Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Fortsetzung unserer Aussprache. D-m ©ünfer Fnet-laender vV</ V Jr Cs>/ Uy yy AWSßtS EMLL^ l Ai r£) ir v v j Die letzten Ereignisse haben bü den deutschen Juden, insbesondere aber bei der deutschjüdifchen Jugend eine eigenartige Reaktion ansgelöst: Unser Deutschtum wird angegriffen, rmser Dermchsein wird abgestritten, aber niemand denkt ernsthaft daran, auf unserer Seite die Frage des Lentschseins zu erörtern. So selbstverständlich .ist uns unser Deutschtum, daß wir mit keinem Wort darüber zu sprechen brauchen. Eine andere Frage aber wird dafür um so heftiger in den Vordergrund gestellt: die Frage unseres Judeseins. Uns in der dem tsch jüdischen Jugend kann das nicht wundern. Seit langem schon haben wir das Erbrachen einer ungeheuren Sehnsucht nach dern Judenturn in unseren Reihen gesehen. Durch die Umwelt auf das Judentum.gestoßen, begann man in weiten Kreisen die schmerzhafte innere Entfremdung zu fühlen. Tiefes Erwachen hat lange gedauert, und, der Vorwurf mutz heute noch einmal ausgesprochen werden, es ist in den weitesten Kreisen auf vollkommenes Unverständnis gestoßen. Wenn wir uns wieder mit der hebräischen Sprache beschäftigten, wenn wir von jüdischem Wißen, das wir erlernen wollten, sprachen, betrachtete man uns schon fast als Gegner der deutschjudischen Idee. In der Jugend haben die letzten Wochen eine grundlegende Aenderung herbeigeführt. Das ironische Lächeln weiter Kreise der deutschjudischen jungen Menschen, mit dem sie. wir kommen uns wohl darauf besinnen, unsere Bemühungen um eine dentschjüdische Jugendbewegung verfolgten, ist gewichen. Heute kommen sie zu uns, wollen lernen, stellen sich gern in den Dienst dieser Jugendbewegung, die so in den letzten Wochen stark angewachsen ist. Ein ernstes Wort muß hier den Aelteren gesagt werden: Mögen sie uns jetzt mehr Verständnis entgegenbringen, und wenn sie schon nicht mehr mit uns mit fühlen können, so mögen sie sich wenigstens nicht hindernd in den Weg stellen. Selbst wenn aber von einzelnen dieses Verständnis nicht aufgebracht werden konnte, so wiegt das nur leicht gegen eine große Gefahr, die uns augenblicklich droht, die die ganze Auseinandersetzung mit dem Judentum ihrer Ernsthaftigkeit berauben könnte. Ueberall sehen wir heute Menschen aufftehen, die in großen Worten andeuten wollen, wie schnell sie zu ihrem Judentum zurückgesunden hätten, die glauben, ein paar Worte würden genügen, um aller WÄt zu zeigen, daß sie nun eine Positive, bejahende Stellung zu. ihrem Judentum eingenommen hätten. Der einrrge, schwache Trost in diesen Tagen, daß ms ߣi £Ja ~vv V V eine jo große Zahl von Menschen beginnt, sich mit jüdischen Fragen zu beschäftigen, schwindet, wenn man sielst, daß viele von ihnen nur in Worten eine Stellung zu ihrem Judentum finden, daß in ihnen sich aber nichts ändert. Tie Sehnsucht nach dem Judentum, die immer heftiger in der deutschjudischen Jugend entbrannte, droht erstickt zu werden von der billigen Selbstgefälligkeit derer, die meinen, mit drei Worten Juden geworden zu sein. Reben dieser Aufgabe, der inneren Umwandlung des deutschen Juden, steht eine zweite schwierigere: die Umschichtung. Auch das ist zunächst eine Arbeit der inneren Wandlung, unsere Menschen nämlich innerlich für diese gewaltige Umstellung vorzubereiten, sie von dem Wahn der Aelteren, sie müßten „etwas Bimeres" werden, loszureißen. Das Bessere ist in diesem Fall, sich gar keinen Illusionen hinzugeben. Man möge nicht glauben, wir rmterfchätzen diese Aufgaben, weil wir sie hier nur andeuteu. Aber das sind Fragen jeder jüdischen Gruppe, und hier sollen mir die ideelichen Linien einer Gruppe aufgezergt werden. Wenn wir die Geschichte dieser Emanzipation betrachten, stellen wir fest, daß sie, wenn auch gegen den Willen ihrer geistigen Vater, das Judentum vernachlässigte. Dem einzelnen war es