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Central-Verein-Zeitung · 1934-01-18 · 3 (18.1.1934) · page 6

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cute gleiche Anstalk konservativer Nichtung kn Preußen zu begründen, falls sich diese Neugründung neben der Würzburger Lehrerbildungsanstalt als notwendig erweisen sollte. WiknrttnrenauSlele und Külsenswge Zu der von Neichsinnenminister Dr. Frick verfügten Beschränkung der Studentenzahl vom kommenden Sommcrscmester ab, veröffentlicht die „deutsche Zeitung" in Nr. 5 eine Betrachtung, in. der sie u. a. auf die Bedeutung der rassischen Gesichtspünkte für die Auslese der Studienberechtlglen hinweist. „Jeder Pädagoge", schreibt daS Blatt, „weiß, daß deutsch-jüdische Mischlinge aus der Schule oft Vorzügliches leisten, im Leben aber nur ganz bestimmte Berusszweige wirklich ausfüllen können, die Beziehung haben zu ihrer Grundveranlagung: dem talmudischen Diskutieren. Die jüdische Rasse gehört nicht zu den „klugen" und tiefschürfenden Rassen, dennoch aber stand sie in der Schule oft an erster Stelle. Diese Erfahrung sollte lehren, daß die Schulleistung allein für die Auslese nicht bestimmend sein darf." MMtMMg hßß ISmmwt Llillie SÄSncivllld'BLchum zur BundeSvorsitzrndtn gewühlt Neber 150 Frauen aus allen Teilen Deutschlands hatten sich zu der zivölften Telcgiertentagung des Jüdischen Frauenbundes cingesnnden, die am 9. und 10. Januar in Berlin stattfand. Ein (muptziveck dieser Tagung war die Neuwahl des Vorstandes, die satzungsgemäß alle vier Jahre vvrzunchinen ist, lind die Wahl einer Bundesvorsitzenden. Dieses Amt hatte der JFB. der jetzt 50' Jahre besteht, zum dritten Male zu vergeben. 20 Jahre lang hat Bertha Pappenheim, von der Idee und Plan des Bundes ansging, diesell Platz eingenommen. Im Jahre 192-1 übernahm Bettina Brenner das Amt; sie führte in überparteilicher Gerechtigkeit den Jüdischen Frauen bnnd in besonders schwierigen Jahren. Diese Telegiertcnversanunlung wählte Cttilic S ch önewal d, Bochum, die seit Jahren dem Hanptvorstande des Central- Vereins angehört, zur ersten Vorsitzenden, und fand in den Wörter,, mit denen Frau Schönewald Ausgabe und Bedeutung des JFB kennzeichnete, eine Gewähr dafür, das; Treue zu den alten, ewig gültigen Ideen des Bundes und Erkenntnis dessen, was Ottilie Schonewald (Bochum) Phot. Irma Cohn (Berlin) die Gegenwart von den jüdischen Frauen fordert, sich in dieser neuen Führerin vereinigt. In den Bundesvorstand wurden die Frauen neu gewählt: Professor Dr. Eora Berliner, die mit dem Amt der 2. Vorsitzenden betraut wurde, Margarete W a ch s m a n n, Breslau, und Bertha F r a e n k e l, München. Mit Vorstandswahl, Erstattung des Geschäftsberichtes (Hannah Karmins!!) und daran anschließender Aussprache war der erste Nachmittag auSgesüllt, der von Paula Ollendorff, Areslau, geleitet wurde. In ihren Eingangsworten nannte sie diese Tagung eine Tagung der Zuvorsicht. In ernsten, schönen Worten deutete sie den Begriff der Verantwortung und cl)arakterisiertc damit die Bundesführung, wie Bettina Brenner sie stets aufgefaßt habe. Die Tagung war als Arbeitstagung der Erörterung wichtiger Gegenwartsfragen gewidmet; jedes Thema wurde durch ein kurzes Referat eingcleitet. lieber die Frauenarbeit in kleinen Gemeinden hat in den letzten Monaten Tr. Margarete Bereut in der Rhcinprovinz besondere Erfahrungen gesammelt, die — wie aus den ergänzenden Ausführungen der Vertreterinnen anderer Provinzen horvvrging — als allgemein gültig anzusprechen sind. In vielen Gemeinden sind die Frauen und die Franenvereine als Träger der Wohlfahrtspflege und der kulturellen Ausgaben anzuschen; aber man findet auch Vereine, die sich noch nicht umstellen konnten und den neuen Ausgaben nicht gewachsen sind. Besonders schwierig