Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 44 (16.11.1933)
- Date
- 1933-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278037--08215-2289191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9; -WnlrSTV / Ori Jm — / ’pnf )^' o V/b Lj u Lj L_j U Li V-: L.J Nsr. 44 1. Boslago - AxKNdlLchs ANsDilöNNg hse HaNdWlZLTsr LÄ Nsk Von Iulius Peyfcr. Tifchlerei-Techniker Als Fachmann, Vater und Erzieher will jNl zu denen sprechen, die sich zur Erlernung eine-) HaudwerlS entschlossen haben. Ich möchte ihnen llarmachen. was cs heißt, ein .v.mdwerl zil erlernen, und ich möchte sie warnen, zu glauben, daß man ein Handwerk, da-) man später als Lebensberuf ausüben will, Mm in einem „Schncllknrsns". wie man zuweilen hört, erlernen kann. Die Erlernung eines Handwerks ist nicht etwa eine nrechanifrijc Angelegenheit, d. h. rnan kann es nicht nach kurzer Zeit durch Erlernung gewisser Handgriffe beherrschen. Ein Handwerker muß mehr sein als eine Maschine, die gewisse Arbciisgänge verrichtet. Sein Wesen ist V i e lsciti gleit in erster Linie, dazu. Grundlichkeit und Zuverlässigkeit. Um dieses Ziel zu erreichen, sind gewisse Aeranssehungen erforderlich. Eine bestimmte Eestlucklichkeit und manuelle Fertigkeit, dck h. eine angeborene Anlage hierfür, muß mn> limihen lein. aus der sich dann die besonderen Forderungen des gewählten -Handwerks ent--- wickeln können. Ebenso müssen bestimmte körperliche Dispositionen, sonne eine gewisse riebe zur handwerklichen Betätigung gegeben sein, um einen späteren Ersolg zu zeitigen. s2inb diese Voraussetzungen vorhanden, so ist das Hauptaugenmerk auf die richtige Lllahl einer Lehrstelle zu richten. Bur solche Werkstätten sind dazu m. E. geeignet, welche vielstä ige. neue Arbeiten, nicht etwa nur Reparaturen. aussühreu. Es ist einem Schusterlliiriing beispielsweise nur wenig damit gedirol. wenn er nur Reparaturen l^rut. Er muß Gelegenheit haben, Schuhe zedcr Art vom Anfang bis zum Schluß hcrzustellen. Tischler wird nur der sein, der sich in einer Aanlischlerei ebenso bewährt, wie als Möbelschreiner oder als Tischler für Ladeneinrichtungen. Unter allen Umständen kommt es ans v i e l s e i t i g e und g r ü n d l i ch e Ausbildung an. Und es sei hier ganz klar gesagt, daß man nicht glauben solle, man könne das, wofür der Lehrling sonst drei bis vier Jahre braucht, in einem oder einundeinhalb Jahren erlernen. Freilich lernt ein Mensch, der etwas älter ist als jene Lehrlinge, die mit 14 Jahren chre Lebrzeit beginnen, manchen Griff etwas schneller, weil er mehr Einsicht und lieber-- legnng besitzt. Anderseits haben unsere jüdischen jungen Mlmschen, die heute mnschichten. Kulturbund; /deutscher; JUDEN :! /'"x ‘ (51 d f i n erbebte Cherubin (Susanne Stein) n einer Szene mit Susann« Aufnahme u. Montage: Herbert Sonnen seid Ms AWebmdes Hur Ersianfführung am 14. Rovember d.u E. Die Erstausführung von „Figaros rochzcil" im Berliner Theater nun ein weihe- "oilev Festabend: ein Festabend für die Dariletier. für Registeur, Dirigent und Bühnenbildner. die in feüisinnigster Zusammenarbeit n> wenigen Wochen eine Aufführung zustande rächt haben, die jedes Lobes wert ist.