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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-27 · 30 (27.7.1933) · p. Seite 297

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
30 (27.7.1933)
Date
1933-07-27
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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A ^NSSQMW vm von Nabbrnsr Dr. Ignaz Ntc^baum (§rantfurt a. S. G.) unS De. §dL-rich bro-nitz (6cdsn) DeutschLLM krr pdaßm Mit tiefet Genugtuung haben die vielen, die heute als deutsche Juden entweder selbst oder durch ihre Familienmitglieder mit Palästina Ln eine vielleicht vorher nicht geahnte, enge Beziehung gelangt sind, seststellen können, daß der E. B. als Sprecher des deutschen Judentums dieser Wendung im Schicksal des deutschen Judentums Rechnung trägt. Es ist ein Zeichen von Größe und wirklich politischer Einsicht, die heute unter uns Juden mehr als je Nachfolge finden sollte, wenn man eine durch Jahre festgehalteue Formel entschlossen fallen läßt, weil die Situation eine andere geworden ist, weil die Menschen in ihrem veränderten Schicksal von anderen Notwendigkeiten und Wünschen bewegt sind. Dieses neue Schicksal des deutschen Judentums verlangt von seinen Führern auszustwochm, daß unsere Treue zum Deutschtum-durch eine für uns jetzt in hohem Maße lebenswichtig gewordene Palästinawanderung nicht berühre wird. Der Aufgabenkreis des E. V. hat sich damit erweitert. Er hat nicht nurchas Deutschtum der in Deutschland lebenden Juden zu erhalten, er muß den deutschen Juden, der selbst oder dessen Kinder im verzweifelten Suchen nach Lebensraum dieser: in Palästina fanden, als treuen Deutschen hinstellen. Ja, sollte nicht, da jeder dritte Deutsche außerhalb der Reichsgrenzen lebt, auch das in Palästina lebende deutsche Judentum ein Moment sein, das die um das Anslandsdeutschtum interessierte Politik beachten sollte? Wenn die englischen Beamten in Palästina restentünentmäßiz von der: Juden Palästinas sprechen, sprechen sie von den german jews. Das Judentum ist Religion. Eine jüdische Kultur gibt es so wenig, wie es eine christliche Kultur gibt. Es gibt eine Kultur des Judentums. Der Ausbau Palästinas geschieht mit den Kräften der europäiscl-en Kultur. Der Anteil der deutsehen Kultur bei diesem Ausbau ist durch die letzte Eiuwanderungswelle, die aus Deutschland stammt, derart, daß allen offensichtlich wird, was viele schon vorher wußten: Palästina wird mit den Kräften der deutschen Kullur ausgebaut. Die Deutschen sind das „Volk ohne Naum". Ihr Schicksal zwingt sie. 'auch jenseits der deutschen Grenze L^bensraum zu suchen — „nach Oftland wollen wir reiten" — und auf diesem Wege die Ausgabe zu erfüllen, in der Fremde deutsch zu bleiben, im freien Dienst am fremden Volkstum das eigene nicht zu verlieren. Diese Ausgabe ist es, die uns den Deutschen unter den .Völkern der Christenheit besonders nahe bringt. Die jüdi'che Jugend, die in Deutschland gelernt und gesungen hat und gewandert ist, ist treu und dankbar. Zu den Ausgaben des k. D. wird es gehören, das Deutschtum dieser Jugend zu verteidigen, avd) wenn das Schicksal diese Jugend nach Palästina führt. Diese jüdische Jugend zittert, wenn sie von ihrem Abschied aus Deutschland spricht — Stefan Georges -.Auszug der Erstlinge". Uns traf das Los: wir müsien schon ein neues §eim in fremdem Feld uns suchen, die wir Kinder sind. Die Gedankenwelt der deutschen Jugendbewegung war ein wertvoller und kräftiger Antrieb für den deutschen Zionismus. Mag es später anders werden, zuerst ist die „nationale" Heimstätte für das jüdische Bürgerkind aus Deutschland kulturell und sozial eine Fremde. Hat Deutschland eine Träne für diese jüdische Jugend aus Deutschland, die manchmal — oft — eingestanden — uneingestanden — in ihrer neuen Heimat echtes deutsches Heimweh hat? Das ist inner zerrissenes Herz. So sind wir Juden. Kennen uns unsere deutschen