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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-06 · 27 (6.7.1933) · p. Seite 262

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
27 (6.7.1933)
Date
1933-07-06
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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r§L M&x I. Friedl&nder . Wer im Berliner Kaiser-Friedrich» Museum in den 28 Jahren, die cs nun besteht, vom großen Saal der Italiener aus durch die halbversteckte, von bem Aufsichtsbeamten mit milder Strenge bewachte Tas>etenpforte Einlaß zu dem geheiligten Revier der Tirekliousräume fand, dem bot sich stets das gleiche Bild. Von nnnmeuder Sülle verschwiegener Amtsstuben war hier keine Rede. Mau konnte kommen, wenn man wollte, immer herschte munteres, angeregtes Getriebe. Der breite Gang, der sich zum Vorzimmer entwickelt hatte, war voll von Menschen. Kunstfreunde, Gelehrte, Museumsmänner, Sammler, Händler aus der ganzen Welt, manche mit einein wohlverpackten Schatz unterm Arni, standen herum, plauderten und warteten, bis sie an der Reihe wären. Alle wollten die beiden berühmten Kenner sprechen, die dort täglich in den Mittagsstunden ihre Audienzen geben: Wilhelm von Bode und Mar I. Friedländor. Unermüdlich wurde Rat erteilt, Auskunft gegeben, wurden vorgelcgte Kunstwerke geprüft, Meinungen ausgetauscht, Urteile gefällt. Bode und Friedländer — die beiden Namen gehörten unlöslich zusammen, sie hatten miteinander Weltruf gewonnen. Frühzeitig schon war Friedlander zum ersten Platz im Mitarbeiterstab und Freundeskreis des großen Museumsnapoleon ausgestiegen, der dem um zwanzig Jahre jüngeren Kollegen das herzlichste, rückhaltloseste Vertrauen entgegenbrachte. Jahr- . zehnte hindurch verband sie engste Arbeitsgemeinschaft, vornehmlich bei der Vorbereitung und Einrichtung des Kaiser- ' Friedrich-Museums selbst und bei den weit- Lusgreifenden Planungen Zu den Neubauten auf der „Insel", vor allein zu dem Deutschen Museum.. Als Friedländer nach Max Lehrs' Berufung nach Dresden die Leitung des Kupftrstichkabinetts übernahm, mußte er auf Bodes Wunsch seine Dicnststunden teilen und die Hälfte seiner Zeit nach'wie vor im Kaiser-Friedrich-Museum verbringen;. nach Vodes Tod wurde er dann vor fünf Jahren dessen Nachfolger als Direktor der Gemäldegalerie, dem zugleich die Fertigstellung des Deutschen Museums oblag. Tie vorzügliche Neuordnung der berühmten Gemäldesammlung ist sein Werk. Zwei Gebiete waren es in erster Linie, denen Friedlanders Forschung und Wissen zugute kam: die deutsche Kunst der Ne. naipance und die Malerei der Altmederländer. Davon zeugen seine Studien und Schriften über Alb recht Dürer, - Albrecht Altdorfer (der durch Friedländer ' erst in seine heutige wohlberechtigte Schätzung einrückt), über altdeutsche Hand Zeichnungen, über die Allsstellung der „flandrischen Primitiven" in Brügge 1902. über den Genter Altar und die Brüder van Eyck, schließlich die glänzende Reihe der Monographien über die anderen Meister der frühen niederländischen Schule. Unvergleichliche wissenschaftliche Kenntnis und methodische Sicherheit verbindet sich in diesen Veröffentlichungen mit einer Darstellungskunst von wahrhaft klassischer Klarheit und Knappheit des Stils. Aber mit seinenr Spezialfach erschöpft sich Friedländers kunsthistorische Schriftstellertätigkeit nicht. Sein Buch über Mar Liebermann, seine klugen Heftchen über den „Kunstkenner", über „Echt imd unecht", von der Weisheit reicher Erfahrung gesegnet, haben nicht minder Anteil an dem Zauber seines wunderbar gepflegten, zugleich persönlichen und einfachen Ausdrucks. Als zu seinem 60. Geburtstag ein Verzeichnis seiner Schriften und Aufsätze angeftrtigt wurde, kam ein stattlicher Band heraus. Max I. Friedländer ist ein Berliner Kind, und in seiner Vaterstadt hat er, einige Leipziger und Münchener Studienjahre abgerechnet, sein ganzes Leben verbracht. Er entstammt der wohlbekannten Alt-Berliner Juwelierfamilie, der er in der Festschrift zum Jahrhundertjubiläum der Firma ein Denkmal gesetzt hat. Von dem Sinn seiner Vorfahren für schone Dinge und edles Material, von ihrer handwerklichen Feinfühligkeit und Gewissenhaftigkeit mögen sich geheime Fäden zu .dem reisen Geschmack, dem scharfen Blick und der wissenschaftlichen Gründlichkeit des Kunsthistorikers ziehen. Wenn Friedländer nun von seinem Muserunsposten scheidet, so blickt er auf ein Leben zurück, das von Arbeit und Erfolgen bis zum Rande gefüllt ist. Schon im vorigen Herbst hatte