Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 49 (21.12.1933)
- Date
- 1933-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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h *\V 4 / /y^n^Tnni—S^r. 49 {gssr- \ if; . r | '[ . ■ ■• ,, \ OowoOlL-vJLüVJ 2. BoBBago MM2 A- Die Vorträge irr dorr OrLögrrrpperr ves C. B., zu Beginn des Winters hier rrnd dort angcset;t nud Vurchgestthrt, erweckten Nachahmung in immer weiteren Kreisen, in immer netten Gebieten Deutschlands und der großen Organisation des G. V. Eine große Bewegung geht durch die Reihen des Centralvereius, und der Grad der lebendigen Verknüpfung von Führung und Anhängerschaft, der für jede Vereinigung der Punkt ist, an dem es sich erweist, ob es sich um eine Organisation oder eine Bewegung handelt, erwies den C. V. als die große lebensvolle Bewegung deS deutschen Judentums, das sich voll Wert und Würde der deutschen Geschichte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugehörig fühlt. luiiiiHiiuiiHuniuiiiiuiüiiiiiniiiiiiiiiiHiiiHHUHiHinuiininiHiiiniiiiuiuiiHiuiuiHiiiiiiniiiiHiiiiiiiiiininiiiiiiuiiüiiiniimiiiiiiiiiiiiHuiiiiiiuiii Grenzmark Gruft Behrendt, früher Beuchen O.-S., ^auptvorstandsmitglied des Centralvereins, seht hier den Bericht über die im Aufträge EV unternommenen Besuche unserer ^rcunbc in den kleinen Städten fort: o Mit dem D-Zug knapp drei Stunden siinter Berlin erreicht man bei Schneideiniihl bereits die neue Grenze des Reiches. Teile der früheren Provinzen Westprenßen Hnd Posen sind es, die honte die Grenzmark bildeii und natürlich noch in keiner Weise das sonst typische Bild eines Grenzgebietes iciaeii, in dem, etwa schon Einflüsse des Nachbarlandes zu spüren wären. Nein, hier ist aus Schritt imö Tritt merkbar, es handelt sich am echtes deutsches Land, vor wenigen Üahreu noch sicher im Innern des Reiches qcleaeu. Und sicher im wahren Besitz ihres Deutschtums behaupteten durch die Jahr- 'chute auch die jüdischen Menschen in diesem Gebiete ihren Platz. Tie Städte von Cchneidemühl nordwärts sind kleine Lcindortc, deren Bedeutung in der Vergangenheit liegt, als noch Die großen K'isewege nach dem Osten durch ihre Straßen rtiiin.cn. Waren ans dem Lande Adels- und Bauerngeschlechter alt eingesessen, wechselten in den Städten die Beamten schnell ihren Wohnsitz und der Typ des seßhaften,Bürgers war seit Beginn des 19. Jahrhunderts der dcnhlhe Jude, der biivd) Handel, Gewerbe und teilweise auch durch industrielle Betriebe cuq mit der Scholle verknüpft war. Einst große jüdische Gemeinden von 800—1400 Seelen, heule mir noch 60—120 Seelen stark, Üimpfcil diese deutschen Inden jetzt den ßhiueren Kumpf um die Erhaltung ihrer Oviftnu und ihres .ünltiirlreises. Sie'scheuen seine Opfer rund es mag manchen großslndtischen Juden wundern, wenn er Ijört, i>oii die jüdische Gemeinde Prenßisch'-Zriedlinid einen Zuschlag von 110 v. i). zur Einünnnienstener erhebt. Der Arierparagraph und manche anderen gesetzlichen und wirtschaftlichen Regelungen der letzten Monate hüben alle jüdischen Geschäfte, besonders aber die mit landwirtjchasllichen Produkten handelnden Finnen hart betroffen und zu manchen Zusammenbrüchennud Geschäftsünsgabeuvgcsührt. Wertvolle Erfahrungen in bcn einschlägigen Branchen, von Land linb Anten gehen dadurch der Allgemeinheit verfcrm., Demi, die Mehrzahl dieser