Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 6 (8.2.1934)
- Date
- 1934-02-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mier unser® Es®®®!? Die C.V.-Zeitung vom Ausland gesehen Sehr geehrte Scbriftleitung! Vor einiger Zeit bekam ich yon meinen Eltern aun Deutschland einige CV-Zeitungen. Ich hatte kaum ein paar Seiten gelesen, da kam ein O- Jiihl der Befreiung und zugleich der Zuversicht über mich. Ich bin kein Emigrant, nach heutigem Sprachgebrauch, sondern habe Deutschland schon im Frühjahr HG2 aus wirtschaftlichen Gründen verlassen müssen. Meine Einstellung war schon immer „deutsclijüdisoh“. Sie wurde durch die hündische Erziehung der „Kameraden“ bestimmt. Sie wissen ja, unser Deutschtum war uik etwas Selbstverständliches, so selbstverständlich, dass wir wohl darüber nicht zu diskutieren brauchten, a her wir glaubten auch, dass mit Fahr- •l^n und Eaiiflsknecldsiiedern -diesem ’/ n ge b ö r i gk e i tsgef ii h 1 <ieniige getan sei. Im übrigen widmeten wir unsere Aufmerksamkeit ja mehr jüdischem d allgemein-politischen Dingon. Kaum war ich einige Tage in Belgien, da wurde ich mir einer, mir bisher unbekannten Kraft meines Deutschtums bewusst. Ich fühlte auf einmal, da ich Deutschland entbehren musste, meine Zugehörigkeit, mein ganzes Verwachsensein mit allem, was deutsch ist, ganz stark und unmittelbar. Obwohl Antwerpen, die alte •flandrische Stadt, in mancher Beziehung deutschem Wesen, gar nicht so fern steht, spürt man doch sehr deutlich die .Fremde und empfindet die •Ferne der Heimat. Mein Beruf und meine Neigung zu allem, was mit Meer, •Schiffahrt verbunden ist,führen mich oft zum Hafen. Wenn ich daun schon von weitem die Schornsteine eines deutschen Schliffes sehe, oder wenn langsam ein deutscher Dampfer eingeschleppt wird, dann bin ich erfüllt von flammender Begeisterung. . Das sind keine gewöhnlichen Schiffe, es sind auch nicht die besonderen deutschen Eigenschaften, Ordnung und Sauberkeit, die den deutschen Schiffen in meinen Augen eine besondere Stellung gibt, — sie sind eben die Sendboten Deutschlands Dieses Beispiel mag vielleicht lächerlich gesucht erscheinen, weil man so etwas eben selbst erleben muss, um die Bedeutung zu verstehen. Und dann kam die nationale Revolution. Ich fand mich nicht zurecht. Die geringe Entfernung von Deutschland brachte - mir das Geschehen zwar äusserlieh nahe, aber da ich diese Ereignisse nicht direkt milerlebte,' so brauchte ich einige Zeit, um mich in der, ausserhalb meiner direkten Lebenssphäre, geschaffenen Tage zu orientieren. Ich hätte ja nun einfach sämtliche Brücken, die mich mit Deutschland verbanden, abbrechen können, mir eine isolierte Stellung schaffen können,, und wäre der Konflikte ent. hoben gewesen. Aber das konnte ich einfach nicht. Ich * gehöre zu meiner Gemeinschaft in Deutschland in Glück und Unglück! Nun kam es mir darauf an, das, was meine deutschen Glaubensbrüder bewegte, ganz zu erfassen. Ich spürte den Teil der Verantwortung auf mir und wollte nicht unwissend dahinleben. — Ich sprach mit Emigranten. Aber das waren meist Menschen, die mit Deutschland nur durch ihre verlorene Existenz verbunden waren. Ich sah voraus, dass diese Menschen in kurzer Zeit „gute. Belgier“ sein würden. Von diesen konte ich mir also keinen Aufschluss holen. Nach einig'-n Tagen des Zweifeln« fand ich bald wieder erzeugung von sich sagen:; bin Deutscher.