Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 28 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Den historischen, jetzt zerbrochenen Begriff vom deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben stets nur sehr wenige der Hunderttausende, die in den vierzig Jahren Vereinsgeschichte des E. V. sich deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens nannten, als dicht, treffend oder schön empfunden. Aber er war trotz seiner Trockenheit Ausdruck m enschIicher Freih ei tlichkeiL und gleichzeitig einer Möglichkeit zur j ü d i s ch e n W a h r- Hastigkeit. Viel Glanz, viel Sonne lag auf diesem Namen; die gleiche Sonne, die auch die Versailler Kaiserkrönung und die den Aufbruch der geeinten Nation in den Angusttagen 1914 beschien. Und solange wir ihn tragen, und bis zur Herausgabe des diese Regelung ändernden Reichsgesetzblattcs tragen wir ihn mit Fug und Recht, sind w i r d e u L s ch e Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne Fäl -- Aus einem Artikel „Die Juden und das neue Deutschland" von Dr. Wilhelm- Stapel, veröffentlicht im „Deutschen Volkstum" (1. Juni-Heft 1933, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg) seien hier folgende Abschnitte wiedergegeben: . . . sicht in Italien Juden, die das Faschisteuzeichen tragen. Juden können, sofern sie bewährte Faschisten und also wirklich italienisch-national, sind. Zu den höchsten Aemtern gelangen. (Balbo ist übrigens getaufter Jude, aber die Taufe ist nicht erforderlich.) Der Jude darf der jüdischen Religion treu bleiben. nur Freimaurer darf er nicht sein. (Tie Freimaurerei war eines der wichtigsten politischen Probleme des faschistischen Staates.) Italien hat also die Juden vor die Frage gestellt, ob sie italienische Nationalisten sein wollen oder nicht. Jüdischer Internationalismus sowie Zionismus ist ausgeschloffen ans den faschistischen Reihen. Ter Jude, der in Italien leben will, mutz, sofern er sich nicht ins Private verbirgt und aus öffentliches Mitreden und Mithandeln verzichtet, Nationalist sein. So lernen wir. nicht ohne Ueberraschnng, unter italienischen Juden die Grundanschauung kennen: Ter Jude muß auf jüdische Politik verzichten, er kann moralisch nur Nationalist des Volkes sein, unter dem er lebt. Kosmopolitismus und Judentum schließen einander aus, ein gegen die Wehrmacht des Staates gerichteter Pazifismus und Judentum schließen einander aus. Der Jude mutz Nationalist seines Landes sein oder er muß weichen .. . Italien hak seine Jndenfrage nach dem Prinzip der Assimilation gelöst. Es sucht die Juden zu „guten Italienern" zu machen. Die unbedingte politische Gefolgschaft genügt als Voraussetzung. Diese Lösung ist in Italien möglich, erstens wer! die Zahl und Bedeutung der Juden dort nicht sehr groß ist, zweitens, weil bei tm. mediterranen Typ des Italieners die Assimilation der Juden leichter ist als bei dem mehr nordisch bestimmten Typ des Deutschen. Ter körperliche und seelische Habitus des Italieners setzt der jüdischen Assimilation im allgemeinen nicht so große Schwierigkeiten entgegen wie der des Deutschen. Während Mussolini die Lösung der Judenfrage in Richtung-auf die-Assimilation unterschung; wir waren keine Täuschung, es sei denn, das starke, arbeitsvolle, hingebende Leben von Hunderttau senden von Männern und Frauen sei Täuschilng, Lüge gewesen. Geburtshaus bleibt, auch wenn der Straßenname geändert werden sollte, Geburtshaus. Ebenso wie die Vorgänge im Sonnensystem unverändert bleiben, ob das pt'olomäische oder das kopernikanische System herrscht: „11 n d sie bewegt sich doch!" Und wir bleiben doch, gleichgültig unter welcher Rechtsbezeichnnng und Rechtseingliederung, einer Gemeinschaft angehörig und sie weitertragend, die sich — nehmt alles in allem — mit Stolz deutsches Judentum nennt und nennen wird — Träger einer Form und Gefäß für einen Inhalt, die beide, bis die messianische Verheißung erfüllt ist, einzige jüdische Lebensmöglichkeit in der Welt bedeuten. nehmen konnte, bleibt uns Deutschen nur der Weg der völkischen Abgrenzung . . . Die Lösung der Judenfrage muß also in Deutschland von einem Judengesetz erwartet werden, das die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden korporativ regelt. Bei ruhigerer Entwicklung wäre es sicherlich zu einer, solchen systematischen Ordnung gekommen. Wer diese Entwicklung