Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 26 (29.6.1933)
- Date
- 1933-06-29
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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24$ FO? dis Gesundiieit! Bezug in Gross-Berlin, frei Haus durch die Yersandstelle der Staatsquellen Fachicgen und Xiederscltcrs» Berlin L^.V 11, Schöneberger Sir. 16a. TeL: B2 Lütz. 5264. ctfcm, was wir erlebt haben — man habe den Mut, das Wort auszusprechen —, nur die Auswanderung aus Deutschland lein. Wie man heute noch andeuten kann, die äußerliche Trennung vom deutschen Lebensraum wäre eine „freiwillige Ausgabe der deutschen Position", ist mir geradezu unverständlich. Wenn diese Worte nicht von so geschätzter jüdischer Seite gesprochen wären (Tr. Alsr. Hirschderg), sie müßten einem wie Blasphemie klingen! Tenn unser immanentes, unausrottbares Deutschtum werden wir darum mit dem Grenzübertritt niemals verlieren, und unser Anspruch auf Aenderung des Unrechts gegen uns bleibt ewig begeben. Bei einem Verbleiben im Deutschland von heute müssen wir nicht nur als Individuen „seelisch verkrüppeln" ’), sondern auch als Deutsche unsere Vaterlandsliebe verlieren. Die Auswanderung nach Palästina ist in dieses Auswanderungsprogramm einzuschließen; sie kommt hauptsächlich für d i e Juden in Betracht, deren jüdisches Nationalgefühl stärker ist als ihre Verbundenheit mit Deutschland. Anderseits müssen die Zionisten unter uns einsehen, daß Palästina uns alle nicht so bald wird Qufnehmen können, und daß alle Hoffnungen etwa auf eine „landschaftliche" Eingruppierung in Deutschlands unvereinbare Utopien sind. Dasselbe gilt von der Hoffnung auf Anerkennung als natiorrale Minorität, alles Hoffnungen, die durch die harte Sprache der Wirklichkeit längst ad absurdum geführt worden sind. Die Minoritätsautonoinie wäre übrigens ohnedies für die außerordentlich große Zahl von jüdischen Deutschen unannehmbar gewesen. Andere Rettungswege find m. W. nicht ernsthaft gezeigt worden und gibt es auch wohl nicht. Das Verharren weiter „zwischen Himmel und Erde" ist kein Rettungs- Weg. Die. Finanzier ungs frage wird bei einer planmäßigen Auswanderung ein Hauptproblem sein. Anderseits find aber bereits jetrt Fonds gesammelt Worden. Ihre Verwendung zur Unterbringung und Beköstigung von in ausländischen Großstädten herumirrenden deutschen Juden stellt wie die Ausiehrnng der letzten Spargroschen der beschäftigungslosen Akademiker und Angestellten eine Fchlleitung von kostbarem Kapital dar. Die unbedingt verhütet werden müßte. Daß sich gegen das Prinzip der Empfehlung und Organisierung der Auswanderung zahlreiche Einwendungen erheben laffen.d dessen hin ich mir selbst be- 'wußt. Soweit sich die Einwendungen nur auf die Modalitäten der Durchführung beziehen, will ich mich gern von sachverständigeren Instanzen emes Besseren belehren lassen. ^osentha! in „IMische Rundschau' 4) ä fl r e UI; l. eit. Wenn man sich diese meine Ueberlegungen zu eigen macht und — sie zusammenfassend — die nächstliegendsten Folgerungen aus ihnen zieht, so haben diese zunächst auf organisatorischem Gebiete zu liegen. Sie würden z. B. — es gibt auch andere Wege! — folgendermaßen lauten: Nrrrwaudlung etwa vcr „Ncrchsvcrtretung Der deutschen Juden" aus einer mehr repräsentativen Körperschaft durch personelle Ber-' ändcrungen zu einem wirklichen „Aktionskomitee". In ihm ist — entsprechend Den Erfahrungen der letzten 13 Jahre — von der Idee Der autoritären Führung mehr als von 2l b st i m tun ngsver f a h ren E cbrauch zu machen. Diesem Aktionskomitee ist der gesamte organisatorische Apparat einer vorhandenen jüdischen Organisation, z. D. des C. 85« # zur Verfügung zu stellen. Durch Dcrbrnvungslcnie hat er für eine „Gleichschaltung aller jüdischen Institutionen mit gerncinsamer Zielsetzung zu sorgerr. Daneben aber hat Dieses Aktionskornitee sofort eine ^Zentralstelle für 2t n s w a n D e r u n g" zu bilden. Vor allem aber muß eine Organisation wie der E. D., wenn er weiter den Anspruch erheben will, Führer und Vertreter der deutschen Juden zu sein, sich seiner vollen Verantwortung einer Fürrung bewußt werden, Schluß machen mit dem