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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-22 · 25 (22.6.1933) · p. Seite 238

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
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23$ standes oder gar der Scharssinn, sondern es ist zum weitaus größten Teil von inbrünstigem Gefühl durchströmt, von mächtigen Gesichten durchleuchtet. Erst Verfolgung, Not, erzwungene berufliche Einseitigkeit, geistige Inzucht, das Kreisen um die den Boden ersehende immer gleiche Aeberlieferung, haben osi das Deuten zum Deuteln, das Sinnen zum Scharfsinn, das Finden zur Spitzfindigkeit gewandelt. Jedoch ein Dichter wie Werfel ist ganz und gar nicht spitzfindig und scharfsinnig; er ist über, wie die meisten Juden, durchaus Städter, sein Naturgerühl ist nicht stark ausgebildet; hingegen gibt es andere jüdische Lyriker und Erzähler von verschiedenem Naturgefühl. Ein Eemeinschastszeitalter ist angebrochen; aber es ist nicht der Sinn der Geschichte, daß ein Zeitalter das vorhergehende ohne Rest verneint, das „überwundene" an seinem Siegeswagen führt, sondern daß es den inneren Gelvinn, die errungene Erfahrung der abgelaufenen Epoche in seinen Sinn und Willen aufnimmt. Solche' Bewahrung irn Wandel scheint mir in einem tiefsten Sinne konservativ. Die letzten vier Jahrhunderte, von Luther bis Nietzsche, entdeckten die Persönlichkeit und ollder-in sie aus. Sie warZ dann allzu frei, bcdurs:? und ersehnte neug Wurzelungeu, neue Bindungen. Auch der preußische Staar weckte den Einzelnen nicht nur als eine Fun-rion des Staates, ein Organ des Volksi.nns, sondern entfaltete, trotz aller Bindung, die Persönlichkeit, Würde das neue Zeitalter auch die Personen sehen, so würde es auch die Juden erst eigentlich erblicken. Und also-, was immer man gegen dis deurfchen Juden unternehme, niemals kann man ihren Gesam:beitrag zur deutschen Kultur aus der Ee'chichte tilgen. Iugenöoeranstalrungrn in Gstöeutschlcmö In der Zeit vom 10. bis 17. Juni d. I. besuchte der Vorsitzende des Rneichsjugendansschnpüs des E. V., Werner Rosen stock, die deutschjüdischen Jugendgruppen in den ostdeutschen Landesteilen. Eingelcitet wurde die Reise durch eine Veranstaltung der C. B.-Jugend Stettin am 10. Juri, die sich eines außerordentlich starten Besuches crfrenre. In seinem einleitenden Rechrat schnderle Werner Nosenstock die gegenwärtige Lage und ging insbesondere auf die derustichen Fragen und Möglichkeiten ein. Einen Belveis für die erfolgreiche rege Arbeit der pommerischen E. B.-Jugend unter der Führung von Karl Simo n (Köslin) bet das vom Landesjugcndansstchuß Ponnnern veronstaltete Jugendtreffen in Belgard am 11. Juni. GO Jungen und Mädel waren aus den versch'edenen Teilen der Provinz znsamrncngekomrnen. Sie alle brachten vor allem zweierlei mit: rin? innere Bereitschaft, zu den Fragen sri'ch rmd lebendig Stellung zu nehmen, und den Wunsch nach gefestigtem Zusammenhalt und Zm sammcnhang mit jüdischem Geschehen. Gerade die jungen Menschen, die in den kleineren Ortschaften leben, empfinden cs als besonders notwendig, einen Rückhalt an der großen jüdischen Gemeinschaft zu haben. Getragen war die ganze Veranstaltung von einem einheitlichen