . fie für die Zerstörung reif? Indem der Dichter diese Frage von den verschiedensten Seiten her beleuchtet, - aus dem - Gesichtswinkel des -un- - erbittlichen' Wahrheitsfanatikers Gregers Werte, der mit seiner „idealen Forderung" in die kleine,, unscheinbare, ängstlich behütete Welt des Photographen Hjalmar Ekdal vernichtend einbricht, oder des Zynikers und verbummelten Arztes Dr. Rolling, der dieLebenslüge, im Hause Ekdal als das „stimulierende Prinzip" konservieren-möchte, läßt er das Verhängnis in tragisckzer Folgerichtigkeit seinen Lauf nehmen, ohne eine letzte Entscheidung zu treffen — ein Menschenbildner, kein Anwalt des Rechts oder Unrechts seiner Geschöpfe. Die bildnerische Kraft Ibsens hat sich allerdings in kaum emem anderen seiner Werke zu einer solchen Lebendigkeit verdichtet wie in der Wildente", in der selbst das Symbolische Züge der Realität angenommen hat und sich im Schicksal der einzelnen Gestalten widerspiegelt. Und deshalb sind auch die Schauspieler selten vor so verlockmde Aufgaben gestellt worden, wie in dieser meisterhaft indrvwualisierten Tragikomödie menschlicher Irrungen und .Wirrungen, in der jede Flgur rhre bestrmmt ausgeprägte Physiognomie zur^Scham trägt ^Besonders Hjalmar'Ekdal galt, von leher als eine Paraderolle, weil hier der Komödrant. des Lebens sich nur auf die Buhne zu prosizieren brauchte, um sich un schauspiel^sEwPorträt dann getreu wiederzufmden. F r tp $Ö jste n, der sich als Träger dieser Rolle auf der Buline dps Kulturbundes zum ersten Male :m moderncn^Grwandpräsentierte, hatte die echte Komödiant-rnlairne,. dre mrt den falschen Gesüblen m geschwollenen PathetlkerS, ferner fS&eit seiner Selüstbewunderung,. ferner ^>n6rüXna mühelos jonglierte - ein-m MaSke und Ä>iel.gemeistertes Abbild der Wirk- Z^M S-in Gegenspieler Gregers Werle. hat cZ viel schwerer, weil er uns ,n -men.ständlgen Konflikt treibt zwischen unserem sitiliMN Empfinden, da? dem sich/m,<nne« „akuten EchassenhsiiSsi-ber"- verzehrenden,, rüüsichtslosen Moralisten zustimmen möchte, und der - menschlichen Teilnahme, die wir seinen armen Opfern entgegenbringen. Aber vielleicht hätte■ Martin Brandts diesen Zwiespalt ausgleichen können, wenn er der Gestalt schon - äußerlich einen weniger bedrückten, weniger pathologischen Zug gegeben ■ hätte: : der . umflorte Blick — (denkt ihr Aelteren noch-an-die großen, fragenden Rätselaugen des unvergeßlichen Gregers- Werle-Spielers Oskar Sauer?) —, . das Schleichende, seiner Haltung,, die meist gedämpfte Stimme — all das - hätte zu dem kranken . Geivissen , dieses selbstquälerischen Sonderlings ungefähr stimmen können, der jedoch innerhalb der Maschinerie des Stückes noch viel mehr.ist, nämlich:, die aktive, die vorwärtstreibende Kraft, der - eigentliche .Motor der ganzen -Handlung. — Hermann- Heuser, als der alte Werte: unübertrefflich in der vornehm-starren Kühle, hinter der sich die skrupellose Vergangenheit des kaltherzigen Egoisten nur mühsam zu verbergen wußte; des ferneren Martin Wolfg ang als Väter Ekdal, eine drollig-rührende Erscheinung, ein Rindvieh, aber auch ein Kindergemüt, wie ihn der. illusionslos-höhnende Doktor Relling charakterisiert, der von Fritz Lion Farbe und individuelle Prägung erhielt. - Auchdie drei' weiblichen' Figuren, .des .Stückes fanden.ausgezeichnete Vertreterinnen. Als-neues Mitglied der Kulturbühne stellte sich Mira Roso.wsky in der Rolle der Hedwig vor,, und.'zwar' mit außerordentlichem Erfolge. Sie hatte ganz die jugendliche Kindlichkeit der ergreiienden 'Gestalt,, dieser kleinen' Märtyrerin der, 5ftndesliebe;. sie.hatte, aber auch den' echten, , starken Empftndun'gVton, der sich in der Schlußszene'.deI" vierten-Aktes in dem hysterischen SchmerZensschrel 'der plötzlich Verlassenen löste. Man darfauf weitere Rollen dieser ungewöhnlich' talentvollen Schauspielerin gespannt - sein. Gina Ekdal, von. -Lilly Ka.nn: die beschränkte,. betuliche. selbstzufriedene Gutmütigkeit, die über, den dpnktenFleck ihresMädchenschicksals hv dem Pflichtenkreis des engen Hauses, in dem man nach Hjalmar Ekdals Wunsch niemals von unangenehmen Sachen spricht, längst hinweggekommen ist; schließlich Gerda Klein-Weismann als Frän- Sörby, eine kluge und gewandte Lebenskünst'- lerin mit einem leisen Stich ins Vtondäne. Das treffliche Ensenrble wurde durch, dis wieder sehr präzise, sehr saubere und bis ins kleinste Detail wirklichkeitstreue Regie Fritz I e ß n e r s zilsammengehalten. Ein ebenso interessanter wie -aufschlußreicher Abend, der das an Ibsen,Aufführungen kaum uoch, gewöhnte Publikum dreieinhalb Stunden lang fesselte, vr. Hugo Lachmanskü SW«r)Cs..MR-... In der letzten Nurnmer dieses Blattes Habich in größerem Zusammenhang zu zeigen versucht, wie sich die Dramatiker - des Escher- Stoffes im Laufe der Jahrhunderte immer wieder bemächtigt haben, und welchen besonderen Platz der Nachklassiker Grillparzer mit feiner unvollendet gebliebenen Esther-Dichtung innerhalb dieser Entwicktungsreihe einnimmt. Es bleibt noch übrig, zu der Aufführung des Grillparzerschen Fragmentes, die der Berliner Kulturbund im Nahmen eines sonst musikalischen Programms zu Purim veranstaltet hat, einige Worte zu sagen. Das Werk selbst wurde, wie allgemein üblich, nur in drei Szenen wiedergegeben — man verzichtete also darauf, dem wundervollen Finale der „8ceue ä faire“ zwischen dem König und Esther noch dw fertige vierte Szene folgen zu lassen. . die stnnmungsgemäß und dynamisch zwar ein Decrescendo bedeutet, die aber über den Fortgang der Handlung wertvolle Aufschlüsse gibt und die auch dem Charakter Mardochais einen erhöhten religiösen und . menschlichen Glanz verleiht. Ich habe Aufführungen gesehen, in denen Grillparzer verwienert und die edlen, klaren und ebenmäßig schönen Linien seines Esther- Gedichts ins Weiche, ja ins Weichliche umge- ' bogen wurden. Dieser Gefahr ging Fritz Jeßners straffe, noble, den idealisierend-

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