“ Nun war auf festen Grund zurück. Mir wurde klar, dass wir deutschen Juden eine Probe zu Überstehen haben. So lange man unser Deutschtum nicht in Frage gestellt hatte, konnte jeder mit dem Brustton der Uebf „Ich für alle die Gelegenheit gekommen, jetzt haben alle, die es wollen, die Möglichkeit, den Beweis zu liefern: was auch noch kommen mag, unsere Heimat ist Deutschland. - Meine Haltung war damit gegeben: Treue. Diese Worte, von einem iin Ausland lebenden .luden gesprochen, mögen sinnlos klingen, denn womit kann man die Treue besser beweisen, als damit, dass mau in der Heimat, bleibt? Aber dann wären ja auch die vielen nichtjüdischen Ausländsdeutschen keine wahren Deutschen und wären untreu. Dass wir ein „Volk ohne Raum“ sind, ist doch längst bekannte Tatsache, warum soll also der Versuch, sich im Ausland eine Existenz zu schaffen, Untreue gegenüber der Heimat sein? Im Gegenteil, glaube ich, hat ein Auslandsdeutscher sehr wohl Gelegenheit, sich zu seiner Heimat zu bekennen, und kann durch seine Haltung beweisen, dass mit dem Ortswechsel kein Heimatswechsel verbunden ist. — ln diesem Sinne fällt auch dem im Ausland lebenden Juden eine besondere Aufgabe zu. Sagt man uns nicht nach, dass wir unsere nationale Zugehörigkeit bei Auswanderung wie ein „schmutziges Hemd“ wechseln? Dass dies nicht auf alle zutrifft, dass dies ein ungerechter Vorwurf ist — dies zu beweisen, ist unsere Aufgabe. Man braucht deshalb nicht in besonderen Organisationen zusam mengesch lossen zu sein. Jeder einzelne deutsche Jude, der im Ausland lebt, wird am Platz seines täglichen Wirkens genug Gelegenheit haben, diese Aufgabe still und beharrlich zu erfüllen. Er braucht sich nicht um Politik zu kümmern, sondern beweist durch Haltung und Gesinnung viel mehr als mit grossen Worten. So sehe ich die Stellung und Aufgabe der auslandsdeutschen Juden. lieber die Haltung und die Empfindungen der Juden in Deutschland habe ich bis jetzt nur in der „Jüdischen Rundschau“ gelesen. Ihre Theorien konnte ich nicht billigen. Palästina oder nationale Minderheit ist nicht die Lösung, die ich für meine deutschen Glaubensbrüder erhoffe. Da wurde mir endlich die „0. V.-Zeitung“ geschickt. Immer grösser wurde mein Staunen, je nieüf ich las, um so beglückender wurde mir bewusst: Da sind ja Menschen in Deutschland, die genau so denken, diese Menschen reden eine Sprache, die alles ‘andere eher ausdrückt als Verzweiflung und Mutlosigkeit. Diese Menschen stehen fest in ihrer Gesinnung und glauben trotz allem au eine glücklichere Zukunft in Deutschland. Nun werden Sie auch meine Worte am Anfang begreifen. Die „0. V.-Zeitung“ hat mir unendlich viel gegeben, vor allem die Gewissheit, dass das deutsche Judentum auch weiterhin in Deutschland seine Heimat haben wird. — Ich danke Ihnen für Ihre Gesinnung. H. U. T., Antwerpen. Bodenreform und Arbeitsdienst Sehr geehrte Schriftleitung! Gestatten Sie mir als einem und auch bisher sehr aktiv gewesenen Milgliede des Bundes Deutscher Bodenreformer es lebhaft zu begriisseu, dass A. 11. in seinem bedeutungsvollen Aufsalz „In geschichtlicher Stunde“ in der vorigen Nummer der „C. V. Zeitung“ die für die Gegenwart geradezu fundamentale Wichtigkeit der alttestamen Hieben Agrargesetzgebung besonders hervorgehoben hat. Ich habe es immer schmerzlich empfunden, dass dem Bunde Deutscher Bodenreformer nur wenige jüdische Mitglieder angehörten und selbst von diesen nur eine geringe Zahl sich in der Öffentlichkeit, aktiv beteiligte. Nun ist es bittere Notwendigkeit, geworden, das Versäumte nachzuholen. Immer und immer wieder muss von jüdischer Seite die grundlegende Bedeutung der Bodenreform im allgemeinen, für uns Juden hier und in Palästina im besonderen ausgesprochen werden, und zwar in Wort und Schrift. Nach dem Beispiele Damaschkes sollte unter allen Umständen in den Sehulen, Vereinen und wo immer sich Gelegenheit bietet, die Bodenreform in alttestamentlicher Darstellung und Beleuchtung erörtert werden. Es sollte gerade jetzt daran erinnert werden, dass bei der Beerdigung des Begründers der Lohre von der Bodenreform, Henry George, nach dem Vertreter der liochkirche Englands der Rabbiner Gottheil das Rednerpult bestieg und seinen Ausführungen das alte hebräische Wort zugrunde legte: „Der wahrhaft Weise wird grösser sein im Tode als im Leben.