Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 45 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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('Mss MffMNSNL NNÄ LMSWMSGTSPh i)§N MVchs E m Lee ewmge***?Cnnm wir im folgenden innere Vorgänge der rn'uliiiv'n evangelischen ititcljc zur .Ucnntniö unserer ,2cirr Dringen, jo seien zwei Feststellungen voran- ,,eslellt: Einmal, das; damit unserseits keiiierlei ann.nischimg oder Etellimgnahme beabsichtigt, und ,,um andern, das; die grimdsatzliche Ablehnung des 'NtNsionsgedanlenS seitens der jüdischen Religion und der jüdischen Gemeinschaft gegenüber den anderen Religionen unverändert geblieben ist. Lediglich die von maßgeblicher evangelischer Seite ausgesprochene Anerkennung auch unserer Heiligen -' chrisl erfüllt un8 mit Befriedigung. Am 13. R'oveml>er sand im Berliner Sportpalast i'-'ne .Kundgebung der Glanbensbewegung Deutsche -gristen statt, über deren wesentlichste Ergebnisse nnr in der vorwöchigen Nummer unseres Blatte» uerichteten. In den sechs Richtlinien, die auf Antrag des Berliner Gauleiters der Deutschen Ebrislen angenommen wurden, hieß es (Ziffer 3 bis b): „Wir cvi’oavten von unserer Landeskirche, daß sie den Ariervar'narai>l>cn — entsprechend dem von der (generalsvnvde beschlossenen Kirchcngcsetz — schleunigst mib ohne Abschlvächung dnrchsührt, das! sie darüber tzinau5 alle sremdblülinen evangelischen Clnislen in besondere Geweiiiden ihrer "vu i znlarnmenßchl und für die Begründung einer judeiulnisllichcn ,Uiveüo sorgt. ILrUe emuu'u'n, baß unsere LandeLNrche als eine deutsche Bvltekiredc sieh sreiinaeht von allem ltndenlsehen in Gottesdienst und BelenulniZ, in?« besondere vom Alten Testament und seiner jüdiieyen Lohmuoral. ngir sordern, das; eine deutsehe AoIElirche ernst nmelit mit der Veriündung der von aller oricnralischen (5ntstcllung gcreinigten, sehlichlen Frohbotsehast und eine heldische Iesuegeslalt als Grundiage eines arlgemänen b'brlsleniumch in dem NN oie Slellc der zerbrochenen Knecytsftele der stolze chtensch tritt, der sich als GvtteKind dem Gv!tlieheii in siu) und in seinem Volke verpflichtet lülnt." ihmnücUm' nach Bekanntlverden dieser GntfcijüYf;:!!io hat der Rst'ichSbischos dem Evangelischen ch-rejiediensl oiiv Erllärung übergeben, die erst nach RstHaluonsschluß unseres Blattes eintras und die lvir dc-uvegen nuferer Veröffentlichung über die SHorlpalastcnlschlst'ßnngen nicht anfügen sonnten. In chr heißt es n. an „Aus der .Kundgebung de? Gaue? Groß-Berlin oer ie.lanbeiiSbeNn'gnng Tenisclie Clirisleu hat der --nbrer diese? Gaues eine Rede gelialten und eine n.gluießuug durchgesellt, die nüt vteeig in weilen .-reuen unserer .Kirelie tiessle Veuurnliigung und 'Erregung bervorgernseu hat... Ich spreche hier . -> der für die Wahrung des VetenntmjstS vor >'chNi veranllovrlljche geisllielie Führer der .Uivc’oo und meude mieij deshalb gegen die Angrisse auf die „.ndstunz unserer evangelischen Kirche. In der Rede Ast in einer unerhört agitalorischen bsteste gegen das Alte Testament gesprochen und sogar das Rene Tesrament einer kirchlich uuuioglicheu -ürilit nnlerzogen worden. Tas hedeutet nieh'.L anderes als die