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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-20 · 29 (20.7.1933) · p. Seite 282

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
29 (20.7.1933)
Date
1933-07-20
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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2SL Standpunktes bah bk Nenschen nach ihrer innerjüdischeu Gesinnung stärkeren oder geringeren Anspruch aus Wiedererlangung unserer Rechte haben; Ablehnrmg der Ansicht, daß ein Mehr an jüdischer Haltung innerhalb eiruT jüdischen Gemeinschaft -eine Belastung wäre; Verzicht auf agitatorische Ausnutzung des durch Zeitverhältnifie in zahlreichen fiöpen entstandenen ResientimentZ. Das Gefühl der jüdischen Massen Deutschlands strebt zum Gänzen. Die Führung des deutschen Judentums darf üch nicht nur von der Stimmung der Mafien tragen lasten; aber ste muß aus dem Umweltgeschehen wenigstens dieses lernen, daß die Gefühlsströme der Anhängerschaft dann wertvolles Material dacstellen, wenn die Führung in kühler Ueberlegung die sittlichen und moralischen Kräfte crnrangi und nutzbar macht, die aus einer cefolg'lchaslsöereiten, Lrbeitssreudigen und den Weg ins Freie erstrebenden Anhängerschaft entspringen. . ParterörftLÜLs llu-entum Im „Israelitischen FamilienblaLL" Nr. 26, schreibt Rabbiner Lr. Ignatz Mayöaum (FranksnrL <r. V. L.) unter dieser UcberschrifL: «Die durch die 9lot des dentchen Judentums drängend gewordene eücheitliche Zusammensasiung der verschiedenen Parteien innerhalb des Judentums ist die rmgenblicklicho Aufgabe, jür die unentwegt gearbeitet werden muß. Diese Arbeit, die zu einem- ParLeibesreiten Jal^ntum führen fall, rrird aber durch eine zweifache Ungerechtigkeit erschvert. Tie eüie Angerecht:gkeit ist die oft und nicht nur von ' jüdischer Seite erftigie Gteichletzung des jüdisch-religiösen Lweraüsmus mit dem politischen Liberalismus. Tie zweite Ungerechtigkeit ist die Gleich'chnno des Zionismus mit jüd^chern Nationalismus. Hiergegen gilt cs anznkämpsen . . . . . . Der den hier obwaltenden Gegensätzen rnuz der Name relrgrös-,,!iberales" Judentum, der leicht zu Verwechslungen und Mißverstanduipen führen kann, peinlich sein. Heute ist ein anderer Name zu erwägen. Vielleicht wäre die Bezeichnung .weuzrülichos Judentum" zu wählen. Aber da das wligiös-liberale Judentum in Deutschland entstanden ist, von Deutschland aus die WelLftdencheit religiös beeinflußt hat. da es neben den Bezeichnungen „spanischer ^üws", polnischer Ritus" schon immer die Bezeichnung Deutscher Nitus" („mmhzv. £schkenas‘0 gegeben hat. sollte auch das rrligirs-liberale Judentum in seiner Namensgebung seine deutsche Herkunft kenntlich wachen. Ta das reliftös-lmerale Judentum nicht als Politisme R'.ch.ung mißverstanden sein will, sollte cs sich in Zukunft kurzerhand «ls „deutsches Judentum" bezeichnen. Tiefes deutsche Judentum, das im Eemeindeausbau,'in jüdischer Theologie und in jüdischer Wissen, schuft Hervorragendes celcistet hat, hat seine religiöse Sendung noch immer vor sich. Ebenso fordert es die Gerechtigkeit, ben Zionismus nicht einfach als jüdischen Natiorrallsmus abzutun. Ter Zionismus .hat .mit der These des politischen Liberalismus „Nelitzrorr ist Privatsache" Schlluß gemacht und mit fctücm Appell. wieder den Juden in ferner ga^cn Existenz für das Judentum in Anspruch genommen. Deshalb wurde der Zionismus zn einer Bewegung, die zur Aufrüttelung alter, verschüttet gewesener jüdischer Kräfte führte. Wo der Zionismus den das Judentum zersetzenden politischen Liberalismus im Judentum bekämpfte, hat er recht gehabt, und hier bcsitzt er seine heute de.ulich sichtbaren Verdienste. Aber er hat nicht recht gehabt, in Liesen Kampf die Ideologie des nationalen Idealismus einzufetzen. Vom Judentum aus gibt es zur liberalen und nationalen Politik keine verschieden abwarreude, sondern nur eine Stellungnahme: die religiöse. Die jüdische Gemeinschaft ist rin Glaubensvolk. Das jüdische Slaubensvolkstmn ist mit jeder Kultur vereinbar. Die Einheit Israels ist nicht gefährdet, weil es dcutsch-e, französische und öst* | liche Silben gibt, sondern sie ist gefährdet in dem Augenblick, in dem das Israel einigende fj Glaubensschicksal nicht mehr begriffen wird, si Den Vorwurf einer Affimilation hat der im :;= deutschen Kulturkreis verwurzelte Jude als st' Vorwurs nicht anerkennen können, und er wird u auch in dieser für das deutsche Judentum so st schweren Zeit nicht begreifen, wo »hier die M Schuld liegen soll. Die Forderung des Augenblicks verlangt Einigkeit im Judentum. Der wertvollste Teil si dos heutigen Judentums ist in den bestehenden Parteien längst heimatlos. Man weiß bereits st um parteibcsreites Judentum. Ter Weg zum ß! parteibefreiten Judentum fordert Gerechtig- \ feit den alten parteimäßig geschiedenen Gruppen gegenüber." MWlWdS vMHMches pMKM m Ws Die auslMdsdeutschen Volksgruppen Europas