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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-20 · 29 (20.7.1933) · p. Seite 281

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
29 (20.7.1933)
Date
1933-07-20
Page
Seite 281 (sequence 1)
Language
German
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OrrNkr, LH. Fv N IS2Z XII. Jahrgang » Kr. L9 «lozrladrnnrrr r» pfrvrrl-^ ... r>'?7r,T~ 7>>V ... I K'j? <& W'WVl^y Lr-Ssf V **J V/ V *."•'**-✓S? f>.-??>r. / Vis^<i!>i>iA>>ö&^ U4«iy i}jj ^74-v^/ Ü VS^V'JWV VienelrahröLüonnemknr 2,25 NM. (Zuzüsl. Lsstellgstd). /ctttzsmeins Lsikung ^s§ 3udenfums Vsrl2§ und EchcifUcU^ng: Berlin W15, Emsrr Srr. 42. LNrinlge AnzeizenannLhme: Bnnoncen'Expedirion Rudol. __ __ _. _ _... _ Norrnalzrilenmesser Nr 4, Familienanzrigen ur.b SLc2engesuche (nicht Gi^encngc&ctJ) für! Fernsprecher: J2 Oara 6554 —57 : Post'chr-: Berlin-DUrnersLert ». HohrnzrerrrUr-- LNrinige AnzeizenannLhme: Bnnoncen'Expedirion Rudolf Masse, Berlin SW LGQ, und deren Filialen. Anzeigenpreise: S^-)&J. U'k dir 7§rlraltLnr Zeile nach Rudolf Mosseh ' " . * . - .-■ - Mitglieder des Centralverelns 0,LS &JC, die 62 nun breire 5ttllzz.ntiU IM nto: Derlin 60472 *t. B-ruNrnts: Dresdner Dank, Depssstrcckssse ll$i m. i\ HAM dÄWW MW Ä\ H. Die bcutfdje Regierung geht energisch daran, den Begriff von der evolutionären Epoche nach'der revolutionären mit Inhalt zu erfüllen. Ansprachen des Reichskanzlers und dem Erlaffe des Reichsinnenmini siers sind bemerkenswerte Reden des ReichswirtschafLSministers Dr..SchmiL L und ganz jüngst ein Erlaß des.Preußischen Ministerpräsidenten Görin g gefolgt. Sie alle besagen, daß Ordnung und Gesetzmäßigkeit als Voraussetzung eines wirtschaftlichen Aufschwungs gewollt und auch gesichert seien. Im deutschen Judentum wird diese Entwicklung, was selbstverständlich ist, freudig begrüßt, aber viele übersehen dabei, daß die wiederhergestellte Ordnung eine neue Ordnung ist, und daß der gesetzmäßige Staat sich während der kurzen Monate der revolutionären Entwicklung zum totalen Staat gewandelt hat. All die Auftriebs- und Antriebsmomente, die eine für die Gesamtheit, wie wir hoffen wollen, erfolgreiche Auswirkung haben sollen, können für uns deutsche Juden erst nach Abzug dieser Tatsachen gewertet werden. Es ist uns leider nicht gestattet, bejahend und mitwirkend in die Speichen des deutschen Wagens zu greifen, um ihn über die schwierigsten toten Punkte mit hinüberzubringen. Und nichts wäre für die Betrachtung unserer jüdischen Möglichkeiten inDeuu'chland verhängnisvoller als eine Politik des „Als ob", d. h. wenn wir täten, a! s o b wir in den totalen Staat miteinbezogen seien, als o b die Neuordnung für uns auf allen Gebieten gleiche ’ Bedeutung habe wie für die Allgemeinheit, und a l s ob es nur einer gewissen ncrvenfreien Ruhe, einer Bekundung unseres unerschütterten deutschen Standpunktes bedürfe, um dem deutschen Judentum zu einer gesunden Lebensmöglichkeit in Deutschland, parallel zur allgemeinen deutschen Entwicklung, zu verhelfen. Es ist sicherlich für die Leser einer Zeitung oder für die Anhängerschaft einer Führung erfreulich. Angenehmes zu hören oder zu lesen. Aber die Zeiten sind zu ernst, als daß man Illusionen verbreiten dürfte, nur um dem anderen angenehm zu sein. Nichts würde den Elan zum Neubeginn, die Zähigkeit zum Durchhalten unserer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland schwerer schädigen als die Ueberschatzung kleiner Besserungen und die Verallgemeinerung gewiffer Einzelersolge. Solange man nicht einsieht, daß ein noch so schöner ideologischer Ueöerbau kernen fehlenden Untergrund ersetzt, und solange man Orientierung der Gesinnung nach einer bestimmten Richtung hin als Herlrezept ansieht, ist ein wesentlicher Schritt in der Selbsthilfe des deutschen Judentums nicht denkbar. Gewiß lebt der Mensch nicht vom Brote allein, und gerade in unserer jüdischen Gemeinschaft ist es Ueberlieserung, daß die geistig-sittlichen Kräfte ihren wichtigen Platz in unserem Dasein finden. Aber nach Eoue-Methode zu sagen: „Ich fühle mich täglich jüdischer und jüdischer" oder: „Ich fühle mich täglich deutscher und deutscher" — schafft nicht einem einzigen jüdischen Mittelständler, nicht einem einzigen Jungakademiker, nicht einem einzigen Angestellten Stellung, Brot, Existenz: und das um so weniger, wenn verschiedenen Richtungen mit ihrer gesteigerten Betonung des deutschen Gefühls? oder des Jüdischen gegenseitige Wertungen und Abwertungen verbinden: wie sind dir besseren Juden oder: wir sind die besseren Deutschen, wobei mit einem traurigen Lächeln gesagt werden muß, daß dem totalen Sraat und der national'ozialistischen Idee diese gegenseitigen jüdischen Liebenswürdigkeiten gänzlich unintereffant sind. Es scheint, als ob die Erschütterungswellen, die durch das deutsche Judentum einigend und klärend dringen müßten, noch allzuost an sichtbare und unsichtbare Dämme und Psahlr stoßen, an denen sie sich brechen und an denen sie verzerrt werden. Wir schlepren viele solcher Damme und Pfähle in urueren Spezialideologien mit uns herum. Die reale Lage des deutschen Judentums aber ist unabhängig von den gesinnung-mäßigen Nuancen der einzelnen jüdischen Gruppen. Wir wollen und erstreben keine absolute Einheit des deutschen Judentums; sie soll es und sie kann es nicht geben, weil kein Lebendiges eins ist, sondern immer ein Vieles. Wir wollen aber nach einer relativen Einheit des deutschen Judentums streben, das heißt nach Klarheit darüber, daß eine Arbeitsgemeinschaft aller Nich^ tungen und Organisationen möglich und wünschenswert ist. Die Voraussetzungen für diese Forderung sind recht einfach: Ablehnung des Am dem ir&hd&s Intendant Dr. Kurf Singer: Kulturbund Deutscher Juden.Seite 285 Jüdische Jugend baut ihren Sportplatz Seite 287 Günter Friedlaender: Die zweite Emanzipation . . . . ..Seite 288

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