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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-29 · 26 (29.6.1933) · p. Seite 249

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
26 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
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249 /iff" 4>V ^n> v sssfch Vv *kr miPM iy4 vV? s-. OL^LNNinMe und §S/Msüun§rn / §ortsetzung öer Kusjprachr LebenZgofthl von der Werischähung seiner Der rekchsSsutsche Z^u-e im Dritten Reich Wir wollen Geborenes, um mit ihm zu leben, du um du. Denn die Winde nur wehen wollten! Pml te Lagarbe. Welche Forderung stellt eine geschichtlich» Strrnde an die Menschen ihrer Zeit? Bewährung ist es, was sie von ihnen fordert. Wehe denen, welche jener Forderung nicht genügen. Das Rad der Geschichte rollt unerbittlich über sie hinweg. Nicht nur die Wucht der Tatsachen, die das jüdische Geschlecht unserer Tage getrofsen hat, sondern ebenso sehr das Ausmaß der Bewährung, das uns abveAangt wird, ist die Ursache der seelischen Erschütterung, der wir mehr oder minder alle verfallen sind. Tie Entscheidung, die uns die geschichtliche stunde abnötigt, ist derart bedeutungsschwer und unwiderruflich, daß sie uns ein Maß der D e ra n t w o r t u n g aufbürdet, welches menschliche Fassungskraft beinahe übersteigt. Welche Forderung stellt die geschichtliche Stunde an uns? Sie verlangt ein letztes: S e l b st e i n k e h r, Überprüfung der weltanschaulichen Grundlagen unseres Seins. Ist es aber nicht abgeschmackt, in einer Zeit, wo die wirtschastliche Not an die Türen pocht, Welranschauungsftagen zu erörtern? Gewiß gibt es kein dringlicheres Anliegen als Brot, nochmals Brot und abermals Brot. Jedoch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er ist in seinem Umwelt abhängig. Namentlich die Jugend verlangt eine Klarstellung von uns Aelteren. Einer der verbindlichen Grundsätze unserer Weltanschauung lautet, daß wir reichsdeutschen Juden von der Wesensgestalt und von den Enüvicklungssiusen der deutschen Geschichte schicksalsmäßig abhängen. In dieser raum haft-schicksalsmäßigen Verbundenheit nt i t der deut s ch e n Umwelt sehe n wir eine Wurzel unseres Daseins. Wir wehren uns aber entschieden gegen die Behauptung, daß wir die jüdische Wurzel unseres Wesens, in uns verdorren ließen, daß wir es verabsäumten, zu unserem Judentum Ja zu sagen. Denn gerade der Borkämpfer unserer Emanzipation, Gabriel Rießer, hat uns gelehrt, im Judentum ein höheres Gut zu ehren als die staatsbürgerliche Emanzipation. Deshalb wirk: es wie ein Trost in trostbedürftiger Zeit, wenn heute a u ch v o n nation a l j ü d i s ch e r Seite die Tatsache der geschichtlich - geopolitischen Verbundenheit mit der deutschen Umwelt durchaus anerkannt wird. Wenn wir reichsdeutschen Inden in dem Glauben lebten, Teile des großen deutschen Volkes zu sein, so hat uns die Lehre, insbesondere die Staatsromantik berufener Verkünder des Deutschtums, zu jenem Glauben berechtigt. Wir wollen hier nur zwei Denker herausgreifen, die auf die Vorbereitung des heutigen Geschehens von Deuisdk-füdische Kulturträger i \ I 3 Gehcimr. Prof. Dr. Ferdinand Blumenthal, langjähriger Direktor des Staatlichen Instituts für Krebsforschung, Berlin, hat einen Rufen die Universität Belgrad erhalten* Justizrat Dr. Julius flagnus, der Schöpfer u. langjährig ridiiung geh ende Herausgeber der ,Jurisiisdicn Wo ch cris dirifl', eine injurisiisdien Kreisen aller Länder bekannte Personlidikeii. PAR EC HOTEL r^c^a p| Erg Das renommierte Hans. Be« hagL ruhig© Unterkunft, größtem Einfluß gewesen find. Julius Langbehn, der „Rembrandt-Teutsche", sagt einmal: „Türme, Sehnsucht und Adtersftug sind deutsch/ Paul de Lagar de, der Seher der völkischen deutschen Zukunft, bekennt: „Das Deutschland, welches wir lieben und zu sehen begehren, hat nie existiert und wird vielleicht nie existieren. Das Ideal ist eben etwa?., das zugleich ist und nicht ist/ In diesen Aeußerungen wurde das Deutschtum als eine flutende Form, als der Sinnzusammenhang eines Unendlichen und Grenzenlosen gedeutet. Wer wollte es dem reichsdeutschen Juden verwehren, in jenen aufnahmebereiten Strom des werdenden Deutschtums einzutauchen? Das haben unsere Vater und Vorväter im l i b e r a l e n Zeitalter getan. Heute hat der Nationalsozialismus auf jene von Langbehn und Lagarde aufgeworfenen Fragen die Antwort erteilt. Seine einschneidende Tat besteht darin, daß er gegenüber der weitgefaßten Wesensbestimmung des Deutschtums, wie sie das Zeitalter des Nationalliberalismus vertrat, eine scharftnnrissene Grenzsetzung vorgenommen hat. Indem die Rasse zum Angelpunkt und zum Kriterium des Volkstums wurde, verlor die reichsdeutsche Judenheit ihren Standort in der deutschen Volksgemeinschaft. Diese Tatsache, deren unermeßliche Tragik uns — wie aus obigem hervorgeht — unvorbereitet treffen mußte, zwingt uns zu jener Entscheidung, von der wir eingangs sprachen. Was soll jüdischerseits geschehen? Auch die „neue Emanzipation", von der jetzt gesprochen wird, muß von der Grundtatsache ausgehen, daß die reichsdeutschs Judenheit sich auch weiterhin größtenteils im deutschen Umweltraume befinden wird. Die Lösung, die uns vorschwebt, suchen wir in einem naturwissenschaftlichen Begrisfsbild anzudeuten. An Stelle der O s m o s e, d. h. der Sättigung des jüdischen Wesens mit deutschen Grundstoffen, wie sie im liberalen Zeitalter möglich war, wird die Symbiose treten müssen. Was bedeutet Symbiose? Nichts weiter als Zusammenleben, d. h. gemeinsames Dasein zweier Lebewesen, Lebensgemeinschaft zweier ursprünglich getrennter Teile. Es gilt nun, die tiefe Weisheit jener Natureinrichtung für die Lage der reichsdeutschen Judenheit auszuwerten. Wir müsien wohl oder übel zu einer Symbiose hinstreben. Die Symbiose verlangt von dem ringenden jüdischen Menschen weder Ausgabe seiner jüdischen Eigenart noch Preisgabe des Heimatgefühls, das ihn mit seinem Umweltraume vereint. Ter Aus» wegaus der jüdischen Krise wird Symbiose sein, oder er wird überhaupt nicht sein. Dr. F. F, A

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