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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-16 · 44 (16.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
44 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ivabcve zu ' übevlvtndon, die für jene jungen Lehrlinge feine Aolle spielen. Die Mindestzeit für die Erlernung eines Handwerks sind und bleiben aber drei Jahre. Jede kürzere odt miifj bedeutende Lucken 'tu der Auslnldtmg Hinterlagen, die sich spater zweifellos rädjeu tverden. Auch in dieser Zeit werden erst die Grundlagen erlernt, bin jeder Fachkumdige wird wissen, wie viele lteine Handgriffe eS gibt, die sich erst in einer Reihe van Jahren herausbilden und erlernen lassen., und die dach erst die besandere Qualität eines Handwerkers ausmachen. Das;, wovon ich hier spreche und wovor Ich warnen tvill, ist keine Theorie. Schon heute werden z. B. in Palristina unter den Handwerkern Stimmen laut, die befürchten, durch verkürzte Lehrzeit unb Schnellauewildnng von Landtverkern konnten ärgste herangebildet werden, die den riötigen Arlsordernngenwvenknell nicht entsprechen tverden. In allen Ländern, auch in Palästina, wird sich nur der Handwerker dnrchsetzen,. der erstklassige Leistungen vollbringt und wirkliche Qualitätsarbeit liefert. Dilettanten und Pfuscher gibt es genug. Höchstleistungen tverden gefordert, die Kritik der .Kundschaft ist äußerst scharst. Ein Vortrag von Professor Lora Berliner >. hl ff f“\ QI f’f*' st f«!» li- U*|jf Uii-u y wjj II U w Im Olahmcm der Burtragsveranslaltimgen des ..KntuirbuiidcS Deutscher Juden" sprach Professor Tr. Evra Berliner über „Bernsoschichtung mW BerußnulN'chichtlttlg". Der Vortrag soll nicht praklische Ratschläge für das persönliche Schicksal des einzelnen erteilen, sondern in großen Linien einen Uebcrblick über die Gesanitnriiltnr der deutschen Puden, vor allein hinsichtlich ihrer beruflichen uviedermig geben, uni daraus Erschcimingen der Gegenwart verständlich zn inachen und Wege für die puliinst zu weisen. Sie Redm'rin erläuterte zlinärhst die heutige jildiiche Bsirtschastsstniktnr an Land einiger rl,avnt= Kriiliici or Zahlen in ihrer historischen Bedingtheit nnd zeigte so die wahre Mdeuning der Juden innerhalb der Gesainlwirtschast; i n ncr i ü d i s ch berrad.fct bestätigte diese Iliitersnchung. daß unsere Berussschichtuug ungesund ist, und daß nur unserer Selbst willen eine Berufs ü m | ch i ch t u n g mit allen Kräften, unter Ausnutzung aller Möglichkeiten, anmstrebeu ist. „Schicksa lsge.bi mdep" nounte die RLierentin die Berufe,'die die Beziehting von Mensch nnd iKatut, aber audu Mensch nnd Materie immer ivicder Herstellen:- Bodenbearbeitung, / Seeschiffahrt, Landwerk. — nnd all diese Berufe haben auf die seelische Haltung des einzelnen und dadurch auch auf die Gemeinschaft dieser einzelnen einen ganz bestimmteil Einfluß. Diese Berirssgriippen viel stärker als bisher mit jüdischen Menschen zu besehen, ist Ausgabe der Bernfsmnschichtnng. Unserem Willen zu einer gesünderen Bernfsnmschichtnlig, dem aiigetrieben wird dttrch die wirtschaftliche Situation, btc un§ ans den freien und täufmännischen Bernsen heransdrängt, tritt aber gleichzeitig ein Widerstand