Ausliebung der Bibel, als nee einzigen und unverrüeioaren Grundlage der . Es sind weiter Anschauungen vorgetragen -.".den, die einer Ablebnnng der resormatvrischen reu von der Reehtseciigung allein aus dein ".:anbcn gleichtommen, und durch die ein nationaunisches Iesnvbild au8 den längst verklungenen Tagen des Liberalismus lvieder hervorgeholt wird. <^-7 Kü sogar, was idi kaum fiir möglich halten kann, .a. . ihr abgelclmt lvorden sein. Hierzu erlläre ich: Solche Ansehannngen und Forderungen sind nicliis anderes alö ein unerlräg- - jener Angriff auf das Bekenntnis der Kirche. Solchen uz.'in lehnt die Leitung und Führung der Deutselien v-vangeljschen Airehe mit aller Schärfe ab, wie ich .ibcrzeugc bin, daß auch die lebendigen Glieder U'.i'erer «Gemeinden ml! solchem Geist nichls ZU tun l'aoon N'oilen. Ich werde nie und nimmer zulassen, daN derartige Jrrlchren sich in der evangelischen y..,e breiiiiuäjni." Unmiuelbar daran anschließend, meldet der Evangelische Pressedienst" unter dem 17. November ul ne weitere Vcrsügnng des Reichsbischoss, die beginnt: _,,X ie deutsche evangelische Kirche, verfassnngsmästig geeint, must aus den Wirren der Gegenlvnrt der inneren Einigung enischlossen zngesührt werden. Das kann mir von Bibel und Bekenntnis her geschehen, Deshalb erwarte und verlange ich: 1. Daß alle tirchlichen Vereine und Organisationen il>re Mitglieder ansdrüGlicb ans die Heilige Sehrist und das Bekenntnis ihrer Kirche verpflichten." I'.n Zusammenhang damit hat der Evangelische Obertirchenrat den Studienassessor Dr. Krause mit sofortiger Wirkung von seinen sämtlichen Aemtern suspendiert. Gleichzeitig veröffentlicht der stkeichsleiter der Glaubensbcnvegnng Deutsehe Christen, Bischof H v s s e n f e l d e r, ein an Dr. Krause gerichletes Schreiben, in dein c3 heißt.' „Nachdem der Herr RestlObischos Sie von Ihren .uiveijeuäuilcrn suspendiert hat, enlvinde ich Sie hiermit Ihres Amies als Ganobmann der Glaubens» belvegung „Deutsche Christen", Gan Groß-Berlin, und ersuche^ Sic, die Gangeschäsle umgehend dem Parteigenossen Pfarrer Tausch zu übergeben, den ich mit der Führung des ozaneL Groß-Berlin der Glaubeusbewcguug „Deutsche Christen" vom heutigen Tage betraut habe." Der Pressedienst der „Deutschest Christen' sägt hinzu: „Dadurch hat der Reichsterler mit aller ■ Schärfe gezeigt, das; die Glaubensbcwcguna „Deutsche Christen" mst voller Klarheii für ein positives, artgemäßes, deutsches Christentum cinlritt und ein Hineintragen liberallstischer Begriffe und Anschauungen in die Kirche, auch tvenn es in zeitgemäßer Maske geschieht, als arlsremd ab lehnt. Cs ist gewiß, daß diese kompromißlose und entschiedene Haltung des Rcichsleiterö wesentlich zur weiteren inneren Festigung der Glaubeusbelveguna beitragen wird." Ferner beschloß daS Geistliche Ministerium mit 10. November einstimmig ein Gesetz, dessen § 1 lautet: „Bis zum Erlaß eines Deulschen Gvangclisthen Kirchengesetzes über die tlieehlsverhällnisse der Geistlichen und der Beamten der allgemeinen kirchlichen Verwaltung bleibt die Durchsührnng dcr von den Deutschen Cvangelischen Landestirclicn über den gleichen Gegenstand seit dem 1. Januar 1933 ergangenen