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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-13 · 28 (13.7.1933) · p. Seite 276

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
28 (13.7.1933)
Date
1933-07-13
Page
Seite 276 (sequence 8)
Language
German
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276 lisüsche Entscheidung unserer Väter und Eroßvarer nicht unter tveltgeschichckichen Aspekten vielmehr furchtbar geschadet hat. Wohin es ihr zufolge mit unserer Religion gekommen ist, habe ich in meiner Schrift ».Indischer Glaube in dieser Zeit" (Philo- Derlag 1932, Preis 3,50 Mark) zu Zeigen unternommen; daß wir mit dem Bündnis Liberalismus—Judentum auch politisch Schifsbruch erlitten haben, haben die letzten Wochen bewiesen. Praktisch und theoretisch sind wir heute um 12O^Jahre zurückgeworsen worden; wir müpen alle Fragen und Probleme noch einmal von vorn 'durchdenken und verwirklichen. Wir werden dies aber aus einer wesentlich tieferen Ebene zu tun und die Spirale einige Bogen höher zu spannen haben. Nach meiner und me.ner Freunde Ueberzengung wird das deutsche Judentum eine gesinnungsnräßige Neuorientierung vornehmen müssen, um aus der zusämmengebrochenen liberalen Front heraus- und hineinznkomrnen in eine Front der konservativen Erneuerun g. falls diese sich organisch herausbilden sollte. Dann wird die sogenannte „Judenfrage" noch einmal aufgerollt, gerechter und der Wirklichkeit angemessener gelöst werden müssen. Damit die künftige Reueingliederung der deutschen Inden in das deutsche Volk und den deutschen Staat nicht wieder mit dem Fehler einer einseitigen Orientierung belastet wird, werden wir die Zwischenzeit auch wirklich zu nutzen haben. Die Neuformierung des deutschen Judentums erfordert in erster Linie eine neue Führung, daß ein neuer Typus in die sichtbare Repräsentanz eintritt. Diele der Alten in den Gemeindevertretungen und den Vorständen der politischen Organisationen werden gehen müssen. Wir erheben diese Forderung nicht, weil wir Jungsein an sich für ein Verdienst hielten. Wir werden auch keine Palastrevolution machen, weil wir als jüdische Jungen vor dem Alter selbst dort noch Ehrfurcht haben, wo es irrt und fehlgeht. Wir bitten unsere Alten nur, ernsthafte Gewissenserforschung zu üben, ob sie denn wirklich noch das Wort zur Stunde haben, oder ob es nicht gut wäre, wenn heute auch im deutschen Judentum ein neuer Typus an die Führung käme, der durch das Erlebnis der deutschen Jugendbewegung geprägt morden ist. lieber kurz oder lang 'wird pr wieder einmal die Zen kommen, wo wir mit unserer deutschen llm> welt in ein Gespräch cintreten können. Ilm dann aber überhaupt verstanden zu N'erden, müssen wir uns wenigstens aus die Sprache des heute in Deutschland herrschenden Typus verstehen, zu dem man aber — und das liegt nun doch im Generationsunterfchied — erlebnis mäßige Affinitäten haben muß. Im „Deutschen Vortrupp" und in anderen Gruppen der jungen Generation jammern sich bereits die Menschen, die konservatives deutsches Bewußtsein mit positiv jüdischer Verantwortung verbinden, um morgen schon für das deutschbewnstte Judentum legitim sprechen zu können. lieber das Schicksal der jüdischen Jugend ist in der neuen Gesetzgebung entschieden worden. Aber auch jüdische Jugend hat sich entschieden: Ja, nein und trotzdem. W ir gehen e i nen deutschen Weg! * Der „Deutsche Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden" ist eia aus memstsi licke Auslese hin gebildeter Führertreis der jungen Generation, der durch die oufgeschlogieue Lebensart der deutstcken Jugendbewegung und durch eine geschichck-bewnßte konservative Sicht der deutschen Dinge sein Gepräge hat. Wir stehen ebenso entschieden gegen den Asnrnilationsstandpuutt der alten Liberalen und Ratronalliberalen, wie wir jeglichen Zionismus aülehuen, der für junge Deutsche jüdischer Abkunft und jüdischen Glaubens auch heute keine Möglichkeit * bedeutet und der zcidem unsere Religion aus der Substanz heraus zu zerstören droht. — Das nächste Reichsrresfen des „Deutschen Dortriwv" findet Anfang August in Mitteldeutschland statt. Alle nähere Auskunft erteilt die Kanzlei: 4lnrt Wongkschvwski, Frankfurt o. M., Brcmbach strafte 7. // WJ* V / vin * * 4'.v«V rv» Zu diestr Frage schreibt die „Fra:ckll:rlle Zeitung" (7. Juä)ß „Der Ausschluß der Nichtarier ans allen Oraanisatirnen den Seut'chen Arbeillsrou: ist nach den lenken Berllrntbarnngen eine vrllzeeene Ta:suche, obgleich die Art dm Turchnlhrnn/ i:n ciu-e-luen noch nickst bestürmt zu sein stest.ch Jebenchlls aber :;u:*j es nach den bischer bllmurgewordenen^ Erklärungen 'und Anordnnnueu Wohl als sicher gellen, daß man hier, anders ans beim Bcrn'sbean.tenae'ell, irgendwelche Ausnahmen zugunsten etwa der Kriegstennchn-.or oder der schon seit dem I. August 1914 