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Central-Verein-Zeitung · 1933-10-11 · 39 (11.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
39 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Die Mutter — vielleicht war bas ba-> Primäre! — gelb mit bem Jungen in bas t’lllc Blusenm nnb beslicyt ben Diener, bas; er ihm bie. Mastabas, die bort eingebauten, ägvptiselien Drab'amnlern öffnet, nnb il)m nei einer Sterze bie Wänbe siel) gellau anzliselien erlaubt..., eine Sache, bie zloar lebene'bestimmenb für einen Aegyptologeu loar, nnb ber bie Welt vielleicht bie Nofretete bantt, aber bie ben; Alaune feine Stellung hätte losten tonnen, wenn es herausgekommen wäre. Tr bittet ben Vater, ihm bie ägyptische (Grammatik von TberS zu lausen, die sein Jreunb besitzt. Ter Vater — es beginnt uns schlecht zu gehen — hat für so etwas kein Gelb. Der Bruder leiht sie fiel) über die Ferien vom Freund nnb stenographiert fiel) in Lanbeck — ich sehe ihil bainit noch int Garten sitzen —die ganze EvcrS- Grammatik, aber, was ich mehr bownnberte, er malt all bie Püppchen mlb Vögelchen nnb Bienen mtb Obelisken und Wellenlinien nnb Geier und Füchse — da sehr sauber sich bi nein. IHber Ebers genügt ihnt nicht, und cr beginnt, sich in einer primitiven Kartothek ans unbebrllclten Visitenkarten ein ägyptisches Wörterbuch herzustellen. In ber Schule l)at er ägvptisclie Texte unter ber Bank während des Unterrichts. Nach Jahrzehnten trifft er einen alten Lehrer: „Ich weis; genau", sagt ber, „was Sie seht machen. Sie machen seht bas auf dem Tisch, waS toic bei mir unterm Tisch gemacht haben!" DaS Abitur tvird mit einem Latein mündlich und schriftlich „ungenügend" bewältigt. Dem stehen erzeptionelle Leistungen in Atathematik gegenüber. Da Brotstudium nötig, kann AcgyPtologie nicht erwählt werden, sondern Baufach. Der Versuch, zugleich Technische Hochschule nnb Universität zu belegen, scheitert an den Verordnungen. Trotzdem ist Ermann auf ihn aufmerksam geworben und er wird, ohne je studiert zu haben, besoldeter Hilfsassistent am Berliner Museum. Baufach wird weitergetrieben alS Brotstubium, und das Banführen nnb später Baumeisterepamen gemacht. Vorher kommt feine erste Arbeit vor die Akademie. Auf einer assyrischen Tontafel, die erworben wird, sind ziemlich unerklärliche Linien eingegraben. Der Architekt sieht, das; es war ein Banplan sein kann, rekonstruiert danach den Ban, und der Mathematiker weist und), . . auch bet der Arbeit über den Böschungswinkel der Pyramiden kommt ihnt später seine mathematische Begabung zugute! Gr weht nach, das; das bisher angenoinutette LängeneinheitSmasi von anderer Grösie gewesen sein nmj;. Um seine Mitarbeit mit Museum nicht zu gefährden, bleibt der Baumeister bei der Ministerialbankonnnission in Berlin. . . . als Bauführer baute er Walzmühlen in Königsberg. . . Nun wollen die Engländer das Stauwerk oberhalb der Insel Philae aulegen. Die Kulturvölker protestieren dagegen. . . Denn Philae war damals noch das Kleinod Aegyptens. Es wird darin eingewilligt, das; ein englischer, ein französischer und ein deutscher Gelehrter heruutergescyickt wird, um die Insel abzugraben, damit inan sieht, was eventuell durch die zeitweilige Ueberschweminung zerstört werden könnte. Der Aegyptologe mns; zugleich etwas vom Baufach verstehen. Und da gibt es nur einen in Deutschland, und der Negiernngsbanmeister Aorchardt wird dazu aus ein oder zwei Jahre beurlaubt. Sein Urteil, dem man nicht folgt, geht dahin, daS Staubecken weiter oben oder weiter unten anzulegeu, damit die Tempel auch