Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 27 (6.7.1933)
- Date
- 1933-07-06
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278020--08013-2288972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
L5Z gereinigt wird,,.den dis.ungerechtfertlgte Verallgemeinerung etwa des angeblichen Drückebergertums, des SchieberLums und ähnlicher ^nachweislich uncharakteristischer Züge ihm anheftete, so bewußt wird man mit den tatsächlich bestehenden Eigentümlichkeiten, die die Unterscheidbarkeit der deutsch-jüdischen Gruppe bedingten, rechnen müssen. Vor allem mnß man sich darüber klar sein, daß es naturwissenschaftliche Genauigkeit auf allen diesen Gebieten nicht gibt; es gibt nur ty Pi sche Erscheinungen, Tendenzen und Durchschnitte,'die mit großer Vorsicht, aber ohne Voreingenommenheit sestgesiellt werden müssen. Die Vorteile einer Auseinandersetzung, dje solche Erkenntnisse zugrundelegt, jmö offenbar. Alles unfruchtbare Versteckspielen, auch da, wo es, wie fast immer, aus subjektiv ehrlichen Voraussetzungen beruhte, hat ein Ende. Tauber und klar stehen die Fronten: hier eine ihrer selbst rn Vorzug und Schwäche bewußte deutsche Judenheit, die bereit ist, an der Niederlegung der auch von ihr nicht als glücklich empfundenen anormalen Berufs- Und' Wohnortsgliederung miLzuarbeiten und die nicht glauben will und nicht glauben kann, daß das zu Stolz, Würde und Sclbsiöewußtsein neuerwachte deutsche Volk, das sie in leiderprobter Klarheit unerschütterlich als ihr Volt empfindet, Stolz, Würde und Selbstbewußtsein, die Judentum und Deutschtum in gleicher Weise gelten,.nicht anerkennt — dort eben dieses deutsche Volk, in Wehen der Neugeburt zerrissen, das auf seinem Wege unter vielen andern auch das jüdische Problem vorfindet und das zu seiner Lösung fortschreiten wird: zu einer Lösung nicht, wie es heute allzu oft den Anschein hat, durch Ausschaltung, die der Vernichtung gleichkäme, sondern durch Einordnung und, Mitarbeit einer äußerlich und innerlich u m - gestalteten und dadurch gesundeten Gruppe, die ihre Eigenart als erhöhte Verpflichtung gegenüber der Gesamtheit empfindet. Eingangs war davon die Rede, daß der einzelne deutsche Jude oft erst künstlich über gedankliche Brücken, und Äußere Erlebnisse hinweg zu der Erkenntnis einer Fragwürdigkeit seines deutsch-jüdischen Daseins fortschreiten muß, daß ihm ursprünglich eme Zwiespältigkeit nicht bewußt war. Es gab Zeiten — man mag sie mit dem neuzeitlichen Schlagwort die Blütezeiten des Liberalismus nennen —, in denen viele geschloffene hochwertige und an die deutsche Gemeinschaft hingegebene deutsch-jüdische Leben gelebt wurden, ohne daß der Widerspruch anders als in feinsten seelischen Bezirken fördernd und befruchtend aufbrach. Es hieße, der Zukunft den dringend geforderten Dienst versagen, wollte man heute nur bedauernd und rückschauend bei solcher Einsicht verweilen. Eine neue Zeit ist angebrochen. Sie erfüllt ihre eigenen Gesetze. Diele von ihnen wenden sich gegen uns; andere, noch ungeschriebene, denen unser Hoffen gilt, können uns den Weg zu gemeinsamem Ausbau weisen. Deshalb ist dies keine Stunde der Anklage und der Beschwörung. Es ist eine Stunde der Forderung: Laßt uns arbeiten! ß H v ' 4/ k? U* AX/ ß! 4/v v v? Em Mffütz kn ösr ,Süöösutfchsn Lonfewatwim CorrLsponöenz /sn jv Adam Röder, der bekannte süddeutsche Schriftsteller und Wissenschaftler, eine Persönlichkeit eigener Prägung, veröffentlicht soeben in seiner „Süddeutschen Confer va t i v e nE o r r e f p o n d e u z" (Nr. 6) einen umfassenden Aussatz ex Arier-- Paragraph", dem wir die folgende, mchr allgemein gehaltene Stelle entnehmen. 5Die Kritik nm Judenb.un, die sie ausweist, soll mit der Achtung entgegengenonnnen -werDen, die ein Schriftsteller wie Adam Röder beanspruchen darf. . . . Also in einer Zeit, wo heute manche sich vordrängenden (antisemitischen..