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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-30 · 46 (30.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
46 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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2)57 ficUbctivcIcübc 'cljubifuS brS £iii:bc3* bcv.'öanbc3 Hejsen-'Nassan und vu’ijcn, D r. M a tz - dorss, lwt ciuL'u ilooeiblicf über die besondere Tätigkeit in seinem Bezirk. Ter Leiter der Versammlung. Hermann Ham. nl c r s ch lug' hub zum Schluß der Erwartung und Znversichr Ansdruck, das; unsere Gießcuer Freunde trosi der besonderen ivirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen sie jes:t zu arbeiten butten, den Blut nicht verlieren und dem EV ule der größten jüdischen Organisation, die sich für die Rechte aller deutschen Juden einsetze, die Treue bewahren würden. Traditioii-.-g-nnast. >vie seit fast drei Jahrzehnten. t"ud um Bußtag, dem r!2. R'ovember, in Essen eine erweiterte B'urjtaudssitzung des LandesveruunUe-> chcheuttinndudüei!nrleu sinkt. Tie starke Bereriigung aus alten Brüsken des Landesverbandes neue der deutlichste Beweis. das; die Träger der tululeu Arbeit an der Einheitlichkeit des praktischen 7 unu und der ideeiunäsügen Berknüpsuug auss purtiuinteressiert noaren. Tie Sitzuv.g leitete der Le.UiV -i-1'ruaiid..iwk'sit-.enda Tr. v> r o m b n d) (Essens, ‘Vv nu! ichmennnneien uns Ludcotg Tietr begann. Ter ...chndilnu des b'B. Tr. Atsred .Hirschberg, lpratt^ r'iber die Lug? und Arbeit des CB. wobei er die grvß.nl l!e!-ei siebten svrvolil als auch d.e Einzeisrageu eii.in inglich darstellte. Ter llndiun.' de-> Land! enereandeu. Tr. Plant, er« Itullele den ipez.ielleu vbnenäsi^berichl des LandesnU'undes. der fini u'ühreu.d der ereignisreichen '"Nute nls der plantsche und seelische Ttüb- ‘i\. rfn'iüiii'ii H'i'i'i’riiiijnii'ii Indentnms erul. Tie An-.-lpraebe sund uns dem an dieser ev.'vbnlen!>id-en Niveau statt. Tie wurde dureli den steNvertretenden L>orsitzendei! des Herz seid aas Ergebnis der Tagung >e einmütige Bertrunenstnndgebnng des erbundes süe die Bereinssührinig. die in üsignng iuv amtierenden Vorstandes und sonderen Tuntuindgebnng für den Landes- .syndiln-.' i!)U'n Au-.-drnck sund. ebe lieber!K>ci vbersdjtesische Inden hörten vom Tb-.mtag. dern Jo., bis Btentug. den 27. d. Bl.. B-rrt rage von T r. Alfred H i r s ch b e r g (Berlin) niser Idee und Arbeir des CB in dieser Zeit. Tie jüöijc.'wn Genieinden von Glciwitz, Hrud e u o n r und w e n i!s e kr rvureu zu den Versammlungen geladen, die für alle ortsausässiigeu Inden nnterjetiiedslos offen standen. Tie Bersuinmlnngen rouren ausnahmslos überfüllt. In E'leirvib, leitete der Vorsitzende, Sanitütsrat Tr. S ch l e s i n g e r, die Bersummlung mit einem RBci,rns uns Lndrvig Treu ein, uachdenr znvor die süseiruiüer dentsrti -tldisrlse Jugend mit ihrerr Fähnlein vor. dem tlü'dnerpodinm unsmarschiert kvar. In Hindenbiirg fand der Bortrug in der Synagoge statt. N'amens des Eemeiudevorstarrdes begrüßte küecyk-.