Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 34 (7.9.1933)
- Date
- 1933-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i>i'n Kräfte bc3 DascilkZ zu. vernachlässigen. >01 der Pcriode des RiiclschlagS, die wir durchleben, in U'elcher daö Tcutschtum die Rück- U'endüiig zu den biologischen Urkräften des Blutes und des Bodens urit solcher Entsch'lojseuheit Vollziel)!, kann es nicht ausbleiben, das; die Unterschiedlichkeit gegenüber dein Judentum in den Vordergrund tritt. Wir können an dieser Entwicklung nicht Vorbeigehen; auch wir werden der Stimme unseres Blutes zu lauschen haben. Dabei sreilich entspricht es unserem jüdischen Lebcnsgesühl, daS 0*> e i st i g e dem Biologischen durchaus überzuordueu. Atit diesem geistigen Teil unseres Wesens sind nur aufs innigste mit dem Denischtnm verbunden. Atehr als ein Jahrtausend laug haben europäisches und deutsches Klima, europäische und deutsche Geschichte, europäische und deutsche Geistigkeit und Kultur au unserem jüdischen Erbgut gesormt und gemodelt unb uns zu dem werden lassen, lvas wir sind. Bor allem ist es das Element der Sprache — unserer SDciiMcrsprache, denn roir haben keine andere —, das seine gewaltigen Rückwirkungen auf die Bildung unseres Geistes ausgeübt hat. Die Wirkung all' dieser Kultnrelemente ist genau so Klpund) und genau so stark, wie eben Jahr- Ijuiibci'tc alte Umwelteinflüsse bei einem Volk, . das seine Blnteigenschasten mit seltener Zähigkeit bewahrt, zu sein vermögen. Wir werden daher das deutsche Judentum, wenn wir cs t a t s a cf) engere ch t betrachten tvolleu, als das auzuscheu haben, was es ist: als ein einmaliges und einzigartiges l) i st vris ch e Z Gebilde in bestimmtem geschichtlichen Entwicklungszustand. Als solches unterliegt es dem Gesetz der Wandlung. Bon dieser Auffassung ausgehend, verstehen nur die Unterschiede und Spannungen, die sich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gellend machen. Das deutsche Judentum, in seiner Gesamtheit betrachtet, hat gleichsam einen rechten und einen linken Flügel, je nachdem bis zu welchem Grade der Unlvsbarleit der Berschinelznngsprvzeß zwischen jüdischem Erbgut unb deutschen Kulturei emcnten bei den einzelnen Individuen gcdiel)en ist. Diejenigen, in bcucit die Ströme des Blutes noch laut und vernehmbar rauschen — und es sind wahrlich nicht die schlechtesten Vertreter des deutschen Judentums —, setzen der deutsch-völkischen Lösung die jüdisch-völkische des Zionismus entgegen und finden in ihr Frieden und Halt. Wir hingegen, die wir uns deutsche Inden nennen — welchen Namen sollten nur uns sonst beilegen? — befinden uns in einer schwierigeren Lage, die man wohl, ohne Pathetisch sein zu wollen, tragisch nennen kann. In uns ist die deutsch-jüdische Synthese bis zum Grade der nicht mehr lösbaren chemischen Verbindung gediehen. Für uns ist die „Volkwerdnug" im Sinne des Zionismus kein gangbarer Weg. Sie ist einfach dein historischen Zustande, in welchem wir uns befinden, nicht mehraitgc patzt. Wir werden daher von der d i: a 11 st i s ch e n Struktur unseres Wesens als seelischer Grnndtatsache auszugehen 'haben. Unsere geistige Aufgabe geht dahin, die Gefahr 31t vermeiden, die hieraus folgenden Spannringen in selbstzerstörerischer Weise zu entladen. Wir werden vielmehr diese Energien zu einem einheitlichen, ins Produktive g e w e n d e t e n, in seiner Beson' derheit wertvollen und eindeutig bestimmbaren Ganzen zusammenzusassen haben. Wir müssen versuchen, den geometrischen Ort zu bestimmen, den wir innerhalb des Deutschtmns einnehmen. Um ihn zu finden, werden wir uns zunächst