Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 24 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- Seite 223 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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L25 ■:! I Zrvei nationalsozialistische Stimmen zur ,Lösung -er Iuöenfrage^ In den „Nationalsozialistischen MonaLsrienen' (Heft SS, Mai 1933, Verlag Fr;. Eher Tiady., S^ünivcn) schreiben zwei bekannte Nationalsozialisten, wie sie sich die endgültige Lösung der Judensrage in Deutschland denken. Der eine in einflußreicher Stellung ist Tr. Achim Gerde, Sachverständiger für Rassesorschung beim Reichsinimsterimn des Innern. Der andere ist der Biograph Hitlers, der in der Iudenstage schon oft hervorgetretene Reichstagsabgeorduete Tr. v. Leers. Wir haben nicht den Eindruck, als wäre in absehbarer Zeit mit einer Siegelung der Judenwage durch die Reichsregierung zu rechnen. Roch weniger aber Vermögen wir zu glauben, daß die von den beiden genannten Nationalsozialisten erstrebte Lösung etwa den Absichten der Negierung entspricht. Nachdem strenge besetze die erdrückende Mehrzahl der deutschen Juden, die well zum deutschen Vaterlande stehen, aus dem deutschen Volke wenigstens formell .cherausbesohlen" haben, würde eine gewattsams Abstempelung allerJuden zu einem jüdischpolitischen Volk und gar eine unerbittliche „Aussiedlung" für das jüdische Deutschtum unerträglich sein. Mbt es wirklich sur Teile des deutschen Judentums — wir denken dabei an gewifte jugendliche Kreise — in der Heimat keinerlei Lebensmöglichkeit mehr (eine entsetzliche Aussicht!), so könnte man vielleicht eine Umsiedlung solcher in Erwägung ziehen nnd darüber Verhandlungen beginnen. Das Gros der deutschen Juden wird u n d m u ß in Deutschland leben. Wir führen nunmehr die beiden nationalsozialistischen Vorschläge im Auszage au. Dr. fichim ©erd? schreibt: „. . . Trotzdem können die vorläufig erschienenen Ersetze keine endgültige Lö'ung der Judensrage bringen, weil die Zeit dafür noch n:d)t reif ist, obwohl die Verordnungen schon die Richtung andeuten un.d inslesondere jede br.twiäiung dahin ossen lassen. Es wäre heute in jeder Hinsicht verfrüht. Plane anszuarleiten und zur ösieuUichon Aussprache zu stellen, die mehr erreiaen wellen, als zurzeit erreicht werden kann. Trotzdem müsien ein p-aar Grundsätze ausgezeigt choerdrm damit die Gedanken, die man reisen lapen möchte und must, leine Fehler enthalten. außerhalb Deutschlands suchen kann nnd finden wird. lll".d diese Entstellung der Judensrage darf mau nicht einmal durch den oberflächlichen Anschein unterstützen, zumal cs pelitüch-er Wahnsinn wäre. die innerdeutsche Regelung der Judensrage mit außenpolitischen Fragen zu verquicken. Alle Vorschläge, die einen Dauerzustand, eine Damrreglung für die Juden in Deutschland beabsichtigen, lösen die Judensrage nicht, denn sie lösen die Inden nicht von Deutschland. Und darauf kommt es an. Die Juden, wenn sie auf ewig bei ihren Wirtsoölkern schmarotzen können, bleiben ein ständiger Brandherd, an dem das offene, zerstörende Feuer des Bolschewismus leicht immer wieder entzündet werden kann, abgesehen davon, daß die politische Unsicherheit, die Volkszerrisienheit und die Gefahr für den ram'chen Bestand dauernd wachgehalten werben. Schwören wir solchen Gedanken, ob sie nun aas D-enkunsähigkeit oder ans böser Absicht geboren werden, ah, ein für allemal. Zusammenfw-end, staatlich geregelt werden kann und darf nur der