Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die deutschen Studenten, seit jeher als Schrittmacher und Bannerträger der neuen Ideen den übrigen Schichten des Volkes um Längen voraus, sind auch, heute wieder beispiel» und richtunggebend für die Schaffung der neuen deutschen Generation. - Die deutschen Juden ausgenommen, hat sich wohl keine Schicht des deutschen Volkes so grundlegend nach außen und mnen verändert, wie die deutsche Studentenschaft. Dev deutsche Student, gestählt und geformt durch die harte Schule des Arbeits- und SA-Dienstes wird bald mit dem sorglosen, in erster Linie auf seine individuelle Ausbildung und Wohlfahrt bedachten Couleurstudenten vergangener Jahre kaum mehr als den Namen gemein haben. Dies geht mit aller Deutlichkeit aus den Erklärungen hervor, die anläßlich der Verkündung der neuen Studentenverfassung durch den Reichskanzler, den Reichsinnenminister und den neuernannten Studentensührer Dr. Stäbel abgegeben wurden. Wir haben in diesen Blättern den wechseldollen Kampf um die Begründung und Dersassung der „Deutschen Studentenschaft" stets mit besonderer Anteilnahme verfolgt und bei aller Kritik an einzelnen Erscheinungsformen niemals die Notwendigkeit einer „Deutschen Studentenschaft" und ihres großdeutschen Ausbaues verkannt; viele von uns haben während ihrer Studentenzeit ihre besten Kräfte für diese Ausgabe eingesetzt. Auch die neue Verfassung der „Deutschen Studentenschaft" stellt das Prinzip des großdeutschen Aufbaues in den Vordergrund. Entsprechend der bereits durch das Gesetz vom 22. 4. 1933 getroffenen Regelung werden die künftigen Studentenschaften durch Zusammenschlüsse aller Studierenden „deutscher Abstammung und Muttersprache" gebildet, wobei allerdings im Gegensatz zu i der Auffassung vergangener Jahre der Begriff Abstammung nicht im Sinne des national-kulturellen, sondern des rassischen Prinzips interpretiert und dadurch alle Nichtarier .aus den neuen Studentenschaften ausgeschlossen werden. Eine besondere Grirppe in den neuen.Studentenschaften bilden deutsche Studenten, die nicht Reichsdeutsche sind. Sie übernehmen jedoch nach der Satzung durch chre Zugehörigkeit „keine Pflichten, die den Gesetzen ihres Staates widersprechen," .und bilden .eine besondere Gruppe. Das Kernstück der neuen Verfassung stellt das Stuck 4 des 2. Teils dar, das den Aufgabenkreis der neuen Studentenschaft abgrenzt. ' „Die- Deutsche Studentenschaft ist die Der» tretniiß der Gesamtheit der Studenten. Sie steht daiür ein, daß die Studenten ihre Pflichten in Hochschule. Volk und Staat erfüllen. Vor allem hat sie die Studenten durch die Verpflichtung zum 'LA-Tienst und Arbeitsdienst und durch politische Schulung zu ehrbewußten und wehrhaften deutschen Männern und zum veräntwortungsbereiten selbstlosen Dienst in Volk und Staat zu erziehen. Turch lebendige Mitarbeit an den Aufgaben der Hochschule sichert sie die unlösliche Verbundenheit von Volk und Hochschule und einen im Volke . wurzelnden, an Leib und Seele starken und geistig tüchtigen akademischen Nachwuchs. Sie verbindet die deutschen Studenten im Reiche und jenseits der Grenzen untereinander und pflegt würdige Beziehungen zu den Studentenschaften des Auslandes ui'.d zu den ausländischen Gästen an den deutschen Hochschulen Obwohl nach der Verfassung eine gewisse - Selbstverwaltung der Studenten gewährleistet j wird, ist der beherrschende Gedanke auch der neuen Verfassung selbstverständlich das Führcrprinzip. Der Reichsminister des Innern ernennt den Führer der „Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fach- . schulen", einer gänzlich neuartigen und mteressanten Zusammenfassung aller deutschen Hochschulen mit den Fachschulen, dre hierdurch eine gewisse Gleichsetzung mit den Hochschulen erfahren, um nach den Worten des neuen Führers Dr. Stäbel „durch die Zusammensassung der Lernenden beider Schularten die. Brücken zwischen ihnen zu bauen" und „jedem - Volksgenossen und jeder Arbeit die verdiente > Achtung zu verschaffen." Der Reichsschaftführer seinerseits ernennt wieder die Führer der deutcyen, Studentenschaft und der Fachschulschaft, dre ' wieder in genau geregelter Hierarchie vom Kreisstchrer ausgehend die unteren Amts-, träger ernennen. Der ReichMhrer vertritt die deutsch^ Studentenschaft allein verantwortlich nach - außen und innen und bestimmt die Achtung ihrer Arbeit. Er wrrd hrerrn jedoch durch. einen Arbeitskreis, eine Kammer und emen» Verbändebeirat beraten und unterstützt dreier Gebilde ist der der. Führer hinweg den Zusammenhang und den sicheren und dauernden Fortgang dev Arbeit verbürgen sollen. Diese Aeltesten berüten den Reichsführer und die Amtsleiter und haben die Pflicht, lausend in die Arbeit.Einsicht zu nehmen. , ' Es sei hierbei darauf hingewiesen, daß — den Rerchssührer eingeschlossen — alle Amtsträger der Studentenschaft nur ein Iaht fungieren sollen, wodurch die Schaffung erneS „Berussstudententums". : verhindert werden soll. , - .... Obwohl die großen Korporationsverbände im studentischen Leben der Gegenwart eine viel geringere Rolle spielen als früher, wurde in diesen Arbeitskreis auch' der Führer des deutschen „Waffenrings" hineingenommen, um, wie Dr. Stäbel ausführte, bei. der Reformierung der studentischen Ehrbegriffe mitzuhelsen. „Jeder deutsche Mann mich eindeutig und klar den Satz anerkennen, daß Ehre nur durch Blut gereinigt werden kann. Jeder muh mit der Waffe für seine Ehre einstehen — ganz gleichgültig, ob diese Waffe ein Säbel oder ein Boxhandsthuh ist. Denn wie das Volk seine Ehre verteidigen muß, muß auch jeder einzelne mutig und fest für seine persönliche Ehre eintreten." Dieser Arbeitskreis sowie die Kcunmer und und Verbändebeirat, deren einzelne Funktionen darzulcgen über den Rahmen dieser Betrachtung hinausgehen würde, stellen in der neuen Verfassung die Elemente der Selbstverwaltung dar, so daß die Studentenschaft an der Regelung ihrer eigenen Aufgaben in einem gewissen Umfange auch selbständig und in eigener Verantwortung teilnimmt. Entscheidend aber für den Weg der künftigen deutschen Studentenschaft sind nicht diese Formen, sondern der Geist, der.sie erfüllt. Im Sommersemester 1934 werden von etwa 38 000 Abiturienten, von denen nach den Erfahrungen früherer Jahre 18 000 bis 24 000 zu studieren pflegten, nach der von-Minister Frick kürzlich festgesetzten Höchstziffernur 10 734 die deutschen Hochschulen beziehen, nachdem ihnen durch einen besonderen Erlaß des zuständigen Oberpräsidenten die Hochschulreife zuerkannt worden ist. Wennauch der Oberpräsident in eigener. Verantwortung selbständig die Auslese trifft, so soll er doch vorher, dem zuständigen Gauleiter, der NSDAP die ein gelaufenen Anträge, denen Zeugnisse über die Betätigung in der Hitler- Jugend oder SA beizusügen sind/ zur Prüfung von etwaigen Bedenken gegen die politische Zuverlässigkeit vorlegen. Jüdische Abiturienten werden zwar' nicht in der Lage sein, Zeugnisse der Hitler-Jugend oder SA öeizubringen. Trotzdem besteht kein Anlaß, zu zweifeln, daß im Jnteresie der gesetzlich vorgesehenen Prozentzahl auch begabten jüdischen Abiturienten die Hochschulreife zuerkannt wird. Selbstverständlich müssen die entsprechenden Anträge unverzüglich nach bestandener Reifeprüfung an die zuständige Stelle gesendet werden. Die zehntausend Auserlesenen werden jedoch erst nach einem obligatorischen, halbjährlichen Arbeits- und SA-Dienst die Hochschulen beziehen dürfen, um dann weitere zwei, bis drei Semester durch die politische Schule der neuzuschaffenden „Kameradschafts- Häuser" zu gehen.' Nach den im Februarhest der Zeitschrift „Der deutsche Student" vom Neichssührer Dr. Stäbel. veröffentlichten Richtlinien über die Durchführung der Kameradschastserziehung werden vom Wintersemester 1934 an alle in die Hochschulen eintretenden Studenten verpflichtet -sein, durch die