Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 28 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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574 von dr. Martin Salomonski An leitender Stelle der vorwöchigen Nummer dieses Blattes hatten wir mit deutlicher 1Zustimmung die Erklärung vermerkt, die Führer der massgebenden Organisationen der englischen Judenheil gegen die sogenannte jüdische Weltwirtschaftskonferenz erlassen haben. Eine erste Wirkung wurde insofern erreicht, als die Eröffnung nicht wie vorgesehen am 15. Juli erfolgen wird. Viele Menschen glauben, daß die Inden aller Länder in einem Grade vereinigt sind, der vom Standpunkt des Judentums höchsten Triumph bedeutet, nach der Wahrnehmung anderer Neberzengungen aber größte Schädlichkeiten im Gefolge hat. Wrr meinen, um es noch deutlicheren bezeichnen, den Begriff der „jüdi'-chen Internationale". Gr ist gar nicht so jung; man hat schon rnuner davon gesprochen, er war bisher nicht aus der Welt ni schaffen. Selbst Menschen, die den Juden in vielen Dingen Glauben schenken, haben unserer Beteuerung: „Es gibt keine jüdische Internationale, wir kennen sie nicht!", nicht vertraut, sondern dieses Thema als ein zwischen ihnen un'd Juden nicht zu erledigendes lächelnd zurückgestellt. Daher wollen wir jetzt fragen und ehrlich antworten: Wie steht es mit dieser Internationale? Gibt es für diesen Vorgang Beispiele oder handelt es sich um etwas Einzigartiges? Wer das Judentum in der gekürzten Form eines Aufsatzes anfassen will, der nach es als Problem behandeln. Es gibt keine zweite Gemeinschaft von Bedeutung in der Welt, die sich überall, ganz gleich warum, verbreitet und doch in so starkem Grade Stannnesursprung und Eigenart bewahrt hätte. Wir wollen das so formulieren: Wenn Juden in irgendeinem Lande wohnen. dann leben sie dort nicht in der absoluten Auflösung und Verschmelzung mit dem übrigen Volkskörper,, sondern tragen ln sich das Bewußtsein bei aller echter Verbundenheit mit ihrem Vaterland, gleichwertig mit der Bewährung und Besiegelung von Treue und Einstellung bis in die letzten Fasern des Volksempfiudens, eine, lebende Gruppe darzustellen, die durch die Kraft der llcberzeugung und der gemeinsamen Herkunft und durch den Willen der Aufrechterhaltung der Stammeseigenart verbunden ist. Wir sehen also unser Ideal nicht in der schnellen Blutmischung mit den anderen, obwohl nur bestimmt keinen zurückweisen, der sich unserer Religion und unserem Gemeinschaftsleben ans Neberzcugung anschließr. Wir stehen darin durchaus in einer Linie mit den jetzt in Deutschland herrschenden Anschauungen, daß die eigene Art gewahrt roerden möge. Es soll nur gefugt werden, daß unser Denken hierbei die Völker und S t ä m m e u n d e r st recht d i e Religion e n f ü r absolut ebenbürtig auf faßt. Wir halten nur die Zeit für sehr entfernt, wo die ganze Erde in vollkommenster Brüderlichkeit jede Schranke des Glaubens, der Nation, der Sprache, der Kultur abbaucn kann. Unsere Bibel lehrt, daß eine solche rnessianische Zeit dereinst kommen könnte. Solange sie nicht da ist und im Gegenteil alle Friedlichkeit verkannt wird, glauben wir, daß das Trennende das Förderliche sei. In der Bewahrung unserer - hergebrachten Art sehen wir, wie m der innigen Verbundenheit mit dem jüdischen Bekenntnis, unsere Ehre, unsere höchste Ehre! Dieses über unsere-Auffassung vom Leben des Judentums in einem einzigen Lande! Das soll also klar und deutlich heißen: So sülchen wir uns in Deutschland und zu ihm eingegliedert. Fortsetzung: Sozialversicherung ausscfuid'.nder Beamter siimmimgcn des Sozialversick)erunIsrechts sind Arbeitnehmer, die'ans einer versichernngssreien Beschäftigung ansscheiden, ohne ein Ruhegeld zu erhalten, für die gesamte Tauer der versicherung-freien Beschäftigung nackzuveruchern. Der Arbeitgeber muß also bei Beendigung des Arbeitsvcrhältnisses die vollen Bersichcrungsbeiträge für.die Tauer des Arbeitsverhältnisses von Beendigung der Inflation an nachentrichten. Diese Vorschrift ist mit Rücksicht daraus erlasten, dich der Tienstherr von der Vcrsicherungsvslicht nur mit Rückncht auf seine Verpflichtung zur Gewährung einer Altersversorgung befreit war, die nunmehr entfällt. Ter Beamte, der ohne Gewährung von Versorgungsansprüchen in den Ruhestand versetzt oder entlasten wird, ist danach so zu stellen, als ob er ständig versichert gewesen wäre. Ihn selbst tristst dabei leine Rachzahlungspslicht. Ihm sind sogar die etwa zur Angestelltenversicherung Qdeiftetcn Beiträge zu erstatten. Dagegen ist cs seine Lache, sich die -durch die Nachversicherung begründete