Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 6 (8.2.1934)
- Date
- 1934-02-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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I KenmkuiMn W Mar MM Mm» Allen Deutungs- und Lösungsversuchen unserer deutsch-jüdischen Augenblickssituntwn hat der in Max Brods neuem Roman ,Die Frau, die nicht enttäuscht/ zumindest das voraus, daß er zu einer Zeit croacht und erlebt wurde, in der die Maste der Teutschjuden die kommende Entwicklung zwar ahnte, sie aber noch nicht wahrhaben, ihr nicht „begegnen" wollte. Wir sehen in diesem sehr gestalteten, sehr klaren und sehr ehrlichen Werk, das jetzt als Buch bei E. P. ^al erschienen ist, den ersten ausgereiften versuch, unser erschüttertes seelisches Fundament zu sichern, es wieder tragbar zu machen für eine noch ungewisse Zukunft. Der Roman steht damit in entscheidendem Gegensatz zu Büchern und Schriften, die aus der Erlegung des Augenblicks geboren — in Deutschland selbst und außerhalb seiner Grenzen als Flugschriften, Predigten, Romane erschienen - sich in Anklagen gegen uns oder die Umwelt erschöpfen, die in der Erregung konzipiert, kaum mit Bedacht geschrieben, ungeseilt zum Druck gegeben — mehr Schaden als Außen stiften können. Justus, der Deutsch-Jude, Carola, die Mädchen-Dame, ringen um die Distanz-Liebe zu sich, zu Deutschtum und Judentum. Symbolhaft schon, daß die Gestalten und ihr Ziel sich nicht in die Klarheit eines Wortes fassen lassen. Zwei Seelen sind es, die jedes Wort umschließt, zwei Seelen sind es, die Musch und Meinung binden. Das mag der Urgrund aller menschlichen Taten, Süchte, Fehler. Vorzüge sein, daß nichts in Natur und Geist je eine Einheit, stets nur ein Ringen um Einheit war. — Justus, der Dichter Her Autor), hat sich vor den Erschütterungen dieser Zeit in die schlesischen Berge geflüchtet. Leine Bindung zum deutschen Verleger hat er gelöst, sein Amt als Lektor (Präzeptor des Deutschen) niedergelegt, seine Hilfe im Werk für die Armen zurückgezogen. Zwei Mappen mit Ausschnitten, mit Zitaten aus Werken deutscher Geister von der Frühzeit der'Kultur bis zur Aufgerührtheit unserer Tage beglei-. len ihn; die eine enthält, was an Haß und Mißverstehen gegen das deutsche Judentum sich kundtut, die andere das, was ihm am Deutschtum wert und vertraut, verehrungswürdig ist. Die erste birgt wenige Zeitungsausschnitte, die andere ist gefüllt bis zum Rand mit Worten großer Geister. Goeche und Stifter, Kleist und Jean Paul sind die Sterne dieser Sammlung. Das Gewicht der Mappen gilt es abzuwägen, das Fazit aus ihrem Inhalt zu ziehen. Keine ist gut. keine ist bös, beide sind sie eines: — deutsch! Es heißt nicht, Zensuren austeilen, Anklagen widerlegen, sondern nur Tatsachen prüfen mit) dem Denken einordnen. — In die Abgeschiedenheit deS Sanatoriums tritt Carola, die deutsche „Mädchendame". Sie, die naturhafte Schönheit, ist aus allzusrüher Elle enttäuscht entflohen,' er, der deutsche Dichter, steht mitten im Kamps um seine geistige Existenz; sie finden langsam, behutsam tastend, zueinander. Wie ihre Bindung aus Natur und Landschaft, jenseits des eigenen Leids, emporwächst, wie diese Liebe aber, dann die Probleme durchdringt, sie immer neu in den Glanz des Dichterischen hebt, das ist die künstlerische Eigenart dieses Buches. Die „Nachfolge Platons als Antwort an die WS? im Foferuoriiofft! Au. Dl« Reichsvertretung KJTtQ HirSCn dsr deutschen Juden JoSof Kasfoin Oehelmnlsvolle Welt Schulaufsätze Erwin Baer UL""" Slegfr. Ucfco, Der Kämpfer Moses Samter, Legende von den Juden 6. Badf-Strauss, Mendelssohns Tod Glossen, Preuesdiau, Besprechungen. ___Preis,!.