Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 26 (29.6.1933)
- Date
- 1933-06-29
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m Mittelstandes hat bereits eine Liste _ derjenigen ausgestellt, deren Namen an diesem Sekandpfahl angeprangert werden sollen. Hoffentlich werden nun die Uebertretung des Rabattgewährungsrerbotes als auch die Preisschleuderei sebr bald aufhören. Auch die Hausfrauen, die sich noch immer nicht an deutsche Geschäfte gewöhnen können, müssen sich in Zukunst etwas vorsehen." Aus dem letzten Latz geht bedauerlicherweise die Boykottabsicht gegen jüdische Kaufleute hervor, die hier noch besonders durch die Gleichstellung jüdischer Gewerbetreibender mit kriminellen Subjekten (Pre:sschleuderer) eine besonders schimpfliche Wirkung hat. - - - ■ In Westfalen s„R eck l i n gh a u s e n e r Zeitung" vom 23. Juni und G r o ß - Dortmunder Anzeiger" vom 22. Juni) und in Bochum wird den Parteigenossen das Betreten von Warenhäusern streng verboten. „W er trotz dieser Anweisung beim Betreten solcher Geschäfte angetroffen wird, hat den sofortigen Ausschluß aus der NSDAP. zu er* wölten/ Auch die Anprangerung von Haufcrn, die jüdische Geschäfte aufsuchen, fetzt sich leider fort. Eo gibt es immer noch an einzelnen Orten B o y k o t t p o st e n, und in Corbach (Waldeck) werden sogar die Namen derjenigen, ,^»ie sich national nennen und trotzdem schamlos genug sind, bei Juden zu kaufen", in einem Schaukasten <an der Hauptstraße veröffentlicht. Man wird es verstehen, wenn wir diese Maßnahmen, die im Widerspruch zu den Anordnungen der maßgeblichsten Regierungsstellen stehen. Lief bedauern und uns für verpflichtet hallen, auf ihre dlbstellung hinzuweisen. Dian wird unser Motiv egoistisch nennen, weil die Fortsetzung des Boykotts zur Beseitigung hunderter und tausender jüdischer Existenzen notwendig führen muß. Trotzdem glauben wir auf das allgemeine deutsche voll-wirtschaftliche Jnteresie verweisen zu müsien. Tie Abstellung des Boykotts liegt ebensosehr im allgemeinen deutschen Interesse wie im Interesse der unmittelbar geschädigten jüdischen Kauf- Ieu:e. Jeder jüdische Kaufmann beschäftigt nichtjüdische Angestellte. Jeder jüdische Kaufmann ist ein Glied der deutschen Volkswirtschaft, die durch solche Boykottmaßnahmen schwer leidet. Schon beklagen sich die Fabrikanten über mangelnden Absatz, weil jüdische Kausleute heute nicht mehr in der Lage sind, so srei zu disponieren und ihre Bestellungen aufzngeben, wie es früher der Fall war. Ein Nad greift in das andere. Kann der jüdische Kaufmann nicht mehr wirtschaften, so tragen, nelwn ihm und seiner Familie, seineAngestellten, die Fabrikanten und deren Arbeiter, die Hausbesitzer, denen die Miete entgeht, der Staat und die Kommune, die eine Mindereinnahme an Steuern haben, den Nachteil. Tas bedenken die nicht, die sich heute leichthin zu so schweren Maßnahmen entschließen, wie sie die Fortsetzung des Boykotts darstellt. Landesverband Pommern Ab 27. J u rt i befindet sich des Syndikcfsbüro Stettin Hohenzollernsfrasse 10'- Die Telefonnummer 34288 bleibt bestehen. Das Pressebüro bc* Vereins deutscher Zeitung-Verleger (D. D. Z.) verbreitet unter diese: Ucberschrist laut „Börsencourier" vom 23. Juni eine Meldung wie folgt: „Wie das Bdz.-Büro meldet, hat es in Kreisen der Deutschen Arbeitsfront unliebsames Aussehen erregt, daß das Presseorgan des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Aufruf veröffentlichte, der unter der Ucbersckwist „Bleibt in den Lerussverbünden" die jüdischen Arbeitnehmer, besonders die Angestellten, aufforderte, sich als Mitglieder den neuen berufsständischen Organisationen anzuschließen. In unterrichteten Kreisen wird in diesem Zusammenhang daraus hingewiesen, daß jüdische Arbeitnehmer von allen Organisationen der Nationalsozialisten, also auch von den Verbänden der Deutschen Arbeitsfront, ein für allemal ausgeschlosien bleiben. Wenn einige Augeüetltenverbande bisher den jüdischen Mitgliedern erst nahegelegt hätten, freiwillig auszuscheiden, so wolle das nichts besagen für die kommenden Statuten der neuen Fachverbände in der Augestelltensäule. Diese Statuten würden vielmehr ebenso wie die der anderen Gliederungen der Deutschen Arbeitsfront den-Arier-Paragraphen enthalten. Zwischen dieser Regelung und dem Totalitätsanspruch der ossiziellen Organisationen der Deutschen' Arbeitsfront bestehe auch keinerlei Widerspruch, da ja die berussständische Zusammenfassung der Arbeitnehmer eben eine Deutsche Arbeitsfront sein solle. Man kann annehmcn, daß die maßgebenden Kreise sich auch schon mit der Frage der organisatorischen Zusammenfassung der jüdischen Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt haben. Einer der Gedanken, die in diesem Zusammenhang auftauchten, geht dahin, sämtliche AuseinemNescratedcsNationalsozialisten