der FünsuuLsechzigfährige die gesetzliche Altersgrenze erreicht; seitdem hat er seine Aemter lediglich noch ein Ehrenjahr hindurch geführt, das durch seinen -jetzigen Uebergang in den Ruhestand nur wenig verkürzt wird. Was er für die Berliner Museen, ihren Ausbau, ihre Pflege und ihre Geltung, was er in Tat und Schrift besonders für die Erforschung alter 'deutscher Kunst, für die gelehrte Erweiterung unseres Wissens vor ihr wie für ihre vertiefte. Einordnung im allgemeinen VolksbewußLKin geleistet, wird für alle Zeit unvergessen bleiben. - Li. 0. Iüöischs Or'Mrmst Don Tr, A. S. Frischauer (Wien) Im neuen Palästina erwarten sich neben der sozialen und wirtschaftlichen Arbeit, die der Gegenwart und der Zukunft dient, wissens di a i 11 i dj e Bestrrbung-'n, deren Ziel die Wiedererweckung der kulturellen Vergangenheit des Landes ist. — An der U n i v e r s i t ä t v o n e r u s a l e m besteh: eine L e h r k a n z e l i ü r u n ft q c s d) i cf) t c, die sich in Ucbereiustimmung mit der städü'ch-en Museumssamm'ung den i:n Laufe der Jahrhunderte aus heimuchcm Boden entstandenen 6 u n st werke n widmet. Es haben sich sehr interessante Neste altjüdisch-er Tempel erhalten und künstlerische Tcmpelgeräte verschiedener Stilepochen. Zu den reizvollsten Werken jüdischer Kunst gehören aber die Miniaturmalereien illustrierter Ö a n d sch r i f 1 e n, die in vielen Hunderten Exemplaren in den europäischen Sammlungen, in Bibliotheken, bei Liebhabern der Judniea und in jüdischen Museen liegen. Es mag erstaunlich erscheinen, daß es überhaupt jüdische Bildwerke und darunter I l l u st r a t i o n e n alter jüdischer Bücher gibt, die meistenteils sogar religiösen Inhaltes sind. Die Propheten haben die Juden zu einem bildlosen Volk gemacht, aber die Worte des Propheten H a b a k u f im sic beuten vorchristlichen Jahrhundert: „Wehe dem. der zum Holze spricht: Wache aus' und zum. Steine: Stehe aus! Wie sollte das Bild lehrend . . . und das Verbot, alles, was aus und unter der terbe, im Waner und am Himmel ist. namzu bilden. haben den natürlichen Spieltric) und die Kunsüreude des jüdischen Menschen nicht völlig zu unterdrücken vermocht. Das Bestreben, das geschriebene Wort durch das beigeiügte Bild, durch die Illustration eindringlicher zu machen, hat sich lebhaft geltend gemacht. Die Verlockung, die Bibelschristcn und Gebete. die bis zur Erfindung der Bnchdruckerkunst handschriftlich kopier: wurden, zu verzieren, war eine außerordentlich große. War doch schon das ) Schreiben der Bücher und Rollen hebräischer Quadratschrift eine zeichnerische beziebungsweife malerische Kunst an und für sich. Sie mußte gelernt und lange geübt werden. Die berufsmäßigen Schreiber, die „S o p h e r i m", mußten in der Zubereitung des Materials, des Pergamentes und der ^chreibrarben. erfahren sein. Sie bildeten eine eigene Zunft und waren außerordentlich angesehen. Tie Kunstfertigkeit im Schreiben von Bäckern wurde vom Vater auf den Sohn überliefert, und die Schrei bermmilie * Israeli in Toledo z. B. war im Mittelalter in ganz Westeuropa berühmt. In Spanien lebte sogar im An'ang des dreizehnten Jahrhunderts ein jüdischer K unsttheoretiker, der, ähnlich wie die Künstler der italienischen ywr.aipar.re, ein Traktat über die Bereitung der Farben und des Goldes für Miniaturen versaßt hat. Noch im achtzehnten Jahrhundert hat es Z ü n s t e von Shnagogenf d) r e i b e t n und Kalligraphen gegeben. Mi: der Zeit wurden die Bibel, und Gebettexke nicht nur kopiert, sendern es begann sich in d^r Verteilung der Buchstaben und der Wahl ihrer Größen ein schmnöfreudiger Geist zn regen. Man ging dabei so weit, daß mit dem freien Auge einzeln kaum untercheidbare Buchstaben zu Texten in Gestalt von Tieren und Bügeln zusammengesetzt wurden. Die Stimmen, die sich gegen diese Künsteleien erhoben und aus die dadurch gegebene Abstufung von der Andacht hin- . wiesen, konnten sich nicht durd)fetzen. Die ältesten bekannten jüdischen M iniatur- Malereien stammen aus der Zeit des neunten und zehnten Jahrhunderts. Es sind die in Borderaüen ui:d im Kaukasus entstand-enen Fragmente von Bibeln. Die ältesten, gut erhabenen jüdischen Bildcrhandschriften stammen aus dem dreizehnten Jahrhundert aus Spanien. Sie sind verschiedenen Inhalts und für verschiedene Zwecke bestimmt. Wo das religiöse Gesetz nicht ausdrücklich) jede Veründ-erung verbot, k^trieb der jüdische Kopist nicht nur die Kunst dos Schreibens, sondern auch 1

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