Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-06-29 · 26 (29.6.1933) · p. Seite 245

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
26 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
Seite 245 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277993-2278019--07999-2288957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Serurr, 29. 1933 XIL Jahrgang ♦ Sie. 25 Citsjtlnummet 2- Pfennig /WiVVs/y ^/^vVOliXyv^Cv w vyi L-iJ n <s-*?<y *>*,?*/ vöcv wv o f DiertUjsyrSaDsnncmtnt 2,25 RM. öuaüat. Bestellgeld). Jtkclcg und Schriftleitung: Berlin W 15, Emfer Etr. 12. Fdrnsvre^ Derli Alleinige Anzeigenannahme: Ann.Jncen.Cxpedition S^uboTf Masse, 9: Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nich *%irn / "iiTaO Allgemeine Zeifung des Dudentums Ä 2^3 : J 2 Olir-a 6554 —57 .:. PostscheSkouro: Berlin 35472 .:. Danlkanto: Dresdner Dank, Depositenkasse H 2a n-Dilmersdarf I, Hrhenzollerndamm 195. ln SVT ICK), und :ercn Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespal:ene Zeile nach Rudolf Me-eL Stellenang-Lote) für Mitglieder des Sentralvereins 0,45 SftM, die 52 ciin breite Reklamezeile 3,50 JUL „Rsknselel MserahmsgsßrHs auf WirtfchastllchsM Gebiss - sagt dn Echrelben öes DeutschLN dnhuflth- und hanörlstagLS. In Zeiten starker seelischer Bewegtheit lst es verständlich, daß überall lauter als sonst die Frage nach dcrn großen „Wohin V, nach der Richtung des unter La't und Seufzen gegangenen Weges hörbar wird. Ebenso verständlich ist es, daß vorschnelle Antworten auf diese Frage gegeben werden, Antworten, die den Sprecher und den Hörer im gleichen Augenblick beruhigen sollen, und sei es auch nur durch den Klang des gesprochenen Wortes, das die gähnende Stille der Ungewißheit durchbricht. Niemand wird den Antwortgebenden deshalb tadeln. Heute ist es die große Frage nach dem Ziel des Weges der deutsch-jüdischen Cemeinschaft, die in Bangen'und Furcht ausgebrochen ist. Niemand, der sich der Verantwortung der Lage bewußt und der nicht verblendet ist im Glauben, es seien ihm Gaben der Prophetie eigen, kann und wird sich vermessen, heute zu sagen: so wird es sein, so sehen wir, "so sehen die Regierenden unsere Zukunft. Zwar arbeiten und wünschen wir, aber derklare Blick aufdas Endedes beschwerlichen Weges, den wir gehen, ist un s n o ch v ersp e r r t. Es ist ein Gebot der Ehrlichkeit und der Verantwortung, auszusprechen, daß das so ist, auch wenn wir uns damit billigen Trostes für die vielen begeben, die einer festen Blickrichtung bedürftig sind. Wer anderes von sich aussagt, wer laut und wortreich von den Din-' gen zu sprechen beginnt, die er im Dienste der großen Ausgabe hellte und morgen versucht, und die da und dahin zu fördern versprechen, der vergeht sich an der Gemeinschaft, die heute nichts nötiger braucht als eine auf lauge Frist gespannte Zuversicht. Zeigt man ihr kleine Etappen als entscheidend wichtig an und versucht ihr einzureden, von ihnen hänge Sein oder Nichtsein ab, so lähmt man durch' die notwendig eintretende, sich wiederholende Enttäuschung die Kraft, auszuharren und Haltung zu bewahren. Der Gentralverein hat es immer für seine oberste Pflicht gehalten, vielleicht unter Verzicht auf billige Volkstümlichkeit, solche Taktik nicht uützumachen.. Er arbeitet stetig und unermüdlich daran, den deutschen Juden aus deutscher Erde eine. Zukunft zu ermöglichen. Er weiß, daß die Dis Deutsche G o l d s ch m i e d e - Z e i - tun g', Leipzig, Nr. 26 vom 24. Juni und ebenso die „B o s s i s ch e Zeitung" vo:n 