Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Kdrscher Mffenschaft, die noch heute Glanz auf uns legt und den Juden noch h?ute überall in der Welt Quelle und Beispiel bodenverknüpsten, zeitentschlossenen und dennoch fruchtbar jüdischen Judentums sind und bleiben. Nur langsam verdünnte sich die jüdische Substanz und wurde durch zeitbedingte Umweltsvorstellungen ersetzt. Und die geschichtliche Fügung wollte, daß wir uns mit ihnen erfüllten, als ihre Geltung um uns bereits im Schwinden war. 1914 war der Einklang von Emanzipation und Assimilation zu einer auch nicht 1918 und 1919, unter der Weimarer Derfasiung in ihrem Beginn, wiederholten Harmonie gediehen. Wir verhielten uns aus freien Stücken in der Zeit menschlich.staatsbürgerlicher Bewährung so, wie das Gesetz und die Gleichheitsvorstellung der anderen es von uns erwarteten und wurden auch so gewertet. Es ist müßig zu untersuchen, ob es so geblieben wäre, wenn der Krieg siegreich gewesen wäre. Tie Revolution, die alle bürgerlichen Unterschiedlichkeiten beseitigte, brachte auch den deutschen Juden die letzte formale Gleichverechtigung. Die Emanzipation, der Rechtsvorgang in der Außenwelt, war vollendet. Aber die Assimilation, der geistig-gesellschaftliche Vorgang der Innenwelt, geriet in Störung. Wir fanden bei unserer geschichtlichen Betrachtung zweierlei: Assimilationswille der sich Assimilierenden genügt nicht: es muß Assimilatiousöcreitschaft derer vorhanden sein, an die man sich assimiliert. Ferner: Wir waren schließlich mit Ideengut der Umwelt erfüllt, das die Umwelt in steigendem Maße nicht mehr als für sie verbindlich anerkannte, ja, nachgerade als „jüdisch" zu bezeichnen begann. Die Staats, und Gesellschastsidee immer wachsender Volksschichten geriet immer stärker in Gegensatz zum gesetzten Recht. Ter historische Vorgang von vor hundertzwanzig Jahren wiederholte sich, allerdings mit umgekehrter Wirkung: Damals eine Spanne zwischen Emanzipation und Assimilation, die durch den Willen beider Teile ausgeglichen werden sollte und wurde; jetzt die Spanne zwischen Assimilation und Emanzipation, wobei der Wille des einen Teils die. Assimilation grundsätzlich nicht will, der andere Teil, wir. sie an heraufkommende Vorstellungen nicht vollziehen können. Was dann, als die neuen Vorstellungen herrschend wurden, sich, an uns und gegen uns vollzog, das war auf dieser Anschauungsbasis die .Wiederherstellung der Harmonie von Emanzipation und Assimilation: Man gab uns jenen formellen Rechtszustand, den die innere Bereitschaft der Umwelt uns zuzuerkennen nach den neuen Anschauungen bereit war. - Tiefe geschichtlichen Vorgänge, die wir Ter Beirat der Reichsvertretung der deutschen Juden trat am 11. Februar zu seiner ersten Sitzung in Berlin zusammen. Rabbiner Dr. Leo Baeck. der Präsident der Reichsvertretung, verband mit seinen Begrüßungsworten bemerkenswerte grundsätzliche Ausführungen, die Dem der Versammlung mit tiefer Bewegung ausgenommen wurden. Wir deutschen Juden seien seelisch, wirtschaftlich und politisch in einer ähnlichen Lage wie das gesamte deutsche Volk nach 1918. Das Beispiel des deutschen Volkes lehre uns, nicht kleinmütig zu verzagen, sondern in ruhiger Arbeit die Ergebnisse der Entwicklung abzuwarten. Wir sollten uns nicht in einem Optimismus der Worte, sondern in einem Optimismus der