Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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i?(/f^} ii; 4 b LJOulILjülC' I 2vB©IIqg Ion Im säl®s®sr 25@I4 GW ISA RStzhiNST Dr. Max Wisnee Um die Wirkung der Bibel durch all die Jahrhunderte ihres Lebens unter den Völkern zu verstehen, muß man sie, durchaus rn ihrem religiösen Charakter würdigen. Es erscheint notwendig, dies zu betonen, weil in dem Grade, als die religiöse Haltung aus ihrer Schlüsselstellung im modernen Bewußtsein verdrängt wurde, die ästhetisch.künstlerische oder allgemein menschliche Würdigung in den Vordergrund trat. Die Bibel blieb „das"' Buch, wie. ihr populärster Name es ausdrückt, auch nachdem längst der Gedanke, der von ihrem ersten bis zu ihrem letzten Satz ihren handgreiflichen Mittelpunkt bildet, der Gedanke von Gott, seine unbedingte Herrschaft in Geist und Gemüt der Menschen eingebüßt hatte. Und zwar ist es eine echte und unmittelbare Größe. Damit meinen wir, daß nicht etwa der Nachhall aus der einst allgemein anerkannten göttlichen Würde eine Art von geschichtlichcr Verehrung erzeugt, die ihren Stoffen in einer anders gewordenen Welt die große Anziehungskraft bis zum heutigen Tage sichert; sondern daß die von ihr geformten Gestalten und vorgetragenen Ereignisse, wie sie sind, einen ungehemmten Zugang zur interessierten Einbildung bahnen. Liest man ein Buch, wie Thomas Manns Jaalobs-Romcm, so fällt dem das Dichtwerk mit dem Original Vergleichenden sofort auf, wie diejenigen Partien des Buches am trefflichsten gelungen sind, für welche die biblischen Quellen — sei es oft auch nur in einzelnen charakterisierenden Worten — reichlich fließen, wie vor allem, in den Geschichten um Ratzel; wie aber im Gegensatz zu diesen lebensvollen, bluthaften, eigentlich „realen" Dingen das große Gebiet des von dem Dichter Erfundenen bei aller aufgewandten Einbildungskraft und versuchten Einfühlung zu oft den Eindruck des gekünstelt und gelehrt Ergrübelten, der. trockenen Konstruktion macht. Thomas Mann ist es mit seinem Midrasch um Jaakob oft nicht viel.besser ergangen als den alten jüdischen Haggadisten. wenn sie mit ihren bald scholastisch ausgeklügelten, bald aus der LebenStiefe ihrer Zeit‘ schöpfenden Ergänzungen und Erklärungen des heiligen Textes Romanfragmente für ihr Geschlecht lieferten. Insofern stellt das Buch des Heutigen — gewollt oder , nicht gewollt — die denkbar anschaulichste Verherrlichung der biblischen Vorlage dar. Und man möchte für das, was einem an dem Buche nicht, gefällt, fast noch dankbarer sein als für das Großartige, wozu es durch die Bibel inspiriert ward.; ' - ■ Die meisten Menschen - denken, wenn sie von der Bibel reden oder hören, nur an daswas ihnen aus dem Jugendunterricht, her, selbstnur Bruchstücke eines - Ganzen, erinnerungsmäßig haften geblieben.' Und da das zum erheblichen Teil zusammensaüt' mit den Gegenständen, welche die dichtende und. die bildende Kunst mit Vorliebe'behandelt hat, oder mit dem,, was' Text oder Anregung berühmter Musik-geworden ist, so. gilt die, Bibel als ein Volksbuch. Diese Charakterisierung ist aber' sehr irreführend, wenn darunter so etwas wie eine populäre, , dem.