überlassen, unter Judentum zu verstehen, was er wollte, oder auch nichts darunter zu verstehen. Man hatte verlernt, um die Stellung zum Judentum zu kämpfen. So mußte der Tag kommen, an dem die Gleichberechtigung der deutschen Juden, die den zweiten Teil ihres Namens schon zu Unrecht trugen, zusammcubrach. Die zweite Emanzipation wird sich hüten müssen, in diesen Fehler zu verfallen. Wir haben gelernt, daß nur der deutsche Jude Deutscher sein kann, der wirklich Jude ist. Wir haben ferner gelernt, daß wir nur dann ein Teil des deutschen Volkes sind, wenn wir uns seiner Berufsschrchtung eingliedern. Wittensmäßig und rechtlich war der Jude der ersten Emanzipation Deutscher. der der zweiten wird es sein, wenn er fest verwurzelt ist mit Deutschtum, Judentum und deutschem Volk. Verwurzelt mit Deutschtum ist er, wie wir sahen. Tie Verwurzelung im Judentum bahnt sich an. und sie wird nicht minder stark sein; die im deutschen Volk soll durch dieBerussnmschichk'ung erreicht werden. Sind diese drei Bindungen geschaffen, so hat die Stunde der zweiten Emanzipation geschlagen. Diese Stunden deutscher Neuorientierung sind — das ist nicht zrwiel gesagt — auch Stunden deutsch jüdischer Nenorien- Liernng. In diesen schweren Stunden, von denen wir wissen, daß sie nur die Einleitung einer ungeheuer schweren Zeit sind, bricht die deutschjüdische Jugend aus, um ihren Weg zu bahnen, den sie den Weg der „zweiten Emanzipation" nennt. Eine Emanzipation, an deren Ende nicht die Warte „Deutscher" und .Jude*, sondern der Begriff Deutsche Juden* sieht. Neben den drei oben genannten Dingen: Verwurzlung in Deutschtum. Iut^ntum und deutschem. Volk wird eines diese Emanzipation kennzeichnen: Diese Cleichcerechrigung wird nicht von einigen wenigen großen Männern errungen werden. Dieses Emanzipationsringen wird von der gesamter; deurschen Judenschaft getragen werden, denen ein Führer die Richtung dieses Weges, den sie bahnt, zeigt. Noch sehen wir diesen Führer nicht, aber wir wollen ein großes einiges Judentum für ihn vorbereiten. Man soll nicht glauben, daß wir unser hartes Schicksal, das mir als bitteres Unrecht empfinden, durch große Worte erleichtern können. Wir alle tragen Verantwortung um unsere deutschjüdische Zuruntt, und wer sich dieser Verantwortung nicht entziehen will, wird unverzüglich mit uns an dem großen Werk der zweiten Emanzipation zu bauen beginnen: aus der ausgezwungenen Lbgesouderheit ein neues deutschjüdisches Leben zu gestatten, damit aus ihr kein Ghetto, aus der Absonderung keine Einkerkerung, aus der Jwlierung nicht Vereinsamung werde. Ein Abfeitsftehen kann und darf es nicht mehr geben. Nicht der einzelne Jude, nein, die deukfchjüdische Gemeinschaft erkämpft die zweite Emanzipation! Ter Weg zu ihr ist noch weit, aber er ist nicht so weit, als daß wir ihn nichr zurücklegen könnten. Tie Erstarrung der lehren Jahre ist geschwunden, nutzen wir die Bewegung aus, um Neues M schaffen! An der Schwelle der ersten Emanpftxrtion stand ein junger Mensch, dessen .Ich will leimen" ihm das Tor öffnete. An der Schwelle dieser Emanzipation steht die gesamte deutschjüdische Irrend, und ihr ,Wür wollen leinen" wird auch ihnen die Tore öffnen, wenn sie auch noch so soft verschlossen scheinen. * Ter „R i n g" (3?uni> denlschftdsicher Jugend) ist eine Gemcirnchair ftrnzer llttm'chcn. die sich zu Tcutschtum u::b Jurcuttnn ftcfennen. Er will seine Menschen zu tarußterr dnwchm J:cden erziehen. Heiurnüch-nitragen, Fahrten und Lpvrtrachwnmcen gibt er den jungen den!^chjüdlscher Menschen eine Urngeömrg, in der sie das Segengerrichr gegen jede Zurücksetzung und so die Jiraji für ihre große Dernntreortung und Ausgaben erhalten. Jüngerengruppen für 10—11- und 12—15jährige. Mütterei-gruppm für 16—!7 jährige. Ael^rcngruppen für 18—22 jährige. Auskunft erteilt Lut; Ztern. Hakensee, Wemälische Ltraße 50. Telephon: &oö}nmKn 5189.