ist die Fage des Nachwuchses; meist zieht die Jugend fort. Aber anderseits kommen gerade heute auch geistig lebendige junge Frauen und Mädchen zu' Kursen oder Berufszwecken in kleine Gemeinden, und jüdische Frauen, die bisher nur interkonfessionell gearbeitet haben, suchen den Anschluß an jüdische Vereine. Diese neuen Kräfte muß man benutzen. Erhaltung und Gestaltung des Gemeinde, lcbens wird gerade in kleinen Orten wesentlich von der Spannkraft der Frauen abhüngcn. Wichtig ist für die Kleingemeinde ein Zusammenhalten mit einer benachbarten Großgemeinde. Uber die Verpflichtung,, die daraus für die Ortsgruppen des Jüdischen Frauenbundes erwächst, sprach Frau Clara Samuel eindringlich und überzeugend. Die neue Gruppe berufstätiger Frauen, die sich innerhalb dos Berliner Verbandes schon gebildet hat, - stellte sich vor; andere Gruppen aus dem Reich berichteten von ihren Erfahrungen ans diesem Gebiet und begrüßten die Möglichkeit des Ersahrungsaustauschs, Sehr interessiert sind die jüdischen Frauen sebst. verständlich an den bisherigen Erfahrungen der Berussumschichtung und der künftigen Bern ss ge st al tun g der weiblichen Jugend. Der Dekeglerten'kagtmg war eine Fachtagung 'über haüZwirtschaftliche Ausbildung vorangegangen.'deren— Ergebnisse dem Ausschuß für Berussumschichtung und dem Erziehungsausschuß der Reichsvertretung m Forrn bestimmter Vorschläge und Forderungen vorgelegt werden sollen. Besonders wichtig und dringlich ist ein Antrag des JFB an. den Er-, zichnngsausschuß, der weiblichen jüdischen ^Jugend nach Schulentlassung ein hauswi rtschas tliches Lehrjahr zu ermöglichen. lieber den Verlauf dieser Fachbesprechnng be- " richtete Frau L ieguer , Breslau. Sie unterstrich — neben der Bedeutung der Haushaltungsschulen und der praktischen Ausbildung in Heimen — die besondere Verpflichtung der jüdischen Hausfrauen für die Anlernling und Anstellung jüdischer Mädchen, und forderte Fachausschüsse für 'Hausfraueniutoressen in den Ortsgruppen. Frau Wachsmnnn, Breslau, wird als Beauftragte des Bundesvorstandes diese Arbeit vorbereiten. — lieber Berufsumschichtlmg sprach Bertha Fallenberg, Berlin. In ihren Ausführungen fand der Hinweis ans diejenigen Berufe besondere Beachtung, m denen sich Mangel an gutem jüdischen Nachwuchs zu zeigen beginnt: Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, technische und Volksschnllehrerinnen. Hier wird vom JFB gemeinsam mit anderen zentralen Organisationen (aber nicht von einzelnen Institutionen) für wenige, gute, den jüdischen BerusLansprüchen gemäße Ausbildungsmöglichkeiten zu sorgen sein. Hannah Karminski legte die Grundsätze des , Erziohungsausschusses der NeichSvertretung für die Errichtung neuer jüdischer Schulen dar. Häufig merben die Schulen durch die Mitbenutzung der umliegenden Gemeinden den Charakter von Bezirksschulcn haben müssen. Es werden sich daher in den Orten, wo gute jüdische Schulen sind, Familien finden müssen, die bereit und geeignet sind, Kinder aus Kleingemeinden während der Schulzeit iu Pflege zu nehmen. Tie Aussprache bestätigte die Auffassung der Rescrentin, daß nur für einen Teil der Kinder jüdische Schulen in Frage kommen, daß aber gerade für diejenigen, die weiter allgemeine Schulen besuchen, eine betontere jüdische Erziehung in Familie und Jugendbund unerläßlich ist. Eine Delogiertentagung des Indischen Frauenbundes in heutiger Zeit konnte nicht an der Frage vorübergehen, nach welcher Richtung heute die jüdische Mutter, die jüdische Familie in der Frage der KinderauSbildnng zu beeinflussen ist. Sie beschloß: „Die 12. Delegiertentagung des JFB im Januar 1004 in Berlin bringt zum Ausdruck, daß der Zusammenhalt der Familie gerade in heutiger Zeit die stärkste Stütze für Kinder und Eltern ' bedeutet. Deshalb ist die