Don (Hagen) Ter „General-Anzeiger für das gesamte rheinisch-westfäli'che Industriegebiet", der jetzt natioualsozialistifches Parteiorgan ist, bringt in seinem „Groß-Dortmunder Anzeiger" vom 24. Juni d. I. (Ar. 169) einen ausführlichen Bericht über eine große „Kundgebung des Dortmunder Mittelstandes". Don (Hagen) entwickelte dabei „das politische und wirtschftliche Wollen des Kampsbundes". Wir geben daraus die für uns lehrreichen Stellen wieder, d:e sich mit Mittelstand u n d I u d e n t u m befaßen. „Ter Todfeind des deutschen Mittelstandes, das Judentum, wußte genau, daß in einem geordneten Staatsleben für ihn Nichts zu machen war, und er entzweite das Lol! durch sck.ne internationalen Lehren, um sich selbst in den Vordergrund zu schieben. Man hat uns den Antisemitismus zum Vorwurf gemacht mit den fadenscheinigen Bemerkungen, das pasie nicht für einen Christen, und man hat dabei vergehn, daß der Jude das Hauptüöel unserer Notlage ist, daß der Jude den deutschen Mittelstand ausrotten wollte, weil dieser das Rückgrat der Nation war. Unsere Vorfahren schon hatten den schädigenden Einfluß des Judentums erkannt und seine Flügel beschnitten, aber wir ließen bei Kriegsende durch Truste, Konzern- und Warenhäuser deutsche Rechte in fremde Hände übergehen. Heute sind riete Mittelftändler zu uns gekommen aus materialisti'chen Gründen. Sie aber werden sich verrechnet haben, und wnr sagen es mit aller Deutlichkeit: Wir können in Deutschland keinen Menschen gebrauchen, der seine ureigensten Interessen in den Vordergrund schiebt. Hier setze, so führte der Redner weiter aus, das Problem der nationalsoziajüdischen Arbeitnehmer beider Geschlechter und aller Berufsgruppen zusammen mit den übrigen jüdischen Mitgliedern der verschiedenen Berufe in einem Gesamtverbande der jüdischen Beschäftigten zusammenzusassen, dem allerdings im wesentlichen wohl nur gesellschaftliche Bedeutung zukommen würde, und der au dis Deutsche Arbeitsfront nicht angegliedert werden könnte. Dagegen sieht der Organisationsplan für die Deutsche Arbeitsfront bei den deutschen Trägern des Wirtschaftslebens eine sehr genaue Unterscheidung nach einzelnen Bernsen und auch nach den Geschlechtern vor.". Es ist nur denkbar, daß der Wortlaut unserer Notiz vom 15. Juni den beteiligten Kreisen nicht Vorgelegen hat. Es ist in ihr nämlich.mit keinem Wort die Auftordevung enthalten, daß die jüdischen Angestellten sich den neuen b e r u s s st ä nd i s ch e n Organisationen a n s ch l i e ß e n sollten. Vielmehr haben wir lediglich im Hinblick auf die damals noch bestehenden Unklarheiten der Gestaltung des Schicksals der jüdischen Arbeitnehmer daraus hingewiesen, daß ein freiwilliger und voreiliger Verzicht auf die zum Teil jahrzehntelangen erworbenen Reckte irr den alten Verbänden uns nicht ratsam erscheine« In den dazwischenliegenden vierzehn Tagen freilich ist die Entwicklung der Deutschen Ar* beitssront erheblich weiter gediehen, so d-aß das Verbleiben der jüdischen Arbeitnehmer nicht mehr in Frage kommt. Trotzdem können die jüdischen Angesielltenkrerse dem Mißverständnis des V. D. Z.-Düros dankbar sein, weil dadurch in etwas eingehenderer Weise Gedanken entwickelt wurden, die für ihre Zukunstsaussichten in Richtung ihrer berussstandischen Gliederung recht aufschlußreich sind. lytischen Erziehung ein. Jeder Mitielstandler müßte erst einmal politisch denken lernen, um dann wirtschaftlich handeln zu können. Wer künftig in ein indisches Schaufenster schaue, müsse einen Kinnhaken haben (Bravo), und mau solle nicht glauben, daß mit dem Ausscheiden von Juden aus Konzernen und Warenhäusern die Neinigungsarbeit getan wäre. Solange deutsche Textilarbeiter brotlos seien und dem deutsaM Lauern es schlecht gehe, brauche man keine englischen Hosen und keine ausländischen Südfrüchte zu kaufen. Eine zwangsläufige Ausschaltung derartiger Waren würde dem deutschen Außenhandel Nachteile bringen, man könne aber durch Erziehung den deutschen Volksgenossen so weit bringen, das; er deutsche Waren den ausländischen Waren vorziehe." Auch die simsfrauenvereine Der Reichst) erkand Deutscher Hausfrauen-« vereine E. V. gibt folgende Erklärung ab: „Nachdem durch den Ausgang der Wahlen am 5. März die vom Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg eingesetzte Regierung von der Mehrheit des deutschen Volkes bestätigt worden' ist, sind auch wir gebunden, uns fest hinter die Negierung zu stellen, mit deren Behörden wir durch unsere Arbeit in engster Verbindung stehen. Infolgedessen müssen wir Sie bitten, soweit noch Jüdinnen in Ihren Vor«: ständen und Ausschüssen sein sollten, dieselben zum Rücktritt zu veranlassen, unter dankbarer Anerkennung bisher geleisteter verdienstvoller Arbeit. Darauf folgt aus Billigkeitsgründcn, datz jüdische Mitglieder nicht mehr neu auf« genommen werden könnend