Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 31 (3.8.1933)
- Date
- 1933-08-03
- Page
- Seite 312 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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3 n Fortsetzung MhiW! rache: 'gMMM fllif Ws «bjkji Als MitlSüM kt LruKMMm MZO Von Norbert L'cl?helm Das deutsche Judentum kämpft heute einen heroischen Kampf um sein seelisches und wirtschaftliches Sein, gervillt, die stärkste Erschütterung der deutschen Juden seit ihrer Emanzipation durch Neuaufbau zu überwinden. In die Defensive gedrängt ringt die Ältere Generation um die Erhaltung und Neufestigung ihrer Stellungen, die jüngere Generation aber um ihren seelischen und wirtschaftlichen Lebensra urn in Deutschland. Alte Autoritätsinhalte sind zustunmengebrochen, alte Zielsetzungen im Sinn und Zweck ihrer Forderung überholt. Der ideologische Damm, den das deutsche Judentum sich baute, hat schwere Schäden erfahren. Keine Sicherheitsvorkehrung hat genützt, selbst in den höchsten, bisher nicht bedrohten Gebieten, ist man besorgt. Wird der Damm halten? — ist die entscheidende Frage geworden, denn immer enger schlicht sich der Ring um die noch vorhandenen Stützpunkte. Diskutieren wir in diesem Augenblick nicht über Fragen der Schuld, über begangene Fehler. Zuviel bereits ist in den vergangenen Monaten Problematisiert und theoretisiert worden, von Unberufenen und von Besserwissern, die uns wahrlich nicht die Arbeit erleichtert haben. In aller Schärfe sei es deshalb gesagt: die Fragen unseres deutsch-jüdischen Seins sind keine Fragen der Patentlösung. Und wenn wir der deutsch-jüdischen Jugend als deren verantwortliche Führer heute neue Parolen und neue Zielsetzungen geben, damit in neuer Orientierung neue Voraussetzungen unseres jüdischen Lebens in Deutschland zu schaffen versuchen, so bleibt die Endrichtung all unseres Bemühens um jüdische Jugend der Idee erhalten, die heute den härtesten und damit für uns den schönsten Kampf zu führen hat: d e r deutschjüdischen. Die erste Emanzipationsepoche deutscher Juden ist vorbei. Politisch zu Ende in dem Augenblick, da der jüdische Frontsoldat nur dem nichtjüdischen Nichlsrontsoldaten. gleichbe-, rechtigt ist, war sie geistig bereits nicht mehr vorhanden, als die Generation, die sie erkämpfe, ihr Judentum aufgab, um rhr Deutschtum zu erringen. Aus den deutschen Positionen gedrängt, will heute das deutsche Judentum sich im Bewußtsein feiner Wertigkeit zu jüdischem Inhalt bekennen, und es spürt die doppelte Tragik feiner Lage, daß auch vielfach ihm der Zugang zu diesen Quellen verschüttet ist. Nur noch formelmäßig sind dem Großteil jüdischer Jugend jüdische Kulturwerke übermittelt worden, ohne Verbindung zum Inhalt. Die Bindung und der innerliche Kontakt mit dem religiösen jüdischen Leben fehlte, weil nur die erstarrten Formen vielfach bekannt waren, die innerlich junge Menschen nicht zu erfassen vermögen. So mußte diese Emanzipation eitern, weit der deutsch-jüdische mm in feinen jüdischen Positionen morsch wurde, und der deutsche Stützpunkt allein den jüdischen Menschen nicht* mehr zu tragen vermochte. Eingeengt in der Freiheit unserer Entscheidung durch den äußeren Druck, der aus uns lastet, beginnen wir einen neuen Kampf um unserchZukunft. Wirtschaftlich auf einen Lebensraum beschränkt, der uns Sorge bereitet, ob er zum Lebensminimum reichen wird, erscheint jede Alttstiegsmöglichkeit versperrt. Aber da es keine wirklichen Lösungen der Lebensfragen der deutschen Juden außerhalb Deutschlands gibt, weder in Palästina, noch im übrigen Ausland, so wird Großteil der jüdischen Jugend in Deutschland die Fragen ihres Judeseins lösen müssen. Durch neue Formen der Lebenshaltung und wirtschaftlichen Zielsetzung werden wir die mit fast elementarer Wucht in das jüdische Leben eindringenden Ereignisse zu übenoinden versuchen, neu erringen, was die wirtschaftliche Entwicklung einem Teil genommen hatte: die Verbindung zur Handarbeit, die Verbindung zur Scholle. Der Großteil der Jugend wird in Deutschland bleiben, bleiben müssen, weil sie die Bindungen an Sprache, Landschaft und Kultur unserer deutschen Heimat nicht aufgeben will. Sie muß danach streben. sich in das deutsche Leben wieder einzuordnen. Die Emanzipation ist verloren, es beginnt neu die Arbeit um sie.. Aber sie wird nur möglich sein, wenn wir als aufrechte und bewußte Juden, Juden, die um das Leben und das Erleben ihrer Gemeinschaft wissen, sie zu führen vermögen. Das Wissen um jüdische Geschichte, die Kenntnis des religiösen