26. Juni veröffentliche einen Brief des „Deutschen Industrie- und H a n - delstags", den dieser an die Industrie- und Handelskammer Pforzheim am 16. Juni d. I. gerichtet hat. Die Handelskammer Pforzheim war lmdon verständigt worden, daß in einer Coldschnnede innung der Antrag gestellt wurde, den Mitgliedern bei Androhung von Strafe zu verbieten, von jüdischen Eroßhandelssirmen Ware zu beziehen. Das Antwortschreiben des Deutschen Industrie- und Handelstags lautet: „Betrifft Zuderrfrage. Das Schreiben der Kammer vom 19. Mai hat uns Veranlagung gegeben, uns mit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in Verbindung zu sehen. Tie Anstauung des Ministeriums geht dahin, daß es sich bei dem von der Kammer angeführten Fall wohl nur um den Antrag einer Einzelpersönlichkeit handelt, der kaum von der Innung angenommen werden bürfte. Andernfalls würde sich die Innung zu den Absichten der Verlautbarungen der Negierung in Gegensatz fetzen. Sowohl der Herr Reichskanzler wie andere Mitglieder der Reichs- und Preußischen Regierung haben wiederholt erklärt, daß jeder bei der Mitarbeit an Deutschlands Wiederaufbau willkommen sei, der guten Willens ist. Solange also ein Geschäftsmann nickt gegen die bestehenden Arbeit noch am Anfang steht und daß sie nur zu einem guten Ende geführt werden kann, wenn sie im Einverständnis und mit Billigung der herrschenden Macht geleistet wird. Keiner soll glauben, daß er sich seiner Verantwortung im kleinen wie im großen nicht in jedem Augenblick bewußt ist, aucf) wenn er nicht wie andere bei jeder Aufgabe, die ihm die entsagungsvolle Kleinarbeit stellt, das große Wort vorn letzten großen Ziel im Munde führt. Es ist in vielen entscheidenden Augenblicken leichter,' etwas zu tun als etwas zu' Gesetze verstößt, liegt kein Grund vor, irgmdwelche Sondermaßnahmen gegen ihn zu treffen. Es bcsichen bekanntlich für die Inden keinerlei Ausnahmegeschc auf wirtschaftlichem Gebiete. Lediglich die Zulassung zu BeamUnstellen usw. ist durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Beruisbeamtentums und das Gesetz gegen die lieber» füllung der Hochschulen und Schulen neu geregelt worden. Die Geschästsführung. gez. Unterschrift.* Die Aunasiung des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda, nach der der Boykottantrag des Jnnungsmitgliedes zu den Absichten und Verlautbarungen der Regierang im Gegensatz steht, muß als anßerordenllich erfreulich sowohl im Interesse der deutschen Wirtschaft wie im Interesse der deutschen Kaufleute jüdischen Glaubens betrachtet werden. Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, daß der Boykott eine auf den 1. April 19)3 beschrankte Maßnahme sein und bleiben sollte. Leider muß jedoch feugestettt werden, daß. entgegen klaren Verlautbarungen der Regierung. untergeordnete In stanzen den Boykott in scharfer Form weiter führen. So berichtet das „Q u e d l i n b u r g e x Kreisblatt" vom 24 Juni (6k. 145): „E i n Schandpfahl auf dem Quedlin» bürget Marktpla tz": „Wie wir hören, wird im Laufe der nächsten Wochen, ähnlich wie in Wernigerode, auf dem Marktplatz ein Schandpfahl errichtet. Der Drtsgruppen-Kampfbuudobmann Klietmann (Kampfbund des gewerblichen unterlassen. Auch die Unterlassung kann eine Tat sein, zumal wenn das Tun von Schaden wäre. Aus dem Inhalt: Dr. Curt Scheyer: Offener Brief an den C. V. . . Seite 24? Dr. F. F.: Der relchsdeufsche Jude im dritten Reich . Seite 249 Hilfe und Aufbau. . » . Seite 25]

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.