Erwartung bewegen. In unserer Zeit sei ein Monat in seiner Bedeutung fast einem Jahre gleich. Wir könnten immer nur für den Tag arbeiten: aber was geleistet werde, geschehe für Generationen. Dr. Baeck dankte für die den deutschen Juden gewährte Hilfe zur Erhaltung ihrer sozialen und kulturellen Einrichtungen. Die ausländischen Juden Hütten aber diese Hilfe nicht nur uns. sondern zugleich auch sich selbst zuteil werden lassen; denn das Schicksal der deutschen Juden werde einst das Schicksal aller Juden Europas, vielleicht auch das Schicksal Palästinas werden. Palästina könne vor der Gefahr stehen, durch Hemmung der für seine Entwicklung notwendigen jüdischen Zuwanderung gewissermaßen ausgetrvcknet zu werden; aber auch eine plötzliche Ueberschwemmung mit Einwanderern könne das Land aufs schwerste gefährden. Ein hartes geschichtliches Schicksal, so schloß Dr. Baeck seine Ansprache, sei uns auserlegt. Tie deutschen Juden müßten Zusammenstehen. Nur dann könnten sie vor ihrem Schicksal bestehen. Direktor Heinrich Stahl übcrbrachte den Gruß der Jüdischen Gemeinde Berlin. Bevor Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch den eigentlichen Tätigkeitsbericht der Reichsvertretung erstattete, gedachte er in ehrfurchtsvollen und dankbaren Worten Ludwig Tietz' und Carl M e lchior8. Sodann schilderte er kurz die Erststehungsgeschichte der Neichsvertretung. Er hob dabei nachdrücklich die Initiative des Central- Vereins hervor, der die Schaffung dieser zentralen Stelle zu verdanken ist. Endziel sei die Schaffung der großen Reichsgemeinde, die ihre Direktive von einer Reichszentrale empfängt. Das nüchtern'sehen müssen, ohne sie für uns inhaltlich anerkennen zu können, zeigen die. realen-Zusammenhänge unserer als Synthese von Deutschtum und Judentum formulierten Weltanschauung. Aus ihrer positiven Gestal», tung in der Außenwelt ist sie heute zu nicht ' minder positiver Gestaltung in die Binnenweit verlegt. Denn der Neubegmn unserer Emanzipationsbemühung, sie ist das A und O - unseres Denkens und unserer Planung, ist ' ohne Schaffung neuer Assimilationsvoraussetzungen nicht möglich. Und diese bestehen in erster Linie, und hierin liegt die jüdische Wertigkeit dieser Idee, in der Wiederherstellung' und Kräftigung unserer jüdischen Substanz. Es muß an die unserer Seele eingefügten Mächte des letzten Jahrhunderts der strengste,. der letzte — wir wollen sagen: der jüdische Maßstab gelegt werden —, das als Ausgangspunkt und Formkrast nur die uns gemäße Gestaltung vom deutschen Judentum übrigbleibt. Wenn überhaupt, dann besteht bei der Umwelt die Bereitschaft, ein ursprünglich — wesensechtes zeitnahes Judentum in Deutschland als deutsches Judentum anzusehen, nicht eine jüdische Gruppe, die, weil sie nicht eingeschaltet werden konnte, in sich ein Museum ihr bequemer, aber vom Deutschtum selbst als wertlos bezeichneter deutsche Altertümer bewahrt. Es ist kein gerul)sames Dasein auf dem Boden dieser Vorstellung. Aber sie ist die einzige, der unsere Wirklichkeit nachgebaut werden kann. Sie schasst uns unseren Platz in jeder Zeit auf diesem Raum, der uns damit die Suche nach dem Platz in der Welt erspart. Begann die Emanzipation mit dem Judentum als Voraussetzung und dem Deutschtum als Ausgabe, wandelte sie sich im Laufe des Jahrhunderts zum Judentum als Ausgabe und dem