^ ^ie wird musikaliseh von saehberskäudiger Feder gernürdigt, aber die künstlerische Gesamtihstnng. vor allem die Einfälle der Regie >Dr. Singer) und des Bühnenbildners Heinz Eondel! bedürfen noch besonderen Lobes. Tie Ausführung ist von A bik Z auf das Aostenhafte im besten Sinne abgestellt. Wenn hi) der Vorhang hebt, öffnet sich die Vorderhand des Hanfes ivie bei einem Puppeuhaus und bietet Einblick in eine farbenfreudige kleine Astül. In jedem Bild, in jeder Szene ist die Harmonie der Kostümwirkuug und der^Farb- 'lebnng im Raume gelvahrt. Jedes Szenenbild segelt durch die schöne Aufteilung der Flächen — nienials ist ein langweiliges B'vßes Zimmer da, immer ein Durchschnitt gurrst daS Haus oder ein wohl aufgeteilter Raum. Reizend die Idee des Gerichtshofes. Hier steigert sich das Possenhafte ganz iuS Anrleste. der Tisch eine Wippe — Symbol des Rechts — die Richter Spielfigureu in Talareu mit breiten lenehtendcu Wachstuchverzieruu- A'n. lustigen weißen Perücken, dicken Schmökern. aus weißen Stühlen. Wundervoll auch das lehte Bild in dem Garten im Mondlicht. Schluß erhellt durch bunte Seidenball o us. Ein Fest war dieser Abend auch für das Pttblikum. Wie immer im Kulturbund, verzückte es die Freude an der schönen Darbietung mit bem dankbaren Gefühl, daß hier hunderte von Menschen durch eine ihnen an- ZLlnessene Arbeit beglückt werden und deshalb ist es doppelt beifallsfreudig und bereit, jede Nuance in sich aufzunehmen, um aus dem Stück erlebter Schönheit, Kraft in den Alltag mit hinauszutrageu. Die „Figaro"-Premicre gab den ersten Me&erbltcf über die gesamten musikalischen Kräfte, die im Kulturbund am Werke sind; neben demOrchester.das die erfolgreiche Feuerprobe schon hinter sich hat, die erste Leistung der Opcrurcgie. des Solvpersouals und des Ehors. Ter'Gesamteiudruck )var im hohen Maße befriedigend und darf mit Stolz und Genugtuung erfüllen. Die Wahl gerade dieser Oper war denkbar günstig. Neben der künstlerischen Erwägung galt auch die praktische, und die erforderte die Wiedergabe eines Werkes, das einer ganzen Reihe von Künstlern Rollen zuteilt, ohne doch zu große szenische und orchestrale Ansprüche zu stellen. In Mozarts Oper wird nicht nur ein Schicksal gestaltet, sondern „Ta solle journee“, der tolle Tag, wirbelt die verschiedensten Paare im intriganten Komödienspiel an die Rampe. Wagner sagt einmal: „Mozart haucht seinen Instrumenten den sehnsuchtsvollen Atem der menschlichen Stimme ein." Wir dürfen mehr sagen: Mozarts Musik hauchte einem ganzen Libretto, einem unlebeudigeu Stofs den Atem der Beseelung ein. So erhob er das Libretto zur Dichtung, ließ aus einer Szenenfolge die Idee hervorlenchteu und gestaltete ans einer gleichgültigen Fabel ein menschlich interessierendes Schicksal. Poesie in die „gehorsame Dienerin" seiner Musik, aber keine dramatische Forderung wird übersehen, und deshalb i,t hier zum ersten und bisher einzigen Male die Synthese von Drama und Oper in idealer Weise vollzogen. Die geniale Unbefangenheit löst damit im Werke das umstrittenste Kunst- Problem, die Frage nach dem Verhältnis vom Wort zum Tom Kaum drei Generationen später waren Musikdrama und Over Begriffe Ensäsilichstcr Art flcnnit&en. Mozarts ®chemraiä ist cä, m der Nummornaper da-j Menschendrama zu ucben. Daraus ergibt sich als Grnndfordernng der. Interpretation seiner Opern: die seelische Situation und den dramatischen Verlauf glaubhaft machen zu können, ohne durch zu realistische Darstellung den großen melodischen Bogen zu zerstören. . So betrachtet, hat die Regie Tr. Kurt Singers des Guten manchmal etivas zu viel getan. Stellenweise merkte man die Absicht, jede eiuzelire Phase