entgegen, durch den unsere an tick, schon äiißerst schwierige Lage eine wirklich -- , Noch eine. Seich dieses: Problems möchte ich /beleuchten. So grundlegend und' wichtig .die praktische Ausbildung des Handwerkers ist, so.ist es mit ihr allein nicht getan. Parallel damit ums; die technische-und -kaufmännische Sehultnig gehen, bin Handwerker muß.wenigstens über so viel technisches Können verfügen, daß er mit Leichtigkeit nach einer Werkzeichmuifl Arbeiteil aussi'chreu kauus nnd.kansmäuuisckj muß er lvenigstens so vorgebildet sein. daß. er Arbeiten richtig zu kälkulieret: lveiß. Soioeit unseren jüdischen Lehrlingen Fortbildungsschulen rächt zugängig sirrd, nmre.es das praktischste, wenn man diese Attsbildung von der Lehrstelle selbst ans möglich inaäste. Nur eine vielseitige und griiudliclie. Ausbildung gibt die Garantie für späteren, Erfolg. Berseheu Luit einer ^gründlichen Ansbildn ng. können Eltern ihre Kinder getrost in die Welt zielten lassen. Sie werden immer, wenn auch bescheiden, ihr Brot verdienen. Nicht alle, die mit Geld, aber ohne einen festen Beruf in die Welt gehen, werden das Glück haben, es zu erhalten oder gar zu vermehren. Einem guten, tüchtigen Handwerker aber wird und kamt es nie ganz schlecht gehen. „tragische Zuspitzung"' erfährt. ' Dem- Willen zur Großsiadlsliichl. slemi»! sich her Anüsemilismus entgegen, der gerade in Landnnd Kleingemcinden oft ein Verbleiben unmöglich macht - Ter jüdischen Jugend. die handwerUiche Lehrstellen sucht, wird die Aufnahme verwehrt; die- Entwicklung der landwirtschaftlichen Gesetzgebung, die Beschlüsse der Handwerkskammern, müssen -uns mit Besorgniserfüllen- „TaS Schicksal zwingt uns irr wie Richtung, ans der wir heraus möchten," Es wird in den nächsten Wochen die wichtigste Ausgabe der „Aeichsvertretnng der deutschen Juden" sein, zu versuchen, mit den entscheidenden Instanzen, von denen wir bei der Durchführung einer Berufsnmschichtung abhängig sind, in Verhandlungen zu kommen nnd darznstellen, daß es ' sich -hier gar nicht mn ein -jüdisches. Problem handelt, sondern um Grundsätze, die' die deutsche Negierung iir ihrem Gesamtprogramm vertritt. Rtit Hilfe dieser maßgeblichen Stellen hofft die jüdische Gerneinschaft, lNöglichkciten zu finden, ihrer Jugend unb rvas .noch viel schwieriger ist: den Aeltcren, die ans ihren Bernsen verdrängt sind.— die,Wege.zu ebnen. Auch dann wird das Bcschreiten dieser Wege ein außerordentlich schwieriges, inneres Problem bedeuten, ein Problem" für jeder! e-inzelnen, wen.es angeht, zu dessen 'Lösung ihm -Organisationen wenig' Helsen -'können; esmuß ans' eigener' Kraft übcrwniiden äverde'n.- - .-Verhältnismäßig amleickstesten .wird dicst-Uin- Peilung denen .werden,'die iw.Palästina bei schwerster Arbeit.doch-das-Bewußtsein haben.' werden,- an einein neuen Ausbau initwirken zu können..