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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-15 · 24 (15.6.1933) · p. Seite 225

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
24 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
Seite 225 (sequence 5)
Language
German
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225 ©Q OßÄ© EM Lon Dr. AZfted LZjener Unsere Verbundenheit mit allein, was das deutsche Schicksal ausmacht, hat auch die polirische Umwälzung im jüdischen Lager spürbar gemacht. Von Führer und Führergrunds-atz, vom Führerrat'als politischer Vertretung aller Richtungen des deutschen Judentums wird eifrig geredet. Wahllos wollen Vorschnelle alle die organisatorischen Umstellungen der Umwelt ins Jüdische übemellen. Neue Führer melden ihre Ansprüche an und halten sich für die Erwählten, die allein die Dinge aufs rechte Gleis bringen können. Wer nicht dreißig oder höchstens vierzig Jahre alt ist und es wagt, heute noch einer jüdischen Gruppe vor.zunehen, wird achselzuckend als Lieferant von Kalkbergwerken hingestellt, über den „man zur Tagesordnung übergehen müsse". Der heute kaum noch dem Namen nach bekannte Johannes Scherr bemerkt einmal, die Deutschen hätten niemals aus ihrer Geschichte zu lernen verstanden. Wir jüdischen Deutschen sollten jedenfalls die letzten Jahre deutsch-jüdischen Lebens als Lehrstoff benutzen. Wir sollten daraus unsere Ableitungen für die Führerwahl ziehen. Hand auss Herz! Wer von deutschen Juden hat sich überhaupt vor dem 5. März um die jüdischen Dinge so gekümmert, daß er heute mitreden kann. Nur alle hundert Jahre fällt ein Weiser und ein Führer vom Himmel. Tie anderen neunundneunzig Jahre muß der Führer jahrelang sich praktische Erfahrungen erwerben, muß eine Summe von Kenntnissen besitzen. Endgültig verrauscht ist die Zeit — welches Glück ist es! —, daß eine jüdische Organisation von dem an und für sich ehrenwerten, gerade heute aber völlig unzulänglichen. leider noch zu zahlreichen Stande des in jüdischen Dingen Unerfahrenen, des Am Hoorez geleitet werden kann. Der Kundige weiß, die Ueberzahl der nationalsozialistischen Führer ist durch eine langjährige Parteischulung durchgegangen, ehe ihr wahre Verantwortung übertragen wurde. Der einfache S.A.-Mann sogar hat sich allerlei Kenntnisse zu erwerben, bevor er vollwertig ist. In den letzten Jahren hat das politische Interesse ähnlich dem allgemein geweckten auch im Judentum zugenommen. Die aber, die sich nur ehrenamtlich für eine Bewegung einzusetzen bereit waren, waren mit der Laterne zu suchen. In den jugendlichen Schichtungen sah es vielversprechender aus. Aus ihnen ist manches gute Holz im Heranwachsen. Aber sonst: 300 bis 500 deutsche Juden arbeiteten wirklich „mit". Und die andern ließen sich diese Arbeit bequem gefallen. Schmerzlich mar die Interesselosigkeit der AngeüelltLnlreise. Tapfer hieben die verschiedenen Jng-ndvereine Bresche hinein, nicht ohne Erfolg. Gleichgültigkeit. Lauheit, auch politische Einstellung stellte sich größeren Erfolgen in den Weg. Wie schade, daß das große Heer unserer jüdischen Angestellten nicht schon lange in der Leitung unserer jüdischen Organisationen festen Fuß gefaßt hat! Selten stößt man auf einen! Aber ihre wirtschaftlichen Interessen würden manchen Entschließungen von Organisationen ein anderes Gesicht und Gewicht geben. Viel zu gering und zu zögernd ist die Umstellung des deutschen Judentums auf feinen wirtschaftlichen Niedergang. Mit den Herzen derer, die mit bescheidenem Angestelliengehalt bedacht sind, müssen unsere Führer fühlen, mit den Hirnen derer.?er neue J ilw TH* H< T”8 Hm, Ü JuUÜlilV^JL MdI f- / .