„Mann, aus dem. Volke" leicht eingehende, ihn erhebende-, und über die letzten, von ihm selber gestellten Fragen in leicht verständlicher Weise ausklärende Schrift verstanden sein soll. Und dieses Bedenken bleibt auch bestehen, .wenn wir alle die .Schwierigkeiten abziehen, die sich aus dem'.Medium der hebräi-. schen Sprache-und den.allerlei gelehrten historischen Hindernissen ergeben, die sich zwischen das Buch und den Leser schieben. Denn es ist ja in unzähligen Uebersetzungen vor-> handen, und jeder seiner Sätze ist seit undenklichen Zeiten so oft umgepflügt, erklärt und wieder erklärt worden, daß sie; überreiche Belehrung auch dem . Ungeübten darzubieten scheinen. Aber das ist es gerade. Die tausendfältigen. Kommcntare, die mehr oder weniger autoritativen Auslegungen trennen wie übereinandergelegte. Schleier das vielleicht ui>' sprünglich Gemeinte von dem. Blick dessen, der sie-selbst und nicht ihre gewaltig lange Geschichte, wie sie sich in den Köpsew so vieler Generationen abgebildet, leset: will. Nicht wenige Reformationen und Erneuerungsbewegungen knüpfen an die Schrift an; und sie alle erklären, sie wollten auf Grund ihres „schlichten Sinnes" die göttliche Wahrheit ermitteln. Noch hat jede dieser Reformbemühungen bei uns und außerhalb unseres. Kreises diesem „schlichten Sinn" ihr eigenes,.aus ihrer Zeit, fließendes Verständnis untergelegt; die. Auslegung ist.,immer eine Einlegung geworden. Und es hat sich herausgestellt, daß gerade da, wo man mit größtem Ernst und mit Energie auf das nun wirklich eigentlich von ihr Gesagte dringt, ein besonderer Aufwand gelehrten Erkenntnisstrebens notwendig ist. Man möchte die Auffassung von der Bibel mit uraltem Kulturboden vergleichen, auf dem Schicht über Schicht historisches Leben sich seßhaft gemacht hat. dergestalt,, daß jedes Geschlecht die Bauwerke, Anlagen, Straßen-der Früheren zu eigenem Frommen benutzt. Das oberflächliche oder ungeübte Auge sieht, da e i n Ganzes, wo in. Wahrheit Jahrhunderte rücksichtslos neben- und gegeneinander gewirkt haben.. .Nur der Altertumsforscher wird die Schichten, voneinander sondern und vielleicht zu der-tiefsten oder ältesten vorstoßen. So kann also mit dem „schlichten" Verständnis dieses „Volksbuches" nicht gemeint sein, die biblischen Worte so zu verstehen^ wie jene Menschen sie ausgefaßt, die zum ersten. Male die Erzvätergeschichten hörten, zu denen die Propheten-redeten, die in . den Vorhöfen des Tempels, den. Psalmen singenden...Leviten . lauschten, die als erste sich über die Frage des Büches Hiob oder die Geheimnisse des Daniel den. Kopf zergrübelten.. .Dielmehr ist: gerade zur Hergüssindüng des Ur-Sinnes ein. gelehrtes Streben notwendig, während die „schlichte" Ausfässung am besten vergleichbar wäre mit dem unbekümmerten Leben eines einfachen römischen ^Bürgers von .heute, der sich-herzlich ' und unbefangen der ewigen Stadt freut, ohne von ihrer Geschichte viel zu wissen. . - . . - Aber diese Art Menschen find zu allen Zeiten wichtigster Bestand der biblischen Lesergemeinde gewesen. Wie steht es. eigentlich um eine .so sich ^äußernde Popularität der-Heiligen Schrift im Judentum? Das religiöse Herkommen schreibt vor,' daß der Wochenabschnitt gründlich im hebräischen Text und in deraramäischen Uebersetzung (Targum Onkelos) gelesen wer-, -den soll, damit jeder Jude der pflichtmäßig zu hörenden synagogalen Vorlesung mit'Verständnis folgen kann. .Rasch: ist wohl - dadurch zum populärsten Autor des-alten Judentums. r .. ’-! . '.-----.-. l '- ’-X'.’.' I | , \ i i i , , | j \ \ - ] J!' 1__-J . X ..