Kameradschastserziehung hindprchzugehen. Dies soll in der' Form geschehen, daß sie entweder in den von . den einzelnen Korporationen neu zu schaffenden Wohnkameradschaften drei Semester verbleiben , ober zwei Semester in den eigentlich, in erster Linie für. „die Führer bestimmten sogenannten Kameradschaftshäusern" der einzelnen Studentenschasten verbleiben. Da3 Ziel dieser KameradschaftShäuser ist nach den Erklärungen des ReicbZführers die allmähliche Aufsaugung der bisherigen' Freistudenten und eine gemeinschaftliche Erziehung, um unter der Führung „mit ausgezeichneten erzieherischen Fähigkeiten ausgestattoter echter Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, die in der Führung des KameradschastShauses die Ausgabe ihrer besten Mannesjahre erblicken, die Studenten zu wirklichen Führerpersönlichkeiten zu erziehen." „Die politische Führung einer Nation", rief der Reichskanzler den Studenten zu, „muß die wesentlichste Unterscheidung vom übrigen Volk nicht in einem niederen Genuß suchen, sondern in einer härteren Selbstzucht. Wer selbst Sklave ist der primitivsten leiblichen Bedürfnisse, kann. . auf die Dauer kein Herr sein über die geborenen Sklaven. Wer selbst disziplin- und zuchtlos ist, .wird niemals auf die Tauer Führer sein einer innerlich nach einem festen Halt suchenden und strebenden Menschheit." Die deutsch-jüdische Jugend darf an dieser Entwicklung, nicht teilnohmen, obwohl seit 150 Jahren jeder lebendige Strom, der die deutsche Jugend ausrüttelte, auch uns mit sortriß. Wir glauben dennoch an eine deutschjüdische Zukunft unserer akademischen Jugend in. Deutschland. Bei Wahrung unserer berechtigten Eigenart müsien wir Formen und i Wege finden, die uns ermöglichen, unsere Jugend dem Lebensstil der deutschen Jugend zu nähern, sie mit dem Lebensgefühl und Rhythmus zu erfüllen, der heute die deutsche Jugend beherrscht. Eine deutsch-jüdische Zukunft in Deutschland werden wir nur mit einer Jugend ge- , Winnen, die in harter Disziplin selbstlos und nie ermüdend ihr 'ganzes Sein in den Dienst dieser Idee stellt.' Diejenigen jüdischen Akademiker, die ihr Studium schon beendet haben oder sonst nicht mehr an einer deutschen Universität eingeschrieben sind, feien , noch einmal ausdrücklich auf den nachstehenden Absatz 8 des Erlasses des preußischen Kultusministers über die Zulassung nichtarischer Studierender zu den .akademischen Prüfungen vom 15. Dezember 4933 hingewiesen: „Diejenigen Studierenden nichtarischer Abstammung, die' der Durchführung des Runderlasses vom 16. Juni 1933 -- U 1 1333 — bereits exmatrikuliert waren und die sonstigen Voraussetzungen für die Zulassung zu einer Prüfung erfüllen, können , auf Antrag mit meiner Genehmigung zu den Prüfungen zugelassen werden, sofern sie - ' nicht bei weiterem Studium gemäß Zifs. 4 II . des Runderlasses von 16. Juni 1933 —-U 1 . 1831.— mit Ausschluß vom Studium oder gemäß den Runderlassen vom 29. Juni 1933 — U 1 21890 — und 9. August 1933 — U 1 22o25 — mit einer Streichung hätten rechnen müssen.' Anträge dieser Art sind bis Ende Fe-, bruar 1934 durch den Rektor der Hochschule mit einer Stellungnahme des in Zifs. 4 des Runderlasses vom 16. Juni 1933 — II1 1331 — erwähnten Ausschusses mir zur Entscheidung vorzulegen. Später eingehende Anträge können nicht ' mehr berücksichtigt werden." Am. dl©? zmggcgmsdimMüdk@m Weiß üüsr dm „Aelteste" angchörery ZUM 100. Geburtstag vor» Heinrich Caro Die Teerfarbcninduftrie, die in der deutschen Technik und Volkswirtschaft eine wichtige Stellung einnimmt. verdankt dem am 13. Februar 1834 geborenen Chemiker Heinrich Caro zahlreiche Ent» deckungen. In Posen geboren, besuchte Heinrich Caro m Berlin. Gymnasium. Universität und Tech.