Geschäfte jiub in dritter oder gar vierter Generation in der Hand der gleichen Familie. Besucht nran die würdig gehaltenen, sich in ihrer Einfachheit der umgebenden Natur nnfngcirden jüdischen Friedhöfe, so beweisen die Steinplatten eindrucksvoll die Heimat-- berechtignng der deutschen Juden in diesem Lande. Bon der Mitte des 18. Jahrhunderts datieren die Geburtszahlen auf bcu jeweils im Eharakter der Zeit errichteten Giabstcincn, unb beün Tilrchschreiten der Straßen jinbet man vielmals die Namen der Toten aus - den Firmenschildern der Lebenden nücdcr. „Wenn Menschen schweigen, werden Steine sprechen . . . und die Steine erzählen von Kämpfern und Opfern aller deutschen Kriege seit 1813. Und eindrucksvoll sprechen die Steine der Synagogen zu den Enkeln. . Sind doch die jüdischen Gotteshäuser in fast allen diesen Orten, sei es in Schneidemühl oder Krvjanke, in Flatvw, Iastrow oder Preußisch-Friedland auf den besten Plätzen, nieist sogar auf dem Markt, im Innern der Städte errichtet, ein sichtbares Zeichen für die große kulturelle und wirtschaftliche Bcdeutuug. die um die Mitte des 19. Jahrhunderts den Juden hier zuerkannt wurde. Heute herrscht bange Sorge in allen jüdischen Familien, besonders wenn es sich um Berufswahl und Berufsaussichten für die herangewachsenen Kinder handelt. Die Zähigkeit, mit der gerade hier der heimische deutsche Boden geliebt wird, läßt den Gedanken au Auswanderung nur als letzten Ausweg erscheinen. Am bürgerlich-gemütlichen Familientisch schweift bald jedes begonnene Gespräch in die besonnte Vergangenheit der Vorkriegszeit, zu der schweren Kriegszeit, zum Lebenslaus von Vater und Großvater, die im Kreise der Mitbürger geachtete Stellungen einnahmen und znm Wöhle für Familie und Vaterland wirkten und strebten. Und bange sieht man in dieZufunft: Kann das neue Deutschland die Enkel dieser Männer entbehren, die in treuer Pflichterfüllung im kleinsten Kreis ihrcnv Anteil am Aufschwung der damaligen 'Zeit hatten, die Enkel und Urenkel,, deren Fa-- milicntradition sie zur gleichen Lebensarbeit verpflichtet und befähigt? Ostpreussen Die Pause nach dem ersten Streiszng durch einen Teil der zahlreich in der weiträumigen Provinz Ostpreußen verftrcnien jüdischen Gemeinden gestattet einen kurzen Rückblick. Ans der Verschiedenheit der Bilder hebt sich ein Eindruck vor allem aicberen heraus Fast alle diese Menschen fühlen sich durch generationenlange Ansässigkeit, durch ihre selbstverständliche Pflichterfüllung in Krieg und Frieden, rhrer wunderschönen Heimatlandschaft und ihren Bewohnern verwachsen. Um so tiefer traf sie alle das Mißtrauen und die Berkcnnnng. denen sie allenthalben auch bei den besten früheren Freunden begegneten. Wenn hier auch von rühmlichen Ausnahmen zu berichten ist, so kann doch von einer gesellschaftlichen Verbundenheit mit der nichtiüdischen Umwelt nirgends mehr gesprochen werden. Leider ist diese Enlsrencdnng auch am wirtschaftlichell Bereich nicht spurlos vorübergegangen. Besonders gewisse städtische Kreise üben Roch immer eine heute durchaus nicht mehr gerechtfertigte Zurückhaltung beim Besuch jüdischer Geschäfte. Dagegen hat sich der gesunde traditionsgebundene Sinn der bäuerlichen Bevölkerung auch hier offenbart. Sie zeigte sich den noch immer nicht anshörenden Bestrebungen, den jüdischen Menschen ans dem Wirtschaftsleben