Gemeinschaftsgeist und von einem starken Willen zn jüdischer Zukunft. Man empfand allenthalben, daß die schwierige Lage nur daun gemeistert werden kann, rocnn jeder einzelne voraussetzungslos und frei von Dogmen an jüdische Gegenwartsfragen herangeht, und wenn man der jüdischen Fragestellung.in all ihrer Schwere ins Auge sieht und erkennt. Mau wandte sim deshalb in der Diskussion mit aller Gutsch'.edenheit gegen Versuch?, mit überholten und jüdisch verflachten Gesichtspunkten der Situation gerecht zu werden. Im Zusammenhang mit der Tagung fand eine Arbeitsbesprechung statt, aus der der Aufbau der Gruppen und das Programm für die weitere Arbeit besprochen wurden. Es wurde hierbei von allen weiten klar erkannt, daß in organisatorischer Beziehung ein intensives Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Gruppen, dem Landesjugeudausschuß und dem Nttchsjngendansschuß dis beste Gewähr für eine günstige Weiterentwicklung biete, und daß gerade in heutiger Zeit unnötige Neuzufamrnenfasiungen nach Möglichkeit zu unterbleiben hätten. Liegt der Schwerpunkt der pommerfchen Jugendarbeit auf den Kleingemeinden, jo konzentriert sich die Arbeit der ostpreußifchen E. V.- Jugendaroeit vorwiegend auf Königsberg. Am 13. Juni fand eine Versammlung der dortigen C. B.-Jugend ftort, auf der nach dem einleitenden Referat von Werner Nosenstock' vorwiegend Berufsfragen erörtert wurden. Die Königsberger Gruppe hat außer ihren regelmäßig wöchentlich stattfindendeu Vortragsabenden Kurse über verschiedene Wissensgebiete. Tie Möglichkeiten der jüdischen Vckdurgsarbeit wurden in einer Arbeitsbesprechung erörtert. Ferner soll gemeinsam mit den anderen Jugendorganisationen Königsbergs ein? stärkere Beteiligung dar Jugend an der Geiueindearreit, insbesondere auf sozialem Gebiete, herbeigesührt werden. Den Abschluß der Jugendvcranstaltung-m in Ostpreußen bildete eine Zustunmenluntt der Jugendgruppe O st e r o d e. In Grenzmark fanden ebenfalls Ausspracheabends statt, und zwar in Schneide m ü h I und ch ö n! a n k e. „Hilfsbereit" Treffen -er C. D.-Jugcndgcrtteiufchaft Graf; - Berlin Es war mehr als cin Symbol, als sich am Mittwoch, den 14. Juni, die Jugend des C. V. inGroß-Berlin irren neuen Gruß: ,.Hilss - bereit" zuries. Wenn wir diests Wort ieva zum Gruße genommen haben, so wollen wir uns bewußt sein, daß wir *r.:hr als je b c r e i t sein muffen, bereit für DeuckLnunn und Judenwn-, bereit zum Lernen, zum seelischen und tätigen Hellen, zur praktischen Arbeit. Es war Ausdruck unseres Willens, als der Führer einer Gruppe, deren Arbeit besonderes Lob geerntet hat, den Berich: über seine Gruppenarbest mit den Worten begann: „Alan hat von unserer Gruppe behauptet, daß sie gut gearbeitet habe. Aber dabei wollen wir ja erst mit der Arbeit beginnen/ Ohne irgendwelches Selbstlob, sei die Tatsache ststgeslrllt, daß, während manche unserer älteren Freunde durch das harte Schicksal, das über uns herein-gebrochen ist, die Nerven verloren baden, die E. - D. - I n g e n dg e m e i n s ch a s t unbeirrt für ihr deutsch-jüdisches Ideal weitergearbtinr hat. Der Weg der Jugend ist seitjeher nach vorwärts gerichtel. Aber wir sind cs unseren Bor'ahren, uns selbst und denen, die nach uns