-amvali S ch ä f e r die Erschienenen und den Redner. Tie Beuthener Bcrarrstaltrmg starrd mrter Leitung des Trtsgrnpilenvorsihenderi Felix Pin° so m c v. Tie Ausführungen des Redners, der die Wirllichleii, scharf rirrd itlnsiontzlos zeichnete, zngleich aber auch auf die Entwicklnngslinien hiuk'.nes. die zn einer inertvollcn A'engestaltnng unseres Lebens führen tonnten rnrd von starkem Optimismus erfüllt waren. fanden stürinisehe Znstimmnug. Arrr Sour,tag. dein 2N. Noveinber, vorurittagsr war unter Leitung des Landesverbandsvorsitzendeii, Instizrui Tr. Skalier, eine Fachbesprechnug vor geladenen Persönliehleiten aus dern obcrschlesischen Industriegebiet. Auch hier sprach Tr. Alfred Hirschberg und hatte Gelegenheit, in Referat und Schlußwort von fast zweistündiger Tauer ein Gesamtbild des Geschehens und des Wirkens iiu deutschen Judentum durch den CB zu geben, das die Versammlungsteilnehmer zu rückhaltloser Anerkennung für die Bcreinsarbeit veranlagte. Ann Montag, dem 27. November, nachmittag?, hielt Tr. Alfred Hirschberg mit den Führern der vberschles:scheu Jugend, die auch bei den Veranstaltungen in Glciwitz und Hiudenburg geschlossen aufiuarschicrt war und zu denen er jedesmal vor den allgemeinen Veranstaltungen einige Minuten sprach, eine Führersitzung ab. Hierbei unterrichtete er sie über die organyatorischen und praktischen Probleme der jüdischen Jugendarbeit in Deutschland und erhielt einen starken Eindruck von der unveränderten Treue gerade der jüngeren Generation zur Idee des (5. V. Auch die kleinsten Gemeinden werden von kmsercn Mitarbeitern besucht. Am Montag, dein 20. d. M., sprach auf einem Teeabend, der von dem Vertrauensmann. Herrn Adolf Strauß, ein« berufen war, vor den Angehörigen der kleinen Geruciuüe Gerbstedt, Provinz Sachsen, der SykidikuS des Landesverbandes Mitteldeutschland, Kurt Sabnhkh, üb^r das Thema: „Der C.V. und die Aufgaben der deutschen Judenhcit". Am Dienstag, dem 2l. Noveinber, sprach Kurt S a b a p k t) vor' der in der Synagoge versammelten Gemeinde in Eisleven unter Leitung des Ortsgruppen» und Geiueindevorsihenden Benno Gvldstcin, der in seinen abschließenden Worten ausdrücklich die tiefe Berbundenheit der Gemeindeangehörigen zum C. B. betonte. In der führenden katholischen Zeitschrift „Hochland" (01. Ialirg., 2. Heft) veröfsentlicht E r n st Ninger einen Aufsaß ßGeistestainPse im heutigen Judentum", der ebenso durch genaue Kenntnis ivie durch seinsiuniges Bersteheu der jüdischen Gegcnwartsfrageli ausgezeichnet ist und deshalb besondere Beachtung verdient, auch welin man ihm nicht m allem zn folgen verinag. Ter Berfasscr ge!,t von der Fesistelluikg ans, daß das Judentum eine Welt «in ^eneris sei, die man mir von innen heraus verstehen könne. Tie Zerstrennug unter deii anderen Völkern hält er für die zentrale Tatsache des Daseins der Jilden. Das zentrale Problem im Leben der heutigen Jndenheit erblickt er in der Synibiose mit der außerjüdischen Welt. Wir dürfen vielleicht daran erinnern, das; bereits in dein Aussaß „Ter reichsdeutsche Jiide im Dritten Reich" („G. B."Zeitung", 20. Jiiui 1003) die Symbiose als das jüdische Zcntralproblem bezeichnet wurde.) Tie jüdische Orthodoxie spielt nach Ringers Ansicht eine verhältnismäßig geringe Volles sie steht abseits. Ihr Antipode ist das Assimilantentum, dessen tragische Spannungen bei Friedrich Julius Stahl und Otto Weiningcr deutlich werden. Während das russische Judentum ein geistiges Reservoir nationaler Kultur bildet, leidet das sogenannte Reformjudcntnm an innerer Zwiespältigkeit. Das liberale Judentum faßte das Jnde-scin als entuationalisierte Konfession auf. Am tiefsten ist die ideelle?lußvühlung in den Kreisen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: hier glaubt Ringer eine gewisse-Annäherung an den Zionismus, anderseits aber auch eine Abgrenzung wahrnehmen zu können. Bon diesen Richtungen unierscheidet sich der Zionismus dadurch, daß er die Zerstreuung als eine