erhalten bleiben. . . Heute sind sie fast vernichtet. Da der Süden Aegyptens noch um lM', wißenschaftlich nicht durchforscht ist, nimmt er sich eine Dahabigeh und fährt den Nil mit feiner Mannschaft herauf, soweit er damals für einen Europäer zugänglich war, nämlich bis Wadi Halfa. Jenseits beginnt noch das Reich des Mahdi. Da feine Besatzung Hunger hat, steigt er aus, um tu einem Dorf einen Hammel zu kaufen. Der Dorfälteste sitzt ans einem Stein. Der Hammel soll . . . glückliches Land'! . . . einen Piaster kosten. „Ich gebe dir sogar fünf, wenn du mir den Stein gibst, als Bakfchisch." Der Stein wird aus die Barke verladen. Es ist ein römischer Meilenstein, und cr belveist die Theorie Monnnsens. . . der in Freude diesen Stein beinahe umtanzt . . ., das; die röntische Machtsphäre svlucit also hernnterging. Mit #3 Jahren ist cr Ehrendoktor . . . der jüngste jemals der Berliner Universität. Er benutzt die freie Feit, die ihnt noch bis zur Rücklehr nach Deutschland bleibt, um die Ordnung und den Katalog der Statneit im Museum zu Kairo schlecht und unzulänglich zu finden. Und schreibt eine Eingabe an die ägyptische Negierung, eine Neuordnung betreffend. „Bitte, Herr Baumeister, wollen Sie daS machen!" Es ist der erste Deutsche, der dort je angestellt war. Ader sein Urlaub nimmt wiedernnt ein Ende. Da werden ... ich glaube Neinhard hies; der Altachü dort . . . von einem Autiqnitätenränber einige hundert Bilder angeboten. DaS Stück zu einigen Mark. „DaS mns; fatsch sein!" sagt sich Reinhard und schickt ihn fort. Es sind die Mnmienbilder von Fajnin, die einzigen Zeugen spälhellenistischerläghplischer Malerei... ja vielleicht die einzig erhaltenen Gemälde der Antike und der Enlaustik, der Wachsmalerei überhaupt. Es scheint doch nötig zn sein, das; man einen wissenschaftlichen Attache auch in Aegypten hat. Und, als sein Posten beim Museum beendigt, ist er cs. Alan hat die Tendenz, dort, wie in Athen und in Nom, ein Forschungsinstitut zn gründen, und vor allent will man mit Hilfe der inzwischen gegründeten Orientgesellschaft graben. Jedes Jahr ist Borchardt . . . manchmal unter Hunderten von arabischen und eingeborenen Arbeitern als der einzige Europäer drantzen monatelang in der Wüste, lebt in Zelten wie jene. Er findet am Schluß einer Grabung in einem hellenistischen Kirchhof den ThinwteospapyrnS mit der Schilderung der Schlacht bei Salnmis. Ein großer Teil des ägyptischen Museums in Berlin sind Ankäufe von ihm, der nicht nur gräbt, sondern auch dank seines guten Arabisch ein intimer Kwnner sämtlicher Antiqnitätenränber Aegyptens ist . . . auch iitteressante Aufnahmen ans den Fälsitzersabriken macht er, allwo dicüvandige Steingesäsie in dünnwandige — die teurer sind! — nmgeschliffen werden ... und so fort. Eines schönen Tages bietet ihm einer ein kleines Köpfchen, Holz mit Gold, von ganz andersgearteter und erlesenerer Schönheit als das, was bekannt ist, an. AVer es ist dem Berliner Atnsenm zu teuer, und er Vovegt James Simon, dem er befreundet, es für etwa 10 000 Mark zu kaufen. Es ist die Hethiterin, die Königin These. Er bringt heraus, das; sie dort „gesiuiden" tvurde, lvo die wieder verlassene Stadt des Sonnenkönigs Amenophes 1k., Telamarna, vermutet wird, und er bewegt die Orientgefellschaft, ihn dort graben zu lassen'. Die Ausbeule isi nicht tote erwartet... die Hanpttempel will man später sreilegen. Ganz zum Schluß schneidet man ein Haus an. Es ist die Bildhauerwerkstätte des Tutmes mit der Nofretete und den Dutzenden und Averdntzenden herrlichster Plastiken und AtaSken und