— Mk._ PSsSIö Vc?!qs mi BK&öasrfBanB G. m. d. H. Berlin VV IS Pariser Sfrrass® 44 Fernsprechers J2 Oliva 1375 Zeit"' — das Werk, an dem Justus-Brod itt diesem Roman arbeitet — und die privaten Schicksale der beiden Liebenden sind so kunstvoll ineinander verschlungen, daß der Problematik des Themas die Schwere genommen, dem Menschlichen dagegen eine höhere Weihe verliehen wird. Wie Carola die Bindung zu ihrem Mann, Justus die Bindung zur ersten Frau löst, und wie gerade aus dieser Ehrlichkeit und Reinlichkeit der Beziehungen die Tragik ihres Schicksals aufflammt, das ist daS Menschliche des Buches. Es gibt eine Tiefe des Gefühls und eine Höhe des Gedankenflugs, dre jenseits der Belastung Deutschtum — Judentum stehen, die aus der Achtung die Distanz, aus der Liebe das Verstehen, aus dem Vertrauen die Zukunft schöpfen. Die Worte „Distanzliebe" und „Distanzdeutscher" kennzeichnen Max Brods Standpunkt eindeutig. Sie sind — wenn auch als Symbole einer Dichtung wenig dichterisch in unseren Ohren klingend — ohne Erläuterung klar und faßlich. Wir alle, die wir wie Vrod selbst eine Zukunft auch im neuen . Deutschland suchen, sind mehr oder weniger schon auf diesen Boden getreten. Er ist frei von den Mauern des Ghettos, aber er ist sehr dünn, sehr hoch, sehr unirdisch, sehr großzügig und deshalb nur für einen kleinen Teil ein Halt. In dieser Distanz, in dieser Höhenluft zu atmen, ist nichtjedem gegeben. Für diese anderen sieht Brod in Palästina nicht nur den jüdischen Rückhalt, der unsören Stolz nicht als Hochmut, sondern im eigenen Werk begründeterscheinen läßt, für sie soll Palästina die sehr reale Zukunft sein. Ehrlich, wie dieses Buch in jedem seiner Bezirke ist, so ehrlich steht es auch in seinem Ausklang dem Problem Palästina gegenüber. Max Brod kann sich nicht mit dem Standpunkt des „Philozionisten" begnügen. Deutlich sieht er,, daß das, was hier „Deutscher und Jude", in Palästina' als „Araber und Jude" in Erscheinung tritt. Aber er findet den schönen , Satz: „Die stärkere Nation muß das Bedürfnis haben, sich in die Seele der schwächeren einzusühlen, ihre Wünsche zu erraten, sogar die noch nicht ausgesprochenen Wünsche, sogar Wünsche, die vielleicht noch nicht einmal geweckt sind . . Stärker ist in Palästina das Judentum; eS soll dem Arabertum die Hand reichen. Wenn dieses ethische Prinzip sich durchsetzte — nicht Nur in Palästina —, dann wäre die Distanzliebe des Distanzdeutschen aus der luftoünnen Sphäre auf den realen Boden der Wirklichkeit verpflanzt. Das zarte Gewächs, das viele von uns in dieser Zeit ängstlich umhegen, könnte zu blühender Reise gelangen. Max Brod verwischt nichts, aber er trennt auch nicht schärfer, als eS die Wahrheit gebietet. Sein Buch steht bereits . jenseits der Gegenwart; er verzichtet aus Anklagen und auf Anspielungen oder Andeutungen. So kann man hoffen, daß einst „Die Frau, die nicht enttäuscht" in einem höheren, symbolhaften Sinn für das deutsche Judentum heilende Kraft ausstrahlen könnte. Lang Oppenheimer, Berlin GM AM DM 8. EKkHWVtz: »Mt M Le» WM» In eine ferne Welt führt uns dieser Roman (Verl. Israelit und Hermon, Frankfurt a. M.) — fern nicht nur in Zeit und Raum, sondern auch im Wesen. Es ist die erste Hälfte des 10. Fahrhunderts, die Zeit der inneren Emanzipatwnskämpfe und der Resormbewegung im Westen -md der Haskala im Osten. Es ist eine, trotz allen Irrungen und Auswüchsen, große Zeit, eine Zeit des Werdens, eine Zeit, in der sich alles Starre der Jahrhunderts löste und wie beim Bersten des Eises in gewaltigem Strome vieles zerstörte und doch den Weg für neues Leben freimachte. Noch ist kein Geschichtsschreiber erstanden, der dieser Geschichtsepoche gerecht wurde. Weil ' dazu nicht eine Unparteilichkeit, sondern eine hohe Ueberparteilichkeit, ein Erfassen des jüdischen Kulturlebens als Ganzes, von Natur und Entwicklung Gegebenes gehört. Die beiden Extreme rechts und links haben sich längst