Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erdar! Not* Über- I mit d s iiwil- , ruft ■Fürst t, da« Vor- Sohn,?t ist, Feld- Sm'iio riog«. K«r rr im 1 PC¬ 'S r"ik e Zusamt- Rilckt dio Aninno n Igtmg r Be- 9 Re- . Unfühls, B Varbun« «lau)', M itanir. Itungea Anflag« EE5 pn leinde fj 713t. 17. 2.1934 ZU ch!r§o) Bornen le/ci IC OV70 ,,.... , ..Bosrlla, l&Fe1taxavl3$l~ ';V-Ü" \ XIIL jöhrgaag / \\Prolo 2© J <_ ] J BUTT Ei Eli ««HC HTM UM jyiEEäTÜTlO r & i! 5l s «Ml 18 II % (8 Jl ‘8 8 1 L ® H, N A A L J G (?) ß Ifli!t N m L ] A. H, „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ..das will besagen: er braucht mehr als nur materielle Existenz — wobei' dieses „mehr" sowohl die Idee bedeutet, die die Existenz ermöglicht, als den Sinn, der Ln ihr wirksam sein soll. Es bieten sich gerade in Zeiten unsicherer materieller Lebensgestaltung leicht Ideen an, die je nach dem Grade der persönlichen Sicherheit des einzelnen das. was ihn erfüllt, zum allgemeinen Wertmaßstade erheben; aber auch solche, die, was fehlt, durch geistige Vorstellungen vom Sinn dieser besonderen Daseinsnot ersetzen, überbrücken sollen. Solche unechten Werte überglänzen, da sie „für den Augenblick geboren" sind und ihn rechtfertigen sollm, oft die hinter den äußeren Erscheinungen und nach ihnen oder sie vorbereitend wirksamen echten Ideen und erhalten eine Wertbetontheit, die eine afsektfreie Ueberprüfung des „Mehr" neben dem Brote schwierig macht. Viele solche wertbetonte Anschauungen über die Qualität von' Ideen, die/ dem Leben von Juden in Deutschland die notwendige Wertigkeit verleihen sollen, sind anzu-' treffen. In ihren Extremen schaffen die einen Theorien vom jüdischen Deutschtum, bei der sich das Deutschtum dadurch ergibt, daß man : das störende, aber schließlich nicht leugnende Judentum möglichst stark subtrahiert, errechnen die anderen die Qualitäten des Judentums nach der möglichst weiten Distanz seiner Träger vom Deutschtum. Jede Anschauung meint von sich, daß nur aus ihr jene innere Wertigkeit entspringe, die durch die Zeit ■ in die Zukunft führt. Der Atem des Gegen- - Wartsgeschehens weht gewisie Menschenkreise bald zu einem dieser Extreme hin, saugt sie wieder an sich, weht sie wieder fort, mitunter sogar zum anderen Extrem hin. Gewiß gibt es auch ernsthafte, von Konjunktur nicht bedingte Anhänger dieser einen oder anderen Ansicht. Von ihnen soll hier nicht die Rede se.n. Denn ob sie, wie sie meinen, vor der Geschichte eine Verantwortung tragen, kann nur die Geschichte selbst entscheiden. In der Ge enwart jedenfalls wirken sie nicht geschichtsbildend. sondern geschichtszerstörend: sie unterbrechen nämlich den Zusammenhang der jüdischen Geschichte in Deutschland: Die eine schafft willensmäßig „Nichtarier", die andere prägt den „Juden neben Deutschland". Die Mehrzahl der deutschen Juden blieb bei ihrer bestehenden Seelenhaltung, dem nuancenreichen Vorstellungsbild eines deutschen Judentums, wobei es belanglos ist, ob es aus Scheu vor starken inneren Wertänderungen, oder aus einem gesunden Instinkt seelischer Selbsterhaltung geschieht. Das führt oft. zu der paradoxen Erscheinung, daß man, um sein eigenes lebensvolles Dasein nicht als Lüge empfinden zu müsien, die Ideen, nach , denen es sich formte, als unrichtig oder als überholt ansieht. Die Ideen der Assimilation und der Emanzipation, ebenso