gegen die benachbarten Bereiche, in die unsere Gemeinschaft hineinragt, ab zug r.e uzen haben. Nur so werden wir jenes sichere G renz gefü h l gewinnen können, das als die wichtigste Voraussetzung eines ersprießlichen ZnsamnmmlebenS angesprvchcn werden kann. Entgegen der bisherigen Betrachtungsweise werden wir dabei nicht die Betonung der Ueberei nftimmutigen, sondern die Hervorhebung der Unterschiede in den Vordergrund zu rücken haben. Nicht als ob wir dabei unserer Verbundenheit vergätzen. Ist sie wurzelecht und wesenhast, so ist sie unverlierbar. Wollen wir aber das Phänomen, das nur selbst darstellen, begreifen lernen, so müssen auch wir uns zunächst isoliert betrachten. Nur so werden wir von uns aus eine positive Antwort ans die Frage, nach unserer Wesenheit zu geben vermögen, auf die uns negative und mitzverständliche Antworten allzuost und deutlich entgegentonen. Wer eine richtige Antwort finden will, wird zunächst richtig fragen müssen. Das deutsche Judentum stellt eine blntmätzig und religiös in sich geschlossene Gruppe dar. Wir werden daher unsere Sonderart gegenüber den Bluts- und Religionsgemeinschaften, die uns umgeben und in die wir eingebettet sind« zu bestimmen haben: dem blutsbedingten Deutschtum, dem jüdisch-volklichen Ideal des Zionismus, und dem Christentum gegenüber. Bon diesen drei Hanptrichtnngen werden fiel)' viele Zweige abspalten, denen mir zu folgen haben, um in mühseliger Gedankenarbeit zum Kern unseres eigenen Wesens vvrzudringen. Sein Wert und seine Besonderheit.' lebt dunkel aber unbeirrbar in unserem Gefühl. Wie wollen dieses Gefühl mit unserem Glauben tragen und es allmählich in das Licht der Erkenntnis heben. In dem Matze, in dem wir es zu einer geschlossenen, lebenswahren und zukunftsträchtigen Idee erweitern, die uns zu innerst erfüllt und trägt, werden Mißachtung und Mißtrauen von selbst zu schwinden beginnen. Dr. Hans Rosenleld. EcjMgj3p die mmüu rnrnsem mmsm UeberaiilCerung und Geburtenrüdkgumf* der deutschen Juden ^clm heute viel von dem überstarken jüdischen Anteil am Erwerbsleben die Rede ist, muß man sich zunächst vergegenwärtigen, daß nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1925, die auch nach amtlicher Auffassung für die Erkenntnis der wirtschaftlichen Struktur der deutschen Inden vor der jüngsten Umwandlung noch grundlegend waren, von rund 564 000 Inden nur 261 000, d. h. 46,3 Prozent hauptberuflich criverbstätig waren, ivährend der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkernng um 5 vom Hundert hoher, nämlich bei 51,3 Prozent, lag. Trotz dieser niedrigen Zahlen sind die Inden in einigen Wirtschaststeilen, die ihnen ofscnstanden, stärker vertreten, als ihrem Anteil an der Reichsbevölkerung (0,9 Prozent) entsprach. Das hat seinen Grund in der b e s 0 n d e r e n A lterszusa m m e ns e tz u n g der deutschen Inden, in der T a t s a ch e i h r e r a u ß e r 0 r d e n t l i ch e n U e b e r a l t e r u n g. 1925 gehörten gleichermaßen rund 55 Prozent der Gesamtbevolkernng mic der jüdischen im Reich, Ländern und Großstädten zu der Altersgruppe zwischen 15 und 50 Jahren, die ja die Hauptmasse der Erwerbstätigen stellt. Die weiteren Mengen jüdischer Erwerbstätiger sind daher in der Altersgrenze über 50 Jahre zu suchen, die tatsächlich bei den Inden viel stärker besetzt war als bei der Gesamtheit. Die amtlichen Zahlen zeigen ganz kraß das Uebcrwiegen der alteren Jahrgänge der jüdischen Bevölkerung über die Jugend im Gegensatz zur deutschen Gesamtbevolkernng, bei der trotz des Geburtenrückganges die Zahl der Jugendlichen die der Aelteren überstieg. So