- „Niemand, Zionist oder. Nichtzionist, - wird die ungeheure Bedeutung Palästinas für die nette Berufsgestaltung der Inden' überhäüpl verkennen." Ein sehr großer Teil der deutschen'Juden — auch ihrer Jugend — nnrd aber in Europa und'besonders auch in - Deutschland bleiben' wollen und müssen, nnd auch für diese nmß ein Weg gesunden werden, um ihnen die innere Probleinalik ----- denn es geht hier nicht um die Frage des Broterwtrbs — zu erleichtern. Diese Hilfe kann wüst äst der „Well des Wortes" gesucht werden, sondern nur" ans dein Wege deS persönlichen TunS und der Selbst- . besiimung. Den deutschen Juden ist heute die'Ausgäbe gestellt, sich ein'eigenes Leben aufzubauen, eiu Leben mit eigenen Verbindungen zur Kultur, ein Genicinsthastslelx'li in würdigen Formen. Aber vielleicht kommt gerade deshalb dem Wirtschaftsleben jetzt die-Ausgabe zu,'öle letzten'Verknüpfungen mit der. allgemeinen, Welt, mit. der,. Gesainlbevöllening zu erhallew Das wird' für den einzelnen, der als Lernender, als Angestclller oder auch als Arbeitgeber heute als- Jude unter Nichtjuden zu leben und zu wirken hat, oft außerordentlich schwierig sein, aber vielleicht — so schloß die Neserentin — werden die Menschen, die. einen solchen „heroischen Kampf" bestehen, ohne den Znsannnenhang mit der jüdischen Gemeinschaft.zu lockern, tatsächlich einmal, die Träger einer „neuen Emanzipation" werden können. . H. Karminfld. . ... . LehMWDS M teM Wir hatten vor^ einiger Zeit berichtet, das; der „ONT"-Verband Lvnderturse zur handwerklichen Ausbildung für. deutsch-jüdische Lehrlinge . in Litauen einrichten ivürde. Jetzt ist die erste - Gruppe von 28 Kursnsteilnehmern in -Kaunas eingetroffen. Es sind alles deutsche Staatsangehörige; ÜI3 stammen aus Berlin, die übrigen 35 aus verschiedenen -Städten des Reiches (Halberstadt, Glei- - ivitz, Langendorf, Sagau, Schönlanke, Königsberg, E lbing, Freystadt.- n. n.). Am Bahnhof wurde die Gruppe, die sich in Begleitung des „Ort".Bevollmächtigten, Ing. D. K l e' in e n t i n o w s k h, befand, von den Vertretern des Kaiinaser „Ort"-Komitees nnd angesehenen Repräsentanten der jüdischen Gemeinde anss herzlichste empfangen und nüllkommen geheißen. Die jüdisehe Bevölkerung der Stadt bringt den deutsch-jüdischen Jugendlichen, deren Aufenthalt in Kaunas auf \% Jahr berechnet ist, lebimfte Shmpatl)ie entgegen und begrüßt die Initiative der Zentralverioaltnug des ' „Orck-Berbandes. Diese Stimmung kommt auch in, den Begrüßungsaussätzen der jüdischen Presse zum Ausdruck. In einem dieser Artikel heißt es: „Wir besitzen zmav'"nicht die großen Möglichkeiten nnd die mustergültigen Einrich- Lungen, deren Deutschland, sich rühmen darf. Tie dentsch-jüdsiche Jugend tvird aber hier Liebe, Freundschaft, slnndige Hilssbereiiß'!,ast seitens der jüdischen Bevölkerung nnd weitestgehende Aufmerksamkeit- -seitens des Lehrpersonals des „Ort" finden. Wir begrüßen.die. Gaste und sagen ihnen unser herzlichstes 'Willkoinmen." . Für. die 'Unterbringimg. der Gruppe ist aufS .beste. gesorgt. . •» mmr . MsM .. .A.M-.20.,November wird die Schneiderin Jettchen 'EanZ, Inhaberin -der Firma I. S. 'Gans in Rotenburg a. Fulda, das 100jährige Bestchem ihres Handwerlbetriebes feiern. Jettchen Gans entstammt Väter, und mütterlicherseits einer Familie, der zahl- - reiche Handwerker: Schneider, Schlosser, Buchbinder, 'Schuhmacher, und ein Nagelschmied entstaininten. Cie alle übten mit zlvei Ansnahnren auch ihren Berus bis ins. höchste Alteraus. Der Großvater der jetzigen Inhaberin, Salomon Gans, geboren ■ 1810 - in Rotenburg, beendete, wie ans einem noch vorhandenen Lehrbrief hervorgeht, seine Lehrzeit am 28. März 1828, erhielt dann am 15. April 1828 den Erlaubnisschein znm Wandern im ..Ausland". Nach beendigter Wauderschasl und riachdem er nach bestandener Meisterprüfung am 20. November 1858 Kr£rR 'VjU'u freie Arztwahl ^fonaCsprliuilc ab N.M» Familien*Vcrslcli. nl> 53. 