Planmäßige Ausmarsch. die Abwanderung. Zerschlagen wir in Deutschland jeden organisarorischen Zusammenhalt der Juden und ircreit wir die gefährlichen volksfeindlichen jüdischen Hetzer aus, die trotzdem zur GcheuudündeLei Neigung zeigen, so bleibt" den Inden lediglich die Synagoge, der Rabbi als Schutz und Schirm. Greisen wir dann die Pläne derEZionisten auf und versuchen wir eine interuaiianale Regellmg zur Schannug einer Heimstätte für^die Juden 31t -erreichen, dann können wir die Judenwage nicht nur für Deutschland, sondern für Europa und für_ die Welt lösen. Die ganze Welt hat ein Jnterepe an der Lösung, an der Beseitigung dieses Unruheherdes, von dem der Bolschewismus stets seinen Ansgang nimmt. Das müpen wir nur klar Herausstellen. Vielleicht können die Juden eine Nation, ein Volk werden. Voraussetzung wäre, daß jüdische Arbeiter und Handwerker und jüdische Siedler aus der vorhandenen jüdischen Bevölkerung entstehen können. Regeln wir diesen Vorgang, dann schmstn wir neue Grundlagen für eine Aussiedlung. Die Juden in alle Winde .zertreuen, löst nicht die Judenfrage, sondern macht sie ärger, dagegen ist eine planmäßige Aussiedlung die Möglichkeit, die sich uns bietet. Pläne und Programme müssen ein Ziel haben, das in die Zukunft werft nnd nicht lediglich in der Regelung eines augenblicklichen unbequemen Zustandes besteht. In eine bessere Zukunft führt die planmäßig angefaßte Lösung der Judensrage, nicht die Organisierung der Inden. Unseren Staat niüsjen nur ohne die Inden aufbauen, ne können nur staatenlose Fremdlings bleiben und keine gesetzliche, rechtlickze Tauerftellmg ^ziehen. Nur so wird Ahasver gezwungen, zum letztenmal dcn Wauderstab zu ergreifen, tun ihn bann in Art und Spaten Nlnzutauschench Dr. v. Leers führt aus: . . Aus diesem Gründe ist es bei reiflicher Ueberleguug irrig, das in einem Laude vor- Haudens Judentum, das orthodoxe, das Angleichungs- und Mischlingsjudentum etwa in einem besonderen Verbände zusammen zufassen. Man würde damit innerlich unzusammenhäwgeude Gruppen zusammenschließen, nicht mit der Möglichkeit nnd dem Ziele, ein Volk zu bildem sondern mit der tatsächlich sich ergebenden Zweckbestimmung. innerhalb des Staates und des nichtjüdischen Volkes eine Rechte fordernde Minderheit zu werden. Es kommt vielmehr daraus an, eine Form zu finden, bei der man das Judentum zur Bildung eines wirklichen Volkes und zur Loslösung von dem nichtjüdischen Volk veranlaßt. Mau muß also nicht den Amenthalt der einzelnen Juden als Minderhei^suaatsbürger oder dergleichen innerhalb des nichtjüdischen Volkes organisieren, sondern den Auszug des Judentums zur Bildung eines eigenen Volkes. . ." . . Nur ein Barbar, ein außerhalb der letzten großen göttlichen Ordnung der Weltgeschichee stehender Mensch könnte einen allgemeinen judenfeindlichen Bermchtungskampf zur Ausrottung dieses Volkes empfehlen. Sachs der hochrasngen^ Völker ist es nicht, dort Lösungen des Hanes vorzuzichen, wo noch eine Lösung des Problems in anständiger Form denkbar ist. Die einzig denkbare positive Lösung, die dein Judenproblem ein wirtliches Ende in Europa machen würde und zugleich dem Judentum eine wirtliche Bolkwerdung. Verwurzelung im Boden und damit vielleicht eine Bindung seiner minderwertigen Bestandteile durch die höherwertigen ermöglichte, wäre die Bereitstellung eines ausreichenden außereuropäischen Siedlungsgebietes in gesunder Lage. Ter Holländer van Vingheue hat in seinem Buch „VollZionismus" zu diesem Zweck einmal Madagaskar vorgeschlagen, mau könnte aber auch au gewipe klimatisch geeignete andere afrikanische oder ^südamerikanische Gebiete denken. Ein solches Siedlungsgebiet müßte aus der einen Seite, im Rahmen der Raumbeschanung für die raumarmen Völker, dem jüdischen Volke eine wirkliche Nahrungsgrundlage durch produktive Arbeit ermöglichen, anderseits müßten schon heute in denjenigen Landern, wo eine Trennung nnd Scheidung des Judentums von der nichtjüdischen Bevölkerung durchgeführt wird, dis Juden, für die eine große Anzahl Berufe vertorengehen, für die Besiedlung dieses Gebietes durch Zusammeufasiung zu Arbeitsgruppen und entspreckzende handwerkliche nnd bäuerliche Ausbildung vorbereitet werden. Jene großen westeuropäischen Kolonialmächte aber, die stets aufs neue über die austauchende Judensrage und ihre Auswirkungen in Ost- und Mitteleuropa sich erregen, ohne die Zusammenhänge wirklich zu erkennen, täten nicht nur ein Werk der Menschlichkeit, sondern auch der staatsmännischen Weisheit zur Beruhigung der Welt und zur Lösung einer ihrer ernstesten Fragen, wenn sie durch Bereitstellung eines solchen Siedlungsgebietes auf der einen Seite Europa von dem jüdischen Problem entlasten, aus der anderen Seite dem Judentum die Volt- Werbung ermöglichen . . / M KsM in ösr MMHM M Mer Grundsätzlich muß "tan sich entscheiden, ob w.ait die Juden (und auch die JurrmüämmlingeZ in Deutschland orgmü'alorisch zusammensasien will oder nicht. Viels Pläne, die bekanntgeworden sind, wellen die Juden in einen Verband zurammensch'.ießen, um sie zu überwachen vnd erziehen und auf ne Einfluß bebakten zu können. Alle diese Vorschläge sind grundfalsch. Schach ntan ein.en Verband der Juden, z. B. vnäer einem Judenvogt oder auch nur einen Bereut oder ein ähnliches, harmlofts Gebilde, so erhalten die Juden für alle Ewigkeit eine ge setz- Itujc Verankerung in Deutschland, eine Vertretung für ihre Wünsche, ein Werkzeug für ihre Pl-üre, ein gesetzliche Regelung für ihre geheimen Querverbindungen, und ntan ern>eckt zumindest öen Ein.druck, daß es sich um eine nationale Minderheit handelt, die völkerrechtlichen Schutz Wir berichteten hier wiederholt über Publifatireicn ier „Aerztlicheu sNitteilm-gs-blätter'. Eine besondere Beachtung verdient iu diesem Zllsammenhang das „Sächsische Aerzteblatt" seit seiner Gleichschaltung. Tie erste Nummer dieser Ar! (Nr. 10) bringt ein Geleitwort des Stamskommissars für das Gesundheitswesen, Dr. Wegner. und eilten größeren Leitartikel des neuen Schriftleiters Tr. S e e l i g e r unter dem Titel ..^la^nus nascitur orcko". Dieser Artikel zeichnet sich durch eine besonders scharfe Sammlung all der Vonvürse aus, die von je'tten des nationalsozialistischen Arrztebundes gegen die jüdischen Aerzte erhoben worden sind. Als Beispiel ntrr ein paar Sätze: „Vlan braucht ja nur die Phtznognomien der Novemberleute und ibrcr Gesvlgschast zu betrachten. und man erkennt sowr! mit «bsvlutcr Notwendigkeit, deß sie nicht van Hermann und Tbusnelda absiammen, sondern mcift ausgesprochenes Sae-omsschratengesindel darstellen, woran haselnußgroßc Brillanten, von Dstjnden erbeticlte goldette Zahnstocher und Bügelfalten selbstrerstündtich nicht das geringste änderten. Durchgängig sah man dicke Wänste. Rundköpse, wulstige Lippen, wie besonders bei Ebcrt, Oilscrdrng und Grzesim'ki, faimtfdje Gesichter, lüsterne Blicke Diese Elemente „repräsentierten" unsere akademischen Stünde ,, / (