*&■ s n Nac6 einer von \ f '\ / Nacbe / i 'i " j | Lf' v/ Zeichnung von fl* //K Josef Oppenheim Direktor Heinrich Stahl, Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, ist soeben zum Vorsitzenden des Vorstandes gewählt worden. Stahl, der bisher der ehrenamtliche Leiter des Wohlfahrtsamtes der Gemeinde war, und der religiösliberalen Richtung angehört, erfreut sich in allen Kreisen der Gemeinde grösster Beliebtheit und Wertschätzung. Seine Energie, seine rastlose Arbeit für alle Hilfsbedürftigen, sein goldenes Herz haben ihm nur Freunde geschaffen. Wir wünschen dem Führer der grössten Jüdischen Gemeinde Deutschlands, dem treuen Freunde unseres Centralverems, dem das religiöse und soziale Wohl von Zehntausenden deutscher Juden anvertraut ist, eine erfolgreiche und von Segen begleitete Arbeit. Aus seinem im Berliner „Gemeindeblatt“ (Nr. 6) veröffentlichten Aufrufe an die Gemeindemitglieder geben wir die folgenden Stellen wieder: die um der Arbeitsloseuunkersiützung willen „anstehend müssen sie denken lernen. Keinem soll soziales Verständnis mit dieser Forderung abgesprochen werden. Stärker noch als bisher aber muß die Entwicklung der jüdischen Wirtschaft nach unten berücksichügt werden. Und der Führer muß jung sein! Sicher. Nicht immer an Jahren. Im Herzen jungim Tun frnch, tätig sein, aber auch den Mut haben, untätig zu sein, wenn es nötig ist — das können Leute auch über fünfzig. Und wer keinen besseren Führer bringt, den älteren zu ersetzen—, wer nur einen Führerwechsel will, weil es die Mode befiehl:, kam: wohl kein ernsthafter Mensch sein. In unserem E e n t r a l v e r e i n sind in den letzten Jahren manche neue jugendliche Menschen in führende Stellungen eingerückt. ^sitzende gelten Gemeinde „In - schwerster Zeit zum Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin berufen, möchte ich ein Wort zu allen meinen Brüdern und Schwestern sprechen: Mein Ruf soll in allen Seelen eia Echo finden, und j£der soll gleich mir geloben: „Wir wollen tun und hören1.14- (2. Buch Mose, Kap, 24.) Nur wenn Tun und Hören — das bedeutet heute: unverzagt Schaffen und selbstlos Dienen — uns vereinen, dann werden wir uns halten und die jüdisch© Gemeinschaft erhalten. Darum stellt das Trennende zurück 1 Wir wollen uns die Hände reichen, uns die Treue bewahren in der Gefahr und für alle Zeit! Jede Anschauung, jede Richtung und Partei, die die Eigensucht zurückstellt, ist willkommen! Die Rettung unserer Ehre und unseres Lebens müssen wir in Arbeit und gewissenhafter Pflichterfüllung erblicken* Vor uns liegt ein weiter, harter Weg! War wollen ihn unverzagt in Gottver* trauen und Bescheidenheit wandern! Vor un3 liegt ein hohes Ziel: Verbundenheit mit Deutschland, unserem Vaterlande! -o So wollen wir unerschrocken, glaubensmutig, Israels würdig, für die Zukunft des Judentums arbeiten! Das ist mein Gelöbnis, möge es einen einheitlichen und machtvollen Widerhall in unserer ganzen Gemeinde finden!“ Dr. h. e. Wilhelm Kleemann, der Vorgänger Heinrich Stahls, eben^ falls ein warmer Förderer der C. V.- Arbext, musste aus Krankheitsgründen sein Amt niederlegen. Sein Nachfolger feierte bei seiner Amtsübernahme die herzliche und versöhnliche Art Kleemanns und seine selbstlose Tätigkeit mit Worten der Anerkennung und Dankbarkeit. — An Stelle des ausgeschiedenen Dr. W. Kleemann wurde Dipl.-Ing. Bruno W o y d a , der seit langen Jahren in der Berliner Gemeindearbeit steht, in den Vorstand gewählt*

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