kommen. schuldig, unseren Monn zu sieben und für ein* neue Emanzipation der deutschen Jud erweich zu kämvscn, und so den deutschen Juden den Wog zu weisen, den sie warn müu.eu. Wir sind cm« schienen, uns des Siemens „deutscher Jude" würdig zu erweisen. Gurt E. KasseL Tagung öes öeuLfchjüölfchen Jugenöverbanöes Groß-Serlm Der d e u r'' ch s ü d i s ch e Jugcndver« band, in dem die sechs in Berlin bestehenden deutschsüdischm _ Jagendorganisationen zusamrnengeichtonen pnd, veranstaltete am 17. und 18. Juni in denn der Jüdischen Gerneinde gehörenden Eenesnngsnein: in Lehnitz bei Berlin ein? Führern?.-:une^ di? unter dem Motto: „Fordern:igc? dieser Tage" stand- Zum erstenmal, nachd.un die Veränderungen ün Leben des deu^chjädischen Menschen durch die neue Gesetzgebung eingetreten sind, waren je zwölf Führer deui'ck jüdischer Jugend Berlins zusawmengekvmrnen. um gemeinsam die Festigkeit ihrer deuimchbd:schon Crundan'chaunngen und -gesühle in. dm Wandlungen der Zeit 311 Prüfen und den Wauen kund zu tun, den neuen Kampf um den noureudigen seelischen und wirksch-afttichen Lebensaaum des jungen Jaden sin Deutschland Lusirru>?brncn. Drei Referate von Heinz Keller m a n n (Jli) über „Ende der Emanzipation.^, Ecken L i t t m a n n (Jli) über „Tie jüdische schule" und Norbert W 0 l l h e i nt (C. B.-Jugend) über ..Forderungen an die jüdischen Gemeinden rmd Institutionen" bildeten die Ausgangspunkte der eingehenden Aussprache, deren Ergebnis ein Bekenntnis zu .ckDent-chttinr und Judentum", cnck unter neuen Voraussetzungen, war. Di? erschienenen Gäste, u. a. der Jugendpflege? rernenp der Jüdischen Gemeinde Berlin, Wilbelen Graetz, der Vorsitzende der Berliner Rcpräseutuntenversammlnng' Rech-san.walt Heinrich Stern, und der zweite Bunde-vor sitzend? des E.'F., Arnold Stein, alle drei auch Hauptvorstandsmitglieder des Gen* tralüexcius, sagten ihre Hilfe der Arbeit zu, die die deut'ch'ckdi'che Jugendorganisation Berlins mit dieser Tagung einleiten wellte. Aus Briefen an dem Central- Verein Der Schausteller „ . . . Ich bin der Auffassung, daß es Pflicht eines jeden deutschen Irden ist, dem E.B. Eci* 3utretcn. Ich bin . . . geboren und mit sechs Brüdern im Feld? gestanden. Alle sind wir zurückgekommen, einig? mit 30prrzentig?r Kriegsbeschädigung. Ich bin Schausteller und bereise Messen und Blärkte, Schützenfeste usto. Durch Len Boykott werden uns Platz?, die ich seit Jahren innehabe, abgesagt. Ich bitte höslichst. in den Verein ausgenommen zu werden. Augenblicklich werde ich unterstützt, und mein Beitrag kann daher nicht mehr als 50 Pfennig monattich sein. Sollte ich später meinem Bern'? wstd?r nachgehen können, so bin ich nicht abgeneim, mehr zu zahlen wie jedes andere Mitglied .. Treue „Ich dank? Ihren sthr für Ihr Schreiben vom 29. Mai d. I. und bin bereit, im Sinn? meines seligen Mannes dir Arbeit des Ecntralvereins zu unterstützen. Die Zeitung wckcht? ich auch weiterhin lesen und bitte herz.ichst. daß niir diesilb-c lausend zugestellt wird. Ta ich Ehristin bin. kann ich nicht Mitglied werden, erl.är? mich aber bereit, alle Beiträge wie ein Müglied zu bezahlen, und bitte, mich auch immer entsprechend auszusord^ru.

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