Bntbürger so, so wie wir wirklich sind? Die jetzige, aus Deutschland nach Palästina kommende Einwanderungswelle macht noch etwas anderes sichtbar. Es ist unberechtigt, von „zionistischer Säkularisation" zu sprechen. Diese gegenwärtige Einwanderung nach Palästina ist vollkommen unpolitisch. Sie ist so unpolitisch wie die Auswanderung der Salzburger Protestanten oder der französischen Hugenotten. Nicht die nationale oder die sozialisttsche Ideologie ist der Motor dieser jetzt vor sich gehendem Einwanderung. (Für Palästina, das jetzt das Attentat an Artosorof erlebte, sehr wesentlich!) Das Fehlen säkularer Ideologien läßt das Jüdische des Zionismus, der durch diese Ideologien des 19. Jahrhunderts in die Richtung einer nur politischen Bewegung abgedrängt wurde, entscheidend hervortreten. Diese Einwanderung, die Palästina jetzt und weiterhin aus Deutschland erhalt, ist die jüdischste, denn sie ist von Menschen getragen, die ein- Glaubmsschicksal haben. Gewiß, il kommen jetzt Juden nach Palästina, die nicht nur nicht jüdische Nationalisten sind, sondern überhaupt jüdischen Dingen fernstanden. Aber was treibt sie? Keine Ideologie. Ihr Schicksal. Das Judentum aber baut sich vom Schicksal her auf. Hier tritt nicht der Glaube zu einem weltlichen Schicksal, sondern das welttiche Schicksal des Juden, sein Der-Welt-ausgesetzt-sein: seine Erfahrung aus seiner Weltwanderung ist sein Glauöensschicksal. Das Judenschicksal ist also nicht nur Schicksal eines Glaubens, sondern ein Schicksal, das durch Fremdlingschaft, durch das Leid an der Weltgeschichte zum Glauben geführt, ja gezwungen wird. Aus diesem Grunde ist die letzte unpolitische Einwanderungsirelle,' die deutsche Juden nach Palästina führte, für die religiöse Entwicklung desJudernums so bedeutungsvoll. Eben die nicht durch „Gesinnung", sondern durch bittere Not begründete, aber daher auch nicht von säkularen Ideologien her zu verstehende Palästinawanderung der deutschen Juden läßt uns ehrfurchts- und hoffnungsvoll am das Hinblicken, was aus dieser neu entstehenden Gemeinschaft in Palästina wird. Gottes Wege sind, wo Gott führt. Diese jetzt nach Palästina kommenden Juden sind nicht Menschen, die durch eine bestimmte politische Idee fasziniert sind. Nicht ihr Plan ist es, der geschieht, sondern ihnen geschieht etwas. „Wie Träumende" erfahren sie, daß Schicksal ist, was geschickt wird. Wo cs aber nicht mehr die Wege der Aktivität sind, die wir gehen, bücken wir voll Schauer aus den Himmel Gottes mit all seinen Sternen, und die Hoffnung auf Gott ist es, die freien Weg hat, in unser Herz zu ziehen. Nicht der nationale Aktwismus ist es, der die heutigen Palästinawanderer führt, sondern das Judenschickjal, besten inneres Gesetz es ist, zu Gott umzukehren, aber nicht nur im spirituellen Bekenntnis, sondern im gelebten Leben. Nicht in die „nationale" Heimstätte, ins ,Land Israel", ins Heilige Land führt Gott diese Schar. Natürlich spielte immer das aktive Element im Zionismus, der bewußte Wille, der dieses Schicksal in Palästina bejaht, eine große Rolle. Dieser Aktivität mag führende Nolle um so mehr zngebilligt werden, als sie nicht ans säkularen Ideologien gespeist ist. Um von diesem auch hier echt jüdischen Kern des Zionismus, durch den er als unpolitische messianische Bewegung sichtbar wird, unseren christlichen Freunden ein Bild zu machen, dürfen wir natürlich nicht aus Theodor Herzls Schriften Hinweisen. Wir könnten, wenn schon nicht die Bibel, sondern ein modernes Buch genannt werden soll, Lagerlöss „Jerusalem" nennen. Die Zionistische Bewegung kann jetzt als das sichtbar werden, was sie im Kern immer war: als Bewegung, die nicht i n das Das OastiodliafiSwasserl Bezog in Gross-Berlin frei Haus durch die Versand« stelle der Staatsquellen Kadiingen and Niederse’tera* Berlin SW 11. SchGncbersrer Str.lGa. TeL: B2Ldtz.52GL

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