Schrifttums, kurz, das Wissen um Judentum wird lebendig sein müssen, wollen wir aus neuen Positionen zu alten Zielen vorstotzen. Ist die alte Emanzipation gescheitert, weil die Menschen ihr jüdisches Gleichgewicht verloren, so wird die neue nur rnöglich sein, wenn die Brücken, die wir zu unserer nichtjüdischen Mitwelt bauen wollen, sowohl an den deutschen wie an den jüdischen Peilern stark und fräftuj sein werden. Wir wollen und wir werden Deutsche sein können mit all den Pflichten, die uns das Bekenntnis zu unserer Heimat aufertegt, aber wir wollen nicht unserem' Judentum untreu werden, um die Anerkenntnis als Deutsche 31t erringen. Nur von einer deutsch-jüdischen Bejahung her werden wir zu einer Wiedereinordnung in das deutsche Leben kommen können. Ist der Weg auch heute noch nicht festgelegt, das Ziel ist uns klar. Aber wollen wir es erreichen, dann werden wir auf die verzichten müssen, die in Unklarheit und Halbheit sich nicht *ur Eindeutigkeit durchzuringen vermögen. Unüre Lebensfrage wird beantwortet werden müssen mit der klaren und selbstverständlichen Einsicht, daß wir das Leben im deutschen Kulturkreis wollen. Deswegen glauben wir, daß der, nur der das Recht hat, für 'die deutsch-jüdische Jugend zu sprechen, der dieser Einsicht Rechnung trägt, und wir dürfen verlangen, daß nur diejenigen Entscheidungen in diesem Sinne fällen, die in Klarheit heute den deutschjüdischen Weg bejahen. Die neue Zeit stellt die deutsch-jüdische Jugendgemeim'chast vor neue Ausgaben und neue Arbeiten. Niemals haben wir, auch in den für uns so trüben Stunden, in Resignation beiseite gestanden, weil das bedeutet hätte, mit unserer Zurücksetzung einverstanden zu sein. Den Menschen in den entscheidenden Stunden den seelischen Halt zu geben, sie zu sammeln und zu sinnvoller deutsch-jüdischer Eerneinschakrsarbeit zu führen, ist auch heute unsere Arbeit. Zugleich aber mit den anderen jungen Menschen im Reich die Fühlung arnznnehmen, sie einzuordnen in die grosse gemeinsame Arbeit unserer Gemeinschaft heißt/die Freut derer verbreitern, die für eine neue deutsch-jüdische Zukunft arbeiten wollen. Die Arbeit zur Neugestaltung verlangt Menschen mit Bereitschaft, mit Berantwortungsbewußuein. Führer kann heute nicht der sein, der die beste theoretische Formulierung findet, aber nicht zur Wirklichkeit vor.zustoßen imstande ist, sondern Führer wird der sein müssen, der mit dem Feuer der Begeisterung, dem Mut %nm Kampf um unser Neuland zu den Menschen findet und sie innerlich bereit macht. In einem freudigen Lebensgefühl arbeiten wir in diesem Sinne, d:e Idee weiterzutragen, die das deutsche Judentum erfüllen muß. * Die Deutschsüdische Jugendgemeinschmt ist die Jugendorgcmisaricu deutscher Juden. Sie sieht in dem aufrechten Bekenntnis zur jüdischen Abstammung und jüdischen Religion ihre Brrpstichtung zur Pfleoe positiv-religiösen Leben-. Bei stärkster Vermut Ging jüdischen Kulturgutes und der Erziehung zum aufrechten jungen I.:der> ist die Bewußtmechung des Lebens im d-utschen Kulturkreis Voraussetzung der Arbeit. Sie kämpft für eine Neneu-anzipation der Juden in Deutschland. um der jädü'chm Jugend den seelischen und wirtschaftlichen Ledensraum in ihrer Heimat neu zu erringen. Die Arbeit teilt sie in Aelteren-und Iüngerengruppen. Auskunft erteilen das Büro, Ewser Straße 42, und die Geschäftsstelle, Berlin O 27, Raupachstraße 0. Die D.J.I. T. ist an geschlossen der Dachorganisation deutschjüduch-r Jugendorganisationen, dem D e u t s ch j ü d i s m e n Jugendverband, der durch eine Zusanunenfapung der deutschjüdischen Jugen.dkräfte eine Konzentrierung deutschjüdischer Jugendarbeit anstreöt. Die Geschäftsstelle des Iug'ndverbandes, der im Augenblick ungefähr dreüausend Mitglieder zählt. K*» findet sich bei Ü'ärrlin S 0 b 0 t l e r Berlin SO Musst reche 31. WMLttWM! Gs$ 9.3.S.0. Am 26. Juli hatte sich die Deutschjüdische Jug-ndgemeinschaft zu ihrem Gesamtmilgliederapoell versammelt. Hans Galland gab ein Bild über unsere Arbeit, die trotz schwierigster äußerer Umstände keinen Augenblick gestockt lat. und stellte dir Richtlinien für die Weiterarbeit fest: die Genieinschastsarbckt für deutsches Judentum. Curt E. Kassel sprach über ..Der Weg der deutsch'ädischen Jugend in die Wirklichkeit" und ford.'r:: Einigkeit, Intensivierung der jüdischen Arbeit ohne Aufgal>e des deutschen Wollens und unbedingte Unterordnung des einzelnen unter den großen deutsch-jüdi'chui Gedanken. Als letzter Redner umriß Gerhart Reumann noch einmal in seinem Referat „Wo stehen wir?" die Lage.