wie die nationaljüdischen, mit Palästina-Gedanken durchtränkten. erhalten in solchen Stimmungen ihre wert- oder unwertgefärbte Tönung. Es ist eine sehr charakteristische Erscheinung der jüdischen Jdeengeschichte, daß sie jeweils entweder kommenden Zeitströmungen voranerlt oder bei Jdeenzuständen. die um uns längst überwunden sind, treu ausharrt. Beide Vorgänge sind im zeitgenössischen - deutsazen Judentum oft nebeneinander anzutresfen, wobei gerade heute die Beharrlichkeit überwiegt. Unter diesem Gesichtspunkte sind sowohl die kritischen Bemerkungen, dre dre ^rr- Hänger des nationaljüdischen Gedankens am deutschjüdisch-n Jdeenzust-nd Lb-n, wie d-e bisher seliiner-. aber dsrum nicht w-nA notwendige Kritik der KnhSnger der dE)- jüdischen Idee am n-timraMdrsc-M ^d.enzustand berechtigt. Denn Dsutschiudentum. also Judentum, das Synthese will, sucht und braucht, und Nationaljudentum, daS in sich stark, zukunftsvöll, beständig sein möchte, sind Kinder des gleichen ZeitgedankenS, des Liberalismus. Der gleiche Grundgedanke, der das Individuum aus seinen Bindungen befreite und es so auflockerte, daß es mit neuen und fremden Kräften" schöpferische Verbindungen eingehen konnte, hat auch das Nationalgefühl, dieses Jndividualbewußtsein von Gemeinschaften geweckt. Beide. Ideen. sind aber auch zugleich zeitgültige Lösungsbemühungen jener 2000 Jahre alten Rätselsrage: Wie ist Leben von Juden in der Welt möglich, das sie Juden bleiben läßt und sie der Umwelt fruchtbar einordnet. Die eine ' Die Reichsvertretung der deutschen Juden faßte in ihrer Beiratssitzung am, Sonntag, dem 11. Februar, über die wir an anderer Stelle berichten, nachstehende Entschließung: „Die Art und Weise, ly der innerhalb, der deutschen Iudercheit in der letzten Zeit - -■ krrerMschs •■• geführt worden sind, veranlaßt den Beirat der Relchsvertrelung der deutschen Juden zu folgender Erklärung: Die Reichsverkrekung der deutschen Juden beruht auf der Ueberzeugmig, daß die Gegenwart über alles Trennende im Weltanschaulichen hinweg in der praktischen Arbeit die geschlossene Einheit des deutschen Judentums gebietet. Wag diese in sich auch noch so stark gegliedert sein, keine Richtung darf hoffen» durch rücksichtslose Vertretung einseitiger Grundsätze und Interessen auch nur soviel zu gewinnen, wie eine Zerspaltung des deutschen Judentums der Gesamtheit, aber auch ihr selbst, schadet. Alle Kräfte müssen dem einen Ziel dienen, daß jeder deutsche Jude im Vorstellung, man nennt sie heute nationaljüdisch, geht davon aus, daß in einer mehr oder minder aufgeschlossenen Abgeschlossenheit die jüdische Daseinsmöglichkeit in der Welt beruhe und daß dadurch jüdischer Bestand erhalten und seine Erhaltung vorbereitet werde. Die andere, unsere Idee, sieht in dem wechselnden Geschichtsverlaus jüdischen Daseins in der Welt Erscheinungsformen des gleichen Grundvorganges: Erhaltung durch erneuernde Einbeziehung zeitlicher Daseinskräfte und Lebensformen in. den Kreis unseres Seins, dessen unzerstörbarer Kern unsere jüdische Gläubigkeit, unsere Geschichtsverbundenheit, unser jüdischer Zukunstswille bilden. Jüdische Geschlechter, in. denen dieser Kern seine natürliche Mittelpunktstellung verließ, und sich bis über die Peripherie verschob, find aus der jüdischen Geschichte verschwunden. Solange aber dieser Kern innerhalb unseres