geändert und vieles, was danmls als wesentlich angesehen wurde, gilt heute als überwunden. Und doch können die Richtungen auch heute nicht zu« l 'i Schleiermacher spricht von der Quast» B e k e h r u n g, die er als Fabel des Dramas nennen möchte. „bat es damit wirklich seine Richtigkeit, nun. so finde ich nichts so sehr Wichtiges daran, daß auch einmal einige verständige nnb gebildete Ombcn das Christentum als Mittel brauchen wollen, um in die bürgerliche Gesellschaft einzutreten. Das Verfahren ist doch sonst daß gewohnliche, nur daß sie sich durch einen feineren Eudämonismus in ihrer Rechtlichkeit unter, scheiden . . . und daß sie sich n a ch d e m z i v i l - st e n intellektuellen Preise des neu zu erwerbenden Gutes erkundigen« Tas, dächte ich. hätten sie ganz in der Stille ab» machen können." Schleiermacher schreibt als christlicher Theologe, der' schon nicht mehr der Aufklärung angehört, und der die Selbstbesm- 1111111] aus die Grundlagen seiner eigenen religiösen Lehre vor Augen hat. Daneben hui er volles Verständnis für die innere und ' äußere Not der damaligen Judenhert. Man kann sagen, daß er soziologisch die Problematik der damaligen Lage besser erkannt und richtiger beurteilt hat als irgendein Jude seiner Zeit. Die bitteren Worte gegen das Tauf» judentum von damals hätten von Christen und Juden mehr gehört werden Men Denn 3" jedem- Juden, der aus äußeren Gründen Übertritt, gehört ein christlicher ^istlicger, der das Übersicht. Schleiermacher wünscht das Christentum davor zu bewahren, als Mittel zum Zweck bürgerlichen Fortkommens zu dienen. Es seien schon sowieso viele m der Kirche, die nicht in sie hmemgchörten. Abhilfe sei darin zu finden, daß man den Juden die Gleichberechtigung gewähre, das müsse dre, Kirche in ihrem eigenen Jntereste.vom Staats fordern. Wie tief Schleiermacher erkannt hat, was fa der Judenschaft vor zeigt eine, erhaltene Notiz aus den Vorarbeiten M die Briefe: Äeit der Reform macksten die Juderl no^cm£%a[tn^ MtzrM fet mM Mtz. weil die Gebildeten entschlossen sind, ihre ungebildeten Mitbrüder sitzen zu lassen." In den Briefen ist das etwas abgeschwächk, aber die Warnung ist doch deutlich: „Es ist ein sehr guter und lobenswerter Grundsatz, den sich die besieren Juden gemacht haben, daß es ihnen obliege, auf die übrigen zu wirken und mehr für jene als für sich selbst zu tun, und dieser Grundsatz steht dem Bestreben, einen Weg ins Christentum zu suchen, ganz entgegen. Es ist klar, daß diesen nicht nur nicht alle betreten werden, sondern daß die Erbitterung der Zurückbleibenden gegen die Uebergehenden so heftig sein wird, daß alle, denen es mit ihrer Religion einigermaßen ernst ist, mit ihnen weit weniger Gemeinschaft haben werden als mit den alten Christen." ' . Er bedauert es, daß ein anonym gebliebener Amtsbruder den Standpunkt-habe, daß man es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen brauche, wo ein großer moralischer Nutzen erreicht werden könne, er möchte nicht, daß achtenswerte Juden von diesem Geistlichen auf andere schließen mögen: „Wenn Sie mich nur versichern können.' daß ■ der größte Teil der Berlinischen Geistlichen sich in diesem Stück beträgt, wie es sich gebührt und daß auch sie sich als Menschen und Glieder dev" literarischen* Welt ohne Bedenken an diejenigen anschließen, welche die Gemeinschaft mit gebildeten und unterrichteten Juden nicht scheuen, und daß sie in allen», was zum geselligen Leben gehört, von dieser Trennung der Religionen ganz keine Notiz nehmen ... , Mit Tellers Antwort und SchleiermacherZ Briefen war der Friedländersche Vorstoß erledigt., Der Schritt der Hausväter blieb aber nicht ohne Folgen. Die Taufe mit Vorbehalt war nichr angängig. Sie hatten ihren guten Willen gezeigt, ihre Kraft war zu Ende. Friedläuder selbst