- nische Hochschule. Tie Liebe zu seinem künftigen Berus, trat schon während seiner Schulzeit hervor: 'mit seinem Freunde Richard Peters beschäftigte er. sich rn' einem eigenen kleinen Laboratorium mit chemischen Versuchen. In seiner ersten Stelluny als Kolorist in Mülheim a d. R. bewies er bereits seine hervorragende Fähigkeit, auS der Vielheit, der Dinge das Wesentliche zu erkennen undgroße Verbesserungen im Fabrrationsbetrreb emzuführen. Eine Studienreise führte ihn nach England. wo die Wiege der Teersarbenindustrie stand. 1853 hatte William Henry Perkin den ersten Ani-. linsarbstoff entdeckt, und' mehrere Fabriken wetteiferten in der Herstellung neuer Teerfarben. Ein . gewaltiges Tätigkeitsfeld eröffnete sich dem jungen deutschen Cliemiker. der Zwei Jahre später als Ander Firma Roberts, Tale & Co. nach Manchester übersiedelte. Als ihm' hier ^ein neues, einfaches Verfahren zur Tarstelluna von Mauvein' aelava. das bald Patentschutz erhrelt. wurde Heinriü iazo Teilhaber dour Firma. Jetzt begann ein Si^wg zahlreicher Erfindungen. 1833 Mrte er. di»^b!auen spritlöslichen Induline in die -Fabri-' eür. Seine durch allzu große Arbei^last er- #^*2 Gesundheit Zwangihn, die Laichrbor-- {d-'it Zu lösen. Auf einer geplanten - Reifs nach ' dem Süden wurde er durch die vorbildliche Lehrtätigkeit Robert Bunsens in Heidelberg so gefesselt, daß er sich'unter seiner Leitung weiter vervoll^ " üommnete. Ende 1868 übernahm er eine leitende Stellung bei der Badischen Anilin- und Sodasabrik in Ludwigshafen, wo er eine Reihe wichtiger Teer, farbstvsfe entdeckte und die Tarstellung der Mi» zarinfarbstosfe in den Großbetrieb übertrug. Als . Direktor, später als AufsichtsratLmitglied dieses : blühenden Unternehmens wirkte er an der Beseitigung mancher Mängel des 1877 eingeführten Patentgesctzes kraftvoll mit. 1890 legte er sein Amt nieder, um sich im eigenen Laboratorium ganz wissenschaftlichen Studien zu widmen. Seine Fach» genossen gaben einer neuen Säure, der Frucht dieser Studien, die als eines der stärksten vxyda» . tionSmittel in der organischen Chemie Verwendung findet, ihm zu Ehren den Namen Carosche Säure, und auch die Erfindung des Eosin ist aus ihn zurückzusühren. Caro gehörte zu den Mitbe» gründern oes Vereins deutscher Ingenieure, zahl» reiche Ehrungen und Titel wurden dem greisen Chemiker zuteil, so wurde ihm das Ehrendoktorat' der Universitäten München, Heidelberg und Leeds sowie der Technischen Hochschule Tarmstadt verliehen. " - Mit Begeisterung erlebte Caro, der erst 1910 hochbetagt' starb, den wirtschaftlich-technischen Ausstiege Deutschlands'mit. So schrieb er: „Es war Hie große, alles' umgestaltende Epoche des natur-; . wissenschaftlichen Zeitalters, die ick mit durchlebt habe, das Zeitalter des TampfeS und der Elektri» zität, des Zeitalters-der wunderbaren Entdeckungen und Nutzanwendungen der Chemie, des Zeit- - altürs des Weltverkehrs und de-3 industriellen Auf- . —schwungs, des glorreichen Zeitalters der Wieder- - aufrichtung des Deutschen NeickeS - Auf diesem glänzenden Hintergrund hat sich auch wem Berufsleben abgespielt. Es war mir vergönnt, in der Sturmkolonne der Pioniere der Teerfarbenindustrie unter Leitung großer Führer mitzumorschieren und mitzukümpfen." Al. 8. lluegt. ZM su ■ R. ZA«s NM Am 12. Februar starb in Berlin der itt weitesten Kreisen bekannte Facharzt für Nasen- und. Gesichtsplastik, Professor T>r. Jacques Joseph. Joseph war in Königsberg geboren, . entstammte , einer Rabbinerfamllie, kam schon früh nach Berlin auf die Schule und studierte auch hier bis zum Staatsexamen. Da die Verhältnisse des Elternhauses nichh günstig waren, mußte er sein Studium durch Erteilen von Privatunterricht verdienen. Nach dem Staatsexamen hatte er jahrelang das harte Brot des praktischen Arztes im Osten Berlins. Sehr bald spezialisierte er sich auf dem Gebiet der Orthopädie, nahm Kinder zur Ausbildung in Gymnastik in feine Wohnung auf, bis er im Jahre 1898 durch einen glücklichen Zufall die erste plastische Operation machte. Mit diesem Moment begann für ihn der Aufstieg. Joseph wurde einer der führenden internationalen Größen der