Lebenskreises bleibt, vollzieht sich jüdisch-geschichtliches Dasein. Eine Auseinandersetzung über die gültigere Wirklichkeit dieser ober, bet• anderen jüdischen Idee muß von dieser Jdeengrundlage auSgehen und nicht an Ideenz u ft ä n d e anknüpfen. Eine polemische Kritik beispielsweise der nationaljüdischen Vorstellungen wäre sehr einfach, die nachwiese, wie überholt jener liberal-geborene jüdische Nationalismus vom Jahrhundertende inmitten der Erscheinungsformen des anti-liberalen neuen deutschen Nationalismus ist. Jener Vorgang war, mit gewissen Einschränkungen,. echte Assimilation, womit wir solche Entwicklungen bezeichnen, die jüdische Erhaltung durch Uebernahme allgemein gültiger mit den sittlich-religiösen Vorstellungen desJudentums grundsätzlich gleichlaufender Prinzipien bewirken wollen. Ob außerhalb Deutschlands, in Ländern mit liberaler oder > noch liberaler Gedankenwelt, dev jüdische Nationalismus eine Erfüllung neben den anderen dort bestehenden jüdischen Anschauungen bedeutet, kann aus dieser Betrachtung Herausbleiben. Einen Einwand gegen biefe Methode träfe auch die Feststellung, daß die jüdischen Probleme eben, wie wir stets sagten, in jedem Lande eigenartig und nicht überall in der Welt einheitlich liegen. Was aber der jüdische Nationalismus in Deutschland heute sein will, ist eine Assimilation an Zeitideen gegen das Judentum. Denn nur Professor Dn Jacques Joseph, . dar Maiatar dar plattisehon Chirurgie, starb am 12. Februar * (Zu dem Nachruf auf Leite 3 des Hauptblattes) Dakerlande nicht nur seinen Lebensraum , findet, sondern seine jüdische lleberzeugung auch offen und frei bekennen und betättgew! kann. Die Anselnanderfehung zwischen den ver- ■ Idß&snen.. wLlkauschEchen. Strömungen,: die nicht unterbunden werden soll, darf die durch die notwendige Solidarität gezogenen Grenzen nicht überschreiten. Der Beirat for> dert deshalb die Reichsvertretung der deutschen Juden auf, eine Einrichtung zur Schlichtung von Streitfällen zwischen jüdischen Verbänden. Gruppen, Institutionen und Zeitungen zu schaffen. Die Reichs ver-, krekung darf aber auch äußerstenfalls nicht zögern, der jüdischen Oeffentlichkeit den bekannt zu geben, der gleichwohl fernerhin den Frieden und die Einheit der deutschen Judenheil gefährdet. Einer würdigen Zukunft des ganzen deutschen Judentums soll unsere Arbeit gewidmet feint in geschloffenem jüdischen Staate ist die Vorstellung zu verwirklichen, die analog der neuen deutschen Nationalidee geformt wird. Und sie wäre auch dort keine jüdische Idee, weil jüdische Grundvorstellungen mit ihr nicht in Einklang zu bringen sind. Hier in Deutsch- ' land bedeutet der neue jüdische Nationalismus-- eine blendende Fiktion. Er setzt eine Isoliertheit theoretisch als Ziel, die in dem Augen-: blick einen Niedergang des deutschen Juden-/ tums bedeuten muß, der die letzten Verknüpfungen aus der vergangenen abgelehnten: Epoche bis zur Unwirksamkeit verdünnt oder: gänzlich gelöst hat. Denn niemals kann für-' sünfhunderttausend Menschen zeitverknüp-. sende Lebenswurzel außerhalb des Bodens sein, auf dem sie arbeiten, denken, zeugen/ sterben. Die Umwandlung von Palästina selbst zu einem freien Erez Israel wandelt nirgendwo außerhalb Palästinas Juden min, deren Rechtes zu freien Bürgern und Juden. Die geistig-kulturelle Bedeutung eines freien Erez Israel für alle