Deutschtum als Voraussetzung, so sind heute die neue zur lebensvollen Echtheit zurückzuführende jüdische Komponente und die heute uns widerstrebenden und sich uns versagende, aber einmal doch wieder aufnah me- und annahmebereite deutschen Komponente beide für uns zur Aufgabe geworden. Wir Menschen rationalistischer Herkunft müssen in diesen Denkprozeß das Glaubenselement einsügen und neben den in der Geschichte sichtbaren Wandlungen und Wanderungen die unsicht- baren Fügungen und Waltungen empfinden und auch für unsere Zeit und Zukunft als. wirksam herbeiwünschcn. . In unsere früher geordnete und gesicherte Welt brechen mit der Auflösung alter Sicherungen die Elemente einer in ihrem Wann ungewissen, in ihrem Ob aber bestimmten Zukunftsvorstellung vom jüdischen deutschen Menschen ein. die zu gestalteter Wirklichkeit zu formen uns vor der Geschichte auserlegt ist. umfassende und inhaltsreiche Referat vermittelte einen wertvollen Einblick in die Arbeit, die die. Neichsvertretung schon innerhalb der kurzen Zeit ihres Bestehens geleistet hat. Im Vordergrund steht die Erhaltung der wirtschaftlichen Position, der Existenz der Gemeinden wie der de8 einzelnen jüdischen Menschen. Auf diesem wichtigen Gebiet arbeitet die Reichsvertretung mit den großen jüdischen Organisationen, in deren vorderster. Linie auch der Centralverein steht, zusammen. Dr.Hirsch sprach den Wunsch aus, daß ein noch engeres Zusanunengehen ermöglicht werben möge. Da der Deutsche Jude mit der deutschen Wirtschaft aufs engste verknüpft sei, bestehe keinerlei Interesse, etwa eine Art jüdischen WirtschastseltorS zu schassen und diesen aus der deutschen Wirtschaft heraüSzulösen. Die deutschen Juden hätten als Deutsche wie als Juden jedeS Interesse daran, zu verhindern, daß deutsche Waren im Ausland boykottiert tverden. Wenn auch alles darangesetzt werde, Positionen zu halten, so dürfe das doch nicht zu einem leichtfertigen Optimismus verleiten. Man besänftigte sich besonders mit der Frage der Eingliederung jüdischer Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den ständischen Aufbau. Dr. Hirsch warnte vor planloser Auswanderung und bezeichnete in diesem Zusammenhang das Palästinawerk als eine Kraftquelle für das deutsche Judentum. Daß sich die Reichsvertretung mit aller Kraft um die Lösung der Berussnot namentlich der jüdischen Jugend bemüht und sich für die Erhaltung und den Ausbau des jüdischen Schulwcrks intensiv einsetzt, ging aus dem Bericht deutlich hervor. Zum Schluß bat Dr. Hirsch dringend, in dieser Zeit Wahlen zu den Kultusgemeinden tunlichst zu vormeiden, Solidarität solle — bei aller weltanschaulichen Unterschiedlichkeit im deutschen Judentum — die Richtschnur aller praktischen Arbeit, so auch der Tätigleit der Reichsvertretung sein Direktor Friedrich Borchardt, Generalsekretär des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, machte wertvolle Mitteilungen über die konstruktive Hilfsarbeit dieser mit der Neichsvertretung personell nub sachlich Hand in Hand arbeitenden Organisation. Er dankte besonders allen ausländischen Instanzen und Freunden für die dem Zentralausschuß gewährte großzügige Unterstützung und bedauerte nur. daß sich in letzter Zeit in England Stimmen bemerkbar machen, die dein Hilsswcrk des Zeutralausschusfes eins andere Richtung geben, nämlich eins