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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-22 · 25 (22.6.1933) · p. Seite 239

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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234 In -er „Deutschen Neichözeitung", Bonn, Nr. 124, 62. Jahrgang, vom i. Jnni 1933 U)tn wir folgende „Gedauken eines satholischcn Theologen zur Iudcnsrage": Es sei mir gestattet, von einem persönlichen Ergebnis auszugehen. Arn Tage des Boykotts der jüdischen Geschäfte war ich in einem kleinen Lire der cüdeisel. Ter Bäcker des Tutos, ein Mann von über 70 Jahren, ist Jude. Trei von seinen vier Löhnen sind im Weltkrieg gefallen. Mit dem vierten betreibt der alte Mann, der sich allgemeiner Achtung erfreut, die Bäckerei. Auch an seine Türe wurde vor'chriftsgemäß das bekannte Plakat: „Tie Juden sind des deutschen Volkes Unglück" geheftet, von jungen Leuten, die vermutlich noch Knaben waren, als der Al:e seine drei Löhne dem Baterlande geopfert hat. Einige Tage später heimgekehrt, traf ich einen jüdischen Universitätskollegen, einen Gelehrtem von internationalem Ruse, hochverdient um die deutsche Wissenschaft, wegen seiner persönlichen Güte von allen, die ihn kennen, aufs höchste geichätzt. Ihm war kurz zuvor sein Auslandspaß abgenonnnen worden, brn er vor mehreren Jahren sich hatte ausüe'len lasten w.ü'wm, als eine ausländische Universität ihn feierlich zum Ehrendoktor promovierte und den er seitdem — nie sonst habe ich ihn von seinen stillen Wohltaten erzählen höre-:; aber diesmal konnte er es nicht unterdrücken, dieses eine zu ermähnen — gebrauchte, um einer christlichen deu-'tben Familie in einem der heule von T-euckchland cbgetrenuten Gebiete regelmamg? Unterstätz.mgeu zu schicken. Inzwischen habe ich noch so manchen Fall kennengelernt, wo Juden nicht nur in ihrem Empfinden, sondern auch in ihrer Existenz aus das härteste getrosten worden find, die sich durch warmherzige Nächstenliebe onszeichnen und ganz und'gar von vaterländischer Gesinnung erfüllt sind. Lie waren ^erschüttert durch den moralischen Truck, daß sie nicht wehr als Teutiche gelten sollten, die sich doch ganz im deutschen Boden verwurzelt fühlen. Und was mich in tiefster Leele dab-ei bewegt hat, war, dag mir das Schemcnstche und daher in tausend Fällen Ungerechte von Maßnahmen so unmittelbar gegenwärtig wurde, die nicht wach der Person und ihren Taten, sondern nach der Abstammung fragen. Gewiß. es gibt Tinge in unserem sozialen und kulturellen Leben,^ bei denen manche Juden ungünstig beteiligt sind. Auch ist die starke Zuwanderung der Ostjuden wach dem Kriege, von denen Viele übrigens doch nur vor den Schrecken des bolschewistischen Der <§rgns§ Schmelmgs Kind ösuLfchjüöischrr Eltern Aus einem im „Nürnberger 8 Uhr-Abendblatt" derössentlichten Briese geht hervor, daß Mar B a t r, der den Tentschen Mar L ch m e lin $ im Borkumpf besiegt qat, ein Lohn eines in Teutschland gebürtigen den tschjüdi schon Elternpaares ist. Er ist also nicht, wie man hier und da lesen konnte, Halbjude. Wie wenig ritterlich die Liellnng eines Blattes vom Range der „H a m burger 5cachrichte n' zn Baer ist, geht daraus hervor. daß die Acittagsausgabe dieser Iestung (vom Freitag, denr 9. Juni) zwar die große Ueäer'christ „Lchw.eting geschlagen", gleichzeitig wber eine antisemitische Zeichnung gegen Baer veröffentlicht. Tie „Hamburger Nachrichten" sollten sich für solche Entgleisungen für 311 gut hallen — „Fairness“ gilt immer noch bei den Sportsleuten aller Nationen als ungeschriebenes vberstcs