Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 23 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Llb Der Schaum H nfJ^F^ FA die sparsame *y n f Q£FF s/s spritzt nicht machest L~LI/ sÜi: ^(FjIzzIj /.Zz^^A schäumende dL&irilii üAl t/nd tv/re? me ftarf. Festigung unsere? jüdischen Bewußtseins. Wenn an uns als Juden eine so schwere Prüfung herantriLL, wer wollte sich da nicht darüber klar werden, was es bedeutet, eine Jude zu sein, wo die Ouelle all der Standhaftigkeit liegt, die unser Smmm durch die Jahrtausende im Leiden bewährt hat? Wer aber besitzt eine genauere Kenntnis der jüdischen Geschichte — nicht etwa der alten und der mittelalterlichen mit ihren vielen, mitunter fremden Namen, sondern die der Neuzeit, selbst der allerneusten Zeit, die von den Aelreren unter uns noch mirerlebt worden ist? Wer kennt die Neuzeit mit ihrem Ringen um die Gleichberechtigung der Juden, den vielen Werbungen und Schwierigkeiten dieser Kämpfe? Wer ist mit den großen geistigen Bewegungen vertraut, welche das Judentum ün 19. Jahrhundert umgestaltet haben? Wer nimmt sich die Mühe, sich über jüdische Dinge gründlich zu informieren, sich selbst ül>er elementare Dinge wie die Verwaltung der jüdischen Gemeinden, das Leben in den jüdischen Organisationen genauer vertraut zu machen? Wir kämpfen für und wider den G. V., für und wider den Zionismus — wie viele in unserer Mitte sind wirklich darüber unterrichtet, was hier erstrebt oder verworfen wird? Wem sind die Männer wie Gabriel Rießer oder Theodor Herzl vertraute Persönlichkeiten? Wer weiß etwas von dem Auf und Nieder des Antisemitismus, von Stöcker oder Ahlwardt? Wer kennt unser Schrifttum? Wer kiest die Bibel, die unser größter Beitrag gur Menschheitskultur ist, die trotz alter Arierparagraphen aus dem deutschen Leben nicht wegzudenken ist? Ueber die neue Uebersetzung von Buber und Rosenzweig ist so viel Rühmenswertes geschrieben worden, ober nur wenige besitzen, nur wenige lesen sie. Und die andere so reichhaltige und vielseitige Literatur aus alter und neuer Zeit, belehrende und unterhaltende, sie liegt wenig beachtet; so weit sie jüdische Stoffe behandeln, finden selbst unsere besten Schriftsteller wenig Leser, wenig dauernde Verehrer. Stefan Zweigs ^Jeremias", Beer Hofstnanns „Jaakobs Traum* — sie waren einmal in aller Munde, aber sie sind rasch wieder vergesien. Und wenn heute die Nasienfrage im Vordergründe der Politik steht, ist es da nicht unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns nicht durch die einseitigen Darstellungen unserer Feinde, sondern durch wissenschaftlich objektive Untersuchungen zu unterrichten? Wer aber in unserer Mitte kennt Zollschans „Das Rassenproblem" oder Fritz Kahns „Die Juden als Rasse und Kulturvolk"? Es gibt also reichen, anregenden Stoff jür Belehrung und Unterhaltung im jüdischen Hause. Eine betrübende Unkenntnis jüdischer Tinge, ein schämender Mangel an Wärme in jüdischen Entscheidungen herrscht noch immer unter uns — und ganz besonders in unseren gebildeten Kreisen. Jetzt ist der Augenblick zur Umkehr gekommen. Ein neues Leben gestaltet sich auch für uns, es liegt in unserer Hand, ob wir aus den Zeichen der Zeit lernen; sie können für uns den Untergang bedeuten, sie können aber auch eine neue Belebung bringen, wenn wir sie zu inneren Kräftigung gebrauchen. Keiner von uns kann im Zweisel darüber sein, welchen Weg er zu wühlen hat. Tie höhere Lichtrechnung wird sich bezahlt machen, sie wird unseren inneren Menschen erhellen, auch wenn es draußen dunkel um uns ist! Zu Leo Baedcs 60. Geburisiag k Hsst öss „Msrgm" philo Verlag, Berlin W15 Wer £co Baeck § 60. Geburtstag tiefer erlebt hat als ein gewöhnliches Jubiläum, wer in ihm einen Einschnitt im trüben Zeitgeschehen gesehen hat. der uns innehalten und in der überragenden