wurden 1925 in Deutschland bei der Gesamt-, bevölkernng 16 071 858 Personen im Alter von weniger als 15 Jahren, 11720 653 Personen im Alter von mehr als 50 Jahren, bei der jüdischen Bevölkernng 101 201 Personen im Alter von weniger als ' 15 Jahren, 141 987 Personen im Alter von mehr als 50 Jahren gezählt. Der Anteil der Jugend an der Bevölkerung betrug also 25,7 v. H., der der über 50jährigen 18,7 v. H. Bei der jüdischen Bevölkernng dagegen ist es genau umgekehrt; der Anteil der Jugend unter 15 Jahren liegt bei ihnen knapp bei 18 v. H., während mehr als ein Viertel der deutschen Inden über 50 Jahre alt >var. Natürlich mirft sich diese Umkehrung aus das Ausmaß der Erwerbstätigkeit der jüdischen Bevölkerung ans. Betrachtet man die entsprechenden Zahlen für die einzelnen Länder, wie sie in der nachstehenden .Ausstellung I enthalten sind, so ergibt sich noch über die für das Reich scstgesctzte Umkehrung hinaus, daß der Anteil der Jugend an der Gesamtbevolkernng kaum irgendwo ein Viertel überstieg, wohingegen in manchen Staaten mehr als 25 v. H. der jüdischen Bevölkerung die 50 schon überschritten hatten. Die Ueberalterung ist, wie au§' der Uebersicht erhellt, zum Teil ganz besonders stark in kleineren Ländern mit vorwiegend ländlicher Bevölkernng, das mag in der Tatsache der Abwanderung der Jugend in die Großstädte seine Erklärung finden. I. Bild Ver Ueberalterung der jüdischen' Bevölkerung irr einigen wichtigen deutschen Ländern Mitte 1925. Don 100 Personen gehörten zu der Altersgruppe bis 15 Jahre über 5Ü Jahre bei der bei der bei der bei »er Gesamtjüdischen Gesamtjüdische« Länder Bevölkerung Bevölkerung 1 Preußen « . „ 2 Bauern . . « . 27,07 Baden . . 26,71 Äcssen . . » » Hamburg . . . . 19,72 Württemberg. . . 26,71 Thüringen. . . . 25,93 Mecklbg.-Schwerin . 25,01 Anhalt .... . 25,05 . 28,23 Waldeck .... . 26,81 Mrcklbg.-Streliß Echaumburg-Lippe . 24,67 Deutsches Reich . . 25,75 3 4 5 17,57 18,52 24,89 18,23 18,65 28,28 17,31 18,43 27,15 18,37 10,31 25,94 16,70 10,91 27,87 18,76 19,18 28,32 19,79 10,52 23,67 19,35 21,88 29,14 19,30 20,46 28,94 17,14 19,38 30,96 17,40 20,19 24,74 13,74 22,71 33,51 15,00_ 20,46— _33,88 _ 17,93 18,79 25,16 Aber auch die Großstädte bieten das gleiche Bild.- Infolge geringerer Geburtenzahlen lag bei der großstädtischen Bevölkerung schon säst allgemein der Anteil der Jugendlichen unter einem Viertel und näherte sich den Sätzen der jüdischen Bevölkerung. Dennoch ist das Mißverhältnis durchweg das gleiche: ivährend bei der Gesamtbevolkernng der Anteil der über 50jührigen immer nur wenig über 15 v. H. lag, waren bei den jüdischen Grvßstadtbewohnern nahezu überall mehr als ein Viertel über 50 Jahre alt. Die nachstehende Zusammen-, stellnng II zeigt das an einigen interessanten Beispielen. . II. Bild dev Neberalterung dev jüdischen Bevölkerung in einigen wichtigen deutschen (Sroszstädten Mitte 1925. Bon 100 Personen gehörten zu der Altersgruppe bis 15 Jahre über 50 Jahre bei der bei der bei der bei der ' Gesamtjüdischen Gesamtjüdischen Großstädte Bevölkerung Bevölkerung 1 2 3 4 5 Berlin.lf),«2 15,73 20,75 25,01 Aachen. 22,03 16,06 10,84 27,74 Augsburg .... 23,55 20,53 18,83 27,76 Breslau . . . . 21,87 16,84 10,37 27,89 Hamburg . , . . 1 >,42 16,68 10,05 27,39 Hassel, ..... 23,14 10,82 18,32 24,76 Königsberg . . 23,57 17,56 10,36 26,03 ttrcscld ..... 20,80 13,50 20,20 29,52 Mainz. 21,10 16,08 10,86 28,20 Mannheim . . . 24,11 17,87 15,31 23,39 MiUhcim/Ruhr . . 25,94 16,14 14,00 24,43 München .... 17,60 16,21 20,60 26,10 Münster .... 22,50 13,07 16,20 25,34 Nürnberg .... 