Abwarten und den-Dingcn-ihren-Lamlaffen und es ausgeben, die deutschen Juden weiter zwischen „Himmel und Erde" schweben zu lassen! — und unsere Aräwori! A.W. Herr Dr. Scheyer, Ihr Brief an den Eentralverein offenbart einen solchen sittlichen Ernst und eine so ungemein eindringliche Beschäsiigung mit den Tagesfragen, daß Ihnen der Beantworter zuerst herzlich zu danken hat. Sie geben alles das freimütig wieder, was nachdenkliche Menschen in denletzten Wochen mehr und mehr bewegt. Deshalb ist Ihr Brief weit mehr als der Brief eines einzelnen. Lagen Sie mich meine Erwiderung nach den Hauptpunkten aufgezühlt niederlegen. 1. Pcrrt eid ogma. Der Centralverein hat kein Part eidogma. In jedem deutschjüdischen Menschen fluten zwei Ströme, die sein Inneres, sein Fühlen und Denken und fein Handeln bestimmen. Beide Gesühlsströme sind ihm von den Ahnen überkommen, ohne daß er sie regulieren oder sich ihrer irgendwie erwehren konnte. Nichts ist daher falscher, als durch Wortgefechte jemanden zu einer bestimmten Auffassung über das Judentum oder das Deutschtum bringen zu wollen. Entweder man hat ein ausgesprochen deutsches Nationalgefühl, dann ist man Deutscher, oder man hat ein ausgesprochen jüdisches Nationalgefühl, dann ist man Nationaljnde. Man kann im Eentralverein schon deshalb nicht von Parteidogmen reden, weil das, was wir fühlen, kein Dogma ist, sondern eine unergründliche letzte Tatsache. 2. Bruderkampf. Tank für die trefflichen Worte gegen den jüdischen Druderkampf. Ihn jetzt in unserer kleinen Gemeinschaft zu beginnen, heißt freveln. Sie werden den E. V. immer als schärfsten Gegner innerjüdischen Kampfes in dieser Zeit auf Ihrer Seite finden. 3. Palästina. Es gibt nicht viele Länder, die in der Lage sind, deutsche Juden auszunehmen. Palästina kann das in beschränktem Umfange. Niemand wird sich daher gegen eine Ansiedlung deutscher Juden in Palästina sträuben können, mag er auch sonst die nationaljüdische Idee heftig ablehnen. 4. Der Eentralverein hat niemals die Kraft der völkischenWeltanfchauung verkannt. Er hat sich lediglich stets mit allen feinen Kräften gegen den unbe- 'rechtigten Antisemitismus der völkischen Weltanschauung gewandt und wenden müssen. Wehren wir uns nicht gegen den Antisemitismus, so hat unsere Arbeit keinen Sinn mehr. 5. A u s w a n d e r u n g. Das Los der deutschen Inden wird 'ich in Deutschland entscheiden. Es ist tatsächlich unmöglich, einige Hunderttausend deutscher Juden auszusiedeln. Sollten junge jüdische Menschen dazu gezwungen sein, weil sie nicht mehr in ihrem Vaterlande leben und arbeiten können, so wäre wahrscheinlich deren Aussiedlung in bescheidenem Umfange möglich. Von einer Auswanderung im großen zu reden — bei führenden Nationalsozialisten bestehen ja solche Plane —-f ist utopisch; ganz abgesehen davon, daß Zehntausende und aber Zehntausende auch schon aus seelischen Beweggründen nicht aus ihrem Vaterlande scheiden können. 6. Die Reichsvertretung der Landesverbände jüdischer Gemeinden besteht etwa seit dem 30. Januar d.J. Sie ist jedoch in ihren Arbeiten dadurch gehemmt, daß ihr nicht der^ Apparat und die Lraanisationen der großen Verbände, so z. B. des Ccntralvereins, zur Verfügung stehen. Ter Eentralverein arbeitet seit Wochen daran, einen ,.F ü h r e r r a t* der Organisationen unter Dorütz der Reichs- Vertretung znßande zu bringen. Die Widerstände sind aber — nicht durch seine Schuld ~ erheblich, teilweise schon kaum erträglich. Ter Eentralverein aber wird nicht erlahmen, bis er einen brauchbaren Führerrat geschaffen hat, der die der deutschen Judenheit im Augenblick obliegenden Ausgaben erfüllen kann. Weil der Eentralrerein erkannt hat, wie ernst die Zeiten sind, wirft er, der stets die politische Vertretung der deutschen Juden war, sein Schwergewicht nicht zu stark in die Wagschale, um mit allen in Frage kommenden jüdischen Organisationen gemeinsam handeln 'zu können. An unsere Mitglieder! Bei Eintritt von Unregelmäßigkeiten in der Belieferung der „C. V.-Zeitwisff bitten wir, zunächst bei dem zuständigen Briefträger zu reklamieren. Erst wenn diese Rellumation erfolglos bleibt, erbitten wir Mitteilung an uns.