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Central-Verein-Zeitung · 1933-07-06 · 27 (6.7.1933) · p. Seite 260

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
27 (6.7.1933)
Date
1933-07-06
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 Ms DslZWtAM Nmö DKWMW HekennLmsss unö JeMellungbü / Zortsetzung öer Trussprachs irekn Platz für junge Iuöer, beim Aufbau Deuifchlanös A. R. Durch einen mit „Ausschluß der jüdischen Vereine und Cr* ganifationen" bezeichneten Erlaß des preußischen Kultusministers vom 22. Mai d. I. erfolgte zum erstenmal eine deutliche offizielle Stellungnahme des neuen Deutschlands gur organisierten indischen Jugend. Der Erlaß heißt im Wortlaut: „Ein Einzelfall gibt mir Veranlassung, daraus Hinzuweisem daß alle Jugendpflege und Leibesübungen treibenden jüdischen Vereine und Organisationen aus den Orts-, Stadt-, Kreis- und 53e3trE?aii§|ci)fiiicn für Jugendpflege auszuschließen und daß ihnen auch jegliche Vergünstigungen zu versagen sind/ Der in dem einleitenden ^atz des Ministerialerlasses enthaltene Hinweis auf einen Einzelsall und örtliche, dem Erlaß vorausgehende Verfügungen, nach denen jüdische und in a r x i st i s ch e Vereine gleichzeitig aus der Ortsjugendpflege ausscheiden mußten, schließt die Annahme nicht aus, daß nur ein Zufall jüdische junge Menschen davor bewahrt hat, durch gesetzliche Bestimmungen generell als staatsfeindliche Jugend Zu gelten. Jedenfalls ist eindeutig und klar bezeigt, daß für den neuen Staat die jüdische Jugend als aufbauende und staatserhaltende Kraft nicht vorhanden ist. Der genau einen Monat später veröffentlichte Aufruf des Jugendführers des Deutschen Reiches zur Neuordnung der Jugendorganisationen enthält vorläufig keine Anhaltspunkte, aus denen eine bessere Stellungnahme des Staates zu deutschjüdischer Jugend herauszulesen wäre. Dem jungen deutschen Juden ist also nicht einmal die Möglichkeit einer Bewahrungsprüfung geblieben. Die Altersschicht deutscher Juden, die ihrem Jahrgang nach weder dazu Gelegenheit hatte, Frontdienst zu tun und damit im Sinne der neuen Gesetze eine gewisse und darum auch nicht sehr befriedigende Gleichberechtigung zu erhalten, noch wiederum aus demselben Grunde zu den „Schädlingen" gehören kann, deren Ausschaltung der eigentliche Sinn der Neuordnung sein soll. Diese Altersschicht muß jetzt, abgesehen von ihrer materiellen Not, eine bestimmte Stellung zu dem neuen Deutschland einzunehmen versuchen, da sie auch im neuen Staat einmal nicht wegzulöschen ist, aber anderseits nicht wie die gesamte übrige deutsche Jugend gleichgeschaltet werden kann. Es soll hier nicht von wirtschaftlichen Existenzfragen gesprochen werden, die der neue Staat den jungen Juden in bür er nie gekannter Schwere zu lösen aufgibt. Es geht hier^auch nicht um die Neuordnung der Staatsform, sondern um die Neuschaffung einer ganzen Weltanschauung, des Denkens eines ganzen Volles. Marksteine auf diesem Wege sind vor allem für unseren Bereich der Arierparagraph mit seinen Ausschaltungsfolgen und die fast völlige Verschließung der Bildungsmöglichkeiten. Diese Vorgänge sind Platzweisend für die deutschjüdische Jugend in der Weise, daß man sie t>ou dem gesamten übrigen Deutschland durch eine hohe Mauer abgetrennt hat, daß man ihr jegliche freie Zukunftsentsaltung genommen hat. Sie darf sich an der Neuordnung des Vaterlandes nicht mehr beteiligen und kann damit das für junge Menschen unbedingt nötige, sich immer wieder erneuernde Heimaterleben für sich nicht verlangen. Sie hat aber als unbedingt zum Ganzen gehörender Teil der deutschen Jugend eine bestimmte Vergangenheit und Gegenwart in sich ausgenommen, die unabhängig von jedem subjektiven Willen erlebtes Gut und damit geistiger und seelischer Besitz auch hinter der trennenden Wand bleibt? Die Wurzel, die die deutsch-jüdische Jugend durch Erziehung, Umgebung, durch Erleben und Insichaufnehmen im deutschen Raum geschlagen hat, ist durch die sich aus den Vorgängen der letzten Zeit ergebende Trennung zwar so stark geschädigt worden wie bisher bei keiner deutsch-jüdischen Generation. Sie kann aber nicht herausgerissen werden, weil der Beweis, daß es den deutsch-jüdischen Menschen möglich