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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-16 · 44 (16.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
44 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Nr*44 VäoVoiLi'öüÜiULlLjv j 2. Beilage VSVsOWMWWgM öS. Berttn s?ün 8. November fand im „Hackeschen hvs" eine sJJtLI(31 icbcvucr}auiinIuin^ der itiiibiid cn, östlichen und südlichen.Ortsgruppen fc* LaudcSverbaudcs G r v s; -Berlin des b' B. statt. Der Saal konnte die Menge der erschienenen Mitglieder famu fassen. Professor I. F r i e d! a e n d e r, der Vorphcnbc der Ortsgruppe N orden, gedachte ach Leiter der Versammlung in bewegten chlorten des Heimgegangenen Dr. Ludwig Tiep, der es wie lein zweiter verstanden Habe, die Jugend um sich zu scharen und der sig) im Dienste des (DB. und des gesamten chide»!nws aufgericben habe. Dr. Fritz st> o l d s ch m i d t hob in seinem Referat ,Dchiclsalsgeun'inseliast" hervor, das; eS eine mwcitliche' jüdische Weltanschauung nicht ^rbe, das; nichts verfehlter fei, altz die bejchienden rveltanfcharilichen Gegensätze innerhall, des Judentums zu Ver>vischeu. Die Krimdhaltung dcS (5. B., die Treue zu den chidc» Wurzeln unseres Seins, zu Deutschtum und Judentum, sei unverändert. Der C. V. Icijnc es aber ab, die innersten heiligsten Eesüijlc ctroa zmn Gegenstand der Anmeldung chm Vorrechten gegenüber anderen Glanbensge»ossen int Vaterland zu machen. Wir imifjtni m;S bcrvrtßt bleiben, das; alle deutsche» Juden heute eine Schicksalsgemeinschaft bilde» lind das; der E.V., die grüßte jüdische! QWiirsativu Deutschlands, die Aufgabe habe, für die b r i st e n z s t ch c r n n g der deutschen Jude» eiuzutreten. Der Vortragende berichtete über die praktische Arbeit und schloß mit dem vrrrweis daraus, das; heute alle Kräfte cingcsctzl lverden müßten, nur innerhalb deS Rahmens der Gesetzgebung die Rechte der deutschen Inden zu wahren. Auch dieMigltederversainmlung der Ortsgruppe E h a r l o t t e n b u r g a;n 9. November, die Dr. Fritz G o l d s ch m i d t leitete, wies einen so starken Besuch auf, daß ein größerer Sml genommen lverden mußte. Dr. Hans R e i ch m a n n , der Syndikus des Gentralvereirrs, gab ein anschauliches Bild von der mnfassenden Tätigkeit des G. V. und betonte die imveränderte weltanschauliche Grundhaltung, wenn sich auch die tägliche Arbeit »ach den Erfordernissen der Zeit richten müsse, tz'r wies darauf hin, welches Vertrauen gerade unsere Freunde im Reich in unsere Arbeit setzten, und wie vielfältig die Gebiete seien, aus denen unsere Tätigkeit in Anspruch genommen werde. Er wandte sich gegen alle Mibedachteu Nengrüudrmgen, die nur zur Zersplitterung der Arbeit führten. In einer überfüllten Versammlung der trtsgrnppen - S ch ö n e b e r g und Wilmersdorf, die am 13. November in; Berliner Logenhalis in der Kleiststraße stattfand.' sprachen der Vorsitzende des E. B., Justizrat Dr. B r o d n i tz, lind der Syndikus des E. V., ^r. Alfred H i r s ch b e r g, über „Unsere Lage und unsere Arbeit". Einleitend gedachte der Vorsitzende der Ortsgruppe Schömberg, Dr. S t o i n h a r - tor, des unersetzlichen Verlustes, den das dcnitsche Judeutum und der Eentralverein durch das Ableben von Ludwig T i etz erlitten haben. Tie Versammlung selbst stand unter Leitung von Sanitätsrat Dr. Caro, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Wilmersdorf. Instizrat Dr. Brodnitz stellte die Lage des deutschen Judentums dar; die Arbeit des E. D. mtb die Idee dcS E. V. hätten eine Ernenerilng iu ihrer