Juden und die gesamte -Menschheit, wenn es ein jüdisch gebundenes Land und kein kleiner Nationalstaat im vorderen Orient wird, werten wir so sehr, wie unsere Treue zu Stamm und Glauben der Väter stark und unzerstörbar ist.. Die starke und bleibende Wirklichkeit jüdischen Lebens in Deutschland ist mit jenen scheinbar unmodernen und von nationaljüdischer Seite für jüdisch-unwertbetont ge- . haltenen Vorstellungen verknüpft, die wir Assimilation und Emanzipation nennen. Beide stehen in einer Wechselwirkung zueinander, die oft übersehen wird; man packt jeden Begriff einzeln und abstrakt, und dann bleibt an jüdisch Wertvollem kaum viel zurück. Man muß sie als die Innen- und di» Außenseite desselben Vorganges werten: Einordnung in die Umwelt als gleichwertiggleichberechtigte Menschen und zugleich Erhaltung und Fortentwicklung echter jüdischer Werte. Nur wenn beide genau zueinander passen, ist der normal-stabile Lebenszustand geschaffen, den wir als Synthese zu bezeichnen gewohnt sind. Was zeigt dazu die geschichtliche Beobachtung, der einzige Maßstab, der von keiner Seite bestritten wird? Die Emanzipation, die Verleihung formaler Gleichberechtigung vollzog sich, als die Menschen, denen sie geschah, nach den Wertvorstellungen ihrer Umwelt ..jene Angleichung, die das Fremdheitsempfinden der anderen beheben kann, noch nicht aufwiesen. Aber die Zeit mit ihrer humanistischen toleranten Grundhaltung übersah bewußt die Spanne zwischen dem rechtlichen Tatbestand und dem inneren Vorgang, weil .sie die Angleichung der Menschen, die nach der-herrschenden Anschauung jener Zeit nur durch ihren jüdischen Glcurben sich von den anderen unterschieden, als eine Erziehungsausgabe ansahen, die ebenso sehr dem Staate wie den Juden selbst auserlegt war. Gewisse jüdische Kreise haben, wie wir wissen, den letzten Unterschied durch die Taufe auszugleichen geglaubt und damit den letzten Einklang zwischen Emanzipation und Assimilation zerschlagen. . Im Verlaufe des Jahrhunderts liberal-humanistischer Staatsgestaltung und Geisteshaltung wuchs die Mehrzahl der deutschen Juden in jene relative Gleichheitsvorstellung bei den Massen der Um- .welt hinein, die die formale Gleichberechtigung zu einer von der Mehrzahl der Mitlebenden innerlich anerkannten Lebensform machte. Antisemitische Wellen bedeuteten nur, daß in gewissen Gegenden und Lebensbezirken aus dem zögernden Tempo der jüdischen Angleichung oder der besonders bedingten mangelnden Anerkennungsbereitschast der. Umlebenden Spannungen entstanden, die sich Lust machten. Das deutsche Judentum konnte inhaltlich diesen .Assimilationsvorgang die ersten zwei,, drei Generationen nach der Emanzipation vollziehen, ohne Schaden an seinen jüdischen Werten zu nehmen. Die jüdische Substanz, in Jahrhunderten gebildet, lösten nicht einige Jahrzehnte freier Lebensgestaltung auf. So kam es in Deutschland zu jener Blüte jüdischen Lebens, jüdischen Geistes, ■ .' .LUÄMMLÄÜS' ‘ Die Inanspruchnahme der Juristisch-Wirtschaftlichen Beratungsstelle des Central-Vereins, auch auf brief- ' iichem Wege, wächst erfreulicherweise von Monat zu Monat. Dadurch steigen aber auch die Portoausgaben des C.V. Wir bitten daher alle Mitglieder wie Nichtmitglieder des C. V., die Anfragen an die Juristisch-Wirtschaftliche Beratungsstelle des C.V. richten, ihrem Schreiben Rückporto beizufügen. Us