21,11 19,13 17,51 25,56 Stettin . . 4 . . 20,57 15,76 21,11 30,50 Stuttgart ..... 19,78 17,57 17,86 25,92 Diese Zahlen lassen sich bis 1930 ergänzen. Allerdings ist hierfür weniger eraktes Material vorhanden. Als Hilfsmittel für die Untersuchung müssen die Geburtenziffern Verwendung finden, die wenigstens für Preußen nach Konfessionen gegliedert vorliegen und damit einen Schluß auf die entsprechenden Reichszahlen ermöglichen. Die Uebersicht III läßt erkennen, daß seit 1925 bis 1930 die Zahl der ehelichen Lebendgeburten bei der jüdischen Bevölkerung ständig und stärker zurückgegangen ist als bei der Gesamtbevölkeruug, obwohl ohnehin schon 1925 der jüdische Geburtenauteil nahezu nur noch die Hälfte. des Anteils der Bevölkerung überhaupt betrug. Die nachstehenden Zahlen weisen aus, daß der jüdische Anteil an der Geburtenziffer sich weiterhin unabläßlich verringert hat. III. Rückgang des jüdischen (Heburtenanteils von 1925 bis 1930. Eheliche Lebendaebnrten bei der Hcsamtbevölrcrung jüdischen Bevölkerung Jahr Reich Preußen lgcschätzt) Preußen 1 3 4 5 1925 . . . 1 292 499 712 971 6800 4680 1926 . . . 1 227 900 672 607 6050 4135 1927 . . . 1161719 638 086 5450 3739 1928 . . . 1 182 815 649 131 5300 3675 1929 . . . 1 147 458 629 448 4800 3283 1980 . « . 1 126 829 620 148 4650 weniger als 3000 Don 1VÜ ehelichen Lebendgeburten waren jüdisch Reich Preußen 6 7 1925 . . . 0,56 0,65 1926 . « . 0,49 0,61 1927 , . . 0,47 0,57 1928 . . . 0,44 0,57 1929 . . . 0,41 0,52 1930 . . . 0,41 0,48 Angesichts dieses außerordentlichen Geburtenrückganges läßt sich eine jüngst an anderer Stolle veröffentliche Schätzung rechtfertigen, daß Anfang 1933 im Reiche bereits mehr als 30 v. H. der Juden das 50. Lebensjahr überschritten hatten. Das Verhältnis zur Altersgliederung der Gesamtbevölkerung hat sich also noch weiter in einem Sinne verschoben, der den stärkeren Betätigungswillen der deutschen Juden verständlich macht. Misses In mehrfachen Veröffentlichungen teilt die. „Hessische Volkswacht" mit, daß in zahlreichen Fällen n i ch t j ü d i s ch e M ä d ch e n mit Juden in Ausflugslokalen, Wochenendpensionen und Hotels getroffen worden seien, worauf eine Zwangsstellung der betreffenden Personen durch S.A. oder S.S. erfolgte. Das Matt veröffentlicht Namen und An» s ch r i s t der betreffenden Personen und kündigt die fortlaufende Veröffentlichung solcher Fälle an. Auch aus anderen Landesteilen erfahren wir, daß Feststellungen, Anprangerungen und Bestrafungen junger jüdischer Leute, die mit Christinnen zusammen gesehen werden, erfolgt sind.. ' ' . As Ahech'M iO Ö2' Die vom Neichsministerinm des Innern herausgegcbenen Richtlinien für den Geschichtsunterricht haben dieses wichtige Unterrichtsfach auf eiue vollständig neue Grundlage gestellt. Die Rassenkunde tritt von nun an in den Vordergrund der geschichtlichen Auffassung. Die Richtlinien schreiben ausdrücklich vor, daß von einer Herabsetzung fremder Nassen grundsätzlich abzusehcn sei. Leider scheint diese Vorschrift nicht durchgängig berücksichtigt zu werden. Tenn soeben ist in dem angesehenen Schulbüchcrverlag Quelle u. Meyer, Leipzig, das von Studienrat Dr. K. Zimmermann verfaßte Buch „Deutsche Geschichte als Rassenschiclsal" bereits in zweiter Auflage erschienen. In diesem Buch, das vom Verlag als „ein wichtiges. Nachschlagewerk für den künftigen Geschichtsunterricht" bezeichnet wird, erscheint das Judentum als eine „verhängnisvollste, artfremde Geistesmacht", deren „zersetzende mtö zerstörende Kraft" eingehend beleuchtet wird. Dieser Vorgang erfüllt uns mit ernstester Sorge. Was sollen jüdische Schüler