5.0<» lluvcrbi nillicbo AuKCboto diuf.-b 1 M a rfc i n Go I'db erg & Co.! JU>rllti-WlJinors«5i>rr, S»r«svl- «q |TolftpIi«ns 13 7, V.'ilim-rsilorf 1012 nml üüi:» seinen Nleisterbrief erhalten haste, lies; er sich nU Jnnimgsinenter in seiner Heiiliat -nieder. Tcc 'Bieisterbrief ist noch vorhanden. ' Er bildete eine große Zahl Lehrlinge und Gesellen in seinem Beruie aus. Sein Sohn Jsak Gans übenialim, nachdem er nach abgeschlossener Lehrzeit vom lä.Februar in,v,i bis 20. Januar 1800 ans Wanderschaft gewest., war. 'die ihn über Kassel ins ..Ausland" nech Göttingen, Einbeck, Alfeld, Hannover. Burgdori, Verden führte, imd nachdem er am 18. Februar'l8>;."> - den Meisterbrief erhallen halte, das väterliche (M frhäft. Er führte eS zusammen mit seiner Güttin, die als Schneidenneistcrin eine sehr große Au zahl christlicher lind jüdischer Lehrmädcl;en ansbildelc, die znm Teil rioch heute ihren Berus ausüvcu und ihr bis übers Grab hinaus große Auhäuglichchit bewiesen. Van ihr übernahm ihre Tochter Jettchen Gaits im Oktober 1800 das Geschäft, das sich noch heute, wie seit 100 Jahren, größten Ansehens er> freut nnd in dem noch heute viele Lehrlinge für ihren'Beruf ansgebildet werden. Sic gehörte bis vor wenigen Wochen dem Jnnnngsvorstaud und dem Prüsniigsansschns; an. 'Wir wüinchen der fleißigen Landiverkerin. daß ihr Geschäft ferner blühen nnd gedeihen möge. KM Qchlenstels. em verdiMsiosSer Leamler des deÄchMkotouMieirstes. xestRüe-ü Die ^JNusteicrtc Kolonialn. Auslan-s-ckriinng" JK'Ne»., 'Nfrika-llkacheiclitcn, 15. Ja!>rgang, llkr. 11 vom 1. 'Aovcittbcr 1933. vcröffcnrlicht folgcnvcn vracliruf: ..Am 20. September vernarli n,ich llingem. schwcren Leiden in Berlin der ehemalige vstasrikannche Gouvernementssclrctär Lichtensteiu. "JJlit ihm in ein verdienstvoller Gonvernelnentsbeamter von lungegiingen, der sich in Kriegsnnd Friedenszeiien gleich beivährt ijat. Geboren 3800 in Drcsden, trat er nach kaufmännischer Betätigung in Demsch-Oüafrika bereits 1800 in den Kolviiialdienst, wo er sich im Lause der Zeit infolge seiner Brauchlln--- keit und seines Fleißes vom Bürogehilsen zum Gouvernementssekretär emporarbeiten koimte. Wübrend des Akadji-madji-Ausstandes l0l>5—00 des,mV er sich in dem durch den Ausstand besonders gc fährdeten Bezirk Siongea. Bei der Niederschlagung des Ausstandes hat er sich durch tapferes, und pflichttreues-Verhalten besonders ausgezeichnet. Er -.'erhielt dii-rch' Allerhöchste -Kabineltsorder - vom -20., Dezembev -100«>-, das -Militärehrenzeichen II. Klasse, eine Auszeichnung, die einem Nicht- ' jolbatcn nur in Ausuahmefällcn verliehen wurde. Für seine Tätigkeit während des Weltkrieges beim ostafrikauischeu Gouverncmeut Daressalam, später Tabora, wo er Juni 1010 in Kriegsgcsangenschuft geriet, wurde er mit dem E. K. l'I ausgczeichnet. 