Anwartschaft au? die Bewahrung eines Ruhegeldes usw. aus der Sozialversicherung für die Zukunft zu erhalten. Dies geschieht durch die Entrichtung von acht MonaLsbeiträgen im Kalenderjahr bei einer Versicherungsdauer (einschließlich der Nach- Versickerung) von weniger als zehn Jahren, von vier Monolsbeiträgeri bei längerer Bcrsick)crungsdauer. Tie zn entrichtenden Beträge sind recht geringfügig. Für dos laufende Kalenderjahr werden eigene Zahlungen eines Beamten im allgemeinen nicht in Frage kouunen. Ta die Versetzungen in den Ruhestand in fast allen Fällen erst zum 1. Oktober erfolgen, erstreckt sich nämlich die Rnchzahlungspsticht des Arbeitgebers bereits ans mehr als acht Monate des lausenteil Jahres. Rur für Partcib u ch beamte (§ 2 des Gesetzes) sindet eine Nachversicherung nach Maßgabe der reichsgesetzlichen Sozialversicherung nicht statt. Im Einzelsalle kann die Entscheidung der Frage, ob eine Rachversicherungspslicht besteht, Sch'.vierigkeiten bereiten. Ter Versicherung unterliegen z. B. nicht solche Beamte, die auch wegen der Höhe ihres Einkommens versicherungsfrei gewesen waren. Es empfiehlt sich, in Zweiftlssüllen zunächst bei der zuständigen Versicherungsanstalt nachznsragen. Auch die Juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle des Ee.üralvereins wird, soweit es aus diesem Soudergebiet möglich ist, mit Auskünften zur Bcrsügung stehen. . - T. Nf Wie stehen wir nun zu den Juden int Lande „Irgendwo", wenn es ein Nachbarland ist, ein früher feindliches oder jetzt noch nicht ehrlich freundliches? Wenn man es . sich bequem machen will, dann antwortet man darauf: Jude steht zu den Juden in diesen Landern wie der katholische oder protestantische Christ zu seinen dortigen Glaubensgenossen. Aber gerade das wird nicht geglaubt. Man sieht zwar ein, daß es 'sympathisch und verständlich ist. wenn man ans Reisen oder im Briesverkehr einen so gleichgesinnten oder ähnlich denkenden Menschen kennenlernt. Auch sür uns Inden ist es immer sehr interessant, wenn es uns gelegentlich so ergeht. Der Fremde sieht die Anglcichungcn viel schärfer, der Einheimische ist kritischer in der Abwägung der Unterschiede. Warum hat nun der "Jude gegenüber den Juden anderer Länder außer dem innigen Gefühl des gemeinsamen Glaubens noch ein anderes, das bei den übrigen Bekenntnissen nicht ganz so entwickelt und zwangsläufig sein mag? Das rührt einmal daher, weil die Inden in vielen Ländern erst kurze Zeit zu Hause sind linb mit einer pietätvollen Treue sich der Heimat erinnern, ans der ihre Vorväter stammen. Es liegt auch daran, daß die Jude:: selbst da, wo sie stark vertreten sind, doch nur eine Minderheit darstellen, und cs liegt vor allen Dingen daran, daß seit alters her sehr schwere Geschicke das ruhige Leben der Juden hart angegriffen oder bedroh: haben. Durch dieses Los ist. ein erhöhtes 'Gemeinschaftsgefühl und eine Solidarität allmählich wactzgerufen worden, die unsere Besten auf Leid und Klagen anderer Juden aufhorchen läßt und zum Helsenwollen verpflichtet! Damit ist aber auch die Grenze der Verb ii n dcnheit dargestellt; darüber hinaus bestehen keine Bindungen, die auch nur den Schatten eines bündnishaüen Charakters tragen könnten. Im Gegenteil! Es mußte oft genug feftgcstellt werden, daß man den Inden eines Landes im Nachbarlande jndischerseits lieblos genug begegnete und. einen Chauvinismus — wir wollen absichtlich diese Bezeichnung wählen — zur Schau trug, der uns als deutsche Bürger und jüdische Menschen gleichmäßig tief verletzte, vier zeigt sich der erhebliche Gegensatz zwisehen schönsten Theorien und der Praxis, wie sie ist. Und weil nur gerade von dieser Schattenseite sprechen, wollen wir uns selbst vor Augen halten, daß Kleinlichkeit und Mißgunst selbst zwischen Juden eines Landes leider nicht zu den Ausnahmen und Seltenheiten gehören. Wie soll es denn nun sein oder werden? Wir wollen uns vor der Geringschätzung fremder Juden bestimmt bewahren. Wir wollen den harmonischen Verkehr und das Empfinden für unsere Gemeinschaft, wo sie auch lebt, nicht zerstören. Wir haben aber Beweise, daß es bei einer Ansrollung der Frage. Jude, wo gehör st du hi n?, s ü r u u s g a r k e i n S ch w a n k e n gib t. Es gibt keinen rührenderen Beweis sür jüdische Anhänglichkeit in der Vergangenheit als die Liebe der aus Spanien und Portugal abgedrängten Juden, die sich nach 500 Jahren noch in zähestem Festhalten an Sprache und Sitten dokumentiert. Die Gabe der Prophetie ist zwar nur Auserwählten gegeben, aber ferne Zukunstszeiten werden dafür eine ebenbürtige Parallele zu verkünden haben.: . * -•< -