Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- Seite 289 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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LLL^L)L mono Pf>Pt W- & Diele jüdische junge Menschen haben die Hoffnung, statt der ihnen verschlossenen akademischen Berufe ehrliche Arbeit im Handwerk zu finden. Aber auch diese Hoffnung scheint zu täuschen, denn wir lesen in dem Bericht der „Chemnitzer Neuesten Nachrichten" vom 12..Juli über die erste Sitzung der Gewerbekammer Chemnitz: ,J£k Kammer erklärte sich gegen die Ausbildung arischer Lehrlinge durch jüdische Lchrherren, jüdische Angestellte und in jüdischen Betrieben. Tie Gewerbekanrmer tritt ein für Ausschaltung jüdischer Menschen aus Handwerk, Handel rrnd Gewerbe. Eine besondere Regelung aus diesem Gebiete ist noch abzuwarten/ Die Erfahrungen, die ein alles Mitglied des Eentralvereins, ein Schlosser, uns mitteUt und die ans nachstehendem Schreiben an Den Präsidenten eures preußischen Regierrrngsbczirks hervorgehen, zeigen die gleiche Tendenz, deutsche Juden auch vom Handwerk auszusch'ießen. Ter Brief lautet: ,chzch bekenne mich zum Empfang Ihrer Verfügung vom . d. I. Mit dieser Verfügung, geben Sie mir Kenntnis von meiner Ernennung durch Sie mit sofortiger Wirkung für die Zeit bis Ende März 1936 zum Beisitzer der Meisterprüsungskonnuisfion für das Schlojserhandwerk in . Im letzten Absatz Ihrer Verfügung erklären Sie dann, daß diese Bestallung in der Voraussetzung erfolge, daß ich arischer Abstammung sei im Sinne des §3 dos Gesetzes zur Wiederherstellung des Lerufsbeamtentums vom 7. April 1933 tVGBl. I, S. 175) und des Abschnitts 2 Absatz 1 der ersten Verordnung zur Durchführung dieses Gesetzes vom 11. April 1933 (NGDl. I, S. 195). Als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens übersende ich Ihnen anliegend Ihrem Verlangen gemäß Ihre Verfügung wieder zurück, nicht ohne einige Feststellungen beigesügt zu haben. Das Schlosserhandwerk wird innerhalb meiner Familie schon seit Generationen betrieben. Nachweislich betätigte sich mein verstorbener Großvater. geboren in.. schon um 1835 als Schtossermelfter in eigener Werkstatt am hiesigen Platz. Tann machte sich im Jahre 1880 mein jetzt 83jähriger Vater . als Schlossermeister hier selbständig, und von ihm erlernte ich das von ihm geübte Handwerk und übernahm dann im Jahre 1020 als Meister seine Werkstatt. Seit 1880 dürsten schätzungsweise 120 Lehrlinge von meinem Vater bzw. von mir angelernt worden sein. Und es soll keine eigene Lobeshymne sein, wenn ich erkläre, daß alle diese Leute während ihrer Lehrzeit Gelegenheit hatten, das Schtosserhandwerk von Eimud aus und eingehend zu erlernen. Ständig sind von meinem Vater bzw. von mir Gesellen beschäftigt worden, bis das infolge der wirtschaftlichen Krise zusammengeschrurnpfte Geschäft von mir mit meinen Lehrlingen allein bewältigt werden konnte... Früher, als Soldat, war das anders. Nie im Traum wäre mir eingefallen, ich könnte nicht allen anderen guten Teutstheu gleichberechtigt sein. Von 1903 bis 1905 diente ich als Zweijahrigfreiwilliger beim Infanterieregiment 81. Mit ganzem Herzen und mit großer Liebe bin ich nach wie vor meiner schonen Soldatenzeit verbunden. Sofort bei Kriegsbeginn 1914 rückte ich ins Felo und gab für mein liebes deutsches Vaterland bei meiner schweren Verwundung im Oktober 1915 vor dem Feind gerne mein Blut her. Und jetzt soll ich, der seine Familie, seine alten Eltern und sich mir seiner Hände 'Arbeit schlecht und recht durchs Leben schlagen wollte, nicht mehr als vollberechtigter Deutscher gelten. Es ist mein Schicksal, deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, alw Nichtarier zu sein, und für andere kein Verdienst, es nicht zu sein. Als Angehöriger des jüdischen Glaubens, der sich fern gutes Teutschtum nicht ab sprechen läßt, der — mag kommen, was da komrnen mag — immer deutsch bleiben und fühlen wird, kann ich natürlich nicht gleichgeschaltet werden, aber man möge mir wenigstens Gerechtigkeit zuteil werden lassen und mich nicht als volkssrernd Zurückstoßen ohne Rücksicht auf den Schaden, den man mir dadurch zufügt..I Neich§LrNäh?UN§smmiftec Darre sagte: Ter „Angriff" Nr. 165 vom 17. Juli berichtet über eine Rede, die der Neichsernährungsminister Walter Tarrö auf dem Nassauischen Bauerntag in Wetzlar gehalten hat. Darin erklärte er u. a.: Ter Dollstreckungsschutz für Bauern werde nicht wieder aufgehoben werden, ehe seine Aushebung im Interesse des Bauern liege. Jüdische Händler glaubten, den Bauern durch Schulden in Not und Schwierigkeiten bringen zu können. Diesen Herrschaften möchte er ausdrücklich in aller Sessentlichleit sagen: Ich habe nicht drei Jahre in der Reichsleitung der NSDAP, um die Seele des deutschen Ballern gerungen, um mir heute als R.eichseruährilngsmiuister die deutschen Bauern durch jüdische Händler von .Haus und Hof jagen zu lassen! „InforrnatronsölättLr" Tie den der „3;it!ralwohll: 1}rJeu-:lle der deutschen ^r.r.ir int Austro^ des ,;]:r4r'LT:;-:-rd;.:r\§ der tc;;ird:cn Juden für Hilst und Awö.'