ist, auch ohne sie zu existieren, einem Experirnent auf Leben oder Untergang, der deutschen Judenheit gleichkommen würde Rrchtarier, aber * ♦. Ein Milttlikd des Cenkrawercins übersende! nutz die Abschrift einer Eingabe, die er als Nichterict an eine Behörde zu richten gepvungcn war. 2£*rt entnehmen dieser Eingabe nachstehende wichtige Einzelheiten: Laut mir vorliegendem Kriegsstamm' rollenauszug vom 21. Februar 1922 bin ich am 12. Juli 1913 als geborener Danziger zum Grenadierregiment Nr. 5 eingezogen, d. h. ich befand mich damals als Prokurist einer Danziger Mühle in kriegswichtiger Stellung. Im Oktober 1914 starb mein Vater — früherer Offizier. Als alleiniger Ernährer meiner Geschwister und als Prokurist der Mühle war ich rellamiert. Im Juli 1915 ließ ich diese Reklamation verfallen und meldete mich selbst zum Heeresdienst. Ich bin Frontkämpfer, wurde zum Ossizierskursus vornotiert, geriet aber leider im Gefecht bei Dubowka in der Nacht vom 7. November 1915 mit zirka vierzig Kameraden in russische Gefangenschaft. Ich wurde ruhrkrank und kam ins Lazarett Pensa, dann nach Beresowka (hinter dem Baikalsee), dann in ein Lager bei Irkutsk. Mit fünf Kameraden, deren Dolmetscher ich war. ftoh ich im Frühjahr 1918. Und nach Ueberwindung von sehr großen Schwierigkeiten in Omsk, Wjatka und Petersburg (hier wurde ich als spionageverdächtig verhaftet) kamen wir in die deutsche Front bei Pskow in Quarantäne, Der Zeitpunkt, diesen Versuch zu unternehmen, kann vielleicht bei der nächsten, vielleicht auch erst bei der übernächsten Generation liegen. Er ist aber für dis die Gegenwart erlebende deuesch-jüdischs Generation trotz allem, was sie erlebt, völlig undenkbar, weil er im Widerspruch mit der eigentlichen seelischen Eristenzbasis steht. Es geht hier nicht um Besitztum, das der Besitzer Zwar schweren Herzens, aber doch abgebcn kann, es geht hier um die zutiesst liegenden Zusammenhänge inneren Menschentums überhaupt. Der junge Jude wird deshalb auch im neuen Deutschland in keinem Ghetto, sondern allenfalls in einer selbst geschaffenen deutsch-jüdischen Gemein'chast leben können. Die Grenzen dieser Gemeinschaft nach außen werden nicht von ihm, sondern von den Gesetzen des Staates gezogen. Der innere Gehalt der Gemeinschaü wird aber deutsch-jüdisch sein, deur'ch nicht in dem Sinne, der gleichzeitig „rbltisch" und damit Ausschaltung jüdischer Menschen bedeutet, sondern so, wie der junge deutsche Jude bisher als Teil der gesamten deutschen Jugend gelebt hat. Jüdisch aber wird der deutsch-jüdische junge Mensch zweifellos nicht nur im ^inne der Ausgleichschasfung noch stärker als bisher werden müssen, um der deuffch-jüdischon Gemeinschaft für alle Zukunft einen fessen und ruhenden Pol zu geben. Tiefe deutschjüdische Zukunft wird, für viele, vielleicht aus materieller Not, nicht im deutschen Raume sein, sie wird aber für alle mit deutschem Sein verbunden bleiben. erhielten acht Wochen Urlaub und wurden dann neu eingezogm. Meine Geschwister hatten inzwischen so gehungert, daß sie schwer an Grippe erkrankten und infolgedessen starben, ich habe seinerzeit die Ansteckung überwunden. Mein Vater, der Kauftnann und Konkursverwalter . . ., Danzig, wurde kaut Patent aus dem Hauptquartier Versailles vom 10. Oktober 1870 Second-Lieuina nt des 7. Ostpreußischen Reserve -Infanterie-Regiments Nr. 44. (Es ist interessant, daß damit mein Vater als Offizier eines ostprrußisthen Regiments im Felde Kamerad unseres sehr verehrten Herrn Reichsprässbenten war, welcher bekanntlich seinerzeit, ebenfalls als Leutnant, der Kaiserkrönung in Versailles beiwohnte.) Mein Vater wurde dann laut Patent vom 12. Juli 1881 Prenmer-Lieutnont der Landwehr und erhielt am 17. Februar 1888 den Abschied mit der Erlaubnis zum Tragen der llni'orm. Ein Bruder meines Vaters. Professor der Universität . . . nach dessen Tod ich seinen Namen trage, ivar 1870-71 Stabs' arzt im Felde. Familie.ha t also wohl dem Vaterlands gegeben, was ihm zu geben ist. Vielleicht interessiert es auch, daß ein Detter meines Vaters — ein Nichtarier — der im Jahre 1963 verstorbene Geheime AdnüralitätZrat Exzellenz ...... warll

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