Trennung von Eltern und Kindern ein Entschluß von größter Tragweite, der erst nach eingehender, ernster Ueberlegung, Berntung und Prüfung gefaßt werden kann. Bor allem wendet sich der JFB gegen Massen- - , Verschickungen von schulpflichtigen Kindern." Die Fülle der Fragen, die auf der Tagung zur Aussprache kamen, ist in diesem Bericht nur . angedeutet. Frau Schönewald gab in ihrem Schlußwort eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Der- Handlungen und hob besonders die Ausgaben hervor, die — durch diese Tagung neu angeregt — jetzt der Ausführung bedürfen. Um diesen Aufgaben aber auch wirklich im Nahmen der Gesamtarbeit gerecht werden zu können, ist die verantwortliche Einbeziehung des Frauenbundes in die neu entstandenen Zentralorganisationen Voraussetzung. Einstimmige Annahme fand daher der Antrag: „Der Verband Jüdischer Frauenöereine ft Rheinland und Westfalen bittet die Bundesleitung, dahin zu wirken, daß in den Zentral-' ausschuß für Hilfe und Aufbau, den Ausschuß siir jüdische Berussumschichtung, tote in die pro. vin-icllen und örtlichen' Stellen, die über Au«, bildungszusthüste entscheiden, Vertreterinnen des Jüdischen Frauenbundes mitbestimmend gewählt werden." An den Geschäftsbericht, der versucht hatte, nicht nur die Leistungen des Jüdischen Frauen, bundes, sondern die Haltung der jüdischen Frau in den letzten Monaten zu kennzeichnen, fnüpfto sich eine Debatte, deren Stimmung durch die Re. solntion wicdcrgegeben wird, die der Tagung ihren Ansklang gab: „m sind auö verschiedenen Orten Mitteilungen an uns gegangen, das; jüdische Organisationen und Vereine Festlichkeiten veranstaltet haben nnd auch öffentliches Erscheinen beobachtet wird, wie co in starkem Gegensatz zn dem Sinne unserer Zeit und der Schwere unseres jüdischen Grlebcnö sicht. (v* sind auch dauernde Cinrichtunacn getroffen worden, deren Tendenz völlig dem widersprechen, was der deutschen Jndenschast in Vorträgcrr, Büchern, Kanzclrcdcrr nnd Mahnnrrgen aller Art nahe, gebracht wird. Die in der 12. Delegiertenversammlung des I. F. B. in Berlin versammelte» Francir wollen hierdurch in großem Ernst zum Attödrnck bringen, dast sich weite Kreise durch solches Verhalten verletzt führen. Wirtschaftlicher Vorteil irgendeiner jüdischen Stelle ist keine Entschnldi.gung für die Förderung von Unternehmungen, die aitS Gründen der Selbstachtung besser unterblieben. Wir bitten auch die jüdische Jugend nnd vor altern ihre Führer, für ihre Fröhlichkeit maßvolle und verinnerlichte For, men zu suchen." Mit dieser Resolution, die einer weiteren Erlänternng nicht bedarf, wendet sich der I. F. B. — über den Kreis seiner Mitglieder hinaus — an die jüdische Gemeinschaft nnd appelliert au die Mitarlnnt aller, die sich verantwortlich fühlen für die Erhaltung und Lebensgestaltnng der Juden in Deutschland. llimmili Karminski. Der Verband Berlin des Jüdischen Fraucuvi'.iivcS G. V„ Bexlin-GrunewMv. .Uöniaemllee ll:i (Id.: .02 Mland 07113) teilt mit: Zuvertäisine Frauen, die bereit sind, erkrankte Haudsrauen. in jeglicher Arbeit gegen Aezahlung zu vertreten, werden gebeten, sieh mit An^veiSpapieren und Empfehlungen bei den im folgenden genannten Stellen zu melden: Chnrlottenburg und Wilmersdori: Frau Earrie Goldbu', Wiliueredorf, W>''rt'eiubergiscbe Stoch' I.r» (f) 2 Oliva 7079, 8—9, 14—J5 Uhr): Friedenau, Lichterselde. 'Lchvneberg und Steglitz: Frau Hedwig Gotdenring, Frie- -enau, Wilhelmshöher Straße 29 (H 8, Wagner »709, 9— 10 Uhr):Hvrst-Wessel-Stadt und Lichtenberg: Frau Dr. Kiwi, O 17, Ctralaner Straße 35 (E8, Andren? 2093, 8—9 Uhr): Kreuzbcrg, Neulölln und Tempelliof: Frau Sophie Setwlein, S. Sebastianstraße 20, (F 7, Jannowitz Nr. 1108, 9—10 Uhr): Mitte und .Wk'dding: Frau Trude Kaufmann, N65. Exerzierstraße ll.a, jüdische Kraulenhaussürsorge (D 0, Wedding 4110. 