Drganisieneri ruckst treffen will. Einzelheiten werden naturgemäß noch einer genauen R-egelun.g lledürsen. In dlestr chiastg)t besteht besonders in einem Punkte graste So ege bei den Betroffenen. Viele von ihnen bauen nicht mir seit Jabren, sondern auch schon seit Jahrzehnten regelmäßig die Beiträge an ihren Genoerkschastsveroan.d entrechtet und dadurch besondere Ansprüche null Verna^erungs- und Ilu: erst ü ni!ngslei stu ngen -rre o r ben. Die Gew e r ksa a ch sverbände genoübrten in der Regel ihren ll.stgliedern z. B. Alte r-chlfe, kranllniui• erstüng. Sterbegeld, Erruerl?slo senu nsterstütz::ng und äpnlichos. Nun sind zwar fast durchweg _J7>:e Aerstcherungsansprüche dieser Art in den Satzungen nur in der Form von , Kanu-Bor'christenll geregelt, bäu'ig sogar so, daß ausdräälich jeder Alechtsan'prwch formaler 'ilainz aue-geschlossen wurde. Jedoch der Zustunmer.-aang zwischen der Beitragsleütnng und der Bcrstcheruugsleistung ist der ^ack'.e nach derart, daß der Pünktliche Bellragszabler erroarien wüßte, mit seinen Anträgen nach Billigkei 1 sgr.äuden beurteilt zu werden, all'o ochne Rücksich: darauf, welcher Abstammung er war. Es liegen Pier mitbin Berhälini-F vor, die einen miickestens versicherungsähntichon Eharalter tragen _ . . „ Es ist wohl auch zu honen und anzuneamen, daß man einen Weg finde, um den Berrosteu-en die so erworbenen Bersicherungstezüge nicht zu nehmen. Wenigstens lieg: dies durchaus in der Linie der bisherigen Gesttzgebung. So wird z. B. durch preußische Äue-führungsoorsck riften zum Berussbeannan ersetz bestimmt, daß dmienigen, die nach dem Aeanuengosch zur Entllsiuug kommen, alle Bezüge zu belaßen seien, welche auf einem unter Beteiligung dos Angestellten oder Arbeiters an der Beitrags<nachbriugung unterhaltenen BerncherungsverlMtnis oder vorsicherungsähnlichen Berhäcknns beruhen." Bildung als Lebensform rchkekie« Md MfM§m fe»'£A r.osrsßss Wer tagaus Lagein in lebendigeni Gedankenaustausch mit jüdischer Jugend steht, wird die Augen und die Seele vor der inneren NoL nicht verschließen können, die Unsere Jugend bedrückt. Ausgewachsen im Gedanken des völligen Gleichberechtigtseins, der aktiven Anteilnahme an der deutschen Wirtschaft und Kulturarbeit, sieht diese Jugend sich Plötzlich im luftleeren Raum, unfähig, ihre Lage zu begreifen, geschweige denn, pe zu meistern. Von jeher gewöhnt, ihren Maßstab aus dem deutschen geistigen Raum zu gewinnen, fühlt sie sich auch jetzt geneigt, den Maßstab ihrer Umwelt anzuwenden, auch in der Beurteilung ihres eigenen Wertes, ihrer eigenen Existenz. Das Ergebnis muß schließlich ein Gefühl der Minderwertigkeit sein, oder was dasselbe ist, die trotzersüllte „D e n - n o ch'-E i n st e l l u n g, e i n e B e j a h n n g der bisherigen Grundlagen gerade wegen der ablehnenden Stellung i h r e r ll m g e b u n g. Die Folgen solcher Grundeinstellung sind so oft hier wie in anderen Blättern geschildert worden, daß es überflüssig ist. noch einmal daraus einzugehen. Es gilt jetzt, in der Erkenntnis der Gefahr die Mittel zu finden, ihr zlr begegnen. Zu diesem Zwecke ist eine kurze Erläuterung des Zieles geboten. Wir wünschen, daß unsere deulsche jüdische Jugend zu geraden Menschen heranwachse, daß sie ihre Umwelt ohne Haß und mit Verständnis zu betrachten lerne, und daß sie, gleichviel wo irnmer, sich eine Eristenz auszlrbauen vermöge. Wir glauben, daß der d e u t s ch e Jude diese Unv e r b o g e n h e i t n u r d a n n wiedergewinnen lann, wenn er das natürliche Verhältnis zu den G rri u d l r ä f t e n seines Seins w rede r g e w i u n t, und wenn er e ler n t. sich ohne Einsch ränkilng in seine d e u t s ch j ü d i f ch e G e nc e i n s ch a f t ei n zu g l i ed e r n. Eingliederung in eine Gruppe setzt Verständriis dieser Gruppe voraus. Und so wnd die künftige Erziehung der jüdischen Jugend die jüdische Wunzc! unseres Lebens zur Kraftquelle des Lebens erheben müsien. Dies ist keine Notstandsmaßnahme, ' sondern Neubesirn.nnrg. Wir haben unser deutsches Schicksal zu allen Zeiten rückhaltlos bejaht, bejahen wir nunmehr auch unser jüdisches Schicksal als deutsch Inden. Machen wir ans der Not eine wirkliche Tugend: Die Tugend d<s Bokennens zu sich selbst. Ntan hat so o't von der Noüoendisteit jüdischen Geschicht^- bewußtieins geschrieben und gesprochen. Gestehen rvir v:kn ein. das; wir es in unserer Verbundenheit mit der deutschen Not oft vorgesien batierr. Wenn es aber ein Zeichen für die Unzerstörbarkeit des Judentums überhaupt gibt, so voird es unsere 8kückkehr zum jüdischen Eeschichtsbenoußrseitt sein. Das Werk, das zu vollbringen uns geboten ist. gliedere sich ein in die zeitliche Aufgabe des deutschen Judentums insgesamt. Die Hinwendung zu neuen Berufen, die mit Notwend:gkcit und Rech: propagiert

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