alten, unvcrrückten Zielsetzung erfahren. Ter C.V. lehne eS ab, sich mit Anschauungen zu identifizieren, rvie sie von Splitterbewegnnaen im deutschen Jrrdentnm vertreten lvürden, weil er die Aufgaben der Zeit, nur durch ein starkes und in der Arbeit einheitliches deutsches Judentum bewältigen zu können glaubt. Ter E. V. stehe deshalb hinter der Idee lind der Arbeit der Reichsvertrctniig. Die Ausführungen, die wiederholt von Beifall unterbrochen wurden, klangen in dem Gedanken ans. daß nichts rintcwgehe, was seinem Wert und Wesen nach nicht untergeben dürfe, und daß deswegen das deiltsche Jlidcntnm nicht zugrunde gehen werde. Dr. Alfred H i r s ch b e r g illustrierte die AllSsührnngen von Jnstizrat Dr. Brodnitz durch die Darstellung der tragenden Gesichtspunkte, nach denen sich die mühevolle Kleinarbeit des E. B. richte, und schilderte die Arbeit selbst, die der E. V.. ohne eine Minute in seiner Arbeit auszusetzen, in den letzten nenn Monaten verrichtet habe für die Gegenwart und die Zukunft des deutschen Judentums» MittSlÄSUZschlcrud, Der Landesverband Mitteldeutschland des GentralvereinS hat in letzter Zeit eine eifrige Vortragstätigkeit entfaltet. Weit über hundert Städte des Landesverbandes wurden besucht. Unter anderem sprach am Dienstag, 7. November, der Syndikus Dr. Hans R e i ch m a n n (Berlin) im überfüllten Saale des jüdischen Jugendheimes zu den Mitgliedern der Ortsgruppe Leipzig. Er gab einen selU lehrreichen Ueberblick über die umfangreiche Tätigkeit des G. V. ans dem Gebiete der moralischen und wirtschaftlichen Eristenzcrhaltung der deutscher! Inden. Eine ans hoher Stufe stehende Anssprache schloß sich an 'den mit starker Anteilnahme aufgenommenen Bortrag. Am Mittwoch, 8. November, sprachen in Chemnitz vor einem geladenen Kreis von Mitgliedern der Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland des E. V., Kurt Sab atz ky (Leipzig), der Vorsitzende der Ortsgruppe Ehernnitz, das Mitglied des Hauptvorstandes, der Landgerichtsrat a. D. Är. Enrt Cohn, und Hans Bernstein (Chemnitz) über „Deutsch, jüdische Tagesfragen". Auch hier zeigte die Aussprache das lebhafte Interesse der Mitglicder an der Arbeit des Centralvereins. — In Nordhansen sprach vor der Gemeinde Dr. Alfred H i r s ch b e r g (Berlin) über Gegenwartsarbeit und Znkrmdftspläne. Ernst Bctzrendt - hat in diesen Wochen im Aufträge des Ecntralvcrcins unsere grcuude in den mittleren mtö flciitcrcii Städten der Mark besucht. Er schildert hier die Eindrücke dieser Fuhrt. Kanin glaublich! — Eine Reise von über 3000 Kilometer liegt in den verflossenen vierzehn Tagen hinter mir, und die Eisenbahn hat mich nicht etwa in weite Fernen, nicht drrrch unser arbeitendes Vaterland von Grenze zu Grenze geführt, — sondern nur durch die märkischen Gegenden ostwärts von Berlin, kreuz und quer durch Neumark, Oder¬ und Warthebrnch bis zur Grenzmarkgrenze. Die Aufgabe hieß, unsere Freunde bei ihrer Arbeit zu besuchen und zu beobachten, rvie sich ihr Leben unter den veränderten politischen Verhältnissen gestaltet. Diese Städte, die eingebettet in märkische Heide, an den malerischen Seen und inmitten der bescheidenen Kiefernwald«ngcn liegen, sind von den unverkennbaren Zügen der Vorkriegszeit geprägt, und sie haben trotz mancherlei moderner Fassaden nird Wohnbauten das Gesicht der wilhelminischen Epoche gervahrt. Und so ist es wohl nicht verwunderlieh, wenn in dieser Umgebung auch der jüdische Bürger den Platz weiter einnimmt, den er seit Jahrzehnten innegehabt hat, denn cs fällt schwer, die Beziehungen zu einander