Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 32 (10.8.1933)
- Date
- 1933-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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$on Hilöe GLLenheLmer tSsrLirl) Wenn auch gegenwärtig die Frage der Schulen und ihre Ausgestaltung nach der Indischen und allgemeinen Seite hin im deutscheu Judentum brennend geworden ist, so darf doch nicht übersehen werden, daß 'das Schul und Ilnterrichtswesen nur ein Gebiet der jüdischen Erziehung bildet. Mindestens ebenso große Pädagogische Bedeutung kommt der Erziehungssürsorge zu, welche ein buntes und biclgegliedertes System von Anstalten und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche umfaßt. Ein Ausbau des Erziehung?" Wesens, wie er über kurz oder lang durch die Wirksamkeit der NeichSvertretung der deutschen Juden zu erwarten ist. muß daher die ganze pädagogische Wirklichkeit: Schule und Kinderfürsorge berücksichtigen. In gcistcSgcschichtlicher Beziehung stanunen beide Einrichtungen aus einer Wurzel. Es ist nur ein Ergebnis der Entwicklung im 19. Jahrhundert in Deutschland, daß die Jugendfürsorge ein Anhängsel des Armeuwefens wurde (was zum Beispiel m Frankreich niemals der Fall war). Erst um die Jahrhundertwende. und vor allein im Kriege, nahm die Erziehungsfürsorge so starken Aufschwung, daß ein bedeutender Theoretiker der Pädagogik sie vor ganz kurzer Zeit als dasjenige Gebiet bezeichuete, aus welchem sich das stärkste pädagogische Leben entfalte. Dieselbe Beobachtung ließ sich auch mnerhalb der jüdischpädagogischen Beivcgung machen. Inzwischen smd unter dem Einfluß des Nationalsozialismus wieder andere pädagogische Fragen in den Vordergrund getreten. Wir Juden dürfen nicht dem Impuls und der Bewegung des Augenblicks folgen und uns auf einen Ausbau des Schulwesens beschränken, sondern die einmal gewonnene pädagogische Blickrveite mus; für alle erzieherischen Maßnahmen entscheidend sein. Denn ob es sich um Volks-, Mittel- oder höhere Schule, ob um Waisenhaus, Jugendklub oder Kindergarten handelt — ausschlaggebend ist nicht die Einrichtung, sondern ihre Ausgabe: die Erziehung unserer Kinder. Es herrscht ohnehin schon so viel Gespaltenheit im Judentum, warum soll also schon eine — und zwar noch nicht einmal geistig, sondern nur sozial verursachte — Trennung in unsere Kinderwelt hineingetragen werden? Denn es spielt natürlich für ein Kind eine große Nolle, ob es als „armes Waisenkind" betrachtet wird, oder ob seine Erziehung auch außerhalb des Schulbetriebs rein pädagogisch orientiert ist. Was also auch als Bildungs. und Erziehungsziel herausgestellt wird, es besitzt in gleichem Maße Geltung für die Kinderfürsorge wie für das Schulwesen. Konkret gesehen, stehen in beiden Fällen, in welchen es sich um außcrhäusliche Funktionen der jüdischen Erziehung handelt, Kind und Gemeinschaft gegenüber: Die Ausbildung des Kindes in der Schule erfolgt nach einem Maßstab, der geschichtlich und praktisch bedingt ist, und durch welchen die Gemeinschaft ihren Bildungswillen im Hinblick aus die Zukunft zum Ausdruck bringt. Art und Maß der Kindersürsorge ist dagegen ein Zeichen der größeren oder geringeren Erziehungsverandvortung zu einem bestimmten Zeitpunkt; hier spielt also d i e Gegenwart die maßgebende Rolle. Aber beidemal wird die eigentliche pädagogische Lage durch die Beziehung zwischen Gemeinschaft und Kind geschaffen. Die praktischen Folgen einer solchen Zusammenfassung des jüdischen Erziehungswesens beziehen sich vor allem auf die Aus- und Fortbildung der Lehrer und Erzieher, welche ihre einheitliche Grundlage in der Wissenschaft vom Judentum besitzt. Auf diesem Boden erst teilt sich die Ausbildung in eine methodisch-didaktische auf der einen Seite und eine praktischtechnische auf der anderen. Aber auch in der Praxis hat sich bereits eine Annäherung der Aufgaben vollzogen. Denn angesichts ^der gegenwärtigen Entwurzelung des jüdischen Kindes hat die Schule mindestens ebenso große psychologisch-pädagogische als rein fachliche Aufgaben zu erfüllen; der jüdische Lehrer muß das Kind zu Gemeinschaftserlebnissen führen, die man früher nur im Anstaltswesen kannte. Wenn daher in der nächsten Zeit das Erziehungswesen verankert und ausgestaltet wird, so darf der Blick nicht auf die Schule gebannt bleiben. Auch die Erziehungsfürsorge, die so viele geschlossenen, halboffenen und offenen Einrichtungen umfaßt, braucht ihre pädagogische Orientierung und ihren systematischen Ausbau, denn auch sie erzieht nach dem Bilde, das die Gemeinschaft sich vom jüdischen Kinde und vom jüdischen Menschen macht. Leon Korrüher: „Jüdische Klänge*, Derlag M. Leßmann, Hamburg. Diese Sammlung jüdischer Gesänge wird in einem stattlichen, gefällig ausgestatteten Band der Oefsentlichkeit Vorgelegt. Ter Herausgeber Leon K o r n i tz e r. der weltbekannte und geschätzte Hamburger Oberkantor, hat sich durch seine liturgische Tätigkeit, seine Arbeiten als Komponist gehaltvoller Synagogalmusik und als Redakteur der Musikbeilage des „Israelitischen Familicnblattcs" für eine Arbeit wie die vorliegende bestens legitimiert. Es handelt sich hier nicht um die Ergebnisse musikgcschichtlicher Forschung, auch nicht um Vorlagen für anspruchsvolle, konzertmäßige, ösfentliche Ausführungen, um Musik für LU'mstler und Virtuosen, sondern um eine nach praktischen Gesichtspunkten veranstaltete Auswahl für den jüdischen Hausgebrauch, für Schulen, für jüdische Beranstaltuugeu. Die etwn80Stücke der Sammlung sind in vier Abteilungen znsamnicugcsaßt: Gesänge für den öffentlichen Gottesdienst, für das jüdische Haus, jüdische Volkslieder und freie Kompositionen. In allen vier Teilen finden sich viele melodisch wertvolle, ansprechende Gesänge, teils Originalkompositionen verschiedener Tvnsetzer, teils Bearbeitungen überlieferter jüdischer Weisen und östlicher Ghettoliedcr. Weitaus die meisten Bearbeitungen stammen von Kornitzer selbst, der in den klangvollen, wohlgesetzten und charakteristischen Klavierbegleitungen sich als gewandter, gebildeter und geschmackvoller Musiker ausweist. Ein besonderer Wert der Sainmlung liegt in der Fülle überlieferter jüdischer Melodien, etwa fünfzig synagogalen und Aolkslicdweisen. Hier liegt bequem zugänglich ein reichhaltiges jüdisches Liederbuch vor, das über die obengenannten praktischen Zwecke hmaus auch dienen kann zur ersten Orientierung über das Gebiet der jüdischen Musik, die in neueren Zeiten in wachsendem Maße anerkannt wird als ein Eigengebilde besonders charakteristischer Prägung. vr. Hugo Lcichtcntritt, I Konrqdshölte kr. Bcrfin-Tegc! Kurhaus lionraddhöhr. Erholung in Wald- und Wasscr- Dilla. 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