Anormalität empfindet. Trvhdem ist auch der Zionismus keine einheitliche Erscheinung. Denn gerade er spiegelt den PiolynwrphiSmus (d. h. die Vielgestaltigkeit) des Judentums wieder. Schon Herzls politischer Zionismus uuterschied sich voll dem geistigen Zionismus Achad Haams. Heute crkeuut Jacob Klaßkin unter Preisgabe der Diaspora nur die Tatsache eines hebräischen Palästina als vollgültig an. Simon Dnbnow, der bedeutende Historiker und Publizist, vertritt chen Gedanken des ltlutonomismus: der nationalen Selbständigkeit der Jndcnhciten in der Diaspora. Jabotinsly predigt d'cn Rcvisionismns: die Rückkehr zum politkjchen Zionismus Herzlscher Prägung. Ringer nimmt schließlich das Vvrwaktcn einer synthetischen Richtung im Judentum an, die den Dualismus von Palästina und Diaspora m7-« nung stellt. Tenn die jüdische Geschichte kennt N Haupt schon seit dem Altertum die Koerisiem-^' Dualismus von Palästina und Diaspora. JUtmUxs IPmEttüÜi jsmß IPasUästlSaMe’WmFü: Ein Bericht der „Frankfurter Zeitung“ Zur Image dev lefta Unruhen in Palästina und des dahinterftehenden Arabcrprvblcms, über das wir bereits in der vorigen Nummer eineu Artikel unserer Palästina-Berichterstatter brachten, äußert sich die „Fraukstirter Zeitung" (Nr. 833/34 vom 26. November 1033) in einem interessanten und gut informierten Aussatz. Der Grundgedanke der Ausführungen ist die ZesUtellnug, daß das Gesamtprobleui der Bölrerbttndsmandate im vorderen Trient wieder stark zur Diskussion steht. England hat das Irak-Mandat ansgegeben, ähnliche Bestrebungen sind im französischen MandatZgebict Syrien sestzustcllen, und die letzten Unruhen in Palästina gehören in diesen; Zusammenhang hinein. Die Zorm des Mandats paßt nicht mehr recht für Länder, die so hochstehende führende Schichten der Einheimischen haben. Die arabische Presse hat ihre Forderungen formuliert: Beseitigung des Palästinamandats, Bereinigung Palästinas mit Transjordanien unter der Herrschaft des Emirs "Abdullah und Einsetzung einer gesetzgebenden Bersammluug mit weitgehenden Besugnissen. In den lvcitergchenden Forderungen ist man sich bei den Arabern nicht einig darüber, ob der Kamps gegen England oder gegen die Juden zu gehen habe. Die offizielle Propaganda, die den Unruhen voranging, erfolgte deutlich unter der Devise: „Kamps gegen die Engländer, nicht gegen die Juden."' Es wird mm die Frage untersucht, wie die Stellung der Engländer zn den arabischen Forderungen ist, und es wird getrennt die strategische und wirtschaftliche Bedeutung Palästinas für die Engländer Umrissen. Das strategische Interesse Englands an Palästina liegt in der Deckung der wichtigen Suezkanal-Position und in der Sicherung Haifas als Endpunkt der Erdölleitung. „ . . . Es liegt aus der Hund, daß England eine solche strategische Schlüsselstellung ersten Ranges, die heute für das Empire so wichtig ist, niemals verlassen wird, solange cs überhaupt noch als Weltreich existieren will. Aber gerade hierin liegt die Erklärung dafür, das; die Engländer sich in dieser Position um „Kleinigkeiten" scheinbar nicht sehr kümmern. Ihnerp liegt in der Hauptsache daran, die strategischen Pnnlte und Linien in der Hand zu behalten, also den Hasen von Haifa, die Eisenbahnen, ferner die große strategische Stellung, die in der Erdölleitung selbst bestellt (deutlich mit der Front nach Norden), und die in ihren acht Pumpstationen sehr bald Verteidignngspnnlto von hohem Wert besitzen wird. Was um diese Punkte und Linien herum vorgeht, ob dort arabische Großgrundbesitzer ihre Pächter in alter Feudalabhängigkeit halten oder ob jüdische Kolonisten Orangcnpflanznngen anlegen, das ist den Engländern, politisch betrachte! -zlich gleichgültig. ' Nicht gleichgültig ist cs ihnen jreili-' w t r t i clj a \ i I i d) c r H insi ch t. 