9—13 Nhr. Sonnabend; 10— 13 Uhr); Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg: Frau Tr. Neihoff, NO55, Prenzlauer Allee 15 (ER Königstadt 6920. 9—10 Uhr): Tiergarten: Frau Tr. 9ivschitz. W 50, Marburger Straße 15 (B4, Bavaria 0731, 14-16 Ahr). _ KitideSanriahme zwischen Ariern und Nichtariern unzulässig. Hinsiebttich der mißbräuchlichen Annahme an Kindesstatt hat der preußische Minister deS Innern die Regierungsvräsidcnten angewiesen, der Bestäligung von Annahnievcrtnigcn im öffentlichen Interesse zu widersprechen, wenn der Vertrag zwischen einem arischen und einem nichtarischen Vertragsteil geschlossen werden soll, desgleichen dann, wenn der Anzunehmende einer körperlich, geistig oder moralisch minderwertigen Sippe entstammt. der lichtvollsten Gestalten seines Stückes, Philipp Melanchthvn, aus Nahels überraschte Frage, ob er denn einem Juden Hilfe leisten wolle, die milde und versöhnliche Antwort aus die Lippen legt: „An meinem Tische sitzen Ketzer und arge Sünder — ihr werdet die schlimmsten Gäste nicht sein!" Dr. Hugo Laehmanski. Hermann Wahr Hermann Bahr ist, einundsiebzig Jahre alt, in München, dem letzten seiner Wohnsitze, gestorben. Ein Meister der Unruhe hat auf Erden Ruhe gesunden, gewiß in dir Zuversicht, baß die Gnade des Himmels seine Seele gnädig empfangen werde. Nach einer lebhaft bewegten Jugend und nachdem er später, der Welt stoch immer ganz zugemandt, sich in jeder Gangart des Schrifttums bewährt hatte, im Roman, im Lustspiel, in glänzenden Essays, in Reiscbeschreibungeu und Tagebüchern, fand er gegenüber der Fülle und Bechchiedeuheit des sinnlich Wahrnehmbaren rm strengen Glauben an die Grnndsahungcn des Katholizismus die Einheit, der"n der Mensch wo immer er sic auch suchen mag. bedarf, um nicht mu vi vegetieren. Damit war ihm die Welt zu dem harmonisch geordneten Wunder.Kaleidoskop zusarnmengerückt, dessen einzelne Lichtfelder, jedes in einer anderen Farbe leuchtend, ihm durch Jahrzehnte stets neu und ersorsehungswcrt erschienen waren. Er hat 'immer „Stellung genommen", es war ihm unmöglich, ein Zuschauer zu sein, der nur zusieht uud nicht mitspricht, ein Zeitgenosse, der sich dem allgemeinen Urteil fügt und nicht vielmehr die Zeit selber mitbestimmen will. Sein Stolz, aber auch seine Begabung war, in künstlerischen, in allgemein geistigen, m sozialen und auch in Politischen Dingen Pfadfinder zu sein. Er war es oft, um dann, in neuer Erkenntnis, von dem Pfade abzutvcichcn, den er anderen erschlossen hatte. Aber sein Ruf, wenn es galt, ein Talent ins Licht zn stellen, mit seiner aufs feinste geschliffenen Feder der Welt eine neue Erscheinung geradezu aufzuzwingen, verhallte niemals unvernvmmen. Seine Entdcckerfreude, auch wenn er selbst ivieder zu anderen Usern steuerte, hat sich niemals an wertlosen und trügerischen Objekten versucht. Als erster hat er das Augeumerk aus Hugo von HofmannSthal gelenkt, mit seiner ganzen enthusiastischen Durchglühtheit ist er für Arthur Schnitzler und Gustav Mahler eingetretcm Umgekehrt durfte Theodor H e r z l ihn den „Literaturhauptmann" seiner Epoche nennen. Wenn Hermann Bahr, der überall „Probleme" sah und sie ans innerem Drang behandeln mußte, gelegentlich auch dem Antisemitismus zuneigte, so io ivar er doch in diesem Punkte zu geistig frei mü> aufgeschlossen, um daraus ein System zu machen. Auch viele Juden, denen er in Freundschaft nahcstand, werden den Heimgang dieses Mannes beklagen, der völlig im Sinne Conrad Ferdinand Meyers „ein Mensch mit seinem Widerspruch" gewesen ist. F. B. Sie Wische!Mj-Betetelp®§ ist gegefinbef. Nachdem durch die Gründung des Kulturbundes Deutscher Juden das jüdische Kunst, und Musikleben einen festen Stützpunkt gefunden hat, ist durch die kürzlich