Akke ... zum Teil heute in Berlin ... zmn Teil heule in Kairo. Mährend zuerst seine Arbeiten sprachsorschend waren, sind sie später meist mehr mit dem. Gebiet der Architektur zusammenhängend und auch mit der Atathematik, so hat er zmn Beispiel nach den Abmessungen ans einer Regen-. tenlaset der Aegypter versucht, neue Zeitinatze für das alte und mittlere vieich zn gewinnen. Da er nunmehr ... außer der KriegSzeit, seit bald 37 Jahren (nur. den Hochsommer verbringt er in EnropaZ in Aegypten lebt, so ist er wohl der beste Kenner dieses Landes und einer derjenigen, der seinen uralten Nälsein am schärfsten und völlig unphantastisch ... anders liegt es seiner Atentalität gar nicht! nachgespürt hat. Bei der Abgrabnng von Philae kam man von einer Neisegeselkschast zu ihm gelaufen, ob er nicht Wasser oder einen Kognak hätte, eine junge Dame wäre ohnmächtig geivordeit von der Hitze. Mit dieser Damc,'einer Tochter des ehedem sehr bekannten jüdischen Philantropen Eoheu aus Frautfnrt, ist er seit über dreißig Jahren verheiratet. ' Als ihn Liebermanu malte, etlvas allzi: energisch schräggestellt, und die eine Hand in der Tasche, ime geballt, sagte er 'mir: „Wisseit Se, wie ick Ihren Bruder ausfassen nwllte'^ Ja'? Ten lieb ich, der Unmögliches begehrt." ülbcr man könnte auch an ein anderes... Berzeihnug, ich bin so ungebildete ist es von Goethe? ... Goethewort also denken: Wo sich Geschick und Glück verbinden. ItaSöiitec 2c. MWÄö. München 50 Zahee alt Der Nobbiner der isroelitischeu Gcint'iube iUiündjnt, Tr. Veo Wirwew. leimte nm L*0. Lep. linnber seinen 50. Geburtstag feiern. Als Sopn des früh verstorbenen Rabbiners Tr. Aron Bärwald und rnütterlicherseits als Enkel des Breslauer Se. nünarrabbiiier.-i Tr. L. Lazarus, welcher der ältere Bruder de^ Geheim rat Prof. Tr. Atoritz Lazarus toar, trägt der gul'ilar rabbiiüfelje Traditiau mm früheren Generationen her in sieh. In München, too Tr. Bärwald schon das Ggnmasinm absolviert!>atte, fand er von seiner rabbinisch-lvissenschaftliehen Ausbildung am Breslauer jüdischähevlo-. gischen Seminar "weg schon im Jahre 1910 seine erste Tätigfeit neben Rabbiner Pros. Tr. 0', Werner s. PA., dessen Amtsnachfolger er später wurde. Bei Beginn des Krieges trat Tr. Bänvald Zlniächst als Arnüerungssolöat in den Heeresdienst und ging dann als Feldrabbiner auf den westlichen Kriegsschauplatz, wo er sich die Anerkcnmmg dev Vorgesetzten Tienststelle». den Tank der seiner'Seelsorge aiwcrtranten jüdischen Heeresangehvrigcn und hohe KriegSanSzeichimngen gewann. Tiirch seine rabbinische Tätigleit, durch Wort und Schrift und durch sein persönliches Anftreton hat sich Dr. Bänvald in lveitesten Kreisen imierhalb und antzerhalb seiner Gemeinde Anerkennung und Schätzung erworben und für unsere Gemeinschaft gewirkt. Wenn der Jubilar anö) mit Rücksicht auf die Zeitlage eine Feier in der Oesfentlichkeit abgelehnt hat. so wollen mir ihm doch herzliche Gkücüvüusche anäsprechen. t p t O W/ S iJ' Vf' Ir lüff^jit ibj O );) |! (V, In c) /I | o; i f m 7i-!i («/lk I /'A U \p: i^jltül i»; ib!ilK4!!BH.:'!bln!in: ibi j PriucSg WoOdseteO® LESSLESE O r u n <> iv a l «I-ilaaialioml heit 11)12 - SKapcaiistraM.No -><i 4 (inindiu'liuiklnsr.Hi O I.v/.ciilltlüMcon VI—1 O Taposhuim o ssorUom rrpr.lnzonclo wahlfrcio \’ach mittaeskurso auch liir SirwaoCäsetioln Sprachen. llandi'lMf.'ichcrn. Schneidern. Sprechstunden 11-1. erteilt F -4 ip rv n pn rp) n r niilErziclu]nes-n.LcrnscliwiGnol[0iicn find. Ganzponsion, Ta^osaufonthalt mit Volluntorricht u. 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