ü Kurt Baumaim» der Regisieur der Oper „Die neugierigen Freuen“ im Berliner Kulturbund.; Phot. Irme Cohn, Berlin Das Wittenberg-Gold« mann-Blumenfeld-Trio» das in vielen Städten erfolgreich 1 konzertierte SI!ll!llllllinilllllilllllllllllllllllillllIl!!!llllllll!lllll!!llll!llllll!Hllllll!i!lllinilIII!lllllillinillllllllill geworden; daß sein Kommentar zum Pentateuch lichtvoll alle Schwierigkeiten aufzuhellen schien und darum zur beliebtesten, den Wochenabschnitt begleitenden Lektüre wurde. Dazu traten die an die Pentateuch-Abschnitte recht künstlich angelehnten Prophetenkapitel, die der regelmäßige Sabbat- und Festgottesdienst bot, endlich das Buch der Psalmen, von denen unser Gebetbuch etwa die Hülste ausgenommen hat. ohne , indes die Gläubigen davon abzuhalten, bei zahlreichen Gelegenheiten sich dem ganzen Schatze hinzugeben, den dieser Teil der Bibel birgt. Wie aber las man, als man es noch regelmäßig tat, bei uns die Heilige Schrift? Es handelt sich ja im Wesentlichen um die Tora. Soweit diese Geschichte erzählt, sahen sie die' aufmerksamen, sich Zeit gönnenden Leser mit Vorliebe im Lichteder' Haggada, des Midrasch, jener erbaulichen, aus« spinnenden Deutung, in welcher der religiöse Glaube verschiedener Zeiten zum Ausdruck kommt. Wo aber der Gesetzgeber spricht, da wird sein Wort als das „schriftliche Gesetzt verstanden, dessen karger, knapper, Dunkelheiten aller Art enti haltender Text erst durch die mündliche Lehre, die talmudische Erörterung der Halacha (Religionsgesetz) deutlich wurde. Man las also und liest noch den heiligen Text dttrch das Medium anderer Werke hindurch. Ein gttteö Beispiel für die sogenannte, „schlichte" Bibellektüre. Die sabbatlichen.Prophetenstücke (Haftarot),. natürlich auch. der göttlichen Offenbarung entquellend, treten. an Bedeutsamkeit stark hinter die Tora zurück. Und auch sonst ist die Bibel dem hier gemeinten Juden nur. eigentlich dort nähergetreten, oft überhaupt erst bekanntgeworden, wo er -in der rabbinisch-midraschischen Literatur auf‘ Zitate aus ihr .stieß. Unmittelbarer Zusammenklang mit ihrer-Seele wurde am ehesten und stärksten in den Psalmen erlebt,' deren Lesen immer zugleich ein Beten war. Hier floß der.so kraftvolle wie.klare Ausdruck.menschlicher Urempsindungj. losgelöst von. allem besonderen Zeitinhalt und allem geschichtlichen Hintergründe, mit der eigenen Angst und Sehnsucht zusammen; und hier bedurfte es nicht der Rückwendung in-längst entschwundene Tage, nicht der romantischen Hinkehr aus unrettbar Gewesenes; sondern hier war Gegenwart.' die'Gegenwart des verzweifelnden und hoffenden, des enttäuschten, und des gläubigen Menschen, die in allem Weltgeschehest sich immer gleichbleibt. .. Das alles aber ist Bibellesen als Gottesdienst. Es ist da mehr das'Mittel der Religiosität, die von Urzeiten her bereitstehende Ausdrucksform. in welche sich das Frömmigkcitsleben „L® '«faotoimciOG-' . von Je KN MnÄSeMW Kampf gegen die körperlich wie seelisch degenerierenden Einflüße großstädtischer Massenquartiere und Verfallserscheinungen auf die selbst noch wehrlose Kindheit ein Kampf der Menschlichkeit, Güte und Selbstlosigkeit — ist eine der wesentlichsten sittlichen Forderungen aller Religionen, aller Weltanschauungen. Der .heutige deutsche Staat betont Pflege der inneren und äußeren Volks, gesundheit, und ganz besonders Jugendpflege, mit entschiedenstem .Nachdruck. .Cs verdient unsere erhöhte-Beachtung, daß ein Film, der wie bisher noch kein zweiter die Menschen- Herzen für das Kind aufzurütteln werft, zurzeit gerade in Berlin einen außerordentluhen Erfolg zu verzeichnen hat. Es ist der Fum „Mutterhände" — „Ita matemelle heißt Ißtit französischer Ursprungstitel |??rc "n Deutschen