ansziischalten, weit weniger zugänglich. ^o mancher jüdische Kansmann hat vielfache Beweise der Anhänglichkeit gerade von seiten ländlicher Freunde cmpfaiigcn. An manchen Orlen sind die Gemeinden hauptsächlich dadurch erschüttert worden, daß angesehene und wohlhabende Mitbürger den Ort verließen. So sehr man ihre Erwägungen würdigt, macht sich der Eindruck nmner stärker geltend, daß hier Entschlüsse übereilt gefaßt sind. Alan mag die materiellen, vor allem aber die psychischen Rückwirkungen ans die am Orte Znrückbleibenden zcc gering eingeschätzi haben. Heule sind Gemeinden, wie Gumbinnen, besonders in ihren religiösen Einrichtungen auf» stärkste gefährdet. So mußte hier die Eharinlkah-Feicr in der Synagoge zugleich die Abschiedsfeier für den langjährigen und allseitig beliebten Lehrer und Kantor sein. Wer eine solche Feier miterlebt, wird tief ergriffen von der Anhänglichkeit, die der vsiprenßische Jude der kleinen «ckadt seinem geisllichen Berater zciwendct. Ueberall empfindet man heute stärker denn je die Verpflichtung gegenüber. , dein Judentum. Tie Synagoge,wird mehr und mehr.der Mittelpunkt des jüdischen Lebens, acich in anderer als religiöser Hinsicht. Sie ist oft der einzige Versammlungsraum, in dem jüdische Dinge erörtert werden könneir. Mehrfach sind daher die Vorträge über die unermüdliche Arbeit des Centralvereins und über seine .Haltung in der -bewegten Gegenwart an diesen ehrwürdigen Stätten abgehalten worden. Ueberall nimint man unsere Worte als Stärkung in dem uns cuisgezwnngenen Eristeuzkainps ans. Dankbar erkennt man unsere vielseitigen Beiyühnngen an und hofft, daß sie acich in Zukunft sichtbare Früchte tragen. Tie Mahnung zur jüdischen Einigkeit wird überall begrüßt. Die kleineren Gemeinden verständen jedenfalls nicht, wenn heute die alten großen Richtungen des deutschen Iccdcntnms einander bekämpften oder gar neue Grccppen einen Keil in die jüdische Gemeinschaft treiben sollten, die sich fester zu schließen beginnt. Pommern Tie intensive Bearbeitung der Ortsgruppen und Gemeinden im Landesverlxrnd Pommern des E. V. wurde in den letzten Wochen fortgesetzt. Otto Michelsohn hielt in A n l l a m, Belgard, Freienwalde / P v in in ern . Goll u o w, Kolberg. 3 t o t p und S w i n e in ii n d c Vorträge, zu denen stets die Gemeindemitglieder vollzählig erschienen. In einer Reihe kleinerer Orte hielt der Syndikus persöicliche Acissprachen über die Röte und Wünsche unserer Mitglieder ab. Ueberall war eine starke Abnahmebereitschaft unserer Mitglieder und ein lebendiges Interesse nu allen deutsche Inden bewegenden Fragen sestznstetlen. Mitteid eutschland Am o. Dezember sprach der Syndikus des (5. V.. Tr. Hans Reichmann (Berlin), in einer Versammlung der Ortsgruppe b'hemnitz. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Oiesamttage der deutschen Inden., Er warnte vor überstürzter Aue-wanderung, an deren Stelle bei denen, für die eine zwingende Notwendigkeit vorlicge, eine von den bernsenen Stetten organifiertc treten müsse. Im Vordergrund aber müsse unter Znrückstelliing ideologischer Aneeinandersetzimgen. die Eristcnzsichernng der deutschen Inden innerhalb Tenischkands fteheii. Gegenüber der uns unverändert bleibenden geistigen Gesainteinstellung gelte es. Würde zu bewahren unb an unserer beutscheu Einstellung und an unseren! jüdischen