des Orchesters im Spiel der Säuger deutlich zu machen und damit das Akustische aufs engste auf das Optische zu übertragen. Die Darstellung war überall da ungeheuunt und lebendig, wo die Nachahmung der musikalischen Vorgänge ans der Bühne nicht allzu fühlbar wurde. Die Bühnenbilder waren von Heinz C o n d e l l in weiser Oekonvmie und kluger Ausnutzung des Raumes entworfen, eine entzückende Mischung von Rokokvszenerie und Spielzeugschachtel. Ein Genieblitz war die Ausgestaltung des vorletzten Bildes; dort wurde neben dem Festsaal noch ein Tanzpodium und eine Orchesterempore untergebracht. Originell auch der Einfall, Ehernbins Sprung aus dem Fenster einmal sichtbar zu machen. Dem heiteren Nahmen fügten sich die schönen, farbenfrohen Kostüme harmonisch ein. Die musikalische Leitung hatte Josef Rose n ft o cf, der als geborener Theatermann mit Fingerspitzengefühl und unfehlbarem Instinkt . den seinen Nuancen dieser zarten, anmutigen Musik nachspürte. Im Orchester traten naturgemäß die Stärken und Schwächen klarer zutage als in den Konzerten. Die Schwächen, die in den Verhältnissen begründet sind (noch immer sind nicht alle Bläser doppelt besetzt). Weit mehr aber noch die Stärken, die Sauberkeit und Durchsichtigkeit des Klanges, das exakte Zusammenspiel und die hohe Disziplin, die sich ganz besonders in der erforderlichen Zurückhaltung einer Dpernbegleitung bewähren muß. In der Olwertüre und im Marsch wurde der Grad absoluter Vollendung erreicht. Demgegenüber fallen gelegentliche kleine Unstimmigfeüeit mit den Säugern nur wenig in-) Gewicht. Walter Olitzki, der als Figaro prachtvoll in Figur, Stimme und Spiel war, erreichte das Forruat sehr großer Vorbilder, eine Freude, dies herrliche Organ zu hören; die gleiche souveräne Beherrschung auch in der Darstellung, in einer Person Durchtriebenheit und Männlichkeit glaubhaft vereint. Tie E.avatine, gewöhnlich als Ausdruck trotzigen Ingrimms ausgefaßt, hatte bei ihm einen leisen ironischen Beillang. Susanne war Fritzi Io kl, ein anmutiges Kammermädchen. hübsch in Bewegung und Aussehen. Tie Stimme, die den Raum anfangs nicht recht füllte, entfaltete sich im Verlaufe des Abends mehr und mehr. Tie Arie im vierten Akt fang sie sehr schön, brachte ohne Anstrengung die zwei Oktaven des berühmten Stückes. Bei Fritz L e ch n e r als Almaviva übertrafen die stimmlichen Dualitäten weit die schauspielerischen. Seine Gattin gab Vera Ai o l e n a wieder, die wegen Indisposition ihre zweite Arie auSfallen'lassen mußte. Susanne Stein war die Vertreterin der schwierigsten Rolle, des Eherubin. In der Darstellung kam die ungestüme, manchmal unbeholfene Leidenschaft gut heraus. Obwohl der Sängerin Altpartien wahrscheinlich noch besser liegen, erfreute sie auch in der Sopranlage durch den besonderen Wohllaut ihrer Stimme, den mühelosen Ansatz und die erstaunlich hohe Kultivierung. In'kleineren Rollen: Erich Fuchs als Bartvlo, eine Eharaktertype eigener'Art. Anna Lipin als eine merkn'ürdig jugendliche Matrone Marcelline. Unübertrefflich stotterte der Richter Julius & u th a n s, während Marcel NoeZ Stimme für Mozart zu schwer ist. Den dummdreisten Gärtner gab Heinrich Korn; Liselotte Jacvby roar als Bärbchcn besonders reizvoll und suchte die „unglückselige kleine Nadel" mit großer Anmut. Ein Kabinettstück der Fandango, den acht Damen tanzten. Tie frischklingenden Chöre waren von Berthold Sander einstudiert.