Gesetze anSgcseßi." Damit ist der Arierparagraph für Geistliche null Kirchenbmmte bi§ auf iveiteres ansgcsctst Die allgemeine deutsche Presse der letzten Woche hat diesen Borgnugen die stärkstes Ceho Hervorriesen, die Ausmerksainnleit gelvidmet, die diesem geistigen und kirchengesehiehlliehen Ereignisse entsprach. Ter größeren Oefsenltichkeit loeniger belamlt ist. daß zuvor bedelitnngsvvlie theoretische Erörterungen zwischen den theologischen Fakultäten insbesondere in Ätarburg und m Erlangen erfolgt waren, deren Inhalt und Ergebnis wir nach einer sehr instruktiven Darstellung der „Bossischcn Zeitung" vom 18. November wiedergeben: Das Gutachten der Marbnrger Fakultät gibt ans die Ariersrage etwa folgende Antlvort: Den nichtarischen Airchengliedern die Amtssähigteit abspreehen, beißt, sie zu Gliedern minderen Rechtes und minderer Würde machen. Die Glieder der Kirche sind untereinander Bcüder. Der Begriss boS Bruders schließt aber eine RechtSnugleichheit ans. kiluch sie in einer besonderen jndenchristliehen Kirche zu sammeln, bedeutet nichls andere? als eine Betonung diese? Unterschiedes. Die christliche Kirrste , kennt nur die innere Gliederung nach Konfessionen r.nd die äußere nach Bollern und Ländern: lel'.lereS ober nur ans spraehlicsten und politisch-rechtlichen Gründen. Auch hier ist die Grenze nicht scst.arf gezogen, wie z. B. das Hinüberreiehen der deutschen Kirclien in die vsilüsten Nachbarländer zeigt, . Tie Kirche kann den in ihrem Bereich lebenden Juden, der sieh bekehrt und taufen läßt, nicht mehr alZ Inden ansehen, sie iennt leinen anderen Cchcidungögrnnd als den Unglauben oder die Irrlehre. Das Acorburger Gutachten stellt dann wetterhin fest, daß das Nene Testament für die. anstliehe Betätigung in der cstemeinde niemals den Gesichtsvnnlt der SehöpfnngSordnnngen, loie Rasse, Volk, Familie, ausstellt. Das Erlanger Gutachten kommt von entgegen-: gesetzter und zu gegenteiliger Anschauung. Es legt seiner theologischen Beurteilung zwei Gesichtspunkte zugrunde. Zunächst die These, daß in Christus alten Menschen geholfen werden soll, das; c8 also vor Gott seinen Unterscliied zwischen Juden, und Nichljuden gibt. Dann jedoch den anderen Gesichtspunkt, daß die äußere Ordnung der christlichen ,Kirchen nach resormalorischer Lehre auch der historisch-völkischen Gliederung der christlichen Blenschen zu entsprechen hat. Die allen Christen gemeinsame Gotleskindscliast, so konnte man die Grundgedanken des Erlanger Gutachtens zusammensassen, hebt die biologischen Ilnierschiede nicht ans. . Die Kirchen der Resorinntion haben immer die nationalen Eigentümlichkeiten nicht nur geschont, sondern gepflegt. Von dein Zeitpunkt an, wo eine Ptissionslirche in die feste Ordnung einer Volkstirebe hineinwächst, muß die schieksalhast .zu bejahende völkische Giiederimg auch bei der Zulassung zu den kirchlichen Aemtern Geltung bekommen. Denn die Träger de» Amies sollen auch in ihrer irdischen Existenz ihrer Gemeinde eng verbunden sein: dazu gehört die Zugehörigkeit zum gleichen Voltstcnn Inwieweit dieser ' Gesichtspunkt auch gegenüber den unter un§ wohnenden Ehristen jüdisclier Abstaininnng anzuwenden ist, hangt von