Lösung der Probleme nur außerhalb Deutschlands empfehlen wollen. Die Auswanderung sei ein wichtiges Aufgabengebiet deS ZentralausschusieS; dem Palüstinawerk widme man größte Aufmerksamkeit. Man müßte sich aber gegen die Auffassung wenden. als ob die Lage und die produktive Hilssarbeit der deutschen Juden allein unter dem Gesichtspunkt der Auswanderung zu betrachten sei. Die praktische Lösung der deutschen Indenfrage könne nur in Deutschland selbst erfolgen. Es gelte ein wirtschaftlich lebensfähiges und innerlich ungebrochenes deutsches Judentum zu erhalten. Trotz aller Unterstützung durch ausländische Juden werde auch weiterhin die Hauptlast des Hilsswerks auf den jüdischen Gemeinden in Deutschland ruhen. Der Vorsitzende des NeichSausschusses der jüdischen Jugendverbände Deutschlands, Dr. Friedrich B r o d n i tz, wies darauf hin, daß sich die vor etwa acht Jahren erreichte geschlossene Zusammen, fassung der jüdischen Jugend in der praktischen Arbeit bestens ausgewirkt habe. Ter Reichsniisschuß sei heute die erste offiziell anerkannte Spitzenstelle des deutschen Judentums. Es sei der Wunsch der jüdischen Jugend, mehr als bisher in den maßgebenden, wenn auch nicht in den engsten Gremien der Neichsvertretung mitzuarbeiten. In der lebhaften Aussprache wurde immer wieder der Wunsch und der Wille zu einträglicher praktischer Zusammenarbeit aller Richtungen laut, ohne etwa damit zugleich einem „Burgfrieden der Eine wichtige WirischasiSmvkdming Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, Reichsleiter Martin Bormann, gibt bekannt: „Der Stellvertreter deS Führers hat mich beauftragt, in der Warenhaussrnge noch einmal die Stellungnahme der Rcichsleitung der NSDAP zu umreißen und zur Vcrössent-. lichung zu bringen. In einer Verfügung vom 7. Juni 1933 hat der Stellvertreter des Führers betont, daß die Einstellung der NSDAP zur Warenhausfrage nach wie vor unverändert ist, und daß die Lösung dieser Frage zu geeigneter Zeit im Sinne des NS-Programms erfolgen wird. Mit Rücksicht ans die allgemeine Wirtschaftslage und das Bemühen, jedem Volksgenossen Arbeit und Brot zu schassen und zu sichern, muß vorerst ein aktives Vorgehen gegen Warenhäuser und ähnliche Betriebe mit dem Ziel, sie zum Erliegen zu bringen, unterbleiben. Bei Erlas; Der Verfügung ging Die Neichüleitung von Der eigentlich selbstverständlichen Doranssetzuttg ans, Das; Die Inhaber.bzw. Leiter Der Warenhäuser unD warenhausähnlicher Betriebe sowie jüdische Firmen unsere Haltung Damit beantworten würden, Das; sie sich ihrerseits äußerster Zurückhaltung und Takt in ihrer GeschäftSführnng, Werbung und sonstigem Auftreten anscrlegen. Hierzu gehört, daß die oben gekennzeichneten Geschäfte Symbole der nationalen Bewegung weder zeigen, anbietcn, noch verkaufen. Außer Hakenkrenzsahnen gehören hierzu Bilder unserer Führer. Uniformen und Uniformstücke sowie alle auf bie. nationale Bewegung Bezug habenden Gegenstände, wie znm Beispiel auch Kinderuniformen, SA-Puppen und dergleichen. Die bedauerliche Feststellung, daß gegen diese und andere selbstverständliche Gebote von Zurückhaltung sehr häufig verstoßen wird, ist der Anlaß zu dieser erneuten ausdrücklichen Bekanntgabe der Stellung der NSDAP zum Warenhausproblem. Bei dieser Gelegenheit sei wiederum betont, daß es Mitgliedern der NSDAP nicht gestattet ist, für