'paläHu-! ist infolge der jüdischen Einwanderuna so ziemlich das einzige Land der Erde, dzJ Staatshaushalt echte Ueberschüsie in'cüjä relativ bedeutenden Umfange aAvirj!. ist heißt mit anderen vvorlen, daß b\t Jstest Einwanderung den Engländern die aden rissene strategische Position von höchstem Sfinanziert. Ohne die jüdische Eimvardcnnn hätte der englische Steuerzahler hteriüe hebliche Mittel auswenden müssen. ß> erzielt er hieraus Ueberschüsie — em ^1ungewöhnlicher Glücksznsall! ..." Aus dieser Situation erllärt sich die *V, tung dev Engländer, die yvav den wirtschsiu liehen Aufschwung Palästinas sehr gern schc.v auf der anderen Seite aber für die SicherrnI des politischen Friedens zn weitgehenden Zessionen an die politischen Forderungen b*: Araber bereit sind. Die neuen Maßnahmen gegen die jiidißI Eimvandernng erklären sich aus dieser Sitne.. tion. Es wird mit Recht hervorgehoben, dej cs sich hierbei nicht so inaner im Grunde die „Illegalität" der Eimvandernng dreht, h . ja Beduinen aus Transjordanien in belirbiger Zahl ganz offiziell ohne jede Paßkontrrilc einwandern können. „ ... Wer wird also durch die „illegalc" (;i> Wanderung geschädigt!! Es sind weder rcioschaftliche noch soziale Ziele, die durch ciua Erfolg des arabischen Kampfes gegen dichü. dische Eintvanderung erreicht werden würM. Es handelt sich bei den arabischen Grohzunebesitzern, die diesen Kamps sinansiercn, wirischastlicher Hinsicht wesentlich darum, w fortschreitende Disserenzierung des paläsiiec^ fischen Arbeitsmarktes durch die InKn verhindern, und so dem Fellachen und k auch fernerhin die Möglichkeit zu nchrsc, aus seiner faktischen 'Hörigkeit herarizs kommen. Es toird allmählich deutlich, ttz hierin auch ein Stück „Antickxuropäismesi liegt, das die Verbindung solcher grecmateriellen Atvtive mit der Ideologie de ■ politischen panarabischcn Bewegung hcrsicll: Gegenüber den Endzielen dieser Bttvegur; wird England ans den oben angcdciitcto Gründen wohl niemals nachgeben, aber i» Hinsicht ans jene rein niateriellen Äiiajl: des arabischen Großgrundbesitzes macht 0 Konzessionen. Hierin liegt die Erklärimg dafür, daß die Engländer zwar die Uinutza mit harter Hand Niederschlagen, nnmittcibn darauf aber ein Eingeljen ans die aradist: Eimvanderungsstündlichkeit zu erkennen >;c> geben haben. Jedenfalls tragen alle diese Hinstände dazu bei, die Ätandatc-verhältnissc um ter verschiedenen Gesichtspunkten zn übw prüfen." im Lattvcdver'bauvc (Hrost Berlin Des CcutraLvercins Der Bortrngsnbend, den Rteinhart Maur am vcrgnngeneii Bußtag im Logenhaus Berlin veranstalleie, hatte sich eines ungemein regen Zuspruches zn erfreuen. Unter dem Kennwort: „Das wahre Gesicht des Judentums im Spiegel seiner Dichtung und seiner Gedanken" durfte sich das Programm den weitesten Spielraum setzen: Aussprüche über die ehrwürdigste Quelle des Judentums, das Alte Testament, lvechseltcn mit Dichtungen von Inden wie Heinrich Heine, I. L. Pcrez, Stefan Ztvcig, mit stark betonten Selüstbekenntnissen eines Gabriel Nießer und Jakob Wassermann. Die Anstvahl eines solchen Programms wird immer in das subjektive Ermessen des Vortragenden selbst gestellt sein; .der Hörer mag dabei manches missen, was ihm wesentlich