der Antlvort aus die Frage ab, ob die in Teulschland ansässigen Juden als ein Gastvolk eigenen Volkstums oder als bem deutschen Volke zugehörig zu betrachten sind. Diese Frage jedoch kann die .Kirche als solche nicht entscheiden Tenn die Frage ist biologisch-geschichtlicher Art und kann nur von den; Volk her beantwortet werden. DaS geschieht heute eindeutig in der Weise, daß das deutsche Volk die Juden in seiner Bütte als sremdvöllisch empsindet. Die staatlichen Btaßnahmen tragen diesem Empfinden Rechnung. Die Kirche hat sie anzcierkeuncn. Die Aersiiznilgeil und Gesetze des Reichsbischoss und de» Kirchc'nm!nisterimn3 haben den Gutachterstreit der Fakultäten biL ans weiteres praktisch bedeutungSloZ gemacht. LMZM §Nßhl§V Wl§C M & O- (a>' U-n Sic l'A'anrrtestcn Zii-iLc Martin LutherS, irr dencrr er sici) secuudlich «Oec die Irrdcn ar.stert — da?; auch, eine ganze Pin zahl schar? aOiCijucsibei' 'Aeu?;er»rn-,zcrr vorlicgen, ist Ockanttt — sind Vic solgendcnr „Es sind aber die Juden deS Geblütes l) alb er die Edelsten auf Erden, und so man eine edle Geburt malen wollte, so müßte man die'Juden nehmen." „Wir haben das Volk dcr Juden lieb, es hat sürtresfliche Männer gehabt." (Tischreden.) In seiner Schrift: „Daß Jesus Christus ehn geborener Jude seh" (Wittenberg 1523) schreibt er: . „Unsere Narren . . . die groben E,c!3 . . . haben bisher alw mit den Juden verfahren, daß wer ein g u t e r C h wi st gewesen, bätte wohl mögen ein Jude werd e n. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre, und hätte solche Tölpel und Knebel den Ebristenglauben regieren und lehren gesehen, so -wäre ich e h e r e i n e S a u geworden a l 2 e r n C h r r ft. Denn sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Atenschen. . . Darum wäre meine Litt und mein Nat, das; man säuberlich mit ihnen umgehe und aus dcr Schrift sie unterrichtet. Will man ihnen helfen, so muß man christlich er Liebe Gesetz an ihnen üben, sie freundlich annehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursache und Raum gewinnen, bei uns und um uns zu sein." In den Ansprachen an die Natsherren aller Stände deutschen Landes, daß sie christliche Schulen auf richten und halten sollen, heißt eS: .,So lieb nun das Evangelium uns ist, so fest laßt unS an den Sprachen halten. Denn Gott hat feine Schrift nicht umsonst nur in diesen beiden Sprachen, das Alte Testament in hebräischer, das Neue in griechischer. schreiben lauen. Die Sprachen nun, die Gott nicht verachtet, sondern vor allen anderen für sein Wort erwählt hat, die sollen auch wir vor allen anderen ehren. Denn St. Paulus rühmt das als eine besondere Ehre und einen besonderen Vorzug der hebräischen Sprache, daß darin Gottes Wort gegeben ist . . . Ebenso darf auch die griechische Sprache wohl heilig heißen, weil sie vor anderen dazu erwählt worden ist, daß daS Nene Testament in ihr geschrieben ward ktnd ans ihr wie aus einem Brunnen durchs Dolmetschen in andere Sprachen geflossen ist und sie auch geheiligt hat., / KMSTÄmMg der MhlMrZt- ■ VetziMNemg hm &en . Für alle mit den OrtZkrankenkassen arbeitenden , Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist folgende Neuregelung von