Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- Seite 283 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278022--08040-2289001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
L§3 Neueste Nadividiien . Jüdische Geschäfte nicht zugelassen Der Reichssinanzminister hat Richtlinien für die Gemeindebehörden zum Gesetz über die Forderung der Eheschließungen erlaffen. In ihnen sinauch die Bestimmungen über die Zulassung von Verkaufsstatten, die zur Entgegennahme von Bedarfsdeckungsscheinen der Ehestandsdarlehen bereit sind, enthalten. Nicht zugelasscn sind u. a. alle Verkaufsstellen, Deren Inhaber nichtarischer Abstammung sind. Ein Antrag . des Münchener Siadirais Die nativnalsozialistis che Stadtratsfraktion hat laut Meldung der „München- Augsburger Abendzeitung" vom 10. Juli dieses Jahres im Stadtrat München neben anderen Anträgen den folgenden Antrag eingebracht: „Wir beantragen, der Stadtrat beschließt, daß in Zukunft die Aschen verstorbener Juden nicht mehr in christlichen Friedhöfen und Urnenhallen bei- .gesetzt werden dürsen.7 Lord Meldieii kehrt zum Judentum zurück Lord Melchett, der einer früher in Deutschland ' ansäffigen Familie entstammt, bisher aber Mitglied der anglikanischen Kirche war, hat sich entschlossen, wieder der jüdischen Glaubensgemeinschast beizutreten. Lord Melchett ist Leiter des englischen Ehemie-Trusts „Imperial Chemical Industries". Schulzwang am Sabbat für jüdische Schüler in Hessen Wie amtlich mitgeteilt wird, haben jetzt unter Zurücknahme früherer Verfügungen israelitische Kinder und diejenigen der Adventisten an dem Schulunterricht am Samstag teilzunehmen. nahmen sehen die staatsführeuden Nationen in der Aufsaugung fremden Bollstmus ein Ziel, das nicht nur staatspolitisch erstrebenswert erscheint. sondern auch eine Erörterung der Wirkenssphäre des assimilierenden Volkstums herbeisühren soll. In diesem Zusammenhang ist es nicht von Belang, ob diese Assimilation sich auf natürlichem Wege des Zusammen- und Hineinwachsens vollzieht oder ob sie bewußt durch Verlockung oder Truck bewirkt werden soll. Wesentlich ist. daß die Assimilation vom aktiven Teil gewollt und gewünscht wird. Wesentlich, daß das ausnehmende Volk meint, in der Lage zu sein, die neuen Bestandteile sich einatiedern. sie sich assimilieren zu können. Das will sagen: die Aussaugung zu vollziehen, ohne seine eigene Art. seinen eigenen Geist, um derentwillen ja Volk überhaupt nur ein Wert ist, zu verfälschen und verwässern. Wir glauben allerdings, daß die Völker sich in dieser Beziehung im Irrtum befinden und daß jede über gewiffe. enge Grenzen hinaus sich vollziehende Alsinnlierung zum mindesten zeitweilig beide Teile, den clstven wie dnn passiven, in ihrem Wert mindert. Je heterogener die Elemente der Mischung sind, um so stärker dürste das zutressen. Von gewiffen Grenzen der Rassenfremdheit an lehnen ja auch tatsächlich die meisten europäischen Völker die Mischung instinktiv ab. Im Falle Deutsche — Juden in Ae ich verhält es sich seit je so. daß eine wmat'.'ch und geistig, .kulturell und religiös stark ausgeprägte. ihre Eigentümlichkeit mit beispstllol-i "Zähigkeit bewahrende Gruppe nicht nur in den deutschen Staat, sondern auch in das deutsche Volkstum hinein will, in der großen Mehrzahl der Einzelfälle, ans denen die Gesamterscheinurrg resultiert, ohne^das Judentum auszueeben. Gerade die geschlosiene Reaktion des Judentums aus die Vorgänge in. Deutschland beweist, daß die alten Bindungen — im Gegensatz zu dem Vorgang bei eurer wirklichen nationalen Assimilation — zugunsten der neuen nicht ausieeb omen. wurden. Volk aber will ganz sein. Ter Schein, des Ausgehens im Deutschtum konnte um so leichter erweckt werden, als dem Judentum das äußerlich sichtbarste Kennzeichen eines Volkstums, die eigene Sprache, fehlt, ja als sich cum das nationalbewußte Judentum in seiner Mehrheit des Deut, schen oder dock) eines dem Deutschen ähnlichen Idioms bedient und sich das Deutsche als Derkehrssprache daher säst mühelos aneignen kann. Im Einzelsall wird der Grad der Assimilation wohl nur selten einwandfrei ststzusrellen sein. Neben wirklichem Ansgehen rm deutschen Kulturkreis haben wir es mit allen Graden der Vewahrung nichtdeutscher Art bis zur alleroberflächlichsten Anpassung zu tun. die innerlich so leicht abgestreift werden, kann, wie sie angenommen wurde. Dieses Judentum nun — das sei ohne Werturteil gesagt — mt sich schon im Bisinarcksichen Ae ich einen Einälaß aus das Leben des deutschen Volkes zu rer'chckstn gewußt. der in keiner Weise seiner relativ geringen Zahl entsprach. Immerhin wird man annehmen dürfen, daß die Juden, welche damals über die wirksck>rstliche Sphäre hinaus Einfluß gewannen, bis in verhältnismäßig tiefe Schickten^ihres Wesens angeglichen rvareu. Tie Novemberrevolution 1918 verdrängte einen großen Teil der politisch und geistig führenden Schicht in Deutschland. In die leer gewordenen Positionen drängten in immer weiteren Maße Juden nach ... Es war schmerzhaft