.u" hcraus- ,.Ju!vrlnatinn2b:öt-?r'. am die cn dieser Steile m.chrstch binar wiesen worden in. können von d-er „stcntmüvolsisthi'ssiess.' der b.Mschcn Juden", Lcriin-i5l:c:rlr-ttenburn 2, Kanlstraße 1 i>ch zum Preise den },S5 Reichsmark per Bicrt-.ljvhi bezogen werden. Mb/chieö von Raphael Ernst Map s. % Zu keiner Zeit der Weg zum Friedhof uns mehr fühlen lauen, wie sehr wir Irden ert jeder Vergangenheit, auch an unserer deutschen Vergangenheit, hängen, als in diesen Monaten. Es ist heute nich: nur die persönliche Trauer, sondern der Ab'chied von Menschen, die als Inden und Teutsche in ihrer Gemeinde und ihrer Heimat lebten und in dieser einmaligen Art nicht wiedr-rühren werden. Es in die Wehmut um die lebten entschwindenden Zeugen des glücklicheren Geschlechtes unserer Väter, deren Bild es nc-ch einmal festzuhalleu gilt, damit es als ein Bllweis für die vielwlrigen Möglichkeiten jüdismen Lebens den Kindern einer veränderten Welt mit neuen Ausgaben und Zielen erhalten bleibe. Ein solcher Zeuge war R. E. Map in Hamburg. Wenige Monate nach seinem 75. Geburtstag starb er am 6. Juli nach schweren körperlichen Leiben. Einer gesetzestreuen berühmten allhambnrgi'echn Familie entstammend, kam May aus dem beschwerlichen, aber günstigen Umweg über die lanfmäunische Erochrung, ganz auf sich allein gestellt, als Außen* eiter der Wissenschaft zur Na ti omalökonomie, Statistik und Soziologie, die gerade in unteren Tagen zu so erschünernller Bedeutung gelaa-.gt ist. Rour wenige Tnchwörrer können hier das weite Arbeitsfeld seiner wissenschaftlichen vorausschauenden Verö'sentlichungen andeuien. Lchon 1895 betonte er, entgegen dem marribischen Dogma, die Bedeutung des organisiertn Majsenkonsums der Arbeite r'chaft, und aus diesem Gedanken entwickelte sich^der noch heute blühende Konsum-, Ban- und Sparverein „Produktionch der zum Vorbild ähnlicher Gründungen wurde. Während d-es Krieges arbeitete May ehrenamtlich in der Hamburger Nachrichtenstelle des preußischen Eeneralstabes und vurösten:lichte u. a. eine größere, vielunchrittcue Arbeit über U-Boot-Krieg und Frochiraumnot. Eingehende Untersuchungen widmete er den nicht nur damals wichtigen Bolksornährunassragen. Tie jüdische Bevölkerungsbewegung, deren Bedeutung vielen unter uns erst heute klar geworden ist, war stit vielen Jahren sein ganz besonderes Arbeitsgebiet. Als einer der ersten wies er nach, daß die besonderen Eeburts- und SLerblichkeitsoerhältnip.e der deutschen Juden als das wichtigste, 'voraneilende Symptom die Richtung an zeigt, in der sich die allgemeine deutsche Bevockerungsbeweanng erstwickelt. In Schmollers Jahrbuch erschien 1929 eine Untersuchung über Mischehen und Ehescheidungen. deren Anwachsen aus das schwinden religiöser Bindung zurückgesührt wurde.??och im vergangenen Jahr beteiligte er sich an einer eingehenden Untersuchung über die Selbstmorde in Hamburg. Tie von ihm immer wieder betonte einzigartige soziale Gliederung Hamburgs nach Liad:recken gab auch für dicke Frage neue Ausschlüße. Tiefe wenigen Beispiele aus der Fülle seiner ArlMLen, wie Pie bei Priratgelehrien nicht häufig sind — auch die E. B.-Zeitnng verdankte ihm eine Reihe von Beträgen —> niütjcn hier genügen. Auch ist hier nicht der Crt, über sein Familienleben zu berichten, an das jeder, der daran teilhaben durfte, mit Wehmut und Tank zurückdenkcn wird. Sein Forschen und Wirken, sein persönlich-jüdisches und sein öffentlich-wisienschastliches Leben bildeten eine geschtossene Ganzheit und eine selbstverständliche Einheit. Wie May ft.v st verständlich im religiösen Judentum nn:rso lebte in ihm auch das klassische Jahrhundert jenes deutschen 6src-cks cr-i heißen Tc^srt .... wird die herrlich erfrischende Wirkung der C.hlorodont-Zahnpaste und ins hochkonzentrierten Chlorodont- Mundroachrs überaus angenehm empfunden. Ccpsicgte weiße Zähne und reiner Atem sind überall und zu jeder Zeit eine Empfehlung. Chlor odonk Tube 50 Pf., groß; Tube 80 Pf., auch in den kleinsten Orken erhältlich.