-Die Schriftl.) Wortführer noch in ben Kinderschuhen herumliefen oder mit dem Applomb großstädtischen Freidenkertmns auftraten, um sich jetzt mit dem gleichen Applomb als gerissene Konjunktur-Literaten aufzutun, bin ich scharf und rücksichtslos gegen die Auswüchse des Berliner Asphalt-Liberalismus, dem sich ein Teil der jüdischen Prominenz anschloß, ausgetreten. Gleichzeitig habe ich aber scharf betont, daß das Judentum als solches nicht der Träger, Veranlasser, Schöpfer dieser jede sittliche Mentalität zerstörenden Weltanschauung des Großstädtischen ist, daß es vielmehr der historische Materialismus ist, wie er durch die deutsch-arischen Naturforscher und Philosophen über Feuerbäch, Büchner, Moleschott, Karl Vogt bis zu Häckel und Lstwald begründet wurde. Gewiß: prominente Juden fochten in den vordersten Reihen, aber nicht als Schöpfer und Erzeuger der zerstörenden Idee, sondern als gewandte Mitläufer. Und das ist erklärlich. Den Juden mußte alles, was nach -„Fortschritt", „Neuheit", „Aufklärung", „Entwicklung" aussah und proklamiert wurde, willkommen sein, weil sie ja eben von diesem Fortschritt eine Festigung jener Emanzipationsbewegung erhoffen durste, die sie aus dem Ghetto befreite. Man vertrieb die Juden vom Acker, mit dem sie ihrer „rasjlschen" Abstammung nach mehr verwurzelt waren wie irgendein anderes Volk, man vertrieb sie aus den legitimen Geschäften und des Gewerblichen — und nun wundert man sich, daß diese also Vertriebenen jenen Gebieten des Erwerbs sich zuwandten, dem Handel und später den freien Berufsarten, die die Beteiligten nicht nur „ernährten" — die deutschen Fugger, die italienischen Vertreter und Schöpfer des modernen Bank- und Geldwesens waren keine Juden —, sondern zu einem gewissen Wohlstand brachten, aus dem heraus die nachwachsenden Geschlechter zum Stande der Dessersituierten kommen konnten. Die Trennung von Gross “Berliner Mitglieder! Der Beitrag für das dritte Quartal 1933 ist fällig. Lasst Euch nicht mahnen. Erspart uns unnötige Spesen! Cenxralvereixi deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Gross-Berlin, Berlin W 15, Einser Strasse 42. Postscheckkonto Berii‘nNr.115501 der Scholle, die kein anderer so hoch heilig gepriesen und als eigentliche irdische f Domäne göttlichen Tatwollens gepriesen und dargestellt hat, wie der Jude Moses — war der g run dlegende soziologische Irr tu m, aus dem heraus das entstand, was wir als „Judenfrage" bezeichnen. Und heute Proklamiert man wieder: kein Jude kann deutscher Bauer werden. Es ist zum Heulen. Nur der Boden allein hält jedes Volk gesund, nur die Beschäftigung mit dem Acker bringt die Quellen des Volkstums zum Strömen. schaftt erdhaftsoziologische Verbundenheit, körperliche und damit geistige Gesundheit. Sie hält die Mehrheit auch gleichzeitig im Banne jener Primitivität, die Adolf Hitler in seiner naturhast-warmherzigen Weise mit Recht als eine Vorbedingung wieder j eintreten müssenden nationalen Aufstieg s bezeichnete Und nun soll Bodenj ständigkeit den Juden verwehrt werdend! Das ist ein Irrt u m, der zur natio - j nalen Schuld wird, wenn er zur Grundlage - einer einschlägigen Gesetzgebung gemacht werden soll. Und woher solchen Irrtum, solche Wirrnis im Gedanklichen? Da haben ein geistreichelnder Historiker, wie der französische Graf Gobineau, und ein dekadenter „Forscher", wie der Engländer Chamberlain, die Entdeckung gemacht, daß die Rasse, das Blut das Entscheidende für! den Einzelnen wie für die Völker sei. . . . j Tie echte Wissenschaft hat j fo wenig wie die Philosophie! mit solcher Auffassung etwa? j zu tun. Die wirkliche Wissenschaft kennt i nur die Einheit des M e n s ch e n g e -! schlechts in anthropologischer und pfn-! chologischer Beziehung. Ter Mensch ist in allen Erdteilen und Regionen ein und! derselbe, immer das dem urgöttlichen j Phänomen nachgeschasscne Bild des Einen,; Ewigen und Allmächtigen. , , ,