für das Deutschtum. daß es sich vielfach nicht mehr selbst nach innen und außen repräsentieren sollte. Das Judentum Deutschlands wurde sich dabei gar nicht bewußt, in wie volkssernem Sinn es das deutsche Eeistesleben vertrat. Dazu kommt, daß das zum großen Teil aus seinen religiö'en Bindungen hinausgewachsene Judentum Deutschlands vielfach den Geist — den Geist auch innerhalb des deutschen Volkstums — verkörperte, argen tue [dpi sich die deutsche Revolution wendete. Für diese Situation — die tiefe Veeinflmmng des Geisteslebens eines Volkes durch eine Schicht, die diesem Volke sehr oft nur böchst oberflächlich angealichen war — gibt es in dem Verhältnis von s-aatsverroaltendem Volk und fremdnationalen Volksgruppen kein Analogon. Es kann ein solches Analogon, wie wir weiter oben gezeigt zu haben glauben, auch gar nicht gellen. Taß auch weite Kreise ö'es Judentums Teut'chlands im Grunde genommen spürten, daß sie im deutschen Dolkrstum gar nicht aufgehen konnten, zeigt sich wohl auch in d>er Ablehnung Volksdeutschen Denkens und in dem zähen Festhalten an dem Begrin Dokk als Summe der Staatsbürger. Ter Ver'uch. eine geschichtlich rwtwemdige Entwicklung auszubalten. hat sich aber auch in diesem Fall als vergeblicher erwiesen. Hat mm ein großes Volk das Recht, sich auf seine eigene Art zu besinnen und feinem Geiste, sestrer ^eele fremd geblieben Elemente von sich abzurücken? Diese Frage kann grundsätzlich nur bejaht werden. Wie die Ziehung klarem und eindeutiger Grenzen zwischen deutschem Volkstum und Judentum im Reich von vornherein auf rein evolutionärem Wege vom Volk aus hätte vor sich gehen können, ist heute müßig zu erwägen. <rie wurde ans revolutionärem Wege als Akt der deutschen Staatsmacht eingckeitet. Das in der Revolution entstandene Ausr^ahmeregime kann nur ein vorläufiges sein. Ins einzelne gehende Rezepte für die endgültige Lösung der Judenfrage im Deutschen Reich, die befolgt werden müssen, können hier nicht ergeben werden. Denn die Frage ist viel zu kompliziert dazu. , . * ... Eine Frage, die eigentlich erst dann gestellt werden kann, wenn solche Fragen, wie die soeben gestellte, geklärt sein werden, ist die, wieweit bestimmte Grundsätze, die den Forderungen der Nationalitätenkvngresie entnommen sind. unmittelbar oder analogerweife für Menschen, die sich größtenteils gar nickt als nationale Minderheit betrachtet sehen wollen und in diese Lage vielleicht erst gedrängt werden oder hineinwach'en mnnen. Geltung finden sollen. Die bisher hierfür gemachten Vorschläge-) haben innerhalb der Jndenschast Deutschlands durchaus kein einheitliches Echo gefunden. Die revolutionäre Regelung der Judenfrage in Deut'chland kann, wie gestgt. nnr eine vorläufige sein. Ihr wird zweifellos eine dauernde Neuregelung folgen. Grundsätzlich stehen wir auf dem Standpunkt, daß es sich bei dieser Regelung um eine Frage tändelt. die nicht nur nach formal völkerrechtlichen Gesichtspunkten gelöst werden will. In ihrer vollen Dragn>eite berühr! sie die tiefsten Grundlagen alles menschlichen Zusammenseins und muß deshalb in erster Reihe nach sittlichen Prinzipien beurteilt und gelöst werden. Im Sinne ebner sich von den vorübergehenden Erscheinungen einer stürmischen Gegenwart dem Ausbau einer besseren Zukunft zuwendenden Betrachtung erkennen wir die Notwendigkeit an. nach Wegen zu suchen, wie die von uns vertretenen Grundsätze in der Nationalitätenfrage sinngemäß aus das Judentum in Dontchland angewandt werden können.' Dolle staatsbürgerliche Gleichberechtignno, ungehinderte Bernfsausübnng und wirtschaftliche Freizügigkeit in den Ländern ihres Wohnsitzes war stets das oberste Postulat der deutschen Volksgruppen Europas. Es ist bemerkenswert, daß Baron Uerkü ll, der in diesen Tagen als Nachfolger Paul S ch i e m a n n s Herausgeber der „Rigaischen Rundschau" und damit eine der führenden Persönlichkeiten des Deutschbalterfturns geworden ist, Anwendung dieser Grundsätze auf die deutschen Juden verlangt. W. Hg. 2) Als cuf ein Beispiel rermeifen rvir cm die Anregung, welche N. A. Baron Freytag-Lorinschven in einem Interview mit den ..Diener Neuesten Nachrichten^ gab. Baron Frerstag-Loringhoven schlag^ hier die Errichtung einer ^ulturauron.omie für die Juden Deutschlands vor. M AM KAr VMMWLNg, SlaMMsEMM M. In den letzten Tagen hat die Reichsregierung eine Fülle neuer Gesetze beschlossen, von denen bisher nur ein Teil im „Neichsgesetzblatt" veröffentlicht worden ist. Das Gesetz vom 14. Juli 1933 gegen die Neubildung von Parteien bestimmt, daß es in Deutschland als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gibt. Wer es unternimmt, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei ausrechtzuerhalten, oder eine neue politische Partei zu bilden, wird, sofern nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer höheren Strafe bedroht ist. mit Schutzhaft bis zu 3 Jahren oder mit Gefängnis von 6 Monaten bis zu 3 Jahren bestraft. Das Gesetz über die Einziehung Volks- und staatsfeindlichen