erscheint, und manches unwesentlich finden, was aus^ äußeren oder inneren Gründen in den Nahmen der Darbietungen eiubezogeu lvorden ist. So wurde P.var, gleich zu Beginn, als Kronzeuge für das Alte Testameutstnit vollem Recht Goethe eu.sgerufen, der, nach eigenem Geständnis, der Bibel fast seine ganze sittliche Bildung schuldete und dessen dichterisches Schassen immer wieder den Einfluß des „Buches aller Bücher' erkennen läßt; so konnte auch Friedrich Nietzsches gemeißelte Lobrede ans „Jenseits von Gut und Böse" in diesem Znsammenhaiige zitiert werden; aber an Stelle eines wenig bedeutsamen Zitates von Henry George, dem Vater von Lloyd George, hätte man gewiß lieber den Universalgeist Johann Gottfried Herder? vernommen, der in seiner „Aeliestcn ÜrLunde des Menschengeschlechts" den Schöpfungsbericht der Genesis wie ein begeisterter Rhapsode dichterisch verklärt hat.. Ter eigentliche biblische Teil des Programms brachte — neben dem „Lobgesang des Moses" — in Martin Bnbers prachtvoller Verdeutschung — u. a. auch das Hohelied. Auch hier lvird man zweifeln dürfen, ob dies unvergängliche Zeugnis einer glühenden Erotik, das durch kerne theologisch-symbolische Ausdeutung seines sinnlichen Glanzes zu entkleiden ist, ob dies, wie Goethe sagte, „Zarteste urid Unnachahmlichste, was uns von Ausdruck leidenschaftlicher, anmutiger Liebe zugekommen", für den VortragSsaal sich eignet und in einem größeren Publikum irgendwelche tiefere Resonanz finden kann. Anderseits hörte man gern die leuchtendprophetischen Klänge aus dem achten Bild von Stefan Zweigs „Jeremias", einem der fprachgewaltigsten modernen Biüeldramen, das zum ungeahnten Sinnbild unseres Judenschicksals geworden ist .. . Meinhart Maurs Vortragsknnst wurzelt, anders wie die Kunst seines großen jüdischen Antipoden Ludwig Hardt, im Pathetischen, im Bereich einer sch'tvstngvollen, dynamisch gesteigerten Rhetorik. Während Hardts Wirkungen sich ans den feinsten Schlvingungen eines sensiblen, kapriziösen, wie von einem Dämon getriebenen Naturells ergeben, ist Aianrs Stärke das Massive, das Unkompliziert-Wichtige, das Forte und Fortissimo. Dieser anscheinend unversiegbare Kräftestrom tritt allerdings niemals über seine User und schwillt, ivo er aus religiösen Quellen gespeist wird, zunr Heroismus einer glaubensstarken Uebcrzeugung oder — wie etwa bei den Donnerworten des Jesajas — zur mächtigei; Prophetie empor. Einer solchen Wesensart wird das Leise, Gestufte, Gedämpfte naturgemäß weniger angemessen sein; und auch der leuchtkräftige, in allen Farben schillernde Humor (die besondere Note Ludwig Hardts) liegt nicht auf der Linie eener Sprechkunst, die daS Erhabene und Erhobene bevorzugt. So erklärt es sich, daß der untergründig mystischhumoristische Ton in der kleinen Erzählung von Perez „Wenn nicht noch höher!", aber auch die zwischen echter Poesie kuid lächelndem Sarkasmus schwebende Melodie in Heinrich Heines „Iehuda bcn Halevy" nicht recht zum Klingen kam. Solche Beschränkungen konnten jedoch den starken Gesamtcindruck der Veranstaltung nicht beeinträchtigen, der durch ungewöhnliche Beifallsäußerungcn nachdrücklich bestätigt wurde. ]HL L. * Im „Liedcrkran z", NtonnsiAm, fand Meinhart Maur, der von 1910 bis 1918 dem Mannheimer Nationaltheater angehörte, sowohl mit seinen religiös tuic literarisch gerichteten Vorträgen so stürmischen Beifall, daß der Abend am nächsten Tage wiederholt werden mußte. K. 8. AWMWSLMNssÄ Kl t)S?fiH WNÄ ZM UeiC) ALWs ln BttM Das „Nc u c Qtvcidjquavtctr