Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 28 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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£5? */ A \ lf ’ V - <C£ yi§ ts-X ^v r w* f Vv V'-U)^ V ln ehern behenderen Sinne gegenwartsnah lebt die jüdische Jugend Deutschlands. Sie ist nicht durch Erlebnisse und Erfolge wie die altere Generation gucheucht eder gesättigt. Sie fühlt den Rhythmus der Entwicklung ringsum ah verwandt, ah mitrehsend — und doch im tiefsten Grunde ah wesensfremd. Sie vlll nicht verstört haltmachcn vor Gedanken, die für ihre Eltern uniiberslägbaxe. Schranken-datsldlen. Sie will jüdische Zukunft in Deutschland und fühlt, dass es einen Weg zu ihr gibt. Wir öffnen der. Führern des jungen deutschen Judentums die Spalten unserer Zeitung zur freien Aussprache. Wes der Einzelne mittdli, sagt et Gr sich ur.d für seine Gruppe aus. Er bindet weder diese Zeitung noch den Ceniraherein. Aber er Verbindet sich mit seinen Aeusserungen den grossen Aufgaben, die immer Duseinsvorausseizung und Lebensgesetz -von Juden sein werden, solange wir in nichtjüdischer Umwelt leben müssen, und die also auch die des deutschen Juden sind. Nachdem der vorläufige Abschluss unserer Aussprache ,,Für Deutschtum und. Judentum* bereits einen Uebergcng zu dem neuen Thema gebildet }JJe (A. R. „Kein Platz für junge Juden beim Aufbau Deutschlands'*) geben wir heuie Dr. phil. Hans Joachim Schoeps, dem Führer des „Deutschen Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden \ das Wort. D. Schrifileiiung. Wir gehen einen deutschen weg von Hans Joachim Schoeps In einem Aufsatz im letzten Berliner tI ü dischen © c in c i n b c b I ci t i" hat Tr. Alfred -Kirsch borg die richtige Feststellung' gclrossen, daß mir deutschen Inden die einzige Gruppe innerhalb des deutschen Lottes sind, der eine gewisse grundsätzliche Opposition zu den neuen Verhältnissen zucttmnden btcibr. Nährend noch dem verft.sienüen Staalsicind arischen Eedlüts grundsätzlich die Möglichkeit des Gesinmingsrvechftls osftn gelassen wird, werden wir Inden nicht mehr in die Repräsentanz der Nation miteinbezogeu/ weil das aus Blut und Rasse gegründete völkische Drinnr boilte in Deutschland herrscht. Nie die Tinge einmal liegen, sind wir Juden polirisch, wirttchaslli-ch, gesellschaftlich und kulturell aus unabsehbare Zeit ans der Ration ausgeschlosien und leben - i n unserem Laterlan.de — im Exil. Man kann auf eine schwere Notlage des Körpers und der Seele verschieden reagiere. Man kann ihr ressenLime nt al begegnen und sich zu Affekthandlungen Hinreißen lassen, man kann aber auch das uns geschehende irdische Unrecht als himmlische Strafe nehmen und nach . dem Sinn unseres Leidens fragen, um dessentwillen man alles Leiden freudig tragen kann. -Kein ' Zweifel ist: Unsere Later haben nur die zweite Möglichkeit gekannt. S o h n s ch a f t v e r P f l i ch t c t! Wir wollen Besinnung üben, heuie wie ft: Welche Möglichkeiten und Ausgaben erschließt die neue Situation? — Sie gibt mnächsi der Rachkriegsjugend, die von der Umwälzung am grausamsten getroffen ist, nne unerhört große Chance. Wir können reute unter Beweis stellen, daß nur Deutschland immer n n r um seiner selb st willen geliebt haben, indem wir. entrechtet undausgeschlossen, genansounbeirrt wie die Zeit zuvor in Dienstbereitjchast für die Ration bleiben, was wir waren: preußische, bayerische, franlische, hessische Tentsche jüdifchcr Adln n s r u n d j ü t> i s ch c n G l n u b c n s. Wir jungen jüdischen Deutschen werden das Kolleklivschicksal drohender Prolesta r i s i e r u n g mit der gleichen niUeii Telbstverständlichkeit auf une nehmen. mit der unsere Baker und unsere älteren Brüder aus den Schlachtfeldern des großen Krieges dem Vaterland ihr Leb e n h i n - ccQcben Haber!. Die nationaler Regierung hat uns diese Chance gelassen, unsere Deutschheit durch Leiden und Entbehrung zu beweisen. — Senn als Inden uüffen wir, daß ©ei ft stärker i st als B l u t. Aus dem Blut erwächst Rausch, und Rausch verrauscht; aus dem ©eist entspringt Zeugnis, und Zeugnis zeugt! Ein zweites: Tie nationale Negierung hat nicht unwre „©leichschattmig" vorgenommcn. Mit Ausnahme der kleinen Gruppe um Dr. Raumann, die, nach S e l b s! a u s s a g e ihres F ü h r e r s, jede positiv jüdische Verantwortung ablehnt, wäre wohl auch niemand dafür zu haben gewesen. Als Sprecher der am weitesten „rechts" stehenden ©ruppe des deutschen Judentums stelle