1920 wurde er in den dauernden Ruhestand versetzt. Acit seiner Wiiive trauert die Kollegenschaft, die in ihm einen geraden, aufrechten Manu von untadeligem Eharakker verloren Hai. Er wiirde am 2. Oktober 1008 aus dein jüdische» Friedhof in Weißensee beigesetzt." Das Publikum statte die Größe des stier Gefchassenelt wohl erfaßt. Airs seiner Begeisterung klang der Tank für eine imponierende Leistling, die das lltesliltat einer unendlimen 'Arbeitssrellde nnd Hingabe ist. Lnuhvig Altmann. Trwabend des 6ulknrburrdes Die Novemberkonzerto des Knltnrbnndes sind der Kammermusik Vorbehalten. Abwechselnd wirb in Liederein OuartetL und ein Trioabend geuoteir. Zn einem Trioensemble haben sich der Piauist Bruno E i s ir e v, der Geiger Atanrits van den Berg h nnd der Eellist Elvel Steg m a n n vereinigt. Bei Künstlern'von solchem' Range sind die Probleme der Technik und des Znsammenspicls selbstverständlich gelöst. Namentlich Bruno E i s- -i e r ist ein wundervoller Kammermiisiker, mit einer Klangphantasie begabt und einem wlisikalischeu Temperament, von dem Ströme lebendiger Energie ausgingen. Seilse Partner nnisizierten mit hoher Tonliiltnr, aber — im Verhältnis zur Größe des R'aumes — allzu diskret. Das war besonders beim G-moll-Trio von Brahms fühlbar-(das Programm gab irrtümlich 1-1-,noU an'), daS in seiner Vathetik von allen Spielern ein Höchstinäs; an Intensität fordert. Außerdem wurde Beethovens großes B-dur»Irio gespielt. Zwischen den Trios stand ein Bolalteil, der abwechselnd 'den-Tarnen E i s n e r, Lipin , D r t m a n n unb Herrn 0N ansseld anvertraut ist. Diesmal sang Olga Eisner Lieder von Brahms nnd Beethoven. Tie stiimnlichen Ncöglichkeiten setzten den; Gestaltungswillen der Sängerin ihre Natürliche Grenze. Dieser Wille freilich ist sehr groß und setzte sich bei all den Stücken erfolgreich durch, denen man gerade mit vortraglicher Belebtheit beikonuiicm kann (Am Sonntag morgen, Ta drunten. im Tale). Ungeteilten Genus; bereitete die Liedbegleitung Bruno Eisuers, der auch hier, zrt führen und zu' inspirieren nmßte, ohne doch den Rahmen der kammermusikalischen Einheit'" jemals cigemvillig zu sprengen. ___ ' — nn. Hitno Aadel iibcc bas jüdische Volkslied- Arno N adel sprach im Berliner Theater vor einer großen Hörerschaft über das jüdische Volks, lied. Diese Lied, und Tanzstücke tragen die Bezeichn nimg „Jüdische Musik" mit Recht; sind sie hoch in der Abgeschlossenheit des Ghetto entstanden, jener Geiiieinsthast. ' die Nadel als ..kleiiien' Judenstaat" bezeichucte. . S'elir fernsiunig wurde das deutsche Volkslied in seiner Natnrverbiindenheit nnd dem Lang zum ßNetaphhsischeil dem jüdischen Lied gegenübergeskellt, bei dem die Aussprache-mit.Gott'im .-Vordergründe steht. In der Musik bevorzugt das deutsche Lied, entgegen dem. jüdischen, weite 'Intervalle. -Quarten' und Quinten haben als Naturklänge ja - geradezu symbolhafte Bedentnng. Die Inden haben, sofern-sie''abgeschlossen waren, einen eigenen mnsikalischen Stil geschaffen. Die „jüdische Tonart", deren Eharalter der Vortragende -nndesinierbar nannte, ist in Wirtlichkeit unser gewöhnliches Molk.' 