LeE'nsnilMe festznhallen. Am Atontag, dem 4. Dezember, fand unter Leitung des Herrn B l n m e n t h a l eine Vtitgkiederversaminlniig in Stendal statt, in der der stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe Magdeburg, Icilins P e tz o n smvie der Syndilns des Landesverbandes Vtittetdeulschlaud. Kurt Saba tz l p (Leipzig), üb<r „die deiitsch-jüdische Situation" sprachen. " Ain Dienstag, dein ü. Dezciuber, fand ein Vortrag in der Gemeinde G e nthi n statt, bei dem die gleichen Referenten Vorträge hielte». Eine Reihe neuer Mitglieder schlossen sich. dem.E. V. an. dessen Arkuftt sie besonders dankbar anerkannten. Tie Leitung „des .Vortragsabends lag m .Händen, des Herrn a g n u s. Die Ortsgruppe B e r n b u r g.hatte zu einer gut besuchten Versammlung einberusen/ die vom Ortsgrnpperivorsitzcnden Ludwig' Gnmpel geleitet! wurde. Tor stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe Magdeburg. Icilins Petz on, unb der Syndikus des Landesverbaiides Alltteldeiltschkand. Kurt Sa batzky .(Leipzig), . referierten Aber das Thema: „Der jüdische Meiisch in der Gegeinuartssituation". Nachdem sic die psychologische Seite dce deutschen Indensrage aufgezeigt hatten,. gingen sie ans Grtind eines umfaffonben Datsactzemnaterials auf die rechtliche und' wirtschaftliche Tätigkeit des Ceiitral-Vcreiiis ein. Tie rege Aussprache beivies. daß unsere Freunde in Vernbiirg die voni E. B. geleistete Arbeit dankbar anerkeniien und ihm in treuer Geschlossenheit anhängen. - Syndilns Sabatzky sprach ferner, in Egelir sProviiiz Sachsen), ivo es gelang, unter Führung von Herrn Wiener, eine kleine Gruppe des Eeiitral-Vereiiis ius Leben zu rufe», rnid eine Reihe von Neuaufnahmen zu erzielen. jkSMt w Mt CWW Alaäistehende Verse cnlstaiidcn unter dem Eindruck ciiieS Synaaegenlonzertes des Hebräischen Quartetts, das am 8. Dezember in Augsburg stattfand. Tie Künstler hatten Werke l’on Beethoven. Mozart und Haydn gespielt. Es war zuerst, als rvollten in den hehren lRaum, Das Heiligtuin des einzigen Gottes, Eich fremde Heidengötter drängen Mit srevelhastem Tun. Doch siehe! Es ertönten kaum Die ersten Klänge des Adagios — von Meisterhänden ausgcsendet —' Da ging ein hoher Zauber um. Es drängten Melodien sich von solcher sSüße, Bon solcher HerzenSglut und Farbenpracht Bis in die fernsten Höhen, Daß eine neue Heiligkeit entstand. Und es belebter! sich die toten Steirre, Die Pfeiler wuchsen und die Säulen, Die Lelichter und Geräte glänzterr auf Und wurrdersarnes Licht fiel in den heiligen Schrein. Da jubelte empor ein Allegretto Und sprengte die gewaltige Decke, Und riß die goldenen Sterne mit sich Man zur Himmelsseligkeit. Und siel herab in überird'schen Harmonien HN denen Gottes Atem war- — Und dieser Gott, der Große Gütige Er lauschte selber freudevoll in seinem lHaus. , Cr. SWMMLtt im Mrlmer MÄiiD Die Orchesterlonzerte des Kulturbundes deictscher Inden enthalten in diesem Alonat znm ersten Mal roinantische iOhtfif. Die Zahl der Blasinstrcclnente hat sich erhöht; damit vergrößert sich auch die Zahl der ausführbaren Werke. Sie beanspruchen fast accsnahinslos einen großen Vläserapparat nnt znm Teil recht komplizierten Stimmen, So begrüßenswert dieser Ehrgeiz in der Programmgestaltung an sich ich so muß inan doch fcststellen, daß unsere Holzbläser dieser Aufgabe noch nicht