Warenhäuser zu werben oder etwa in Uniform zu betreten." Mische Asyle hei den WMeWMMsichemUM In verschiedenen Orten sind neuerdings auf Veranlassung deS Verbandes privater Krankender» sichernn-gSunternehnlungen Deutschlands, Leipzig, von der Privatversicherung Leipziger Verein-Bar» menia „Listen staatsfeindlicher und nichtarifchcr Asrzte" ausgestellt worden, deren Rechnungen von den Gesellschaften der privaten Krankenversicherungen nicht mehr erstattet würden. Auf Grund dieser Listen haben zahlreiche Bezirksdircktioucn die Erstattung der Rechnungen jüdischer Aerzte, die bei den reichsgesetzlichen Krankenkassen kraft Gesetzes nicht mehr zugelassen sind, verweigert, zum Teil auch die Rechnungen für die Behandlung jüdischer Patienten. Man stützt diese Maßnahmen auf ein Abkommen, das der Reichskommisfar für die ärztlichen Spitzen- Organisationen mit dein Verband privater Krankenversicherungsimternehmungen im Sommer 1933 abgeschlossen hat. Danach sollten nichtarische Aerzte nur beschränkt zur Behandlung bei den Privatversicherungen zugelassen tverden. Es sollten zwar die Rechnungen, der bei den gesetzlichen Krankenkassen zugelasseuen Aerzte honoriert werden, die der dort ausgeschlossenen nichtarischen Aerzte aber nur insoweit, als es sich um die Behandlung nichtarischer Patienten und solcher handle, die sich als nichtarisch bezeichnen. ___ Bisher haben die Privalversicherungeu ihre Satzungen aber noch nicht dem Ablouunen entspre- Änschauungen^ däs Wort zu reden. 'An der W herigen Tätigkeit der Reichsvertretung wurde, was Inhalt, Richtung und Methode anbelangt, keine wesentliche Kritik geübt. Justizrat Dr. Bpodnitz, der Vorsitzende des Ccutralvereins,' stellte in einer längeren Diskussionsrede fest, daß die Reichsvertretung vor einer unendlich schweren Aufgabe siche. Man könne deshalb nicht erwarten, daß sich eine neue Institution in wenigen Monaten einspiele. Sie sei von dem besten Willen beseelt Hinter der Neichsvertretung stünden machtvolle jüdische Organisationen, die aus eine ehrenvolle Vergangenheit zurückblicken könnten und sich einer ehrenvollen Gegenwart zn erfreuen hätten. Der Ausgleich in der Zusammenarbeit mit der Reichs, Vertretung werde nach und nach Zustandekommen, Notwendig sei ein Umbau im ganzen jüdischen Leben. Gs sei unzweckmäßig, ideologische Gegen, sätze zu verschärfen. Einheit sei eine ganz moderne, auS der Not der Zeit geborene Forderung, die mit dem alten Schlagwort von der Einheitsfront der deutschen Juden nichts zu tun habe. Die allseitige Einmütigkeit fand am Schluß der Tagung in der an anderer Stelle wiedergegebeneu einstimmig angenommenen Entschließung ihren Ausdruck. E. G. L. * Die R e i ch s a r b e i t s g e m e i n s ch a s t der judischim Landesverbände Deutschlands hat in einer Sitzung am 11. Februar beschlossen, ihre allgemeinen Aufgaben und Kompetenzen auf die Reich svertretung der deutschen Juden zu übertragen. chend geändert. Jedenfalls hat das Reichsaussichts. amt für Privatversichcrung derartige Satzungsänderungen in feinem bekanntgewordenen Falle genehmigt. Nach Vorschrift der allgemeinen Bersicherungsbedingungen kann die Erstattung von Rechnungen bestimmter Aerzte, Zahnärzte usw. abgetehnt werden. Eine solche Maßnahme ist jedoch den Mitglicdern deS betreffenden Bezirks oder Landesteiles durch besondere