zu lösen, die so vielfältig geknüpft sind und durchaus nicht nur materieller Art sind. Tie Geschehnisse in einer kleinen Stadt wirken sich anders aus als in den großen Städten, wo die Anonymität ihrer Bewohner allen Handlnngen den Reiz des Persönlichen nimmt. Hier in der Kleinstadt der Mark kennt man einander besser: man weiß, das schöne Denkmal aus dem Marktplatz dort hat ein Jude gestiftet, während hier eure Fabrik seit Jahrzehnten die Arbeitsstätte bedeutet, welche Vätern und Söhnen lohnenden Verdienst gab. Dort wieder sind es Kaufläden, die seit Generationen in der Hand der gleichen jüdischen Familien sind, und auch ihre Inhaber sind mit vielen Bewohnern ihres märkischen Heimatsortcs durch gemeinsame Erlebnisse, besonders aus Schul- und Militärzeit, herzlich verbunden. Seit rund 150 Jahren wohnen hier die Juden inmitten der städtischen und ländlichen Bevölkerung als Aerzte und Anwälte, als Gewerbetreibende, Handrverler und Kanslente. Sie haben ihren Platz im bürgerlichen Leben ansgesüllt und sich auch im Ehrendienst ihrer Gemeinden als Stadtverordnete oder Stadträte zum Wöhle der Gesamtheit betätigt. Selbstverständlich gehörten sie alle den Turn- und Sport-, den ln cler Hegt zur Ansicht aus: Novemberheft des f' W O' w ' w > . , f w 00^ u mit Beiträgen über: Die Gestalt des „verworfenen luden" I d;n totalen Staat / Stefan George / die Lage der Juden in Osteuropa / in Spanien / mit der politischen Rundschau / einer Novelle / Gedichten / Glossen u.v.a. «Normal 34 Seiten stark, Preis l Mark Sie abonnieren 2 Hoffe für 3 Mark Demnach at e r ach * i nt bei un a : Julius Bab: Vm^sst^ Med Spktm Ein Doppelbildnis im deutsch - jüdischen Preis etwa 2 Mark dm iUuslüecte Chanuka - Geschenk Philo Verlag und Ouchhandluns G.m.li.H. Berlin W 15 Pariser Str. A*- Fernsprecher: Oliva 1375 Kriegermtö Militärvererneri, den Verbänden der freiwilligen Feuerwehr und der Sanitätskolvnnen an. Mit der politischen UrMvülznng ist hierin ein plötzlicher Wandel vor sich gegangen, oft zu schnell, rnn bei den Betroffenen nicht ein bitteres Gefühl unverdienter Behandlung hinterlassen zu. haben. Dem Arierparagraphen mußte überall gefolgt rverdcn, häufig allerdings nicht ohne daß herzliche und ehrenvolle Abschiedsworte den ansscheidenden Mitgliedern nachgerufen und ihrer häufig jahrzehntelangen Ehrenarbeit dankbar gedacht wurde. Die Juden in den kleinen Städten haben vielfach sorgenvolle Stunden durchlebt, als die Disziplin der - neuen Staatsgewalt sich noch nicht allgemein durchgefctzt hatte. Auch ans märkischen Kleinstädten sind manche alteingesessene Juden weggezogen. Wart muß rechnen, das; etrva 10 v. H. ihres Bestandes sortgegangen sind. Die Zurückbleibeuden gehen ihren Bernsen in den ihnen gesteckten Grenzen nach und finden für dei soziale Betätigung jetzt in den eigenen Reihen genügend große Arbeitsgebiete. Ihre Liebe zur märkischen Heimat ist auch in der wirtschaftlich und seelisch häufig schwierigen Lage unvermindert geblieben. Sie haben zur „Winterhilfe" rrnd bei allen sonstigen in Frage kommenden Gelegenheiten ihren Anteil IllifSiiliÄI Von Max Diene mann Jüdische Familiensorschung wird erschwert und oft fast unmöglich gemacht durch die Tatjache, daß erst im Ansang des vorigen Jahrhmrdcrts für Inden ein gesetzlicher Zwang zrrr Führung eines festen vom Vater ans den Sohn!'ch vererbenden Familiennamens gegeben tz'ar. Bis dahin herrschte völlige Freiheit für ch» einzelnen, den Zunamen zu führen, der beliebte, den er sich aus irgendwelchen Gründen beilegte, oft nur aus dem Grunde, um die Herkunft ans einem bestimmten Orte uu Gedächtnis sestzuhnltc». Viänner, die drei verschiedene Zunamen haben, können also Reihe von Großvater, Sohn, Enkel darm'lien, imd irirgzekehrt braucht der gleiche -mme noch kein Verroandtschastsverhältnis zu bekuiideu. sim so größer darum die Freude und die Genugtuung, wenn es gelingt, den Stammvarriu einer Familie weiter hinauszusühren, ms das Gedächtnis der heute lebenden Farnst ilibrrrritglleder aus eigenem Erleben reicht; noch größer, wenn mit einem solchen HinauslA)?