getvachsen sind. Daher hätte man in jedes Progrannn wenigstens ein Werk ansnehmen sollen, dessen Orchestcr'besetzung ein restloses Gelingen ermöglicht hätte. In ein. zwei Vionateu können die Dncge hier schon güccstiger liegen. Für diese Zeit sollte man sich ein Werk wie Schuberts „Unvollendete" anfheben. Von diesen Schönheitsfehlern im einzelnen abgesehen, setzte sich der Gestaltnngs- und Anslxnuville des Dirigenten Michael Taube auch diesmal durch, unter dessen Leitcmg das Orchester mit Hingabe und Leidenschast spielt. Wie bei den ersten Konzerteii. so ist es auch heute die Intensität Taubescheu "Utnsizierens. die den Hörer packt. GlnckS Ouvertüre zur „Iphigenie in Anlis", deren Einfachheit und Größe dein Dirigenten ivohl auch iinw'rllch am nächsten steht, wurde äußerst stilgereck,t wiedergegeben. Vielleicht hätte dem imposanten Forte inid den Unisonogängen eine rioch größere Znrück- Iialtuna bei den Gesangsthemen gegcnüberstehen sollen. Solistin des ersten KonzertabendS lvar Änme Betzak, die Mendelssohns Violinkonzert vortrng. Sie hat das Werk sehr energisch unb kraftvoll an« aciiadft. Ter erste Satz, der von ständigem Stimmnng-'wechsel erfüllt ist. erhält dadurch einen ftvafieu Aufbau, eine fast klassische geraffte Luue. ' Ludwig Altmann. stilfätlßfdlsfonjeEl Zugunsten des Channlkah-Fonds der Schwestern, uniguna der UOVB-Logen fand ein Konzert statt, dem sich eine Reihe erster Künstler in selbstloser ise zur Verfügung gestellt hatten. Voran dce leraüssimi des Kulturbundes. Dr. Kurt Singer oline) und Josef Roseustock (Klavier), die ' Vivlinsonate von Mozart brachten. Frneda b e r - F l e ß b u r g hatte ihren großen^ Publliserfolg ausschließlich ihrer Kopfstimme zu vercken mit der sie die aiisgedehntesten Koloraturen > Triller erstamilich niüheloS bewältigt.' Prachtl klang der in allen Lagen wohl ausgeglichene Bariton Fritz LechnerS, strahlend kräftig, dabei iinmer rund und weich. Bei Ilse I n t r a t o r 3 Rezitationen, mürben die Keinen heiteren Nummern besonders beifällig ansgenonimen. Stiniinck^rrakter und Vortragsbegabnng meifen' bic Künstlerin auf das Genrebild, das stinnnnngsvolle Kleinforiiiat. Tie seine Art, mit der sie einige geistvolle Nachdenklichkeiten von Peter Altenberg bot, wird in Erinnerung bleilien. Eine starke pianistische Vegabnng ist Stefan A n t h a l, der, von der noch' nicht ganz geglückteii Wiedergabe der Lisztschen Eanipanella abgesehen, eine nahezu unfehlbare Technik bewies. Das Zeigte er besonders in einer Milzerparaphrase über den Zigeunerbaron. Die Begleitungen besorgte die versierte Erna Klei n. die sich mit den Schwächen des Instruments gilt absand. EmPfehlensivert wäre es, den Flügel wegen seines stumpfen Toiies auch bei den Begleitungen zu offnen. —on. SauSkomecte Zn einem Hailskonzert, das zugunsten der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde veranstaltet wurde, war in Georg Bertram ein sehr prominenter Künstler gewonnen worden. Bertram zählt zu den^ feinsten Änschlagstünstlern unter den Heutigen Pianisten; er ist der Poet des Klaviers, der, wie selten einer, die Märchenwelt der Schnmannschen Kinderszenen znm Klingen briiigt. Hier schrsfl eine überaus difserenzierte Anschlagslunst durch reichste dynaniische Sckjatkiernng eine Wiedergabe von hohem Klangreiz. 