blieb Jude und trat weiter redlich für die Juden ein. Aber alle seine Nachkommen ließen sich taufen, und so geschah eZ in dem ganzen ■ Kreise, üä. tmhb. Mtz es erfüllte sich, was Schleiermacher hatte kommen sehen: die Prominenten gingen ihre eigenen Wege. In einem Punkt hat Schleiermacher sich aber geirrt. Er glaubte, daß die Zurückgebliebenen die Gemeinschaft mit den Uebergetretenen. ablehnen würden. Das ist längst nicht allgemein geschehen, auch nicht in der historischen Betrachtung. Es handelt sich um die intellektuellen jüdischen Kreise, nach denen sich die christliche Umwelt ihr Bild vom Judentum gemacht hat. Es ist ein Unglück gewesen, daß diese Kreise, die als Exponenten des Judentums galten, religiös wurzellos waren. In dem gesellschaftlichen Widerstand gegen sie, der sich bald regte, ist eine der Hauptwurzeln des späteren gesellschaftlichen und politischen Antisemitismus zu suchen. Nicht nur trotz einer Erscheinung wie Rahel, sondern gerade wegen ihrer können wir nur mit sehr geteilten Gefühlen auf den Schimmer jener Tage sehen, in denen Juden die Geselligkeit Berlins beherrschten, bei denen alles zu finden war — nur kein Judentum. ,, Das hat etwas abgeführt von Schleiermacher. Trotzdem gehört es dazu. Den Juden hat damals ein Mann gefehlt, der ihnen die innere Festigkeit hätte geben können. Liest man Schleiermachers Briefe,; so fühlt man, ,wie er einen solchen Mann begrüßt haben würde. Sehr vieles, was den Juden zu sagen war, hat der fremde Mann gesagt. Das müssen wir ihm heute noch danken. Dis „CrezyklüpLdis Judaiea" erscheint weiäev. Die Leiter der „Euzyklopüdia Juüaica". Dr. Jakob Klatzkin und Dr. Nahum Goldm a n n, teilen mit daß der 10. Band der „Enzyklopädls^ der schon seit langem beinahe fertig, -äostsllt war, ln nächster Zeit erscheinen wird. Gleichzeitig wird der 11. Band des Werkes vorbereitet. Die Nachricht, daß die „Enzyklopädia Judcüca" von dem von Schoschannah Persitz geleiteilen Tel Awiwer Verlag Amanuth übernommen und herausgegeüen wird, wird von den Leitern der ß.ls völlig ulMründrt Lezeichneti einander, lveil ihnen das psychologische Vers ständnis füreinander noch immer fehlt. Und da* durch wird manches große Werk in Israel ge« hemmt und die Erkenntnis der Einheit verhindert« Wann endlich wird man auf der einen Seite btt greisen, daß ein Judentum ohne Erhaltung deri Eigenart unmöglich ist? Und wann wird matt aus der anderen Seite verstehen, daß auch ditz jüdische Eigenart dem Gesetze der ewigen Ent« Wicklung unterworfen ist? . Ist der Autor dieser kulturkämpferischen Erf zählung diesem alten, ewig neuen jüdischen! Lebensproblem gerecht geworden? Man wird leider nicht bejahen dürfen. Er wollte es gaig nicht, er wollte nicht über die trennende Mauetz schauen, wollte im kleinen Lager bleiben, das fü^ ihn die Welt deS Judentums für alle Ewigkeiten! bedeutet. Schachnowitz besitzt eine unerhört^ Kenntnis der talmudischen und rabbinischen Lite« ratur, aber er sieht darin alles, Anfang unA Ende. Er sieht mit dem Auge der späteren! Generationen und vergißt, daß die Väter vieH großzügiger und freier das Judentum und seirtz . Lebensziel erfaßt haben. Er sieht nicht, daß auch die Ghetto-Dämmerung mit all ihren verheere^ den Stürmen in der Zeit und der Psychologie be« dingt ist. Schpn im Westen war der Erneuerung^ kamps nicht nur Diener der Emanzipation. Wtt eine Erstarrung eintritt, wo der Evolution bet! Weg versperrt wird, tritt die Revolution eilv, Sie zerstört, aber sie macht dem gesunden Neuett Platz. Das ist im Geistesleben nicht anders als! im politischen und sozialen. Im Osten war drei Haskala getragen von einem reinen Idealismus und sie hat trotz allen Auswüchsen und Weltk fremdheiten, trotz allen Berschnörkelungen untt bizarren Künsteleien. Großes für Leben und! Wissen