Einzelperson deutsch-jüdische Sinnerfüllung feiern ließ, der nehme das Juni-Heft des „Morgen" zur Hand. Es ist Leo Baeck gewidmet. Aber es erschöpft sich nicht in einer Würdigung seiner Persönlichkeit, sondern es gilt seiner« geistlichen Amt und Wirken, wie im Untertitel „Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde" zum Ausdruck kommt. In einer breit angelegten systematischen Darstellung erörtert Dienemann das Wesen des RabbineNums, seine Aufgabe für die Cesetzesschöpsnng, Predigst Seelsorge, Lehre und Forschung. Seine Ausführungen ebenso wie die Studie von Joseph Earlebach über „Das Einige und das Zeitliche im Wirken des Rabbiners" gewinnen an plastischer Gestaltungskraft vor dem Hintergrund eines Aussatzes über den „Priester in der katholischen Kirche" von Johannes Pinsk, dem die entsprechende Darstellung eines protestantischen Geistlichen in einer der nächsten Nummern folgen wird. Zu einem skizzenhaften Ausriß der wandlungsreichen Gegenwart weitet sich Mar Wieners Betrachtung über den „Rabbiner als geistigen Führer". Alle genannten Aufsätze kreisen bestimmungsgemäß um die Persönlichkeit, der das Heft zugeeignet ist und die sie deutend erhöhen. Aber wie der Summe der Mosaikteile ein geheimnisvolles Höchstes gegenüber dem ganzen Kunstwerk mangelst so muß auch hier das letzte notwendig ungesagt bleiben. In einem weiteren wichtigen Aufsatz des Heftes handelt Heinemann die Unterschiede „Palästinischer und' alexandrinischer Schristforschung" ab und bringt diesen gelehrten Stoff durch bildhafte Parallelen und und lebendige Beispiele auch dem laienhaften Verständnis näher. Ter 2. Teil der Ausführungen Ernst Eassirer? über „Henri Bergwn? Ethik und Religions- Philosophie" beschließt die wieder äußerst gehaltvolle Nummer. Dr. E. R.-J. Das Zweite Synagogerrkonzcrt Das zweite Konzert der vor kurzem gegründeten „Gemeinschaft j ü d i s ch c r Mnsike r" an» 29. Mai in der Synagoge Prinzregmtensiraße, Bcrlin-Wilmersdorf. wies einen ersrcnlich regen Besuch ans. Rabbiner Tr. Wiener wies in einer einleitenden Ansprache auf den Ernst der.Lage hin, ans den gebieterischen Zwang des engen Zusammen» schlunes der jüdischen Menschen, ans die Pflicht der gegenseitigen Unterstützung. Ans der Fülle des Unglücks könne jedoch auch mancher Segen entsprießen, durch die mehr als je zuvor sich uns ansdrängende Selbsterkenntnis, geistige Sammlung und Einkehr. Dor uns selber zu bestehen, gelte es nmunehr. Das gehaltvolle Programm, die Vorzüglichkeit der Darbietungen bezeugen den hohen künstlerischen Rang dieser Konzerte. Das von Michael. Taube dirigierte Orchester jüdischer Munter spielte mit großer rhythmischer Präzifiou. klanglich aufs feinste abgetönt und mit durchaus ungewöhnlicher Reinsten und Schönheit der Tongebung. Die klanglichen Feinheiten dieses von Michael Taube meisterlich geschulten Orchesters würden ln einem akustisch günstigeren Raum noch viel eindringlicher sich geltend machen. Ter Vortrag des Händel» scheu Concerto grosso in (mit Frau Gertrud Wert h e i m am Cembalo, den Herren P a r n e s , P a r i o s ch , Weil an den Solopulten der Streicher) verdient hohes Lob. Nicht minder erfreulich Mozarts bezaubernd anmutiges Klavierkonzert irr B-dur, von einem berufenen Al ei st er. Professor Leouid Kreutzer, mit überlegener Knust vollendet vorgetragen. Auch der von Tr. Hu x t Singer geschulte und geleitete Ehor wirkte wiederum mit. seine Fähigkeiten aufs erfreulichste erweisend in dem wirkungsvollen, gut gesteigerten Vortrag von H ü n d e l s berühmtem (5her aus ..Josua": „Seht, er kommt mit . Preis gekrönt." Hier wirkte solistisch Fräulein M. Ruth Glaut mit in dein einreitenden Rezitativ; an der Orgel bewahrte sich E r io i n Iospe. Schuberts glanzvolles.Twlleluja" für Ehor und Orchester beendete den ersten Tei!