stehen bekanntlich in einem schweren Kampf gegen die Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, ihrer wirtschaftlichen Freizügigkeit und ihres nationalkulturellen Eigenlebens. Der Genfer Nationalitätenkongreß, der von den deutschen Volksgruppen maßgebend beeinflußte Zusammenschluß der europäischen Minderheiten, in dem die deutschen Gruppen sich einträchtig Schulter an Schulter mit Mischen, ungarischen, slawischen und anderen Minderheiten zum Schutze der Minderheitsrcchte vereinigt haben, hat stets laut und vernehmlich sich zur Wehr gesetzt, wenn irgendeine Menschengrupxe um ihrer Abstammung oder Nationalität willen in ihren Rechten geschmälert wurde. Mit Recht ist daher auch von durchaus völkisch gerichteten Autoren — es fei an Aufsätze von Max childebert Böhm und Franz Möllenbeck im „Ring" erinnert — Hervoroehoben worden, daß man auch zu dem deutschen Iudenproblem und seiner innerdeutschen Behandlung eine Stellungnahme der auslandsdeutschen Volksgruppen erwarte. Von sehr maßgebender Seite wird mmmehr versucht, dieser Erwartung zu entsprechen. Im Juni-Heft der Zeitschrift „Nation und Staat", dem offiziellen Berbandsorgan der deutschen Volksgruppen in Europa, beginnt ihr Schriftleiter, VaronvonUexküll» Güldenband, die Diskussion mit einem „Deutschlands volkspoütisches Programm" überfchrieöensn Aufsatz. - Don besonderer Bedeutung sind des Verfassers Ausführungen zur deutschen Judsnfrage, die wir nachstehend auszugsweise wiedergeben, obschon wir uns mit ihnen in wesentlichen Punkten nicht zu identifizieren vermögen: „Don allen tzUnwälzungen und Ereignissen der deutschen Revolution Hot keines in so starkem Maße die Aufmerksamkeit des An?landes auf sich gelenkt, wie die Ausrodung der Judenfrage. Fast sämtliche internationuüen ^orgresse— den Völkerbund nicht ausgenommen*) —. welche seither getagt haben, braßten sich mit der Lage der Juden in Deutschland. Bon mehr als einer Seite wird der Versuch unternommen, die damit zusammenhängenden Tinge zu benutzen, um zwischen Auslanddeutschtum und Muttervolk eine Kluft aufzureißen. Mit allen Mitteln versucht man, uns dazu zu drängen, vtS vom neuen Deutschland loszusagen, weil dieses die Grundsätze des Minderheitenschutzes gegenüber den Juden verletzt habe. Wir wollen uns hier mit der Gennnung und den Bestrebungen, aus denen solche versuche entspringen. *) $ir. Sniarair.jrfKing ir.it den dort «mhöngsF gemochten jüdischen Beschserten sei hier all die seiner.?rit:ge Klage gegen Ungarn Degen Einführung des .Vüiuenjs clausus cn der £-c-i;Sz)uU erinnert, der Petitionen der englischen rn> französischen Iudenorgauifationen zugrunde lagen (und zroar des „Joint Foreign Committee cf Je^ish Board of Deputier and the ' Anglo-Jewi.*b Association“ sowie ihrt ..Alliance israelite universelle“). Der ungarische KuNusannifter Graf LlebcD'becg erklärte bei Bchai'.d» lung dieser Petitionen vor drm VLtterbund?rat im Dezember 1525 das ©cfs* als eine ausiergeroähnliche rnd xroviforischc Maßnaftine, veranlaßt durch eine »normale soziale Lage. Die ungarischen Zilden hatten eine Erklärung eingesandt, nach der sie sich nicht ass nationale Minderbeit, srn^-rrn als Ungarrr betrachten. Der Rat-nahm'dicse'beideu Erklärungen zur Kenntnis rrnd beschloß, die LngckÜ7_d.:7ie Abänderung des Gesetzes ebzumarren, die dann aira; r,ad) «irrigem Jahren.irr ^orm von LdschDächendrn Vesiimmungen erfolgte.' nicht auseinandersetzeri. Wohl aber muffen wir uns an dieser stelle über die Frage äußern, inwieweit wir überhaupt zu den Erscheimmgen Stellimg zu nehmen bereit sind, die die Behandlung der Jut-enfrage in Deutschland mit sich gebracht hat. Tenn eine solche Stelluugnahure scheint man von uns auch von solchen Zellen zu erwarten, denen keine Gehässigkeit und kein Mißwollen den deutsck^n Belangen gegenüber zuzutrauen ist. Demgegenüber sei daratfi lstnaewiesen, daß derartige Erwartungen nicht bloß in stdem vorliegend-en Falle, sondern ganz allgemein, wo immer und wann immer sie aus ähnlichen Antäfien gehegt werden mögen, für jedes Auslandsvolksl'um eine große Gefahr bedeuten. Tie Gefahr, die wertvollste der in gemeinsamem tragen mit anderen in ähnliä?er Lage befindlichen Nationen mühsam erkämpften Stellungen zu verlieren: die unlöslichs Volksgemeinschaft und ihre Erkenntnis als Wert und unabänderliche Tatsache; die Dolksgemeinschrst als 5lorrelat zur Staatsgemeinscchtst. Wir glauben nicht nur im eigenen Jntereffe zu handeln, wenn wir das ablehnen. Um zu einer begründeten Stellungnahme znm deutschen Jud^wroblem zu gelangen, wird man sich erst einmal der Augen halten muffen, wie die Situation in Deutschland voar. Das Verhältnis zwischen deurschbürtigen und jüdischen Staatsangehörigen im Reich liegt zweifellos völlig anders als dasjenige zwischen stac-sführendem Volk und andersnationalen. Gruppen in allen and-eren Fällen.' Mtk-wenigen Aus»

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