wohl sinntrefsender mtt „Mütterchen wiedergegeben —, geschaffen von dem Regisseur Jean Benoit-Lövy. Nicht weniger als zehn Wochen vermochte dieses Werk — erst rm Ufa-Theater Kurfürstendamm, dann^im Ufa- Pavillon Nollendorsplatz - m nnunterbrochener Erstausführung,.und Swar.m ferner französischen Urfassung, zu laufrn. In der letzte» Lövche mm ist der Film nach dieser Uraufführung, deren Dauer einen Rekord an,der gegenwärtigen Kinospielwit bedeutet, in ein« deutschen Sprachfassung auch . nr andere Berliner Lichtspieltheater Mag er durch dretontechmsche Unterlegung mit bei* Sprache anderer Darsteller als den auf der Leinwand sichtbaren frauMschSN Künstlern vielleicht, an künstlerischer Ursprung- -lichkeit und Feinheit eingebüßt-haben so-hat er doch durch dieses Verfahren an Zugänglichkeit für ein deutsches Massenpublikum ersahrunasacmäß gewonnen; und diese Wirkung dar^ man^ begrüßen. Denmdte ungeivohnlichen Werte sind unzerstörbar. - Kürzlich las man im Filmteil des „Berliner Tageblattes" einen I recht bemerkenswerten' Aussatz „Gefühl aus der Leinwand" von Rooett' Adolf Stemm l e, der vom erfolgreichen. Bühnenautor mm nicht minder anerkannten Filmdramatiker hinübrrgewechselt ist; er. führt dort aus, daß beim Filmautor ~ im Gegensatz zum Dichter-— das technische Elenrent überwiegen müsse: „bei ihm ist die Inspiration schon wichtig, aber noch wichtiger ist die K o n st r u k t i o n". Aus ganz ähnlicher Ueberzeugung hat vor Jahren schon S. Timofchenko (Pudowkin-Timoschenko: „Filmregie und Filmmanuskript", Verlag der Llchtbildbühne) gefordert, daß der Regisseur genauer und richtiger Ingenieur des Films heißen müsse. Und doch: auch bei der vollendetsten „Konstruktion" wird selbst die höchste Könnerschaft des „Ingenieurs" dein Zelluloidband jene letzten und tiefsten Wirkungen, die dem Film möglich sind, nicht entreißen; entscheidend ist der intuitive dichterische Funke,. der von der .Projektionswand herab auf ein innerlich ergriffenes und gepacktes Massenpublikum überspringt ... Hier liegt das Geheimnis wirklichen Schöpfertums, beim Film wie bei-der Kunst. Hier findet man die Erklärung der Merraschenden Tatsache, daß dieser ganz unreißerische unkonstruierte" Film Benoit-Lövys sich derart durchsetzen konnte. Die mit frappanter Kunst empfundene und gestaltete. Me n sch-. l i chkei t. die ungekünstelt und ^unverfälscht aus dieser schlichten Biwsolge hervorstrahlt, sprengt sprachliche und andere Unterschiede, stellt leuchtend den tiefsten Kern zeitlos gültiger'Liebe, zum Kind heraus. Eine Haltung übrigens, die nicht an den Elternegoismüs. gebunden ist. Wer als Filmschaffender nur eine optimale-Befriedigung von' Unterhaltungsbedürfnissen bezweckt, mag mtt der Konstruktion atrskommen; wer, wre die Russen; auf ganz bestimmte Tendenzwirkungen abzielt, chäg die benötigten Effekte wie der Ingenieur am Reißbrett errechnen. Wer mehr will: wer wie Benoit-Lsvy eine. amorphe Publikums Masse b e iihre m B e st e n v a ck e n und an ihr Menschlichstes rühren - will, dermuß in erster Linie empfindender und aus innerstem Drang - gestaltender Künstler sein. Seit langem schon wissen hellhörige Filmleute die Wirkung des Kindes auf die Retz-' haut des' Kmöbesuchers zu schätzen und in ihr Kalkül einzüstellen. Wir haben immer wieder; in jeder- Saison, diesen und jenen Film gesehen,-dem die Einflechtung eines mehr oder minder glaubhaften Kinderschicksals in. bic- „Handlung" das leicht geweckte- Mitgefühl' des Publikums, bescherte.. Ich erinnere nur an Jackie Coo'gan. an AlJol.sons „Sonny boy". an verschiedene Filmünder auch in deutschen Filmen. - Mit diesen „Filmkindern" hat Benoit-Lövhs Kinderfilm nichts zu-tun.. .Hier fehlt'jede Absichtlichkeit,' -jede Dressur.