^zugleich der Nachweis verknüpft ist, das; sFamilie seit Jahrhunderten mit einer "C)timmtcn deutschen Stadt oder deutschen Landschaft als ihrer Heimat verbunden ist. ifi der Fall bet der Familie Gugaen - h-n» aus Worms. Ncrcits um daz Juhr iröo begegnet man 1 eurem alten Buche der Gemeinde Worms, u dem bemerkenswerte Vorgänge innerhalb Gemeinde und Sterbefälle verzeichnet sind wegen der Farbe seines Einbandes „das Mine Buch" genannt —, Mitgliedern dieser ' ^or Name wechselt in jener Zeit ' * b wird er Gugaheim, bald Guckem r Gnckenheinrer. auch Gngenheimer ^W^ben; erst um die Wende des achtzehnten v B'hunderts nimmt er die feste Form Guggenheim an. Der.Ursprung des Namens selbst ist heute nicht mehr festzirstellen. Atöglich, daß damit der Herkunftsort des zuerst nach Worms cingcwanderten Familienmitglieds bezeichnet werden sollte, doch wird sich nicht mehr ermitteln lassen, roelche der mancherlei mit Gugenheim-Jligenheiin benannten Ortschaften gemeint ist. Jedenfalls ein Zeichen eines sehr früh entwickelten bürgerlichen Familiensinnes, das; in so frühen Zeiten bereits ein fester Familienname durch die Geschlechterfolge hindurch festgehalten wird; auch da betout sestgehalten wird, rvo ein Glied der Familie, dainaliger Zeitsitte folgend, nach seinem HarrSbesitzturrl gekennzeichnet ist, als Besitzer z. B. des Hauses „zurrt weißen Assen", oder „zum Handschuh" oder „zur Büchs". Seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts (ca. 1550) ist eine ununterbrochene Kette der Familie Gnggenheim in der Stadt Worms nachweisbar. Um 1050 ist ein Guggenheim, Jehnda Löb. bereits als Vorsteher bekannt; woraus ersichtlich, daß Mann und Familie bereits in Worms wohlangesehen waren, dertn man pflegte in jener Zeit gern einen Erbeingesesseuen. einer wohlbeleurnundeten Familie Angehörigen Zinn Leiter einer Gemeinde oder von Gemeindeeinrichtungen zu machen. Eine Durchsicht der ans die Familie Guqgenheini in Worms bezüglichen Dokumente belehrt nicht nur über ihre jahrhunderteweit zurüclretchende Ortsansässigkeit und Beheiniatung, sie zeigt zugleich auch auf. wte die rvechselrtden Geschicke der Stadt Worms und das sich mit ihnen verändernde Kultnrmilien sich artswirken. So sind in amtlichen Urkunden aus der Zeit der französischen Fremdherrschaft die Daten nach dem französischen republikanlscheu Kalender augegeüert. Eine Hetratsurknnde aus 1800 ' trügt das Daturn des 9 Fruktidor des Jahres 8.. Als Geburtstag des Jechiel Daniel Guggenhenn, von dcrn rtoeh zu reden sein wird, ist der 8. Nwöse des Jahres 00 bezeichnet. . . .. . ... . . , Kulturhistorisch mterepant tst, wte einfach die damaligen Lebensverhältnisse waren, wie bescheiden man lebte. In einem Dokument ans derrt Jahre 1791 wird der Verkauf vou je % des im Besitz eines Guggeuheiut befindlichen Hauses „zur Büchs" beurkundet. Bon der Hochzeit des vbengenartitteu Jechiel Daniel mit Sara Ataunheimer, die 1805 staitsand, ist ein Verzeichnis der Hochzeitsgeschenke vorhanden. Beschämt liest man, was damals als besonderes