'Nicht die Existenz der Tonleiter selbst ist in der jüdischen Musik anfsallend, sondern dieVevör-- zugte'Verwendung ihrer drei obersten Töne. Aus cha'ssidischer, Inbrunst entstandene religiöse Lieder und-Stücke einer drastischen Lebensnahe stellen die beiden Grnndthpen des Volksliedes dar. Unbesch!verte"Daseinssreude ist hier.nicht zu' finden, auch die-Tairznninmer-n stehen in Moll. Ein Zöchst charakteristischer'Zug.'die, der oft trostkoscn Situation int Ghetto entstammt. Im Konzertteil,"sang Qberkantor John, der in letzter Atinnte für Leo Gvllanin c'ilispraug, die bekanntesten'Volkslieder, zur großen Freude des Publikums.- Er wurde von James. Roth stein begleitet, der auch--., einige Stücke bearbeitet hatte.' . L.'A. ■ Ails'vielsciiigen Wunsch wird ber'Dottrcig von' Arno N ab el .--„Das 'jüdisclie Volkslied".--- am Sonntag, 10 Noveiiider, voruclllaas,'l I Uhr -30 - Min., - nn-.B-c r - 11 n ew T h e a t e r'iviederbolü-, . ■ Diejenigen Blitglicder, dieim, Dlovember nochkeinen Vortrag, gehört -habpn,Wonnen an den' Lahlslellen 'Einlaßkarten, erhalten. „die in Verbindung .mit.der A!i-tgliederkar'lc Zinn Eintritt bcrecliiigen. - - - - ScherberSs Lsed,,' , ' / 'BmteQQ im ' Dr. A n n e l i e s e L a n d a u begann ihren Vor^ tragszylluS über das romantische Lied mit einem Abend über Schuberts Lledschasfen. Die Vortragende deutet Romantik nicht als Stil einer einzigen, festumgrenzten Epoche, sondern als Wektanschanuug, in deren Mittelpunkt die Frage nach dem Verhältnis vom Ich zur "Umwelt steht. „Sie geht damit'vom Psycho!ogischen''aus,'im Gegensatz zur sonstigen modernen Forschung, die in der stilkritischen .Gegenüberstellung -von -Klassik - und "Romantik-,.'zu-'neuen fundamentalen Ergebnissen kommt. Die Vorläufer des Schubertschen Liedes ' wurden wohl zu'gering eingeschätzl. .An - mnsikalischen Proben machte Dr. Landau dann-die verschiedenen Liedformen deutlich. Sehr interessant war die Schilderung vorn Entstehen und Schicksal der Btüllerlieder; für sie wurde eimnal der'Terminus „Liednovelle" geprägt, -und gerade diese Form ist 'von eminenter Bedentnng für die musikalische Lyrik der späteren Zeit. Tie eingestreuten. Lieder sang .Fritz Lech ncrmit schöner Stimme, im Vortrag aber zu farblos, besonders nach der Seite der -jubelnden Steigerung hin. ' Ia. Tournee Professor Willenbergs durch Schlesien. In G l e i w i tz , B e u t h e u nnd R a t i-b o r fanden, am 4., 5. unb ö.„Noveinber d. I. außerordentlich erfolgreich - Synagogenkonzerte statt, die besonders dyrch die Mitwirkung, des Violinisten Professor Alfred Wittenberg zu .schönen Feierstilnden wurden.' Erspielte das schlichte O-ckumTrio Nr. 1 von -Haydnuild-die, Ehiaconne von Vach, technisch und. milsitalisch.vollendet. Das H-ckur-Trio op. 8 pon 'Brahm' vereinigte Wittenberg mit dem Piairisten Walter G o l d m a n n und dein Cellisten Paul B l n m e n f c ld zu feinstem Znsammenspiel. Lotte R o s e n,b a u m - S chlv.ckr z sprach mit bester Technik und vornehmer Beherrschung die Sch'lüßszene aus"- Stefan 'Zweigs' „Jeremias", und Oberkailtor Richard C ö h n -(Gleiwitz)' zeigte seine Fähigkeiten der „Schöpsungsarie" von Haydn und sw der Arie-„Es ist-.genug . aus dem -,Elias" oow ZNendelssvl)n°Barthvl'dy. - . Am. 8-.