- Hier leben Kinder wie sie sind, in der ihnen eigenen Gemeinschaft, in jener, ihnen eigenen Welt, die mns verloren gegangen und die Benoit- Lövy - mit einem geradezu tinerhörten Einsühlungsvermögew in ihrem^ ganzen ' Zauber, in ihrer vollendeten,. ergreifenden 'Echtheit. Schönheit und Näturnähe vor uns auferstehen macht. Die Freuden, die Leiden des KindeSsind-- andere Leiden' und Freuden als die/ unfern. - .Benoit-Lövy.entdeckt sie für. uns neu. Mit einem Verständnis,' das ganzer pädagogi-. scher Bibliotheken.spottet, belauscht er mit der ' Kamera chas Leben in einem Volkskindergarten und zwingt uns zu beglückendem,, aufwühlendem Miterleben. .Hier gibt es Momente, die wirbelndere Heiterkeit-ausstrahlen als alle Schwänke und Possen^ der Weltproduktion; hier gibt.es Szenen, deren Tragik erschütternder - ist.- als Hunderte von Melodramen.des Films, und der Vühne.- Wie'Benoit-Lävh.' das'schafft, ist'— das sei mur) summarisch festgestellt — außerordentliche Kirnst. ^Außerordentliche. Beherr-. schung der technischen Mittel m; der Filmdramaturgie, der Filnünszemerung, .der^Film» aufnahme^ und - des'-FrlMschttitts. - Es - ist ja doch so:, je.mehr.' die-handwerkliche Meisterschast zur Selbstverständlichkeit wird, . je unauffälliger die Beherrschung der kunsttechnischen Mittel hinter dem Werk als solchen: zurücktritt und darin aufgeht —: desto vollendeter die Leistung. So tvird etwa dem gepackten Besucher der „Mutterhände" kaum beivußt aufsalle::, mit welch abwägendem Empfinden den paar Berussdarstellern ihre Plätze in diesem Kinderfilm zugewiesen sind, wie die „Erwachsenen" ganz aus den Zweck abgestimmt sind, das eigentliche Erlebnis — das Kindererlebnis — dttrch Kontrast ztl verstärlcn. oder widerzttspiegeln, oder — getvisserinaßen als unatiffällige Medien — zu verdolmetschen, zu verdeutlichet:. Dies gilt vor allem für die Hauptrolle des „Mütterchens" Rose (Madelaine. Renaud), die Anfwärterin des Kindergarten, die burdf) ihre einfache, unverfälschte Liebe zu den Kindern, durch ihre echte, zti tiefstem seelischen Verstehen dtlrchdringende Mütterlichkeit der Abgott aller Kittderherzen wird. Die kleine Marie aber, die durch Rose erst, den Weg in ein lebenswertes Leben findet, verkörpert Panlette Flambert. Ein Geschöpf von jener eingeborenen Ansdrucksfähigkeit, die dem Negissetrr alle Möglichkeiten gewährt. Freilich, dieser Regissenr tveiß auch alle Möglichkeiten. der Darstellung kindlichen Daseins anszuspüren und auszttnutzen. Das gilt für die kleine Paulette nicht allein, sondern für die ganze vielköpfige-Kinderschar, in der sie nur eines ist. Hier gibt es wahre Kabinettstücke der Kleinmacherei. so jene nur kurze Szene, in der Rose einem kleinen, trübsinnigen Bengel, .eilten: wahren ' Prügelknaben des Le.bens. sein erstes Lächeln abtrotzt. All diese Kinder-sind ja keine „kleinen Lords", sondern Kinder jener Großstadtschichten, in deren Dasein viel Schatten und wenig Sonne fällt. Kinder, wie sie ein Zille mit Herz mtb Pinsel ^festgehalten. Wenn Benoit-Lövy die doppelte Schönheit.menschlicher Güte gerade 'auf solck>em sozialen Hintergrund zeigt, wo eilte wenig'bevorzugte Jugend sie atu meisteil nit« behrt, so vertieft dies den Sinn tmb Wert se.inys. Werkes. - . ttuu« >Vol!euber§.