Interesse. Die zahnärztliche Behandlung erfolgte bisher in Groß-Berlin bei einer großen Anzahl von Allgemeinen Ortskrankenkassen (Eharlottcuburg,. Lichterfelde, Mariendorf. Schöneberg-Friedcnan, Steglitz, Tempelhos. Wilmersdorf, Zehlendorf) ausschließlich durch sogenannte Zahnkliniken. Andere Kassen dieser Art — wie die große Berliner Allgemeine OrtSkrankenkasse. Neukölln nsw. — hatten nur eine beschränkte Anzahl von Zahnärzten und Zahntechnikern (Dentisten) zugelassen. Im Zuge einer Nenordming der Beziehungen zwischen Zahnärzten und Knmlenlcissen (Bervrdmuig über die Kassenärzitiche Bereinigung Deutschlands vom 27. J>:li IßM, NeichSgcfetzblatt! ‘ vom 28, Juli 1983. Seite ü-!0, und Verordnung über die Znlassnng von Zahnärzten und Zahntechnikern zur Tätigkeit bei den .Krankenkassen vom 27. Juli 1933, ReichSgesetzblatt I vom 28. Juli 1933, Seite 541) ist mmmehr auch in Berlin eine der Freien Arztwahl ähnliche Regelung erfolgt. Statt der bisherigen Zersplitterung, die cs jeder K'asse sreistcllte, in welcher Form sie sich ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Zahnlrankheiten u. dgl. entledigte, ist mmmehr eine Entiviellung cingeleitet, welche klarere Verhältnisse schasst. Die zahlreichen zahnärztlichen Eigenbetriebe (Zahnkliniken) in Groß-Berlin werden der Auslösung zugeführt. Ten „Zahnärztlichen Ncitteilnngen" zufolge ist ab 1. November d. I. die gesamte zahnärztliche Versorgung der „Allgemeinen Ortstrankenlasse Berlin" mtd aller übrigen, oben nnr z. T. aufgesührten, Ortslrankcnlassen an die „Kasseuzahnärziliche Bereinigung Tetitschlands, Aezirlsslelle Berlin" übergegangcn. Alle dieser Vereinigung angcschlossenen, d. h. auch alle im Besitz der Krankcnkasscntätigkeit verbliebenen nichtarischen Zahnärzte sind berechtigt und verpflichtet, die Berstchertcn und Famlienvcrsicherten dieser Krankenkassen zu behandeln. Das gleiche gilt für diejenigen Zahntechniker (Dentisten), die im Register beim Qberversichernngsamt Berlin -geführt werden. — Die gleiche Regelung ist für alle Groß- Berliner I n n u n g s k a f s e n (Friseure, Bäcker, Konditoren usw.) ebenfalls erfolgt. Hier gilt genau das für die Ortskrankenkassen Gesagte. VT«hMm Die Verhandlungen zwischen Dr. Ehaim Weizmann, dem Präsidenten der Jeivish Agency, des HilsswerlS für deutsche Jliden in Palästina, und dem vom Völkerbund eingesetzten -Oberkommissar für Emigrantenwescn, James AiacDonald, sind znm Abschluß gelangt. Ter Oberlommissar hat erklärt, gegen den Wunsch der Londoner Hilsskonferenz, daß in den ihm beigcgebenen Verwaltungsrat des Hilfswerls acht Vertreter der jüdischen Organisationen berufen werden, keine Einwendungen machen zu wollen Auch erklärte sich High Commissioner AtacTonald bereit, mit allen von der Londoner Konferenz designierten Hilfsorganisationen Ziisammeuznarbeiten. Jll Genfer Kreisen ist man der Ansicht, daß auch ans der Mitte des Ende November in Lausanne zusammentretenden Verwaltungsrats des Genfer Hilfswerls gegen die Hinzuziehung von acht jüdischen Vertretern kein Einspruch erhoben werden wird, so daß die Berufung der von der Londoner Hilsskonferenz für diese Ausgabe bestimmten Vertreter der großen jüdischen