-- November spielte - das Trio Alfred W i t'k e"n' b erg, Walter,G o l d' m a n n 'und Paul -Ä l u m em -f e l d im- Mozart-Saal in B r e s l a' u. Ihr reifes Künstlertum schöpfte 'mit lückenloser Harmonie unb. bestem Empfinden alle Stimmungen und Feinheiten do8 anspruchsvollen Programms ans. Herrlich schön "erklang, das Trio in Il-ckur von Johannes, Brahms. Oberkantor Richard Cohn (Gleiwitz) ergänzte die Vortragsfolge mit einigen Liedern.und Arien. Sein gepflegter, warmer Bariton kam-zu bester Geltung. ' .... - 8 —» Liederabend ia Preslau Nach ihrer ungewöhnlich erfolgreichen Hollandtournee gab die heimische Sängerin H e r-t'a Gl ü ckinamn '.amn2. November.im Mozart-Saalejnen Liederabend, der d.ie tzrwartungendes. Publikums noch übertraf. Die Künstlerin hat ihr'Organ, seit mir sie das lc'tzieinal in einem Si)nag>'aenfonn.'ri lförlen, iveiter vervoUt'vmmnet und veredell. Tn-> reick;!)altige Programm bot außer Beethoven, Brahiils. Woks und Strauß noch Tschailvwsli und italienische undspanische Voltslieder. An stein slünnischen Beifall ließ die Sängerin mit Recht ihren Begleiter Vlar A n e r b a ch teilhaben. Flir das 3. Konzert in der Breslauer Ncucn TNuagoac cun 22. OlvvLinber wurden geivonnen dcr Jüdische K'ainmerchvr und ein jüdisches Kanunervrchc'ttr inner Leiuuig von Werner Sand c r. svivie Leist Schieß low i'-Sopran) und Hermann Schey lckarn ton). Jur r'lussüyrnng gelangen aeisiliche ö'iivriver'e vz» Fran; Schubert und Albert Kellerinann, ferner gciüüchc Soloaesängc und das Kvn;ert für Lrael und Streich) orchcster F-Tur von Händel. Ter Kartcnvertaus bceinist ciiu 6. November. Tic Eiiitrittspreisc bctrax>en die-n»a- 0,50 RM bis 2 AM. Jüdische LU'n:ftlerk)i!fe Esierr. Am -l. ' und 5. Noveurber hat die „Jüdische Künstlerchrlfe Essen" im Rahmen eines Kleinkmntabends ihre Tätigkeit anfgenoinmen. Beide Abende brachten ein ausverlaustes Laus und ivaren i" künstlerischer und finanzieller Hinsicht ein voller Erfolg. -Die überaus beifällige Ausnahme durch das anspruchsvolle -Essener Publikum beioie?, List esmit dem.nötigen F-iugerspitzengesühl möglichstst den Gemeindeiiiitgliedern einige 'Stunden der Anregung und Entspannung' im jüdischen Kreist zu vermitteln. Nach Erössuung des Abends durch Rabbiner Dr. Hugo Hahn, der in kurzen Worten aus hü: Ziele und Bestrebungen der Künstlergruppe hin' wies,, begann der ernste Teil des Programms, nt dem sich u.. a. Lotte .H ei ne und E-arlo. Eall' mann in eigenen Tanzschöpfrmgeu. Kaie Frohst nn^in einer dramatischen Szene „Kaddisch" sowie- Fritz Sattler in einer Szene ans „Uriet Acosta"' auszeichneten. Hervorzuheben sind ferner Rin Klein mit herrlich gesungenen Liedern von Wagner und Viktor Herzselü mit dem Prolog ans bem „Bajazzo" nnd der Blnmenarie ans „Ean men". Auck im heiteren . Teil des Abends-waren die genannten Künstlerhervorragend tätig..Werner Schüler, der in liebenswürdiger Weise dro Begleitung sämtlicher Vorträge übernonunc-n.holle, zeigte auch als Solist außergewöhllliches Kö»nen- Die Gonsörence - führte mit -viel Geschick Richard G.olde'ck. ' Wegen des außerordentlichen Erfolges' veranstaltet die.'„Künstlerhilfe" einen dritten Mud mm demselben-Programm am 16.- November, 20/UN 15 Min., in der Loge Dretlindenftraße 90.

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