ich aber ausdrücklich und nachdrücklich das Selbstverständliche fest, daß der deutsche Nationalsozialismus in seiner reinen völkischen Form keine jüdische Möglichkeit bedeutet. Es ist .zwar schwer, meistens unmöglich, für das gesamte Judentum verbindlich zu sprechen, weil wir kein autoritatives Dogma und keine repräsentative Lehrinstanz haben. In dieser Frage gibt cs aber eine Einheit, die aus einer grundsätzlichen - Besinnung auf die Möglichkeiten jüdischer Stellungnahme entspringt und ans ihre Grenzen: Das Judentum kennt wohl die Autorität des Lehrers und den Cehorsam vor der Obrigkeit; cs kennt aber nicht das Führerprinzip, das durch Rausch und Bannung totale Gefolgschaft konstituiert. Weil ©ott, der Herr, den Indender einzige und ausschließliche „Führer" ist, können wir keinem menschlichen Führer mehr verjallen und gebannt Werdens so ausgezeichnet, tapfer und erfolgreich dieser auch ist und so herrlich und. beglückend der Zustand der Berfallenheit auch sein mag. Hingegen ist uns echte Bindung an jede Obrigkeit in unserem Vaterlande -möglich, wenn sie in Selbstveranuvortung der Person und aus ihrer freien ©ewftseusentscheidnng erfolgen kann. Darum können wir Juden einem Kl önig ftet* königlich begegnen, indem wir wissend um die eigene Wertfülle uns beugen vor dem. der das Oel einer göttlichen Salbung trägt. Ter totale Staat ist keine jüdische Rl ö g lichte i t; der autoritäre Staat fände u n s Inden in vorderster Front, weil wir überall dort hinzutreteu können, wo darum gewußt wird, daß ©ott der Herr der Völker und der Staaten ist, daß die Obrigkeit des Landes ihren Auftrag, Ordnung zu schaffen, von Ihm hat und daß jegliche Beamtung ans Erden eine göttliche Bestimmung ist. (Verakhot 58a.) Lehrte doch Rabbi CHanau b. Raba: Selbst ein Zisternenausseher wird vom Himmel eingesetzt. pBaba Bathra 91b.) Das verstehen wir gut, weil ein richtiger Jude öffentliche Tätigkeit immer nur als Dienst am Staat aufsasien kann. Den Staat erfährt er als Objekt, vor dem er sich zu verantworten Hai. nie aber als Objcknvatiott seiner selbst. Nicht zufällig ist der Jude Friedrich Julius Stahl zum geistigen Vater der konservativen Partei Altpreußens geworden. In seinem ©eist stehen wir zu; Deutschland in jedem Fall und u in jeden Preis, wie immer unser äußeres j Los auch gestaltet wird. Je länger wir aber unsere heutige leidvolle Situation betrachten, um so trächtiger wird sie. Immer werden Inden jüdischer, wenn sie Leiden zu tragen haben. Reichtum und Glück ziehen uns nur von unserer Bestimmung ab. Wir müssen uns einmal vor Augen stellen, was aus dem deutschen; Judentum geworden wäre, wenn das noch 50 Jahre io weitergegangen wäre. Wir wären zugrunde gegangen an allgemeiner > Indifferenz, und die besten Teile der Jugend hätten wir an die zionistische Säkularisierung und die rote Assimilation verloren. So aber treibt das heutige Leiden zu neuer und vertiefter Selbstbesinnung. Schon bekommt die Kehr Ha ein neues Selbstbcwnßtsein und die Synagogen beginnen sich an Freitagabenden wieder zu füllen. Das kann ein nur äußerliches" Zeichen sein. Nicht äußerlich mehr ist aber schon der Umstand, daß es wieder Juden gibt, die den Dulder Hiob als Zeitgenossen empfinden und in der Heiligen Schrot schon wieder anders lesen als in einer ehrwürdigen, cnvas verstaubten Chronik langst vergangener Dinge, Hier und dort beginnt schon wieder das Verständnis dafür zu wachsen, daß der Auszug aus A e g y p t e n und die Gesetzgebung am Sinai nicht vorgestern gewesen sind, sondern gestern, daß der Messias nicht übermorgen kommen wird, sondern morgen, und daß die Heutigkeit unseres Judeseins kein ©eburtssc'hler ist, sondern ein Auftrag, Zeugnis abzulegen für den M e 1 e c h hoaulom, den König der Wett. Und damit kommen wir bei der Betrachtung unftrer Situation zum Ende. Das schwere Los, das uns getroffen hat, verwandelt sich dann in Segen, wenn wir es als Mahnung zu Einkehr und Besinnung verstehen lernen! Wir haben jetzt viel Muße«, uns zu überlegen, ob die „Selbstverständlichkeiten" der letzten hundert Jahre w i r k l i ch selbstverständlich waren, ob uns die libera- Wirklich© Erholung ... assszsssM findet nur der gepflegte Körper, wobei Mund und Zähne infolge ihrer täglichen Mitarbeit besonders pflegebedürftig find. Zur richtigen Zahn- und Mundpflege gehören unbedingt die Qualitätserzeugnisse Chlorodont-Zahnpasie, -Mundwasser und -Zahnbürste; sie find in den kleinsten Orten erhälrlich.