'Vertrarn ist der Romantiker auch bei der Wiedergabe vo>i barocker und klassischer Musik; deshalb werden die klaren Konturen dieser Werke manchmal zngmrsten der Farbwirkung verrvischt. eine Folge auch des zc: reichlichen Pedalgebrauchs. Der eigciigcarteten Kunstauffassnng Bertrams kamen die abschließenden Ehopin-Slücke weit entgegen, die er mit brillanter Verve darbot. Schwer, sich neben .solchem Künstler zu behaupten. .Ter Sängerin Susanne ,L a n d 3 b e r g - H o l l ä n d e r gelang es da, wo sie piano und in der Mittellage singen konnte, in den. ruhigen melodischen Bögen von Brahms „Suidmäiinchen". Die Künstlerin verfügt über eine mustergültige Aussprache mw Atemtechnik. -Dramaüscho und dynamische Affekte zwingen die Stimme, mehr zu geben, als sie ohne Anstrengung hergeben kann. In Salvador L c y hatte die Sängerin einen Begleiter, der auf jede ihrer Vortragsnuancen - einging und die Schönheiten des KlaviersatzcZ aufs wirkungsvollste aufleuchtün ließ. ' L. A. * Zugunsten notleidender.jüdischer Künstler fand in der Wohnung von Tr. W o n g t f ch o w s k i in Berlin am 9. Dezember ein Hauslvnzert, statt, dessen gutes Ncivean Anerlennng verdient. Diele Form des NNnsizlerens — durch den hypertrophischen Niusikbetrieb der letzten Jahre in Rlißkredit geraten — ist bet Förderung wert, und man möchte hossen, daß dem erfolgreichen Abend weitere folgen iverdeii. Das reichhaltibe Programni,, das neben Bekanntem^ mich einige selieii gehörte 'Werke altklassischer kRnsik enthielt, iviirde pon namhafteii Künstlerii zuni Vortrag gebracht. Die Altistin Paula L i n d b e r.g bewies an schmien Liedern des 18. Iahrhuiiderts ernent ihre starke musikalische Begabung. Lola P ol achewa, die durch ihre Geiangsleiftnugen int Berliner Nnndsunk noch in guter^Eriunerinig ist. setzte sich mit ihrer klangvollen Lopranstimme. für die Liedknnft Joh. Brahms' und Richard Trunks ei», wobei sie von Ruth Schlesinger am Flügel wirksam unterstützt wurde. Mit viel Geschmack und künstlerischem Einsühlnngsvermögen für die AtusiL des 18. Jahrhunderts spielte der Eellist Paul Blumenfeld, ein ehemaliges Mitglied des Brninier- Onartettö, eine Sonate von Benedetto Marccllo, Er Bereinigte sich mit Tr. W v n g t s ch o w s k i (Violine) und Ruth Schlesinger (Klavier) zct einer sorgfältig vorbereiteten Änsfühnmg von Beethovens ll-ckur-Trio op. N .Umrahmt waren die Darbietungen durch Duette Niendelssohn-VBrtholdys. Nob. Schumanns und Ernst Franks. Die zahlreichen Zuhörer schienen decn Reiz des intimen Konzerts Verständnis entgegcnzubringen und gaben ihrer Freude durch herzlichen Beifall Ausdruck. Ein Kammermusik-Konzert im Hause Wehl in Charlottenburg war ztun -Teil dem- Wirken eines jüngeren jüdischen Musikers gewidmet. Berthold Gold schm id t. für Freunde neuer Ainsik lein Fremder mehr, gehört zu bem Kreis von Künstlern, die seit Jahren um die Ausbildung eines neuzeitlichen Musikausdrucks bemüht sind. Ter Komponist läßt einen persönlichen Stil erkelmcm. Ties tritt besonders 'in semem zweiten Streichquartett, op. 26,. in die Erscheinung. Das neue Wer! zeigt starke geistige Arbeit, eine.reise Leistung des-dreißch'- ,jährigen Autors Das „Neue, Streichquartett" (W. Frey, H. P-rager,.N. Meyer und.H. Weil) 'trat mit. viel .Verständnis und Musikfreüdigkeitz sür das nicht leichte Stück ein. . Einleitend schilderte Dr.'Hans Nathan den Werdegang des Kompv»