wurde durch die Juden selbst gestört, und zwar durch die Elemente, die von je das Verderben ihres Volkes sind, durch die unruhigen jüdischen Literaten. Ms öem „Dsrtmunöer Generalanzeiger" 7. Juli. Bekanntlich wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung der nationalsozialistische Antrag angenommen, nach dem solchen Zeitungsverlegern städtische Bekanntmachungen entzogen werden sollen, die auch heute noch Anzeigen von jüdischen Firmen aufnehmen. Ein derartiges Zeitungsunternehmen besindet sich unter anderen in Hörde, und zwar es sich um das „Hörder Volksblatt". Obwohl der Verleger genau wußte, daß der erwähnte Beschluß gefaßt worden ist. bringt dieses Blatt in seiner Ausgabe vom 4. Juli eine große Todesanzeige der jüdischen Firma Weinberg. Wie wir erfahren, hat der Vertreter dieser jüdischen Firma Zuerst die „Tremonia" aufgesucht, um Tckenbriefe angeferligt zu bekommerr; ferner wurde auch hier um Verössentlichung der Todesanzeige nachgesucht. Der Verlag der „Tremonia" aber hat, Ivas hier ausdrücklich sestgestellt werden soll, beides abgelehnt. Die Firma Kars May („Hörder Volksblatt") dagegen kehrt sich durchaus nicht an den vorerwähnten Stadtverordnetenbeschluß, sondern betätigt sich nach wie vor als Steigbügelhalter der Juden. Es ist anzunehmen, daß die anständige Leserschast dieser Zeitung ihre Schlüffe aus einer derartigen Handlungsweise ziehen wird. Im übrigen werden selbstverständlich die städtischen Organe dem „Hörder Volksblatt" sofort die Veröffentlichung jedweder amtlicher Bekanntmachungen PP. entziehen 8. Juli. Hamm. Trotz schärfster Aufklärung, trotz aller Propagierung nationalsozialistischer Gedankengänge haben es gewisse Volksgenossen immer noch nicht nötig, sich nationalsozialistisch einzustellen. Deshalb sieht sich der Kampsbund des gewerblichen Mittelstandes genötigt, einmal ein Exempel zu statuieren. Bei der letzten Aktion zugunsten des deutschen Einzelhandels uuirbeu interessante Feststellungen gemacht. Im Bewußtsein ihres Unrechten Tn ns vermeiden es Volksgenossen, jüdische Geschäfte offen zu betreten, sie benutzen Hintertüren oder das Telephon, um ihre Bestellungen und Käufe zu besorgen. Unter anderem wurden, wie der Kampfbund mitteilt, folgende Saboteure des Dritten Reiches sestgestellt. (Es folgen sieben Namen mit Berufs- und Wohnrmgsangaben.) Anwaltliches . . . Der Vorstand der Berliner Anwalt slamme r hat folgenden Beschluß gefaßt: „Standeswidrig ist die Begründung einer Sozietät oder Lürogemeinschast zwischen Animlten arischer und nichtarischer Abstammung sowie die Aujrechterhaltung einer Burogemeinschast oder einer nach dem 14. September 1930 begründeten Sozietät zwischen Anwälten arischer und nichtarijcher Abstammung." Ter bayerische Justizminister, Reichsj u st i z k o m m i s j a r D r. Frank, hak den bayerischen Gerichten empfohlen, von der Zuteilung von Armensachen an nichtarische Rechtsanwälte abzusehen. Eine Ausnahme soll nur gemacht werden, wenn die Armenpartci einen nichtarischen Rechtsanwalt ausdrücklich verlangt. Halbamtlich wird diese Maßnahme damit begründet, daß die Beiordnung uichtarischer Rechtsanwälte im Armenrecht dem Wunsche der Mehrheit der rechtsuchenden Bevölkerung nicht mehr entspreche. Helft, ehe es zu spät ist! . . Nicht nur Komitees brauchen wer. m denen umere Bitten registriert, unsere Not bestätigt und beglaubigt und mit Geldspenden in einigen Fällen gelindert werden, nein , um Arbeit bitten wir, um irgendeine Gelegenheit zum Unterkommen. Wir und schon lange bereit, uns umzust eilen. Und ich glaube, es kann in Deutschland noch für viele Von um ArbeitsmögUchkeit geschaffen werden. Rufen Sie die Privatinitiative Wach! Appellieren Sie in letzter Stunde noch einmal an den Gemein* schafissinn und den Opfergeht unserer noch begüterten Glaubensgenossen. Nicht, dass sie uns von ihrem Geld geben sollten, sondern die Gelegenheit zur Arbeit. Sie sind noch die einzigen, die dazu in der Lage und. Welcher von um jungen Aerzten würde es ablehnen, irgendwelche Laboranten- oder Kranken* pfleget diertsie zu leisten? Keiner von um, den das Gespenst des unfreiwilligen Nichtstuns schon seit Monaten umgibt, würde es zurückweisen, je nach seinen Fähigkeiten eine Tätigkeit zu übernehmen» die ihm Wenigstens das Essen einträgt-" (Aus dem Schreiben eines jungen Arztes.) I Atalkns unö Deutschlands 3uöen