und' Schülerinnen, die össcntliche Schulen besuchen, empfinden, wenn ihre Abstammung und heilige Religion, die der Welt die Bibel gab, derartig dargestellt wird? Wir wünschen deshalb aufrichtig, daß die vom Herrn Neichsinnenminister erlassenen Richtlinien auch auf die Behandlung des Judentums in den Schulbüchern Anwendung finden mögen. Tie katholische Kirche der Rcichshauptstodt hat durch den frühen Heimgang ihres Bischofs. Christian Schreiber, der nach schmerzensreichem, aber mit großer Geduld getragenem Leiden entschlafen ist, einen schweren Verlust erlitten. An ihrer Trauer haben das Oberhaupt des Reiches und die Regierung Anteil genommen. Alle Kreise wollen bekunden, welche Leistung Bischof Schreiber vollbracht hat und wie seine weise und gütige Führung fehlen wird. Auch wir deutschen Juden haben vielfach Anlaß, an der Bahre dieses wohlwollenden und hilfreichen Mannes unseren Tank auszusprecheu. Wir blicken ans seinen Lcbensgang, auf seine, große Gelehrsamkeit, auf seine bewährte Führung als sächsischer Landesbischof, auf die große Lrganisationskrast, die er als Administrator des neuausgerichteten Berliner Bistums und als erster Bischof hier vollbracht hat. Bemerkenswert und vorbildlich sind hier in schwerster Zeit seine charitative Tätigkeit, seine Hingabe für die Krankenpflege, für die katholischen Institutionen, die er auch den Mitgliedern unseres Bekenntnisses lieb und vertrant gemacht hat. Sein voraussckjauender Sinn hat in den vergangenen Jahren, als es mit der Anspammng äußerster Kräfte noch möglich war, das imponierende Gesamtwert der Kirche in Berlin gefördert und, wenn man auch bei der Kürze dieser Zeilen nicht im einzelnen berichten darf, welche neuen Kirchen, Seminare, Schulen und Heilanstalten von ihm geschaffen wurden, so bleib't doch die würdige und seltne Erneuerung des Domes von St. Hedwig ein monumentales Dokument und die Errichtung des Ordinariats in der Behrenstraße eine Zierde der Weltstadt. In anderem Betracht haben wir dem Heimgegangenen Bischof ausrichtig zu danken. Seine Beziehungen zu den deutschen Inden waren nicht turrekt, sondern herzlich. Sein edler Wille seine, uns bis zuletzt bewiesene hilfreiche Menschlichkeit sichern ihm in unserem Herzen ein treues Gedenken.' Möchten die vertrauensvollen Beziehungen, die Bischof Schreiber und seine bevorzugten Mitarbeiter unserem Empfinden so nahe brachten, zu seiner dauernden Ehre und zur Mehrung des Friedens und Verständnisses zwischen den Bekenntnissen, zum Segen des Landes gewahrt und erhalten bleiben! Dr. Martin Salomonski. 44 i Ein Edelmann des Herzens ist von uns gegangl Ein Mensch, der Maunesmut. Vornehmheil k Eharokters, Güte und soziale Hilfsbereitschaft in : Vereinte. T-er schlankgewachsene, elastische Mann mit l blauen Augen und dem dunkelblonden Haar war jeder Hinsicht eine soldatische Natur. Fünfmal er im Weltkrieg verwundet worden. Um seil militärischen Leistung willen wurde er zum Ob loutnant befördert und nüt dem Eisernen Kri erster und zweiter Klasse, dem bayerischen Milit vcrdicnstkreuz, dem goldenen Vcrwundetenabzeick geschmückt. 0 ' Er. der als Reffe des bekannten Zeitung Verlegers un Jahre 1890 geboren wurde, hak in ' Nachkriegszeit als einer der ersten die 'Notwendig! der Rucksiedlung der deutschen Juden aufs Le Semem landwirtschaftlichen Berufe leid schaftlich ergeben, forderte er das jüdische Siedln» Se5- Kräften. „Aufs Land!": so war l >11100]) ubrrgchrleben, den er vor einigen Jahren veröffentlichte. Nicht nur seine Frau nüt ihren drei Kinde' sondern werte Kreise der deutschen Juden!) trauern heute um diesen Mann.