Organisationen als gesichert gelten kann. Inzwischen ist MacTotiald nach Paris und London abgercist, um die zur Vorbereitung und Durchführung des Emigrantenhilswerks notwendigen Besprechungen mit den maßgebenden Regierungsstellen abznhalten Soviel bisher bekmmt wurde, besteht sein Programm in großen Zügen darin, mit Hilfe bestimmter jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten, aus die der High Eommissioner rechnen zu können glaubt, und in Zusammenarbeit mit den jüdischen Organisationen, die an der Londoner Konferenz teilgenommen haben, große Mittel für die Organisierung der Aktionen zur Wiedereingliederung der ans Deutschland Ausgewanderten in den Produktionsprozeß aufzubringen und auf eine Reihe von Staaten in der Richtung einzuwirken, daß sie eine bestimmte Zahl von Emigranten aufnehmen und ihnen Erwerbsmöglichleiten geben. Gehelmrai Drsseffgr Sr. LlMMkhÄ liest 1» SelM- Der ehemalige Leiter des Krebsforschnngslnstituts an der Berliner Charitä. Professor Dr. Fcrdiuand Blumenthal, der als außerordentlicher Prosesior an die Belgrader Universität berufen wurde, hielt im PHYsiologisch.Histologischc'N Institut der Belgrader medizinischen Fakultät seine Antrittsvorlesung über seine Untersuchungen der Krebserkrankungcn. In einer kurzen Einleitungsansprache dankte er der jugoslawischen Regierung und der Belgrader Universität, daß sie ihm ermöglicht haben, seine wissenschaftlichen Forschungen über die Krebskrankheit fortzusetzen. Der Vorlesung wohnte auch ein Vertreter der deutschen Gesandtschaft bei. r. <M,5 <s g t* C 7 > i'' s** < r' '7 mz VriefwechseL W DaS Novembsrheft 1933 der Zeitschrift „Der deutsche Student", 'die kürzlich zu^ „amtlichen Organ dcr deutschen Studenten, schafi" Lestiimnt worden ist, verössentlicht unter der Ueverschrist „Juden und Bantu- Neger" folgende Notiz: „Um dw Niitte des Monats Oktober ging dem Auslandsamt der TSt ein offizielles Schreiben . eines südafrikanischen studentischen Verbandes, der NUSA2, zu mit folgendem Inhalt: ,Sehr geehrte Herren! Ich bin damit beauftragt, Sie darüber zu informieren, daß aus dem Jahrestressen des NaLS der NUSAS, das am 30. Juni 19^ stattsand, die folgende Entschließung gestR wurde: Ter Rat der NUSAS drückt sein Be. dauern über die Entlassung von UniversitälK lehrkörpern und über die Behandlung ftüdentischer Minderheiten aus rassischen Gründen alis, da dieses im Gegensatz zu der „nie., delnischen Freiheit" steht, die man sonst mit Uiüversitätseinrichtungen verbindet. Ihr gez. Lewin, Reiseselretär.' Das AnSlandsamt der Deutschen Studentenschast erwiderte daraus in ihrem Schreiben pvin 10. Oktober d. I.: .Sehr geehrte Herren! Hiermit bestätige ich Ihnen dalilend den Eingang Ihres Schreibens vom 18. Sep:c:nber 1933, das Sie an den Deutschen ARdcmischen Anstauschdienst richteten. Ta der Deutsche Akademische Anstauschdienst sür die von Ihnen mitgeteilten Tinge nicht zuständig ist. leitete er den Brief an die TSi weiter. Im Austrage der DSt gestatte ich mir. Ihnen zu dem Briese folgendes initznteilem Aist tiefstem Bedauern hat die TSt scstgcstellt, daß die RUWArglaubte, zu innerpolitilchen detitschen Vorgängen Stellung nehmen zu