geschaffen. Man kann — um nur einigt zu nennen — Männer wie Krochmal, Nappaport! m Galizien und Lewinsohn, Finn, Smolenskyl und Lilienblum in Rußland nicht mit der Schn« blone „Zerstörer" abtun. Und auch in Deutsch« land sind Zacharias Frankel und Leopold Zunz, die andere Wege gingen, wahre Träger des jüdi« schen Geistes genau wie Samson Raphael Hirsch und Esriel Hildesheimer im anderen Lager. Das! muß ein kulturgeschichtlicher Erzähler im -Augej haben, wenn er ein richtiges Bild der Zeit gedeih also schöpferisch sein will. Es ist eine biographische Erzählung, die unß hier gegeben wird. In der Mitte steht die ragend^ Gestalt des Preßburger Oberrabbiners Rabbt M o s ch e S o f e r (Chatam Sofer), groß in der! Talmiidforschnng, groß als Charakter und — auch groß im fanatischen Hasse gegen alles Neue. Bei. allem schöpferisch Großen dieses seltenen Mannes merkt man, um talmudisch zu sprechen, daß sein Blick aus den „vier Ellen der Halacha" nicht! hinausragte und daß er einem Mendelssohn gav nicht gerecht werden konnte, weil er ihn einfach nicht verstanden hatte, ja nicht verstehen wollte« Wie alle biographischen Erzählungen, ist auch diese konstruktiv aufgebaut, und alles Konstruktiv^ hat wenig Wärme, wenig Schwung. Der Der-, fasscr ist, wie selten einer, vertraut mit dem! Leben und Denken der alten und neuen Ortho« doxie, er verfügt über einen guten Stil und -kamt auch geistreich sein. Das alles ersetzt aber das Dichterische, das künstlerische Sehen nicht, lind so entstand eine geistige, aber nicht seelische Er« zählung, ein interessantes, aber nicht Herz« erfüllendes, ein werbendes, aber nicht erwärmen« des Buch. Wer in die alte Welt, die ganz von Religiott , und Mystik ausgefüllt ist, eindringen will, wird dieses Buch mit großem Vorteil lesen. Er wird sehen, daß man mit dem törichten Worte „Rück-- ständigkeit" die Welt der Orthodoxie nicht abtutt kann. Aber er wird auch nicht vergessen dürfen^ daß es ein Tendcnzbuch ist, vielleicht im guten^ Goetheschen Sinne, aber immerhin Tendenz. DaS Buch führt zum Verstehen der orthodoxen Wclt^ und Verstehen bedeutet in der jüdischen Kultur^, im jüdischen Leben alles. FabinB Schach, Math!w, szephor miftra!'!a—m'üs iwrifh Herausgegeben vom deutschen Hechalnz durch Ephraim Bräude» Wie der Untertitel besagt, handelt es sich urtt ein Lesebuch für Hebräisch-Lcrnende und wie aus dem kurzen (hebräischen) Vorwort hervorgeht, ist eS für «ssvrtgeschrittene" gedacht. Der Lesestoff ist nach des Herausgebers eigtt nen Worten von allen Ecken und Enden deS itt Betracht kommenden hebräischen Schrifttums zu« sammengeleson und stamnit ebensowohl von be< kannten und hervorragenden Autoren wie vott schlicht in der Arbeiterreihe Schreitenden. Autz der Fülle des zur Verfügung stehenden Materials konnten nur Bruchstücke ausgewählt und dar« geboten werden, doch wurde stets darauf Bedacht. genommen, daß das Ganze nicht in zu kleintz Splitter zerschlagen wurde. Aus den Erwägungen heraus, daß auch die in8 Auge gefaßten „Fort- oder Vorgeschrittenen", vom Herausgeber selbst mit den leise anzweiselndeit Anführungszeichen charakterisiert, mit genug sprachlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sind nicht alle Texte unvokalisiert geblieben und! sind in den sonst unpunktierten Stücken wenigstens die minder häufigen und nicht eindeutigen Worte mit Vokalzeichen versehen. Im all« gemeinen ist der Originaltext unverändert über« nommen,- und nur hie und da sind Ausdrücke durch passendere und bessere ersetzt. Das Schöne, an dein Buche ist, daß es jede Polemik vermeidet und so gut wie gar keine Be« - schreibungen Palästinas gibt, sondern immer nur unter, frischem Eindruck geformte, anschauliche und lebhafte Schilderungen oder bester Wiedergabe von Selbsterlebtem. & Ahraham. 7