“ Nach dem Rabbiner sprach der katholische Geistliche. Könnte man nicht hierin eine Hoffnung auf kommende Versöhnung im Zeichen der Bodenreform erblicken? Und noch eins. Der Grundgedanke des allgemeinen Arbeitsdienstes wurde 1878 in dem Buche „Das Recht zu Loben, und die Pflicht zu Sterben“, sowie 1012 in dem Werke „Die Allgemeine Nährpflicht“ von dem unvergesslichen Juden Josef Popper- Lynkcus in Verbindung mit der Bodeufrage als unumgänglich notwendige soziale Massnahme dargelegt und in alle Einzelheiten technisch für die verschiedenen Berufe rechnet. Eine wirkliche Ei-, neueruug des Judentums darf gerade diese sozialen Not. Wendigkeiten niemals übersehen, — sondern muss mit aller Leidenschaft dafür ein- Sanitiitsrat Dr. Otto 'Juliushurgcr, Berlin, Ein junger S'üeSd der Freiheitskriege Sehr geehrte Scbriftleitung! Der Tod des Kriegsfreiwilligen Josef Zippes, über dessen Lebens-Schicksal Sie in l|,ror Zeitung bereits schrieben, ruft die Erinnerung an einen jungen jüdischen Helden in ,b-n Freiheitskriegen wach. — Fürst von Hardenberg schreibt, datiert Wien, 24." Mai lSlö, „„ den Bankier 11. Jacob Lew in Berlin: „Auf Ihre Vorstellung vom 0. d. M. erwidere ich Ihnen, dass Ihr Sohn, da er erst 1 7 J a h r e all. wie!, um so weniger verpflichtet Kj, in den aktiven Militärdienst /„ treten, als er bereits den Feldzug 18i:’./I4 im Leihhu-nreiiregimeiil. milgemacht hat. Seine Anstellung bei dem Kriegs, knmmissnrial hat datier n;,r keine Bedenken, und da er im Kriege wider Frankreich gedient hat, so i«t ,,n' Bezug auf die allgemeine Königliche Zusicherung, nach welcher sämtliche Freiwillige, ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntnis, einen Anspruch auf die Austeilung im Dienste dos Staates haben, insofern sie sonst, dazu qualifiziert, sind, kein Hindernis zu seiner Ansetzung vorhanden. Sir. können sich deshalb mit Vorzeigung dieser Resolution bei der Behörde legitimieren. Dieser Knabe halte also bereits als 1 jähriger die Be. freiungskriego mitgemacht. Unsere Vorfahren auf deutschem Boden wiesen uns den Weg rinn Ehre und des Pflichtgefühls, und sie kämpften für das Vaterland, dem sie sich verbunden fühlten. Michael Fraenkel (Breslau)’. MMN HardcnbprgMrasse 17 C 1, 3155 Donnerstag §'/4 Tanzabend mit Programm Sonnabend, Sonntag 8>/i Uhr, Bonntag nachm. 4*/* Uhr Wöchentlich Programmwechsel .Voranzeige: Donnerstag, den 15. Februar, nachm, u. abends 3. Frühjahrsmodeoschau r des 3Io<l©nhnuses T r 1 c li >i. a. Eintritt frei. mü ' '»AGl.NA.CUM, UNDADEH0 tÜiLLÜ?BnSCii3tdl5 — «JRfL'imiNDAMiMJl j Direktion Flatow-Elow Kurfürstendamm 31 EIow konferiert das lustige Februar-Programm Sie müssen es sehen! Abends 1.— RM. Kleine Preise j Täglich Hausfrauen-Nachmiitfag 1 Eintritt 20 Pfg. Kanne Kaffee mit Kuchen 1.-RM. TsngeS-Tangel KnntsCr. 12. n^bm. Thron. d. Westens. Sonnabend, den 10. Februar, S'R Uhr abends — Sonntag, den 11. Februar. Die neue künstlerische Leitung Helga Je.« Ne ii — Ileimuth Wo! ff ladet. Sie. zu dem Bombeii - Eröftnongs - Proasaumi: Helmuth Wolff konferiert! Willy Rosen v. Kabarett der Komiker I Alice Hechy / Eugen Transky / lily Flohr / Marion Koegel / Mammuth und Partnerin / Jll Mahi / Theo Löbach. Kleine Preise v. I,— an. Kein Verzehr. Vorverkauf Sonnabend und Sonntag v. 12—15 Uhr. Telefonische Bestellungen tagt. v. 10-HUhr. HO Fraunhofer 2352. Fascfoings-TTraM Cafö Triam, IHLonfng'.Dienstag: 12.. 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