Ehrengeschenk galt, es offenbart sich da die Artspruchslosigkeit damaliger Lebenshaltung, Tinge werden als besondere Gabe bezeichnet, die man in den letzten Jahrzehnten kaum als solche gewertet hätte, ctw^ „l Wasserbutell (bvntei'lle), 8 Weingläser, l Kuchenblech, 1 Salzfaß" und dergleichen Gebranchsgegenstände. . Dieser Jechiel Daniel Guggeuheiut nimmt, ruit seiner Frau, in der jüugstert Geschichte der Familie einen besonderen Pllatz ein. War es dem Paare doch beschreden, irr Frische und Rüstigkeit das seltene Fest der eisernen Hochzeit irrt Jahre 1900 zrt feiern. Ilud als Daniel Guggenheiin, ein Jahr nach dem Heimgang seiner Frau, zur letzten Ruhe einging, fehlten ihm nur rvenige Wochen zur Vollendung des 100. Lebensjahres. Welches Ansehen er in Worms genoß und welche Ehrerbietung man ihm zollte, bezeugt die folgende Episode. Als er im Jahre 1898 bei einer Neichstagswahl, geführt von seinem Sohne Samuel, an der Wahlurne erschien, erhob ' sich das ganze Wahlbüro, so berichteten die Wormser Tageszeitungen, m Ehren des 98jährigen. Es mutet rvie ein Idyll aus längst entschwundenen ruhigen, leidenschaftslosen Tagen an, wenn weiterhin geschildert wird, das; man dem altem Herrn im Wahllokal ein Glas Wein kredenzte, und daß man dann gemütlich miteinander -plauderte. Der Greis muß übrigens noch ein recht trinkfroher Herr gewesen sein, denn vom. Wahllokal aus begab er sich noch in eine Weinwirtschaft und verbrachte dort, mit lebhaften Ovationen empfangen, eine frohe Stunde. Es war schon erwähnt, daß er mit seiner' Gattin das seltene Fest der 05. Wiederkehr des Hochzeitstages feierte. Die Tageszeitungert berichteten damals ausführlich vou den mancherlei Ehrungen, die dem Jubelpaare rrnd ihm insbesondere erwiesen ivurden. Ter Großherzog ließ ihm mit seinen Glückruüuscheu fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zergehen. JrnJRamen der Stadt brachte der Oberbürgermeister die Glückrvünsche der Bevölkerung zurrt Ausdruck. Für den Nationalliberalen Verein, dem Tantel Guggeuheiut als ältestes Aiitglied augehörte — feine Nachkommen setzten diese Einstellung zu bett vaterländischen Fragen fort —. gratulierte der Vorsitzertdc. Er sagte: „Ter Verein der Natioualliberalen Partei erachtet es als eine vornehme Pflicht, Ihnen an dem heutigen Jubettage die innigsten Glückuud Segenswünsche auszusprecheu. Gerade Sie, Herr Guggeuheiut, haben dem jungen Geschlechte ein leuchtendes Beispiel von Treue und Pflichteifer in Betätigung Ihrer Bürgerpflichten gegeben. Möge 'sich die heutige Eeueratiou eilt Beispiel an Ihnen nehmen . Die Stainrntischrunde vom „roten Haus" erschien vollzählig, um ihren ehrenfesten Kumpan zu begrüßen. Tie Sackträger und Arbeiter der Getreidefirma Guggenheiin ehrten den einstigen Begründer der Firma ans besondere Art. Selbstredend, daß das Jubelpaar an diesem Tage der Stadt Worms eine Stiftung für Arme aller Bekenntnisse überreichte. Als Daniel Guggenheiin 1901 starb, war dre Tetlnahme der Bevölkerung allgemein. Und wiederum brachten der Oberbürgermeister und. der Vorsitzende des Nationalliberalen Vereins in ihren Beileidskundgebungen ihre Verehrung und Bewunderung für den vorbildlichen Bürger zum Ausdruck. , Eine solche vielhundertjährige Verbundenheit einer Familie mit einer deutschen Stadt ist an sich durchaus keine vereinzelte Ausnahme, zum Sonderfall wurde sie hier, weil sie hier einmal, was sonst so selten ntöglich ist, arrch urkundlich jahrhtmderterveit hinaufgesührt und belegt werden konnte.

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