Medizin. Er galt allgemein als der Altmeister der plastischen Chirurgie, die er im besonderen Muße nach eigenen Methoden ansgebaut und in seinem Lebenswerk, einem dreibändigen Lehrbuch, niedergelegt hat. Vielen Tausenden von entstellten Mitmenschen balf er auf bem für sie dornenvollen Lebensweg weiter und ermöglichte ihr Fortkommen. Während des Krieges wurde Joseph vom Kriegs- und Kultusministerium an die Charitü zu Berlin berufen, wo ihm eine eigene Abteilung für plastische Behandlung Kriegsverletzter eingerichtet wurde. Für seine Verdienste auf diesem Gebiet wurde er mit dem Eisernen Kreuz am weiß.schwarzert Bande ausgezeichnet. Joseph war schon in seinen letzten Jahren eine mythische Person gewardenr unzählige Anekdoten sind über den „Nalen-Joseph" im Umlauf. Jacques Joseph ist dahin, aber sein Werk: die Plastische Chirurgie, die er aufgebant hat. wird ihn noch lange überdauern. Sein Name wird als Beispiel eines Arztes, der mit handwerklicher Meisterschaft und feinstem künstlerischen Gefühl neue Wege zu gehen verstand, in der Geschichte der ärztlichen Kunst weiterleben^ _ Kn. NMs Msn im WsÄ.liLsrMn «SIMM. Die letzten Monate haben gezeigt.' daß. wo Immer Gruppen fortschrittlich-religiösen Judentums bestehen — nicht nur in Deutschland —. die Menschen ihnen neu Zuströmen. So hat die Jewish Liberal Synagogue in London — unter der begeisterten Führung von Claude Montefiore, Lily Montagu, Rabbiner Mattuck u. a. -~ eine starke Verinnerlichung und Verbreiterung ihres Wirkens erfahren. Auch in Holland. Frankreich und allerorten arbeiten die Gruppen mit neuer Kraft. Der junge, von hoher Verantwortung und religiösem Ernst beseelte Rabbiner Weiler aus Cincinnatti hat es verstanden, in Johannisburg die Gemeinschaft zu neuem religiösem Leben zu erwecken. Und ähnliches hören wir aus Amerika, aus Australien, aus Indien. In den verschiedensten Ländern streben und ersehnen Menschen eine Renaisiance des Judentums auf religiös.sortschrittlicher Grundlage. So ist in jüngster Zeit in Budapest eine nerre Gruppe erstanden. die sich regelmäßig zu Andachtsstunden und Feiertagsgottesdiensten versammelt. In Wien besteht seit einem Jahr die „Vereinigung für religiös.fortschrittliches Judentum", die, bisher unter schweren inneren und äußeren Erschütterungen kämpfend, nun in sich gefestigt dasteht. Sie veranstaltet alle vierzehn Tage in einem Privathause Feierstunden, die — umrahmt von würdiger Musik — die Thoravorlesung in den Mittelpunkt stellt. Bibelauslegung, ein Dortrag oder eine Betrachtung schließen sich an. Alle diese Gruppen sind in der World-Union sor Proaessive Judaism (Weltverband für religiös-fortschrirtlrches Judentum) vereinigt, die alle zwei Jahre eine Konferenz zur Klärung und Vertiefung religiöser Fragen abhält. So soll auf der diesjährigen Weltkonserenz im - Juli das Themar „Judentum und menschliches Schicksal" im Mittel, . Punkt stehen. Religiöse Führer aller Länder werden Wertvolles zu diesem Thema zu sagen haben. Die anschließende Sondertagung der jüdischen Jugend wird künden, was die Jugend zum religiös-liberalen Jickentum beizutragcn hat. — So kann und will das religiös.fortschrittliche Judentum den Suchenden neue Kraft und inneren Reichtum spenden. Es kann und will zeigen, welch weites Land religiöser und seelischer Möglichkeiten vor uns liegt, wie die Erwachten zur Erweckung kommen können. Marga^ote Goldstßin —--- w.uu.obürnft ... Glaubens t. V.. Berlin W 15. Lmler Straße 42 Tel.-Äbr.: „Lentralglauben Berlin." Fernsprecher: J 2 Oitva 6G34-57, Postscheck: Berlin 804 72. Hauptschriftleller: St. Al»redH1rschb«rg. Stellvertreter: D r. Margarete Ldilheim. Beide in Berlin W15. Unverlangte Manuskripte werden nur ' zurüägesandt wenn ffreiuinschlag beiliegt , Leitung der Billigen Ädteilung und verantwortlich wr den Inhalt der Än-elgen: Friede ich Nathan. Berlin. Druck der Luch« und Tlefdruck.Gesellschaft mbH. Berlin SW IGO. S56I3 G k