Gesetz. _ Rußland geflohen sind, zu leicht, ohne nationale Lchutzmaßregeln hingenommen worden. Es haben hd) an einzelnen stellen Miß stände herausgebildet, die nach Abhilfe riefen. Niemand hat mir gegenüber das verständiger ausgesprochen, als Juden selbst. Aber daher glaube ich aum, daß sich doch Woge hätten finden lassen, diese Mißstande -u bckämpstn, ohne so viele Unschuldige zu treffen, ohne MenscMm, die mit der ganzen Leele an der deutschen Heimat hängen, moralisch heimatlos zu machen, um von den schlimmsten Härten ganz zu schweigen. Ja, ich trage es auszusprechen: Wäre cs nicht möglich gewesen (ist es nicht immer noch möglich?), die edel und vaterländisch denkenden Juden selbst zum Kampfe gegen wirkliche Mißstände und gegen die schlechten Elemente zu Bundesgenopon zu nehmen? Rur wird man einen anderen Maßstab als das sogenannte Rastenprinzip heranzieheu mögen. *? Die „Italia letteraria“ (Italiens führende LiLeratrrrzcitinrg) schreibt irr ihrer Nummer vom 28. Mai D. F. in bczrrg arrf Vre Vc-Handlrmg -er Rasiensrage in Deutschland: „Auch hier also eine vertikale Trennungslinie z:viichen zwei Ranen. Zwischen Negern und Weißen ist über die Bedeutung der Rassenversckiedeuheit wohl überhaupt nicht zn streiten. Zwi'cken Juden und Tentschen, das heißt also zwiswen weißen Rasten, gewinnt die Lache ein anderes Bild, und cs wäre wohl angebracht, darüber namzudenken, ob überhaupt eine Nation im engeren Liuue als Form einer reinen Raste gelten soll oder nicht viel eher als bürgerliche Lebensform, innerhalb welcher in weiter ausgedehnter und weniger Problematischer Einheit auch entsprechende Rasten- und ReligionsunterMsiede ausgeglichen werden können. Tie Antwort hierauf erteilt uns auch in diesem Falle das faschistische Italien, in welchem der Staat und. die Nation zwar alles bedeuten, jedoch alle, ob Ehristen oder Inden, darin ihren eigenen Platz finden. Einem Artikel Der „frankfurter Zeitung" vom 8. Juni: „Die fehlende Stimme" von Oskar Kokoschka entnehmen wir folgendes: „... Mar Liebermaun erklärte kürzlich seinen Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste, nachdem dort der Arier-Paragraph zur Geltung gebracht worden war. Biele Jahre war er'Präsident der Akademie. Ter Verein der Berliner Lezenion, der den Arier-Paragrapheu ebenfalls in seine Statuten ausgenommen hat, wird in Zukunft ebenfalls ohne seinen Mitbegründer und ehemaligen Präsidenten sein. Mit einem lebhaften, rnit der Entfernung von Teutschland und der Zeit wachsenden Bedauern sehe ich, daß in den Reihen seiner Kameraden, die ihm ein Leben lang gefolgt sind, keiner es empfindet oder, bevor gesagt, keiner es zum Ausdruck bringt, daß der 86jährige Greis, wenn er auch jensetts alter Grenzen der Kuustverbände und deren Interessen stehen mag. mit einem bitteren Gedanken an menschliche Unzulänglichkeit scheiden könnte. Mein Leben ist erst zur Hälfte gelebt, mein Wcrl noch nicht beendet und das von mir Geleistete vielleicht sogar problematisch. Mißverstanden, verfolgt 11 nb ausgehungert — jo verlies seit meinem achtzehnten Lebensjahr mein Lebensweg. Ein dornenvoller Weg wie der fast aller stünstler. Tcshalb sei es mir gestattet, daß ich für Max Liebc-rmann. dessen Werl getan ist, im Namen der deutschen Künstlerkameraden spreche. Ich weiß es. es gehört kein Akut dazu, für Mar Liebermann auf.z'atreteu und zu sagen: Wenn sein Entschluß schon unwiderruflich ist, dann sollte diese Trennung in Freundschaft vor sich gehen, damit kein tragisches Mißverständnis entsteht, welches-Lehrer und Schüler entzwerL und das nur schaden