erfolgte Gründung der Jüdischen Buch- Vereinigung. um deren Zustandekommen wir uns mit zahlreichen jüdischen Organisationen bemüht haben, auch für die Literatur eine Pflegestätte erstanden. Tie Jüdische Buch.Vereinigu.ng sieht ihre Ausgabe darin, Werke jüdischer Verfasser, insbesondere solche, die für das Judentum von Interesse sind, zu veröffentlichen irnd unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. So werden jüdische Dichter uttd Denker zu der Wirkung kommen, auf die sie und wir angewiesen sind. Die vier Bücher des ersten Jahres sind von programmatischer Bedeutung. Es sind u. a. die Veröffentlichung eines neuen Romans von Georg Hermann „Eine Zeit stirbt", die Herausgabe einer neuen Ucbersctzung der gesamten jüdischen Bibel in drei Bänden (der erste Band schon in der ersten Jahresreihe), „Die Geschichte der Juden in Deutschland" von Professor Dr. I. Elbogen und ein Palästina-Bilderbuch geplant. Ein Nachrichtonblatt wird die. dauernde Verbindung mit den Mitgliedern der Buch-Vereinigung Herstellen. Der Mitglicdsbeitrag beträgt 1,— NM im Monat, außerdem wird eine einmalige Einschreibgebühr von 0.25 NM erhoben. Die Mitglieder der Jüdischen Buch-Vereinigung (Erwin Löwe) werden von der neuen JVV übernommen und beliefert. Anmeldungen sind an die Iüdi sche Buch-Vereinigung, Berlin W 15, Pariser Str. 7, gu richten. Ms FanuarW bss Äser Das Januar-Heft des „Morgen" (Philo Verlag Berlin W 15), mit dem die Zeitschrift in das zehnte Jahr ihres' Bestehens ointritt, bietet wieder eine Fülle wichtiger Arbeiten. Sein Leitartikel bringt die Grundfrage des deutschen Judentums auf die Formel: „Restauration oder Renaissance?" und setzt sich kritisch mit den jüdischen Strömungen auseinander. Zwei großen Toten der letzten Tage wird der Dank des deutschen Judentums dargebracht: Jakob Wassermann und Carl Melchior.- Das Kernstück des Heftes bilden vier Aufsätze von Ignaz Maybaum, Max Grünewald, Erich Rott und Friedrich Broduitz, sie behandeln das Problem „Abendland und Morgenland", das durch die erstmalig stärker einsetzende Palästinawanderung deutscher Juden wieder in Lebensnähe rückt. Ein Gedenkartikel zu Eugen Fuchs' zehntem Todestage, Feuilleton, Presseschau und Desprechungen der Bücher von Prinz, Bergmann und Max Wiener beschließen das inhaltsreiche Heft, auf das wir in der nächsten Woche weiter eingehcn werden. Muttersprache. Bei Rcdaktionsschluß geht uns von dem Schriftleiter der Zeitschrift des. Deutschen Sprachverein „Muttersprache, Gymnasialdirektor a. D. Professor Dr. Oskar Streicher, eine Zuschrift zu, die uns zu unserer Befriedigung Anlaß geben wird, in Kürze auf den mit unserer Veröffentlichung zusammenhängenden Fragenkreis erneut zurückzukommen. ZRsyse zu ihesm 8®. ©e&Msfefeg Johanna Meyer wurde in diesen Tagen 60 Jahre alt. Wer ihre Vortragskunst kennt, weiß, wie unlösbar stark diese mit dem jüdischen und deutschen Kulturleben verbunden ist, empfindet zugleich innige Dankbarkeit für unvergeßbare Stunden. Denn die treue Pflege musischer Werte gilt ihr seit Jahrzehnten als Lebensziel, und wo immer sich dichterische Andacht an religiösen Motiven. entzündete, und wo immer sich Seelenadel, Gefühlstiefe sowie eine vorbildliche Haltung reinen Menschentums irn geprägten Dichterwort zeigte, bewährte sie ihre Künstlerschast, der ebenso die rein jüdische wie die deutsche Tagespresse begeisterte Anerkennung nie j Johanna Meyer Phot, Irma Cohn (Berlin) versagte. Immer fühlt sie sich als demutvolle Dienerin der Dichter, von denen sie manchen unsE rer Glaubensgenossen aus der Mansardenstille der Unbekanntheit in beisalldurchrauschte Bortragsst einführte. Möge die reine Flamme ihrer Kun! noch recht lange Seelen erwärmen! .Artlmr Silbergleit.

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