schriftliche Mitteilung bekanntzugeben. Die nach dem Gesetz als staatsfeindlich be. zeichneten Aerzte könnten danach ausgeschaltet werden. Jüdische Aerzte haben sich aber gegen die Tissamierung gewandt, durch die sie in den Listen den staatsfeindlichen Aerzten gleichgestellt worden sind. Das 'Amtsgericht Köln hat auch in zwei einstwelligen Verfügungen dein Leipziger Verein-Barmenia untersagt, den antragstelleuden nichtarischen Arzt als staatsfeindlich ,yi bezeichnen. Wir sind danach der Ansicht, daß nach alledem nicht nur die nichtarischen Versicherten der privaten Mittelstandsversicherimgen sich nach wie vor bei jedem Arzt ihres Vertrauens behandeln lassen löwneu, sondern eS können vorläufig auch alle arisch e u V er s i ch e r t-e n auch die nicht zu den öffentlichen Krankenkassen z u« gelassenen n ich tari scheu Aerzte in Anspruch nehmen. MkeMMWUM traten SMMMMerW Der ReichsarbeiIsmimster hat eine vierte Verordnung zur Neuordnung der Krankenversicherung vom 3. Februar 193-1 (RGBl, I, tz 31) erlassen« Danach dürfen Angestellte bei einer Krankenkasse nur dann dicustordnungsmäßig angestellt oder in eine gehobene Stelle befördert werden, wenn sie eine An.stellungsprüsuug oder Beförderungsprüsung bestanden haben. Gegenstand der Prüfung, die von einem Prüfungsausschuß beim Oberversicherungsamt ausgenommen wird, muß außer den allgemeinen und fachlichen Kenntnissen auch die Staalsbürgerkunde (nationalsozialistische Weltanschauung^ sowie die Rnsseukuude und Erügesundheitspll-ege sein. Bisherige Angestellte sind zu entlassen, wenn sie sich nicht bewähren oder die notwendige Prüfung nicht spätestens bis zum 30. Juni 1935 nachholcn. Aus kullurpoliNschea Men des Reichsministers Lr. GoebHels Der Reichsministor für Volksausklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hielt bei einer Taguira der Präsidenten und Präsidialräte der m der Reichskulturkammer zusammengeschlossenen Fachkammern, die am 7. Februar in den Räumen des ReichSministeriumS für Volksaufklärung und Propaganda stattfand, in seiner Eigenschaft als Präsident der Reichskulturkainmer eine Rede über den ständischen Aufbau der Kulturberuso. Kr sührte zum Schluß dieser Rede aus: . . .„Ich habe mit Befremden festgestellt, daß die auS anderen Berufen nach und nach hinauSgedrängten Juden mangels eines Arierparagraphen im Kulturleben eine neue Betätigungs- Möglichkeit suchen. ES gibt leine unmittelbare gesetzliche Möglichkeit, einen Ancrparagrapheu in der Reichskulturkainmer und den angeschlossenen Verbünden einzuführen. Es darf aber nun nicht geschehen, daß wir am Endo alle Juden, die aus den Beamten-, Rechtsanwalts-, Aerzte- oder Schriftleiterberusen ausgeschieden sind, all' mählich in den Kulturberufen auftaucheu. Dies zu verhindern, gibt uns das Gesetz die Möglichkeit . . ." In der großen Rede, die Roichsmmister Dr. Goebbels am 11. Februar in der Berliner Kroll- Oper vor den Filmschaffenden hielt, bemerkte er über die Ausschaltung der Juden aus dem Filmwesen: . . Das mag hier und da zu einer mensch' licheu Tragödie führen. Das kann uns aber so leicht nicht berühren, da in den vergangenen 14 Jahren auch manche menschliche Tragödie zu verzeichnen war. die in dem Falle aber nicht die Juden, sondern uns betraf. Damit war schon jungen deutschen Taleiiten wenigstens der^ Weg sreigemacht, sich zu bewegen . .