kann beim Aufbau der; neuen Kunst im neuen Teutschland. Wir alle wissen es, Max Liebermann war ein Führer ins Freie, ins Licht, in den deutschen Wald und auf die deutsche Wiese. Und wir willen es ferner: bei allen Bindungen an ein Nolksganzes darf die Wurzel nicht verdorren, wellche Nahrung und Kraft aus dem Ewig- Menschlichen holt, damit sie unseren Wuchs unÄ urnere Krone bedinge. Bergesten wir doch nicht, daß alle Vaterländer im Schoße der Allnmuer Erbe verwurzelt sind. Freudenfener und nickt Scheiterhaufen seien dieser göttlichen Mutier, der dw Aehre, die Rebe und die Rose geweiht sind, angezündetst von Schubert bis humpsrölnck Helne kn öer ösutschen Musik Schon 1828 hatte ein Franz Schubert den jungen beim crwäht, dessen ..Buch der Lieder" erst 1827 erschienen war. Im seinem letzten Werk dem „^chwanengesang" vom Jahre 1828, hat Schubert sechs Heineicke Gedichte vertont, alle sechs Liedeck allerhöchsten Ranges, unübortrostene Meisterwerke, nämlich: „Ter Atlas", ..Ihr Bildck ..Tas Fistckermädchench „Tie Sradrch „Am Mecrch „Ter Topnllgängerck Gerade in diesen Heine-Liedern wies Schubert dem Lied neue Wege, zeigte er eine unerhörte Genialität, angeregt durch ckeims Verse. Ter nächste große Heine-Komponist rt R 0 bert S ch u m a n n.' Vor allem ist der Lwderzyklus „D i ch t e r l i c b e" zu nennen, in dem sechzehn Heineiche Gedichte von Schumann in ein Ganzes zusam-nengcsaßt sind, das als eine der bezauberndsten Leistungen der gesamten deutschen Liedmusik anerkannt ist. Auch Schumanns „Lieder kreis" op. 24 enthälr nicht weniger als neun Heine-Lieder; im Liederkreis „dl yrtherst op. 25 begegnen wir Leins wiederum dreimal („Tie Lotosblume". „Was w'll die einsame Traue„Tu bist wie eine Blume"). Schumann hat mehr als vierzig Heinesche Texte in Musik gesetzt, und har sich einem Heine ebenso kongenial gezeigt, wie einem Eichendorfs. Eine Fülle Heinescher Gedichte tritt uns in Felix Mendelssohns Sololiedern und Chorliedern entgegen, darunter so weltberühmte Melodien, wie: ,£'eiie zieht durch mein Gemüts*- und „Auf Flügeln des Gemuges", „Ich wellst meine Liebe ergöpe stickst. — Robert Franz, der edle Hallenser Liedmeister bevorzugte Heinesche Tichtimgen vor allen'anderen. An die M. Lieder zn Heine-Terten gibt es von ihm. darunter eine Anzahl Stücke von hohem Range. Johannes Brahms hat in seinen Liedern op. 71, 85, 92 ein halbes Tutzend Heincscher Gedichte vertont, darunter als' besonders berühmtes Lied „Tor To), das ist die kühle Nachts Auch Peter Cornelius hat das nämliche Gedicht in einer Faimng für Chor herrlich ut Musik gesetzt. — Hugo W 0 l f, der bedeutendste unter den jüngeren deutschen Liedmeisiern. bat in seinen frühesten Liedern eine ganze Reihe vcinescher Gedichte vertont. Auch Richard' Wagner hat in keiner Pariser Elcndsreit Leines „Tie beiden Grenadiere^ in einer französischen Uebevsetzung balladenmäßig komponiert, und seine Spar „Tcr fliegende Hollä'nder" hat den ersten Akp'toß erb-altcn durch eine Erzälllu::g in Heines ..Rlemoircu des Herrn von Schnabclewopski^. Engelbert H u m P e r d i n ck besann seine Laufbahn mit einer eindringlichen Ghorbatlade zu Heines ..Tie Wallfahrt nach Kervelaarck A n t 0 n R u b i n st e i n wurde ^ls Komponist wcltbekennL durch 'eine Vertonung von Heines „Ter Asrach und schließlich ui erinnert an einen ter gelungensten Eiw'-a.lle Friedrich Siichers, des Klassikers der deutschen volkstümlichen Lieder, Heines Loreley- Lied: „Ich weiß nicht, was soll eschedeutenck Dr. Hugo Leicbtentritt.

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