müssen. Insbesondere glaub! sie sich mit der Frage der Behandlung der Inden anscinandersetzen zu müssen. Diese Aliseinandersetzung ist zweifelsohne, wie der von Ihnen übermittelte Beschluß beweist, ohne Kenntnis der sachlichen Vorgänge, besonders der Gesetze, die sich mit dieser Frage befassen, geschehen. Vor allem halten _roir es für abwegig, daß sich die NllTAS in iimerpolitische deutsche Vorgänge einmischt, genau so wie lvir es sür abwegig halten, wenn sich die TSt etwa mit dcr Frage der Zulassung der Vantnneger zmn Studium in Südasrnka befassen würde. Obwohl hier die Verhältnisse durchaus Grund zu berechtigter Kritik geben, haben wir cs keineswegs für unsere Aufgabe gehalten, uns mit diesen Dingen auseinanderzusetzen; um so mehr bedauern wir. daß die NUSA2 glaubte, sich in die Angelegenheiten dcr D<-t mischen zu müssen.' Das dürfte klar genug gewesen sein/ Ob das Problem der deutsch-jüdischen Akademiker den südafrikanischen Studenten durch die Parallele mit den Bantuncgern klarer geworden ist, erscheint sehr zweifelhaft. Wie weit der betreffenden Studentenorganisation das deutsch-jüdische Problem und die einschlägigen Gesetze und Verordnungen bekannt sind, wissen wir nicht. Sicherlich ist ihnen, wie aller Welt, aber bekannt, daß deutsche Gelehrte jüdiscben Glaubens seit mehr als einem Jahrhundert innerhalb der deutschen Wissenschast Wertvolles geleistet und zu ihrem Ruhm Leigetragen haben. Uebrigens unterliegen farbige Studenten, die eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, keinerlei besonderer Ansnahmebehandlung an den deutschen Hochschulen. _ W. R. Amtögcrichtörat a. 23 Dr. Gruft NechniP Berwaltungsdireltor der ^ynagogengemeinde in Breslau und Schriftleiter des „Breslauer Jüdisehen Gemeindeblatts", sowie der Handlungsgehilfe Albert Rosenthal wurden von dem Breslauer ^ondergericht wegen eines von Rosenthal im Juli dieses Jahres im „Breslauer Jüdischen Ge> meindeblatt" veröffentlichten Aussatzes „Ich suche meine Brüder" zu 15 Btonaten Gefängnis verurteilt. Die seit dem 12. Oktober erlittene Untersuchungshaft wird auf die GefÜngnissLrafe angerechnet, die Schutzhaft dagegen, die die Angeklagten seit Ende Juli im Konzentrationslager verbracht haben, konnte nicht auf die Straft am gerechnet werden. LanSßsveriiand Hessen-Hassau und Kessen Justizrat Tr. Julius Brodnitz, Vcrlin, spricht Sonntag, dcn 2(S. November, abenbS S'A llhr: Gemeindeversammlung in Gießen in der Synagoge, Lonystraße 4, über „Neue Zeit, neue Aufgaben". Justizrat Dr. Julius Brodnitz (Berlin) und Rechtsanwalt Dr. Rudolf GaUtnann (Köln) sprechen am Morckag, den 27. November, abends S1A llhr, in einer Ntitgliederversammlung in Frankfurt a. M.. „Frankfurt-Loge". Eschersheimer Landstraße 27, über „Nftue Zeit, neue Aufgaben. LaiidGsvBrtaiid Btartiiesien - Syndikus Dr. Alfred Hirschberg (Berlin) spricht am: Sonnabend, den 23. November, abendS SA Uhr. in Gleiwitz im Blüthnersaal (Stadtgarten). Klosterstr. 1. sLonntag, den 28. November, abends 8 llhr, in H i n d e n b u c g in der Synagoge (Veranstaltung der Synagogen gemeinde), Montag, den 27. November, abends 8A llhr, in Beuthen O.-S. im Saal des Hotels ,Mi,erhos". Bahnhosstraße.