t)at einen ungewöhnlich raschen und großen Ausstieg hinter sich. Seine Abende stehen heute in der jüdischkulturellen Arbeit mit an erster Stelle. Das letzte Konzert zugunsten der Künstlerhilfe erreichte, als ganzes genommen, das Niveau international bekannter Quartette. Ein beängstigend voller Saal und eine enthusiasmierte Hörerschaft sind der Lohn für großes Können und eisernes Streben; dieses Streben äußert sich auch in der Programmwahl. Diesmal wagten sich die Herren Frey, Prager, Meyer uitd Weil an eins der letzten Beethovcn-Quartette, und sie haben die schwere Aufgabe betvältigt, abgesehen von gelegentlicher Verwischung der dynamischen Gegensätze, deren unvermittelt hartes Gogenübcrstehen gerade für Beethoven kennzeichnend ist. Die unerhört zartgliedrige. delikate Musik der Jtalienischon Serenade von Hugo Wolf kommt vorläufig noch ein wenig zu grob. Der vorangehende Teil brachte die Uraufführung des zweiten Streichguartetts^ von Berthold Goldschmidt, früherem Kapellmeister an der Städtischen Oper Charlottenburg. Für eine nrnsikgeschichtliche Einordnung fehlt unä noch der historische Abstand. Osfonbar steht das Work dom Kreis um Hindcnnth nahe. Originelle Einfälle werden in fimft» voll polyphonem Satze durchgesührt, belebt durch' o'mo überaus fesselnde Rhythmik. Tiefe ÄwL hat ihr eigenes Profil, ohne daß die NciiiN'tijRu bis zur Unverständlichkeit übersteigert wird. K'i d,cs Werk dieses jüdischen Ntusikers folgte judü'H -Musik, Paula Liudberg saug Lieder, die gcks tcnteils Janot Noskin und Hermann Weilst-'' arbeitet hatten. Am stärksten berührte das Hß tonlicd, wohl das erste Stück der jüdischen sioHlore m Palästina. Frau Lindberg besitzt den 2^ fall für ostjüdischc Tanzlieder nicht, dafür fomiv.: ihr großes weiches Altorgan tvundervoll in H tragencn Liedern zur Geltung. Die als Uuust führuug gebrachte schöne Vertonung dc-P d,- Psalms von Leo Lewy gehört meines Eraanou in die Synagoge, an die Stelle des Strcichni^ müßte dann die Orgel treten. Ludwig Altmanii- Jus ncMoutulctt im Kulturbund Im Nühmm der KammcrinusiMbcute E tnrbnndes spielte arn 25. November zum ernst lUialc das Nostalguartett. Tie Vereinigung - stehend aus den Herren R o ft a l. I n t r astst (Violine). Steuer (Viola) und Frau Trau (Eello) — begann mit Haydns Roiterquov tett. Hier wie überall war die überragende Gs tclligenz des Primgeigers spürbar, dpn ch Schmung zu danken ist, der die große Liiue d!cx^ klassisch ebenmäßigen Form wahrte, vyuc da>; o wienerische Süßigkeit einzelner Partie» z» stst kam. Nnr wurden manche dynamische LcZstst nnngen und Wiederholungszeichen eigenwillig überspielt. Höher noch stand dienst Vergabe des k'-ciur-Quartetts von Dvorak, stsst seltsame Ntischung von böhmischer Musikanyst seligkeik und Negermclvdik — der Kompouw u simd sich zur Zeit der Komposttion in Aincnlast" wurde mit einem aufpeitscheudeu Rhythmus ust bravoureuscu Elan gespielt, für die der stürmuch Beifall des Publikums das richtige Echo war. pst muß der Collistirn gedacht werden, die dre st/ norm hohe Lage ihrer Stimme einwaudsrci st stcrte. Außerdem brachten die Künstler est Ouartcttsatz aus dem Nachlaß Lchaberts, st kommene Abwechslung boten Eesangsvortrage st Max M a n 8 f e l d. Es zeugt von einer besilistklugen und vorsichtigen Stinnnbehandlung. Gf der Sänger großen Erfolg erzielen konnte, er offensichtlich mit einer Indisposition ZU stM scn hatte. Das ausgesprochen hell tenorale -r,uno

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